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Noch immer präsent in einem gespaltenen Land: Evo Morales / picture alliance

Verschobene Wahlen in Bolivien - Ein Land vor der sozialen Explosion

Nach dem erzwungenen Abgang von Evo Morales hätte Bolivien im Mai einen neuen Präsidenten wählen sollen – doch der Termin wurde verschoben. Die Spaltung des Landes nimmt derweil gefährliche Ausmaße an. Weiße und Mestizen wollen ihren Wohlstand nicht mehr mit den Indigenen teilen.

Autoreninfo

Andrzej Rybak, geboren 1958 in Warschau, ist Journalist und lebt in Hamburg. Er arbeitete mehrere Jahre als Redakteur und Reporter für Die Woche, den Spiegel und die Financial Times Deutschland, berichtete als Korrespondent aus Moskau und Warschau. Seit vier Jahren schreibt er als Autor vor allem über Lateinamerika und Afrika u. a. für Die Zeit, Focus und Capital.

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Es ist früher Morgen, ein kalter Wind pfeift über das bolivianische Hochland. Eingehüllt in Ponchos und Pullover huschen die Menschen durch die Straßen von El Alto auf dem Weg zur Arbeit. Zwar gilt auch in Bolivien eine Ausgangsperre wegen der Corona-Pandemie, doch in dem Armenviertel von La Paz wird sie kaum eingehalten – die Leute können es sich nicht leisten, zu Hause zu bleiben.

Auf eine Mauer neben dem Gemischtwarenladen von Pedro Mamani hat jemand „Evo Presidente“ gesprayt. Auch in dem kleinen Verkaufsraum hängt ein Bild von Evo Morales, dem ersten indigenen Präsidenten Boliviens. „Er hat viel für die Indio-Bevölkerung getan, allem voran hat er uns unsere Würde zurückgegeben“, sagt der Aymara-Händler. „Den Weißen war er schon immer ein Dorn im Auge, also putschten sie gegen ihn.“

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Christa Wallau | Fr, 8. Mai 2020 - 14:34

... kann man erkennen, wie unendlich schwer es ist, bei Menschen mit verschiedener Herkunft (Klasse/Ethnie) einen gemeinsamen Nenner zu finden.
Von wegen: Schöne "bunte" Gesellschaft unter dem Bild des Regenbogens!
Tagträumerei, sonst nichts!

Wo die Ungleichheit zu groß ist, überwiegt nicht das Bedürfnis nach Verständnis füreinander und nach friedlichem Teilen miteinander, sondern
die Eigeninteressen treten krass hervor.
Der jeweils Andere (Andersartige) wird für die
Probleme des Landes verantwortlich gemacht.

Uns wohlstandsverwöhnten Deutschen könnten
derlei Auseinandersetzungen (wenn auch wohl weniger krass als in Südamerika) in naher Zukunft auch drohen, wenn nämlich - wie unbedingt zu erwarten - die Arbeitslosigkeit steigt und die Steuereinnahmen schwinden. Verteilungskämpfe werden dann die überproportionale Zunahme an willkürlichen Migranten selbst für deren glühendste Befürworter in einem neuen Licht erscheinen lassen.

Den Bolivianern wünsche ich von Herzen alles Gute!

Juliana Keppelen | Sa, 9. Mai 2020 - 13:47

kommt einem doch sehr bekannt vor. Herr Morales steht schon lange auf der CIA-Liste nicht zu vergessen, dass auf Befehl der CIA der Präsidentenmaschine aus Moskau kommend, die Überflugerlaubnis über der EU entzogen wurde und die Maschine in Wien landen musste wo das Flugzeug durchsucht wurde. Das war ein Affront der EU gegen Internationale Gepflogenheiten und bis dato einmalig. Und ein unglaublicher Kotau der EU vor der CIA. (Anmerkung: Es war nicht unter Trump sondern unter Obama.)