Draghi
Bundeskanzler Friedrich Merz mit Preistraeger Mario Draghi bei der Verleihung des Karlspreis im Rathaus Aachens, 14.05.2026 / picture alliance / Flashpic | Jens Krick

Berufseuropäer unter sich - Der Karlspreis für Mario Draghi lenkt den Blick auf die Defizite der EU

Der frühere EZB-Präsident Mario Draghi macht bei seiner Ehrung mit dem Karlspreis auf einige Defizite der EU aufmerksam. Er trägt an diesen ein nicht geringes Maß an Mitschuld, das von anderen, weiter amtierenden Berufseuropäern aber noch übertroffen wird.

Portraet Ronald G. Asch

Autoreninfo

Ronald G. Asch hatte den Lehrstuhl für Geschichte der Frühen Neuzeit an der Universität Freiburg inne

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Der langjährige Präsident der EZB und spätere italienische Ministerpräsident Mario Draghi hat am Donnerstag den Aacher Karlspreis für seine Verdienste um Europa erhalten. Dass Draghi, dessen Politik keineswegs immer auf das nicht zuletzt vom Verfassungsgericht artikulierte traditionelle deutsche Verständnis von der Rolle der Zentralbank und ihren rechtlichen Grenzen Rücksicht nahm, überhaupt einen solchen Preis erhält, ist nicht selbstverständlich, um es milde zu formulieren. Wenn man sich freilich die Mitglieder des Direktoriums des Karlspreises ansieht – meist handelt es sich um leidenschaftliche Berufseuropäer – und dann noch bedenkt, dass der frühere NRW-Ministerpräsident Armin Laschet Vorsitzender des Gremiums ist, überrascht einen die Auswahl des Kandidaten für den Preis nicht mehr ganz so sehr.

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Karl-Heinz Weiß | So., 17. Mai 2026 - 12:54

"Verdienste um die europäische Einigung"? Mario Draghi steht stellvertretend dafür, um was es im Kern geht: schuldenfinanzierte Wohlfühlpolitik. Dank der aktuellen Politik der USA und der Volksrepublik China kommt dieser Politikansatz nun unter die Räder. Und nun soll es eine gigantische, schuldenfinanzierte Aufrüstungspolitik richten, angeführt von der früheren Bundeswehr-Kita-Aufrüsterin und jetzigen Kommissionspräsidentin vdL. Karl der Große würde als Namensgeber für eine solche Vision mit Sicherheit nicht zur Verfügung stehen.

Dorothee Sehrt-Irrek | So., 17. Mai 2026 - 13:02

dass "Verschuldungsorgien" einzelner Länder Grenzen gesetzt sind und EU-Verfahren nach sich ziehen?
Österreich hat da momentan Probleme?
Man könnte sich jetzt auch hinstellen und meinen, Deutschland habe mit dem "what ever it takes" begonnen, als es die ehemalige DDR wiederaufbaute.
So wurde es aber gerade nicht gehandhabt, wenngleich sich vielleicht viel Ärger im Osten darüber aufstaute, dass man nicht mal eben "Geld druckte"?
Liegt da ein weiterer Grund für das Anwachsen der AfD?
In der Tat sind da Wirtschaftsinstitute und Parteien wie CDU/CSU, sowie FDP gefragt, innere und äußere Zusammenhänge von Ökonomien zu erklären.
Die SPD ist eher in der Rolle der Wächter der Lastenverteilungsgerechtigkeit.
Die Grünen haben die ganz große Chance, neue Impulse für Ökonomien zu geben, während ich allerdings eher "Asketen" und "Hypermoralisten" sah.
Oppermann ist für die SPD kaum zu ersetzen, Merz könnte in der CDU einiges bewirken!
DAFÜR spricht, dass er evtl. massiv "runtergeschrieben" wird...?

wundert mich nicht weiter, NRW war nicht nur der Wirtschaftsmotor der alten Bundesrepublik und ihr parlamentarischer Kopf, sondern auch eine europäische Keimzelle, siehe Beethoven? Es wurde dann Brüssel...
Mir machen eher Leute Sorgen, die evtl. wenig Ahnung von Ökonomie haben, aber evtl. auf die Idee kämen, man könne auch wie mit der DDR geschehen, in der Art jetzt mal kurz mit anderen Staaten, wie z.B. der Ukraine verfahren oder welcher auch immer zu einem EU-"Imperium" zählen könnte.
Ich mache mir schon deshalb große Sorgen, weil vor einer evtl. Errichtung eines EU-"Imperiums", die noch Defizite genuin europäischer Länder stehen sollten, wenn man mich fragt.
So ein evtl. NICHT gewachsenes "Imperium" würde m.E. die EU implodieren lassen...?
Es hört wohl nie auf, dieses "Großmanns*suchtstreben"?
"Wenn einer*, der* mit Mühe kaum, gekrochen ist auf einen Baum, schon meint, dass er* ein Vogel wär, so irrt sich der*". Wilhelm Busch

nicht aber Europa.
Man sollte also weitestgehend so etwas wie "Bringschuld" aus solchen europäischen Debatten heraushalten?
Es gab zudem Gebietsabtretungen und Jahrtausende, in denen man Krieg und Gegenkriege führte.
Reparationszahlungen sollten ein bisschen aus dem Dilemma herausführen? Wenn man in der Zeit zurückreisen will, wird es evtl. aufwendig?
Bevor nun Deutschland die EU "in toto finanziert", frage ich also nach noch schwelenden Reparationsforderungen, die natürlich von Deutschlands Vermögen "abgezogen" werden müßten, bevor man es grozügig auf Europa "verteilt"?
Es wird Zeit, dass sich z.B. unser Bundespräsident einmal ausschliesslich mit solchen Fragen befassen könnte.
Der 1. Weltkrieg war unnötig, der zweite komplett unüberlegt, den 3. als "Weltgericht" über Deutschland oder dessen "Hauptverantwortung für die Welt" zu "gestalten", scheint mir auch abwegig.
Ein polnischer Politiker skizzierte evtl. kürzlich ganz gut, welche Aufgabe Polen in Europa übernehmen könnte?
Balance

Was heisst hier, der 1. Weltkrieg war unnötig?
Er hatte seine Logik sowohl in Bezug auf den Osten, wie auch den moralischen Impuls, auf die Ermordung des Thronfolgers zu reagieren.
Das hätte man aber besser mit dem Westen kommunizieren müssen.
Von der eigenen Macht im Osten durfte das Deutsche Reich nicht absehen.
Für Polen war es eine Bedrohung?
Von den Dimensionen eines Krieges vor dem Hintergrund der Industriellen Revolution sah man gleich ganz ab oder suchte die Vorteile nur für sich selbst?
Ein Lieblingssatz meiner Mutter lautete, "das Unerwartete erwarten"(Wittgenstein?)
Das gefällt mir jedenfalls besser als ein Denken vom Ende her...

Wilhelm Busch hat in seinem Gedicht „Fink und Frosch“ mit Sicherheit keine Gendersternchen verwendet. Muss man unbedingt jetzt auch Klassiker Gendern?

Dorothee Sehrt-Irrek | So., 17. Mai 2026 - 18:28

Antwort auf von Achim Koester

in dem Zusammenhang auch Frauen angesprochen zu wissen.
Wir hatt/ben in Europa zwei Frauen von Weltgewicht!, früher Frau Merkel, jetzt Frau von der Leyen.
Diese rag(t)en m.E. heraus, werden aber überleiten zu breiterer Gewichtung.
Bitte sehen Sie es mir nach.
Bin schon gespannt auf die erste UNO-Generalsekretärin, bei uns auf die erste Bundespräsidentin.
Alles längst überfällig, aber gut Ding will auch Weile haben.