„Wie schüre ich Aufruhr im Land?“: Junge Bauern protestierten in den Niederlanden gegen die Regierung / dpa

Bauernproteste in den Niederlanden - „Hinter diesen Protesten steckt pure Panik“

In den Niederlanden protestieren Bauern gegen die Pläne der Regierung, den Stickstoffeintrag durch die Landwirtschaft bis 2030 zu halbieren und den Viehbestand um 30 Prozent zu verringern. Ein Drittel der Höfe soll deshalb vor dem Aus stehen. Im Interview spricht der niederländische Autor Geert Mak über die historischen Gründe für die neuerlichen Bauernproteste, die verkannte Rolle der Banken im Agrarsystem und die Sendung „Bauer sucht Frau“.

Autoreninfo

Peter Riesbeck ist Brüssel-Korrespondent für Europapolitik, Belgien und die Niederlande.

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Der Niederländer Geert Mak, 75, begann seine Karriere als Journalist. Seine Bücher spiegeln die Vielfalt der Geschichte wider. In „Das Jahrhundert meines Vaters“ schildert er den Niedergang des niederländischen Kolonialreichs anhand der Geschichte seiner eigenen Familie. In „Wie Gott verschwand aus Jorwerd“ beschreibt er den Niedergang eines friesischen Dorfes. Sein jüngstes auf Deutsch erschienenes Buch „Große Erwartungen“ fasst die europäischen Entwicklungen der vergangenen 20 Jahre zusammen.

Herr Mak, in den Niederlanden machen die Bauern gegen Pläne der Regierung mobil, den Stickstoffeintrag durch die Landwirtschaft zu verringern, ein Drittel der Höfe steht vor dem Aus. Wie hat sich die ländliche Welt verändert?

In den Niederlanden haben sich die größten Umwälzungen nach dem Zweiten Weltkrieg auf dem flachen Land vollzogen. Das begann in den 1950er-Jahren mit dem Aufkommen des Traktors. Hier in Jorwerd wohnten damals knapp 600 Menschen, die Landwirtschaft brauchte zu jener Zeit enorm viele Arbeitskräfte. Das hat sich durch die Mechanisierung der Landwirtschaft radikal geändert. Heute lebt hier noch knapp die Hälfte. Die Niederlande sind sicherlich ein Vorreiter bei der industrialisierten Landwirtschaft. Das lässt sich in Jorwerd sehr gut beobachten.

Inwiefern?

Die Produktion ist wahnsinnig groß, aber die Bauern sitzen einsam auf ihren Hightech-Maschinen. Die Landwirtschaft von heute ist extrem kapitalintensiv. In früheren Zeiten hielten Bauern nicht viel vom Schuldenmachen. Ein kluger Bauer sorgte früher für Vorräte für schlechte Zeiten und hortete seine Ersparnisse – am besten unter dem Kopfkissen. Aber Schulden machen? Das war verpönt. Das hat sich verändert. Die meisten Bauern hier nahmen die ersten Kredite in den 50er-Jahren auf für ihren ersten Traktor. Heute sitzen sie auf Millionenschulden. Die Landwirte sind nicht mehr nur abhängig vom Wetter. Sie sind abhängig von den Preisen auf dem Weltmarkt. Und von den Banken – hier in den Niederlanden namentlich von der Rabobank. Das erzeugt enorm viel Druck. Hinter diesen Protesten steckt vor allem Panik, pure Panik.

Die Regierung will den Stickstoffeintrag der Landwirtschaft bis 2030 halbieren, der Viehbestand soll um 30 Prozent runter. Hat Sie das Ausmaß des Protests überrascht?

Eigentlich nicht. Hier im Dorf sieht man überall die Zeichen des Protests: die umgedrehte niederländische Flagge. Insofern hat mich weniger der Widerstand der Bauern erstaunt als das Vorgehen der niederländischen Regierung. Wer ein Drehbuch schreiben möchte „Wie schüre ich Aufruhr im Land“, der sollte ungefähr so vorgehen wie die Regierung von Premier Mark Rutte und eine ohnehin nervöse Bevölkerungsgruppe durch schlechte Kommunikation des eigenen Vorhabens noch weiter verunsichern. Es reicht nicht, einfach eine Karte vorzulegen, auf der rot und tiefrot Gebiete mit hoher Stickstoffbelastung eingezeichnet sind, in denen Landwirtschaft künftig nicht mehr möglich sein soll. Das erzeugt nur Panik und Wut.

Was hätte die Regierung besser machen können?

Die Niederlande sind mit Malta das am dichtesten besiedelte Land in der EU und zugleich einer der größten Agrarexporteure der Welt. Viele intensive Betriebe auf zu engem Raum – das geht auf Dauer nicht gut. Dieses Dilemma hätte die Regierung klarmachen müssen. Aber statt Lösungen aufzuzeigen von nachhaltiger Landwirtschaft, über Bio-Höfe bis zu kleineren konventionellen Betrieben – selbst ein Verkauf des Hofes kann für einige eine Befreiung sein –, hat die Regierung bislang nur ein grobes Schema vorgelegt.

Was sollte sie tun?

Wie beim Hochwasserschutz nach der Flutkatastrophe von 1953 brauchen wir jetzt eine Art Delta-Plan für die Landwirtschaft. Das wird Zeit brauchen und Geld. Die Regierung hat auch schon 26 Milliarden Euro zugesagt. Wenn man für die Mehrheit der Landwirte Perspektiven aufzeigt, verändert das gleich die ganze Atmosphäre. Klar ist aber auch: Nicht jeder Hof wird überleben.

 

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Die Demonstranten sind auffallend jung, sie tragen gerne Botten, also Holzpantinen. Geht es hier auch um einen Aufstand von Land gegen Stadt?

Die Sendung „Bauer sucht Frau“ ist in den Niederlanden enorm beliebt. Ein netter Landwirt oder eine liebe Landwirtin suchen da einen Partner. Diese Höfe gibt es. Viele Bauern hier wirtschaften vielleicht nicht nachhaltig, aber doch verantwortungsvoll, schließlich bewirtschaften sie Land, das sie geerbt haben und auch noch ihre Kinder ernähren soll. Aber wenn Demonstranten jetzt ein kleines Kalb am Seil halten, dann ist das auch eine romantische Verklärung der landwirtschaftlichen Realität. Wir erleben längst eine Agrarindustrie mit riesigen Schweinemastbetrieben und Hühnerfarmen, die allein für den Export produzieren und Umweltprobleme erzeugen. Das gehört zur Wahrheit dazu.

Wie sehr umtreibt Sie, dass der Protest nach rechts kippen könnte?

Da mischen sich jetzt Corona-Leugner unter die Demonstranten. Auch überraschend viele Lastwagenfahrer. Der Rechtsextreme Thierry Baudet versucht ebenfalls, bei den Protesten anzudocken. Aber man kann sich sicher sein: Der ist so elitär, der hat noch nie einen Stall betreten.

Aber schon ein Blick auf die einheitlichen Protestplakate zeigt: Das ist gut organisiert. Mehr noch als von rechten Gruppen wird der Protest von anderen instrumentalisiert: der Futtermittelindustrie und den Banken.

Die haben bei einer Umstellung der Landwirtschaft am meisten zu verlieren.

Wie meinen Sie das?

Ähnlich wie die deutschen und französischen Großbanken im Fall von Griechenland hat die Rabobank viele Bauern in den Niederlanden in ein gefährliches Abhängigkeitsverhältnis gebracht. Die Rabobank hat das System über Jahrzehnte auf ungesunde Weise vollgepumpt mit zu viel Geld. Da geht es für einzelne Höfe um Millionenkredite mit einer Laufzeit von 30 bis 40 Jahren.

Können Sie ein Beispiel nennen?

Ein Bauer hier im Dorf wollte einen neuen Kuhstall für 100 Tiere, die Bank machte Druck und beharrte auf einem Unterstand für 150 Tiere. So geht das Spiel. Immer noch eine Nummer größer, immer noch ein höherer Kredit. Wenn die Regierung jetzt Landwirten anbietet, den Hof aufzukaufen, geht das Geld vielfach direkt weiter an die Rabobank. Im Kern ist es wie bei Griechenland: Am Ende werden mit den staatlichen Geldern Banken gerettet.

Beobachten Sie ein Umdenken?

Schon. Eine Freundin von mir hat viel mit jungen Landwirten zu tun, oft haben die Agrarwissenschaften studiert. Die wollen die Betriebe ihrer Eltern übernehmen, aber nur wenn das zukunftsfähig ist. Dazu gehört eine gesunde Umwelt. Vor allem aber keine jahrzehntelange Abhängigkeit von Krediten. Das sind Unternehmer. Die sind nicht bereit, noch mal Millionen in ein Geschäftsmodell zu stecken, das längst überholt ist.

Der Politologe Ivan Krastev unterscheidet zwischen den Anywheres, die sich überall auf der Welt bewegen, und den Somewheres, die aus dem Dorf kaum rauskommen …

Ich lebe in Amsterdam in der Stadt und hier in Jorwerd auf dem Land. Der Protest hat sicherlich etwas mit der Abgehobenheit von Politik zu tun. Und auch etwas mit schlechter Kommunikation. Aber: Es gibt in der Stadt arme Menschen, die aus ihrem Viertel nicht rauskommen. Und es gibt auf dem Land Agrarunternehmer, die weltweit operieren. Einer Illusion sollten wir uns nicht hingeben: der des sehr einfachen Bauern. Mein Nachbar ist Landwirt hier, und er betreibt noch einen Hof in Tansania. Die Niederlande importieren Hunderttausende Kälber jedes Jahr – vor allem aus Osteuropa – und verkaufen das Fleisch später weiter in die ganze Welt. Viele Landwirte sind heute Global Player.

Bleiben wir bei den globalen Entwicklungen. Sie sind ein großer Chronist der europäischen Nachkriegsgeschichte. Wie schauen Sie auf den Krieg in der Ukraine?

Der 24. Februar dieses Jahres war das Ende der europäischen Friedensordnung, die nach dem Zweiten Weltkrieg etabliert worden ist. Ein recht erfolgreiches System von Absprachen, Verträgen und Gleichgewicht, das selbst zu Sowjetzeiten funktionierte. Dieses System von gegenseitigem Vertrauen ist vorbei. Insofern gefällt mir der Ausdruck Zeitenwende, den Bundeskanzler Olaf Scholz gebrauchte.

Andere im Ausland schauen kritischer auf die deutsche Debatte. Wie erleben Sie die Diskussion?

Wenn Sie mich auf den Brief einiger Intellektueller ansprechen und die Forderung, in der derzeitigen Situation mit Wladimir Putin zu verhandeln, muss ich sagen: In welcher Welt leben die Unterzeichner dieses Briefs eigentlich?! Deutschland hat eine eigene pazifistische Tradition, die auch aus dem Schuldbewusstsein aus dem Zweiten Weltkrieg resultiert. Historische Verantwortung endet nicht, wohl aber ändert sich die Antwort auf die Frage, was aus dieser Verantwortung folgt. Auf brutale Gewalt kann nur eine harte Reaktion erfolgen. Putin darf diesen Krieg nicht gewinnen.

Und wie haben Sie die Reaktion der Bundesregierung wahrgenommen?

Die neue Regierung muss sich finden. Als Historiker weiß ich: Mit Blick auf die deutsche Frage hatte die Bundesrepublik stets im Hinterkopf, man muss mit Russland irgendwie im Gespräch bleiben. Das war während der deutschen Teilung richtig. Und auch nach dem Fall der Berliner Mauer. Deutschland hat sich sehr bemüht, Russland in eine Friedensordnung einzubinden. Spätestens nach 2012 war das schwierig, als Putin sich mehr und mehr zu einem Autokraten entwickelte. Nach der Annexion der Krim 2014 war das überholt. Nord Stream 2 hätte nie fertiggestellt werden dürfen. Aber auch die Niederlande nahmen von dem Projekt viel zu spät Abstand.

Hierzulande wurde lange eine Debatte über eine postheroische Gesellschaft geführt. Nun erleben wir junge Ukrainer, die aus Westeuropa freiwillig in ihr Land zurückkehren, um es zu verteidigen. Wie erleben Sie diese Debatte?

Wolodymyr Selenskyj ist mit Sicherheit ein Held. Auch wenn er nicht heilig ist. Aber man sollte mit dem Begriff Heroismus vorsichtig sein. Mir ist der Begriff zu emotional. Heldentum ist reine Emotion oder, um es mit einem deutschen Begriff zu belegen: reine Gesinnungspolitik. Aus purer Gesinnung lässt sich keine gute Politik machen. Es geht auch um Verantwortung. Aber um nicht missverstanden zu werden: Putin führt einen abscheulichen Krieg. Er darf diese Auseinandersetzung absolut nicht gewinnen. Sonst setzt er seine aggressive Politik weiter fort.

In Kooperation mit:

 

 

ingo Frank | Mi, 27. Juli 2022 - 08:39

Eines bleibt unberücksichtigt und zwar die Fragen:
Braucht es an der Wurtstheke im Supermarkt 50 verschiedene Wurst und Schinkensorten?
Gleiches gilt für Käse, Joghurt &&&
Wenn man mal beim Bäcker ansteht, sollte man mal die verschiedenen Brötchen & Brotsorten zählen und sich fragen, wer braucht (isst) das alles?
Wir haben Jahre Hausschlachtung betrieben und das Schwein komplett verwertet. Knackwurst, Leberwurst, Blutwurst Sülze, Griebenfett, & je ein Schinken und eine Seite Speck. Rückrad u. Knochen eingesalzen und eingekocht, beide Lenden gefüllt, und geräuchert und das war’s. Sicher, auch mal Aufschnitt od. kochschinken zugekauft, aber in einem sehr bescheidenen Rahmen. Dazu Mischbrot und helle Brötchen. Milch und Milchprodukte aus der naheliegender Molkerei. Und Obst und Gemüse nach eigenem sesonalen Anbau. Ok. Wenn dies in den Wintermonaten durch bescheidene Importe ergänzt würde. Da würde aber ein Sturm der Entrüstung der Woke Großstadtgesellschaft losbrechen, oder nicht?
Mit f

Gabriele Bondzio | Mi, 27. Juli 2022 - 08:42

und hat den Protest gefunden...prima, nicht alles muss der Bauer schlucken, was in Politikertöpfen zusammengerührt wird.

Bekanntlich isst er ehe nur das was er kennt.

Das verantwortungsvolle Agieren in seiner Arbeit darf ihm daher zugetraut werden. Geht es doch um die Weitergabe des Staffelstabes an die nächste Generation. Siehe Bild.

Ich kenne auch so einen jungen Burschen in meiner Nähe, höflich, arbeitsam. Neben der Lehre (Automechaniker)kümmert er sich prima um seine Tiere (hatte schon mit 10-11 Jahren eigne Züchtungen Hasen, Gänse, Schafe).

Hilft seinen Eltern auf dem Hof wo er kann und will über kurz und lang, den in der Nähe liegenden Hof seiner Großeltern bewirtschaften.
Mit Leib und Seele Landwirt.
Und genau solchen Menschen nimmt der Staat die Existenz...Schweinerei!

Karl-Heinz Weiß | Mi, 27. Juli 2022 - 09:56

Danke für dieses Stimmungsbild aus den Niederlanden und insbesondere den kritischen Blick auf den dortigen Bankensektor. Bei der Ausschleusung von Geldern aus dem EU-Raum ist dieser Marktführer.

Sabine Lobenstein | Mi, 27. Juli 2022 - 10:06

Die !!Meinung!! von Herrn Mak ist eine Verachtung von Menschen, die für Ihre Überzeugung und gegen die Politik demonstrieren. Es werden völlig an den Haaren herbeigezogene Begriffe in einen Zusammenhang gezwungen und damit letztlich kein einziges Wort über die Zielsetzung der Demonstranten geäußert. Das ist Mainstream der widerlichsten Art. Alles was abweicht ( z.B. diese Demos) wird als Coronaleugner, Rechtsradikal und gefährlich und natürlich falsch dargestellt. Der Schwenk zur Ukraine (was ursächlich mit den Demos absolut nichts zu tun hat) mit stupide Wiederholung der Narrative vollendet das. Was weiss ich jetzt tatsächlich über die Beweggründe und Lösungsvorschläge der Bauern...Nichts. Für den mainstreamler mag das befriedigend sein, zu Wissen, dass dieses Thema zu den "Bösen" und damit zu den Feinden gehören. Und man sich damit inhaltlich nicht mehr beschäftigen muss. Für kritische Menschen ist dieser Artikel vergeudete Lebenszeit.

dass Sie das erwähnen. Mir standen die Haare zu Berge, als der Schwenk zu den Rechtsradikalen Cornaleugnern gemacht wurde. Was geht nur in den Köpfen solcher Leute vor?
Heute ist jeder Kritiker der Regierungen ein Antisemit , Querdenker ( früher ein Prädikat) Rechtsextremer und Wissenschaftleugner. Schlimm.

Chris Groll | Mi, 27. Juli 2022 - 10:07

Habe folgendes gelesen:
EU-Projekt „Natura 2000“ als Ursache der Bauernproteste. Wie man weiß, schrieb eine Journalistin, ist Mark Rutte „sehr stark in das WEF involviert“ und es offensichtlich sei, „dass dieses Gesetz wiederum ein Produkt dieser globalistischen Institutionen ist. Sie schrieb auch, dass jene Ministerin, die das Stickstoffgesetz vorangetrieben habe, „das der Regierung die Befugnis gibt, das Land unserer Bauern zu enteignen“, einen Bruder habe, dem der Online-Supermarkt Picnic gehöre:
2021 berichtete auch die Nachrichtenagentur „Reuters“ darüber. „Zu den Investoren hinter der jüngsten Kapitalbeschaffung für Picnic gehörte auch der „Bill and Melinda Gates Foundation Trust“, so „Reuters“.
In meinen Augen hat das alles ein Geschmäckle. „Green Deal“??
Folge dem Geld!

Möchte noch hinzufügen, daß, wenn die Bauern nicht mehr
ihr Land bewirtschaften können/dürfen

(Dazu eine Aussage von Bill Gates: „Ich denke, dass alle reichen Länder zu 100 % synthetischem Rindfleisch übergehen sollten. Irgendwann ist die Umweltprämie bescheiden genug, dass man die Menschen umstimmen oder die Vorschriften nutzen kann, um die Nachfrage völlig zu verlagern.“)

käme die Firma Picnic wieder ins Spiel, da der Hauptinvestor der Fa. Picnic
der „Bill and Melinda Gates Foundation Trust“ ist. Übrigens auch im Handelsblatt nachzulesen. Somit sind die Bauern eigentlich nur im Weg.

Gerhard Lenz | Mi, 27. Juli 2022 - 10:23

Denn dort zeigt sich, dass Massenproduktion und Wachstum an ihre Grenzen stoßen. Die in letzter Konsequenz heißen: Verpestung der Umwelt, zunehmende Zerstörung der Lebensbedingungen.

Was die industrielle Landwirtschaft anrichtet, ist längst bekannt, darüber muss man nicht weiter diskutieren. Auch, dass die zutiefst umweltschädliche Art des Wirtschaftens in den NL besonders verbreitet ist, weiß man. Vor Jahren gab es Proteste in MV, weil niederländische Landwirte dort riesige Schweinefarmen errichten wollten.

Dass der Wechsel in der Agrarpolitik, ebenso wie bei Klima- und Energiefragen, überfällig ist, steht außer Frage. Die Krux liegt darin, jenen zu helfen, die zwangsläufig Einbußen erleiden werden. Ein Weiter-So-Wurschteln kann es allerdings nicht geben. Da ist die Politik wirklich gefordert.

Und nein: Übliche Untergangsprophet*innen (in diesem Forum) träumten ja schon von Volksaufständen in den NL - an deren Ende dann nationalistische Regierungen stehen sollten.

Alles Quatsch!

Han Hube | Mi, 27. Juli 2022 - 10:50

Als Historiker sollte er eigentlich wissen, dass Putin versucht hatte, auf den Westen zuzugehen, aber aus einer absolut unverzeihlichen Ignoranz und Überheblichkeit abgeputzt wurde. Von da an war der Weg ins heutige Elend vorgezeichnet.
Selensky ein Held…? Jemand, der seine Zivilbevölkerung aufruft, sich mit Molotowcocktails gegen russische Panzer zu stellen soll ein Held sein? Entschuldigung - da wird mir anders.
Und ja, damit das auch noch klar ist, Putins Einmarsch ist ohne wenn und aber zu verurteilen - aber ob angesichts der täglich von Granaten zerfetzt werdenden jungen Ukrainer und Russen eine diplomatische Lösung a priori und definitiv ausgeschlossen werden soll (‚Härte‘ …), ist mehr als fraglich.

Martin Falter | Mi, 27. Juli 2022 - 12:21

Nur das deutsche Geschäftsmodell an seine Grenzen, sondern auch das Niederländische.

Es kann nicht sein, nur weil eine Bank dies wünscht, dass immer mehr Land verschmutzt wird und die produzierten Lebensmittel ( die sprichwörtliche holländische Tomate, Wasser
rot verpackt ) immer schlechter werden.

Das mit der Agression Russlands eine Zeitenwende beginnt, die noch nicht abzusehen sein wird, ist natürlich richtig.

Ernst-Günther Konrad | Mi, 27. Juli 2022 - 14:05

Für mich sind diese Proteste nachvollziehbar und existenzbedrohend für diese Bauern. Und auch bei Ihnen liest man gleich, das Querdenker und Rechte und Nazis in einem Atemzug genannt sich der Proteste bemächtigen. Das stimmt so nicht. Ja, da gibt es wie bei fast allen Themen Nationalisten, die sich versuchen mit in den Protest einzubinden. Das ist ja nichts neues. Nur Querdenker sind Maßnahmenkritiker und keine rechtsradikalen Menschen. Und die berühmten Coronaleugner werden so genannt, obwohl sie das Virus nie in Frage gestellt haben oder dessen Existenz geleugnet haben. Sie kritisieren die Panik und Angst, die Maßnahmen und die Folgen der sog. "Pandemiebekämpfung". Warum sollten die nicht auch den Bauern zur Seite stehen dürfen. Auch wenn die Msm versuchen, die Proteste umzuinterpretieren, sie seien von sog. "Rechten" gekapert. Das stimmt einfach nicht. Es sind in erster Linie die Bauern selbst auf den Traktoren und wie in jeder Not auch, ist jede helfende Stimme und Hand willkommen

Hans Meiser | Mi, 27. Juli 2022 - 16:15

"Auf brutale Gewalt kann nur eine harte Reaktion erfolgen." ... Und: "Wolodymyr Selenskyj ist mit Sicherheit ein Held."
Als "Historiker" solche Aussagen zu treffen, ist ein erbärmliches Armutszeugnis.
Hat der "Historiker" die Historie nicht studiert???
Wann (eine Beispiel würde mir vollkommen genügen) hat eine solche Einstellung JEMALS zu einer dauerhaften (!!!) Verbesserung von irgend etwas geführt?
Nach dem Krieg ist vor dem Krieg - solange Menschen wie Herr Mag ihre Meinung äußern dürfen. (Und andere dieser zustimmen ...)

Armin Latell | Do, 28. Juli 2022 - 15:03

Wer sich in Zeiten, in denen er "sein" Volk einen Krieg führen lässt, mit seiner Frau in einem Modejournal Vogue modisch pousiert, ist kein Held, sondern charakterlos. Der Protest könnte nach rechts kippen? Und weiter? Corona Leugner machen bei den Protesten mit? Das ist ja wirklich gaaaanz pöhse. Historische Verantwortung? Meine beginnt lange nach WK II, also ich habe so etwas nicht. Tatsächlich: In Kooperation mit der "Berliner Zeitung". Das hätte ich hier nicht unbedingt gebraucht. Ein wirklich ms tendenziöser Beitrag. Ansonsten haben die Bauern und alle Mitdemonstranten meine Sympathie.