Trump
US-Präsident Donald Trump / picture alliance / AdMedia | AdMedia

Arglos im Ausland - Wie Trump sich mit seiner Weltpolitik selbst widerlegt

Donald Trumps Erfolgsgeheimnis funktioniert in Amerika, weil er die Widersprüchlichkeiten westlicher Neurosen kennt und bloßstellen kann. Aber jenseits des Westens herrschen andere Spielregeln, die er nicht so einfach brechen kann.

Autoreninfo

Philipp Ammon ist Historiker und Kaukasiologe. 2020 erschien sein Buch „Georgien zwischen Eigenstaatlichkeit und russischer Okkupation: Die Wurzeln des Konflikts vom 18. Jahrhundert bis 1924“ im Verlag Vittorio Klostermann. Im Gans Verlag erscheinen nun der Reiseessay „Tuschetiens Wolken und Karthlis Untergang“ und die europäische Elegie „Die schöne Zeit“.

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Es heißt, die Deutschen seien ein sehr neurotisches Volk und die Neurosen der Ausdruck der steten Selbstbefragung des Gewissens, welche im Protestantismus ihren Ursprung habe. Deshalb seien diese wiederum in Bayern schwächer ausgeprägt als in Berlin. Nicht minder neurotisch seien jedoch Schweden und Amerikaner, bedingt durch den kulturell sehr ausgeprägten Puritanismus. Trump wäre sodann das Skandalon für diesen Puritanismus: der in den Kulturneurosengarten eingebrochene Eber. Er konnte ihn umwühlen, denn er hatte ihn ein Leben lang studiert und kannte seine Regeln. Er wusste instinktiv, wie er seine Gegner austricksen und bloßstellen konnte, wo ihre Schwächen lagen. Er kannte die Widersprüche zwischen ihrem Denken, ihrem Reden und ihrem Handeln. 

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Markus Michaelis | Di., 26. Mai 2026 - 12:07

Allerdings muss man sagen, dass Trump damit sehr menschlich ist. Mir scheinen auch die Mullahs nicht ganz zu verstehen, dass man die Welt und den Menschen anders sehen kann, als sie selber. Sie stehen da auch vor einer für sie undurchdringlichen Wand: sie haben ihre Gewissheiten, ihre Werte, Haltung, die wanken nicht, bis in den Tod. Sie haben ihren Tod anzubieten - das ist groß. Mehr aber eben auch nicht. Und dann muss man damit eben den Weg gehen, den man gehen muss. Sehr heroisch, aber so richtig flexibel ist das auch nicht - und vielleicht ist Flexibilität auch nicht gut - wo blieben da die Werte?

Womit wir beim nicht-trumpschen Westen sind. Auch da lebt man von tiefsten Werten und Haltung dazu. Trump verletzt die, und auch hier würde niemand die eigenen Werte und die Haltung dazu anzweifeln. Den Rest der Welt können auch wir westlichen "Nicht-Trumper" uns nur als Beitrittsgebiet zu unserer Wahrheit vorstellen. Am Ende sind wir wahrscheinlich alle Menschen - denke ich?

Ingbert Jüdt | Di., 26. Mai 2026 - 14:07

Denn weltpolitisch virulent wird der westliche »Kulturneurosengarten« schon mit dem Ende des Kalten Kriegs, weil man sich im Westen einredet, der Neocon-Imperialismus der USA, der sich nach ideologischer Vorbereitung ab 1992 mit der Präsidentschaft von Bush Jr. durchsetzt, sei doch irgendwie bloß mit der Globalisierung koextensiv und man selbst sei doch eh der Sieger am »Ende der Geschichte« und der Rest der Welt bloß Nachzügler.

Trump ist paradoxerweise derjenige, der dieses imperiale Denken (mit mehr als dreißig Jahren Verspätung gegenüber Russland) zugunsten von »America first« zurückbauen will, aber in eigener Person die neurotischste Pflanze im Kulturneurosengarten ist und daher »die Regeln des Iran, Chinas, Indiens, Russlands und anderer Länder« aus rein psychologischen Gründen ebenso wenig begreift wie die imperialen Präsidenten vor ihm aus ideologischer Verblendung.

Der Suprematieanspruch des Westens regrediert mit Trump auf das Kreuzfahrerniveau des christlichen Zionismus.

... Ihren Beitrag zu lesen, mit dem Schluß: "Der Suprematieanspruch des Westens regrediert mit Trump auf das Kreuzfahrerniveau des christlichen Zionismus."
Darüber werde ich erstmal ein bisschen nachdenken müssen, aber gerade das ist doch der Sinn von ernsthafter Auseinandersetzung mit einem Thema - danke!

Karl-Heinz Weiß | Di., 26. Mai 2026 - 15:26

Trump scheint die US-Amerikaner nicht zu kennen - darin sehe ich sein Hauptproblem. Zwei Drittel lehnen seine Iran-Politik ab. Schlicht und ergreifend deshalb, weil diesem Krieg keinerlei strategische Überlegungen zugrunde liegen. Deshalb sind auch die Golfstaaten fassungslos. China hält sich eisern an seine Maxime: "Gewinne einen Krieg, ohne dass ein einziger Schuss fällt".

Gerhard Weißenberger | Di., 26. Mai 2026 - 18:37

Der Autor hat die strategische Bedeutung des Bombardements Belgrads im Kososvo-Krieg nicht erkannt. Dessen Zweck war es, ohne Bodentruppen den Einfluss Russlands auf den Balkan zu marginalisieren, was erreicht wurde. Als Nebeneffekt ergab sich mit der Autonomie des Kosovo noch eine auf Jahrzehnte andauernde Schwächung der EU.
Was den Heroismus der Mullahs angeht: Israel wird solange um seine Existenz kämpfen müssen, solange die Mullahs die Atombombe anstreben, um es zu vernichten. Ob deren Heroismus soweit geht, mit dessen Vernichtung auch den Untergang des Irans in Kauf zu nehmen, darf bezweifelt werden.
Trump darf man zugutehalten, dass er mit seinen militärischen Aktionen noch keine Soldaten geopfert hat, ganz im Gegensatz zu seinen Vorgängern.
Sollte er die Implosion des Kommunismus auf Cuba ohne Militäreinsatz erreichen? Die Losung dessen Regimes heißt seit Castro “victoria o muerte”. Ein wahrer Heroismus