Bayraktar-Drohne
Exportschlager Bayraktar-Drohne / dpa

Welche Position vertritt Ankara? - Die Haltung der Türkei im Ukraine-Krieg

Im Ukraine-Krieg bieten sich verschiedene Länder als Vermittler zwischen den beiden Kriegsparteien an. Vorn dabei ist die Türkei: Sie liefert Waffen in die Ukraine und unterhält gleichzeitig gute Beziehungen nach Russland. Von den Verhandlungen kann sie nur profitieren.

Autoreninfo

Nathan Giwerzew studierte Literatur- und Politikwissenschaft in Berlin und absolvierte ein Redaktionspraktikum bei Cicero.

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„Ihre Argumente sind alle Arten von Waffen –  / Mächtige Raketen, Maschinen aus Eisen / Wir haben dazu nur einen Kommentar: / Bayraktar.“ So lautet eine Strophe des neuerdings populären ukrainischen Kriegslieds, in dem die gleichnamige türkische Kampfdrohne für ihre Leistungen auf dem Schlachtfeld gerühmt wird.

Dass die unbemannte Drohne in der Ukraine aktuell ein hohes Ansehen genießt, liegt an ihrer Effizienz, Flexibilität und Präzision. Die Drohne Bayraktar TB2 – „bayraktar“ bedeutet auf Türkisch „Fahnenträger“ – ist sowohl zu Aufklärungs- als auch für Transport- und Kampfzwecke einsetzbar. Die lasergelenkten Bomben treffen ihr Ziel sehr genau, und die Munition ist relativ kostengünstig zu beschaffen.

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Christoph Kuhlmann | Di, 22. März 2022 - 14:57

sorgt für ein gewisses Ausmaß an Ambiguität. Sie kann vielen nützlich sein und umgekehrt kann sie von vielen profitieren. Doch machen wir uns nichts vor, wer jetzt Putin am Rande des Völkermords sieht muss ihn mit Erdogan in eine Reihe stellen. Insofern halte ich eine kritische Distanz für angebracht.

Tomas Poth | Di, 22. März 2022 - 15:38

Ein Aufklärung-und Waffensystem das Deutschland auch braucht und zwar aus eigener Fertigung.
Es gibt viel hier also viel zu tun, um die eigene Wehrfähigkeit herzustellen. Zulange wurde das in den letzten Jahrzehnten verschlampt.

Martin Falter | Di, 22. März 2022 - 16:31

ich halte Erdogan nicht dafür geeignet, dass er die Vermittlerrolle spielen könnte. Schließlich ist er kaum besser wie der Kriegsverbrecher aus Moskau.

Aber in der Not frisst der Teufel Fliegen.

Gerhard Lenz | Di, 22. März 2022 - 16:48

"Friedensengel" eignet sich natürlich vortrefflich, von den Zuständen in der Türkei abzulenken. Innenpolitisch unterscheidet sich die Türkei nämlich kaum von Putins Tyrannenstaat. Hier wie dort wird die wirkliche Opposition behindert, verfolgt, eingesperrt. Gut, vielleicht ist Erdogan etwas "zivilisierter" als Putin, indem er Oppositionelle nicht ermorden, sondern nur im Gefängnis "alt werden" lässt.

Erdogan darf jetzt, auch im Vorfeld von Wahlen, den erfahrenen Staatsmann spielen, der sich auf der Weltbühne bewährt, ja gar international eine "ausgleichende" Rolle spielt. Es ist immer das gleiche Spielchen: Wenn's daheim brennt, muss außenpolitisch was passieren, um dem Diktator das Fell zu retten: Für Trump waren das mexikanische Flüchtlinge, Chinesen, bis zu einem bestimmten Grad gar Europäer. Für Putin die paranoide Angst vor der NATO, für Erdogan die Kurden im Norden Syriens. Und jetzt spielt er eben den Weltpolitiker - immerhin, im Unterschied zu Putin, zündelt er nicht.

Ernst-Günther Konrad | Di, 22. März 2022 - 19:13

Machen wir uns alle nichts vor. Herr Giwerzew hat es ja gut beschrieben. Erdogan versucht aus diesem Krieg Profit zu schlagen, nicht mehr und nicht weniger. Die Ukrainer sind dem egal. Und wer, wenn nicht ein Despot wie Erdogan versteht einen Putin am besten.
Man kann nur hoffen, dass uns Erdogan als NATO-Mitglied nicht infolge irrer Absprachen den Krieg in den NATO-Bereich ausdehnt. Man mag ja geostrategisch die Türkei in der NATO für sehr wichtig halten, aber derzeit mit diesem Präsidenten ist die mal auf einem guten Weg befindliche Türkei zum Sicherheitsrisiko geworden. Für Erdogan zählt nur, dass er das bestmögliche für sich und seine Wirtschaftspolitik heraus holt. Und auch der wird da keine Mittel scheuen, wenn es ihm dienlich erscheint.
Dem traue ich keinen Meter weit. Machiavelli läßt grüßen.

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