Iran
Aufmarsch für den getöteten Ayatollah Chamenei in Teheran / picture alliance / NurPhoto | Morteza Nikoubazl

Angriff auf den Iran - Was treibt Trump?

Der amerikanisch-israelische Militärschlag gegen Teheran wirft viele Fragen auf. Eine unmittelbare Bedrohung der USA durch Iran bestand jedenfalls nicht. Und dass der US-Präsident das Wohl der iranischen Bevölkerung im Blick hatte, ist abwegig.

Alexander Marguier

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Alexander Marguier ist Chefredakteur von Cicero.

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Es sind Bilder, die Hoffnung machen könnten: Schon wenige Stunden nach dem amerikanisch-israelischen Militärschlag gegen den Iran versammelten sich auf dem Potsdamer Platz in Berlin am Samstag Hunderte Gegner des theokratischen Regimes, um dessen voraussichtliche Vernichtung zu feiern. Auch auf den Straßen Teherans kommt es immer wieder zu Jubelausbrüchen über den Tod des langjährigen Staatsoberhaupts Ali Chamenei, dessen Herrschaft bis zuletzt auf einer mörderischen Repression gegenüber allen seinen Gegnern fußte – von politischen Oppositionellen bis hin zu Jugendlichen, die in ihrem Land einfach nur den Duft der Freiheit genießen wollten. Man muss also schon sehr abgestumpft oder zynisch sein, um sich hier nicht mitzufreuen mit den Menschen im Iran (und anderswo), die jetzt, nach vielen Jahrzehnten der Mullah-Autokratie, die Chance auf einen echten Wandel sehen. Er sei ihnen von ganzem Herzen vergönnt.

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Heidemarie Heim | So., 1. März 2026 - 17:35

Natürlich war das nur eine sozusagen halbe Befreiung und kein Mensch kann momentan sicher einschätzen wie groß oder nicht das Chaos wird bzw. wieviel Kraft und vor allem Mut die ausgezehrte Bevölkerung noch hat ohne großen Rückhalt durch eine funktionale Opposition, die den Aufstand gegen das Regime vor Ort anführen könnte. Da müsste zumindest das reguläre Militär und Polizei sich auf die Seite des Volkes schlagen um weitere Gemetzel durch die Revolutionsgarden und alle Nutznießer und Schergen des Regimes unter der Bevölkerung zu verhindern.Oder wie Trump sagte entweder ihr wechselt die Seiten o. gehört zu den Toten!Wobei er offen ließ,wie er das anzustellen vermag ohne Kollateralschäden zu verursachen o. ohne zu entwaffnen.Und sollte dies funktionieren hat der Iran bzw. das Volk dann eine Militär-Junta oder wie in Syrien einen Bock zum Gärtner gemacht? Mir raucht langsam der Kopf von all diesen Unwägbarkeiten in dieser Auseinandersetzung.Meine besten Wünsche für einen Neuanfang! MfG

Dr. Armin Schmid | So., 1. März 2026 - 19:22

und Überlegungen haben Sie gut zusammengefasst. Den Aspekt einer möglichen israelischen Einflussnahme hatte ich bisher noch nicht explizit auf dem Schirm. Er ist absolut plausibel, zumal der Mossad einer der besten Geheimdienste der Welt ist. Wie das bei den US-Diensten nach einem Jahr Trump'schem Durchregieren aussieht, weiß ich nicht. Ein Kash Patel lässt nichts Gutes vermuten, von anderen relvanten Umbesetzungen in Kriegsministerium und Pentagon ganz zu schweigen. Und das ist insofern bedeutsam, als es ohne logistische Unterstützung der iranischen Opposition keinen guten Neuanfang geben wird. Ansonsten gibt es nur die Machtübernahme durch sich gegenseitig bekriegende Warlords oder die Beibehaltung des Ancient Regime (einschließlich lukrativer Deals zwischen Trump und seinem Inner Circle sowie den neuen starken Männern (wie schön, dass ich diesem Fall nicht gendern muss).

christoph ernst | So., 1. März 2026 - 19:40

keine Chance auf Frieden in Nahost, kein Erfolg der Abraham-Accords, kein Ende der Litanei um Palästina. Langfristig auch keine Zukunft für ein irgendwann hoffentlich mal wieder post-wokes Europa als Partner der USA.
So könnte man das auch sehen. Und da die USA auf die Dauer eben nicht bloß Israel brauchen, um sich gegen China und seine Verbündeten zu behaupten, sondern einen befriedeten Nahen Osten und ein intaktes Europa, tut Trump uns eventuell gerade - gewiss nicht ganz selbstlos - einen großen Gefallen.
Denn die Europäer wären zu feige gewesen, das zu tun, was notwendig und überlebenswichtig ist.

C. Schnörr | So., 1. März 2026 - 20:08

Nach zig-Jahren verlogenen Appeasements durch die EU und insbesondere auch durch deutsche Politiker war glasklar, dass das iranische Regime über kurz oder lang über die Atombombe verfügt. Nach dem 12-Tage Krieg unlängst wurde vermutet, dass das Ziel, die iranischen Produktionsanlagen tief unter der Erde zu zerstören, wahrscheinlich nicht erreicht wurde. Die Schutzmacht der Mullahs, Russland, hat genug mit sich selbst zu tun. Die militärische Abwehr der Mullahs ist seit dem 12-Tage Krieg geschwächt. Wenn nicht jetzt, wann dann? Lieber Frau Baerbock oder von der Leyen fragen? Wohl kaum. Und die sich dauer-kehrtwendende Regierung in Berlin erst recht nicht. Für Israel geht es um das Überleben, jeden Tag. Hierzulande werden die iranischen Islamisten als Partner „auf Augenhöhe“ für der Dialog und die „Integration“ hofiert und mit Steuergeldern womöglich nochgefördert. Und Vertreter eines liberalen, mit unseren Grundwerten kompatiblen Islams benötigen Polizeischutz. Deutsche: Klappe halten!

Bin voll bei Ihnen, werter Herr Schnörr! Es weiß niemand wirklich, was alles so im Hintergrund in den verschiedenen Ländern vor sich geht. Manchmal denke ich, es ist gut, dass wir es nicht wissen. Denn, Politik ist (teilweise) ein schmutziges, brutales Geschäft. Wenn man die Kommentare in den verschiedenen Medien liest, gehen die Meinungen, vor allem der Chefredakteure, sehr stark auseinander, was den Angriff auf den Iran betrifft. Die einen befürworten ihn, die anderen, wie auch unser Herr Marguier, eher nicht. Wobei Herr Marguier kein Fan des „Maga Kraftprotzes“, sprich Trump, ist. Sein Ausführungen über Trump sind m. E. recht polemisch. Bei solchen Aussagen möchte ich an sich gar nicht weiterlesen. Aber manche Chefredakteure denken halt, sie sind der Nabel der Welt. Nun gut! Wir werden sehen, wie es weitergeht. Ich würde den Menschen im Iran wünschen, dass der Angriff gut war, und dass sie ein lebenswerteres Land in Aussicht haben.

Stimme Ihrem Kommentar zu.
Appeasement-Politik taugt immer nur bedingt.

Thomas Veit | Mo., 2. März 2026 - 10:21

daher kommender Artikel, der alle Aspekte analytisch beleuchtet - nicht durchleuchtet, dafür ist der Platz hier nicht ausreichend.

DANKE! Herr Alexander Marguier!👍

Walter Buehler | Mo., 2. März 2026 - 11:05

... betrogen, die dem Fortschritt verpflichtet waren.

Die Kehrtwende der westlichen Demokratien, droht wieder in die Zeiten des politischen Absolutismus à la Louis XIV zurückzufallen, in eine Moral, die einst zum Dreißigjährigen Krieg geführt hat.

Terroristischer Mord bleibt für mich persönlich immer ein Mord.

Ich habe mich gefreut, dass Trump das gegen ihn gerichtete Attentat überlebt hat.

Aber was unterscheidet seine gezielten Tötungen von den Diktatoren , die ihre Feinde einfach abknallen?

Warum sieht man im Fernsehen immer mehr wie Bankräuber verkleidete Soldaten? Gilt die Haager Landkriegsordnung noch?

Reguläre Soldaten eines modernen Staates müssen doch nicht automatisch Mörder oder Kriegsverbrecher sein, egal, ob sie für Putin, Selenski, Netanjahu oder Trump oder Starmer kämpfen.

Der Rückfall in die regellose Barbarei bedroht die Menschheit offenbar stärker als die Klimakrise.

Besonnene und vorsichtige Politiker braucht die Welt, keine Arschkriecher von Sonnenkönigen.

Leider hat die Welt aktuell fast nur "Arschkriecher von Sonnenkönigen"... - oder waschechte menschenverachtende Diktatoren...

Der Mensch an sich hat nichts gelernt - offensichtlich, nur die Waffen sind moderner und 'humaner' geworden..., also fernsehtauglicher als früher... ... 🤔😉

nicht von der Art, sich ethisch-moralisch so positiv weiterzuentwickeln wie dies
im zivilisatorisch-technischen Bereich der Fall ist.
Am Ende meines Lebens hat sich in mir die Erkenntnis verfestigt, daß der Kampf um Macht u. Besitz mit allen möglichen üblen Mitteln sich bis ans Ende aller Tage fortsetzt. Dabei werden die Würde und Rechte des Einzelnen bzw. ganzer Völker immer wieder brutal mit Füßen getreten werden - ob uns das gefällt oder nicht.
Es ist m. E. realistischer, an Gott u. seinen Botschafter Jesus Christus zu glauben und seine Hoffnung auf das Jenseits zu setzen, als davon auszugehen, daß es jemals mit der Welt u. ihren menschengemachten Schrecknissen dauerhaft ein gutes Ende nimmt. Laut der Bibel ist dies sogar gänzlich ausgeschlossen.

Auf Grund dieser Erkenntnis plädiere ich seit langem für eine weise, vorausschauende R e a l p o l i t i k, die einzig u. allein verhindern kann, unvernünftige Entscheidungen zu treffen, z. B. aus gesinnungsethischen Motiven heraus.

Ein Land wie Deutschland o h n e jegliche ernst zu nehmende Wehrmacht muß natürliche andere Entscheidungen fällen als eine Supermacht wie die USA
oder China. Aus einer Position der Stärke und militärischen Überlegenheit heraus
läßt sich natürlich anders handeln als aus einer Lage der Abhängigkeit bzw. Verletzbarkeit heraus.
Sich zu einer wirksamen Verteidigungsmacht zu entwickeln, ist m. E. fraglos die Aufgabe j e d e s Staates - egal, wie groß er ist. Ob es auch der Atomwaffen für jedes einzelne Land bedarf, ist eine andere Frage. Im Falle einer Zugehörigkeit zu einem Verteidigungsbündnis genügt es, wenn der mächtigste Partner über diese verfügt.
Ansonsten sollten alle Nicht-Großmacht-Staaten sich davor hüten, ihren Wohlstand oder sogar ihre ganze Existenz dadurch zu riskieren, daß sie sich großspurig u. arrogant einen anderen Staat ohne Not (!) zum Feind zu machen, von dem sie in vieler Hinsicht sogar abhängig sind.
RECHT hilft nicht weiter, es muß auch durchsetzbar sein!

Europas, wirtschaftlich wie politisch, schon doch zverlässig über eigene Atomwaffen und eine starke bzw. dem Duktus Ihrer Ausführung folgend geberell die stärkste Armee in Europa haben..., entnehme ich ihrer mMn nicht ganz stringenten Einlassung...?

Nd von dieser Position der (friedlichen) Stärke aus könnte man dann auch gut Appeasement-Politik betreiben.

Da stimme ich Ihnen uneingeschränkt zu.

Klaus Funke | Mo., 2. März 2026 - 11:56

Und dieser Druck kommt vom Erzlumpen Netanjahu, der einer der schlimmsten Finger ist, die die gegenwärtige Weltpolitik aufzuweisen hat. Netanjahu will sein Großisrael, von den Golan-Höhen bis zum Elbrus. Und er wird dann ein Nachfolger von Herodes dem Großen. Ein schlimmer, intriganter und gefährlicher Mensch, dem ich zutraue mit gewissen Epstein-Files den amerikanischen Präsidenten zu erpressen. Nein, Herr Marguier, übrigens vielen Dank für Ihren ausgewogenen Artikel, Sie haben recht, einen wirklichen Plan wird Trump nicht haben. Es wirkt alles ziemlich überstürzt und kurzatmig, nahe vor den Midterm-Elections. Und es könnte dem Präsidenten zudem noch gefährlich werden. Nein, durchdacht wirkt es nicht. Und was mit dem Iran wird, kann man schwer voraussagen. So schnell stürzt das Mullah-Regime nicht. Es gibt keine echte Opposition und der Schah-Sohn ist keine Alternative. Wird also das Chaos in der Region vergrößert? Das wäre typisch für us-amerikanische Eingriffe (Afghanistan, Irak)

Bei diesem Kommentar steigen mir die Haare zu Berge, da das Ergebnis der linksideologischen Denkfabrik zu sein scheint, oder kommt es etwa aus den antiisrealischen spanischen Gefielden?

Übrigens, der Plan ist klar benannt worden: Mullah-Regime zu zerschlagen, und Iran auf viele Jahre militärisch ins Abseitz zu befördern.
Dies dürfte auch im Interesse von Europa sein, da iranische Mittelstreckenraketen eine Reichweite bis nach Europa haben, es sind einige beliebte Urlaubsorte in Griechenland und Bulgarien.

Aber sie plappern da etwas nach, was der Mainstream ausstreut. Ich sage ausdrücklich, dass ich das Existenzrecht Israels nicht im Geringsten anzweifle. und sicher stimmt das Meiste, was die iranischen Mullahs betrifft - eine fanatische, mittelalterliche Sekte, die eingehegt gehört. Ich meine aber Herrn Netanjahu, den ich als Politiker und als Menschen verabscheue. Nicht ohne Grund wurde er schon mehrfach verurteilt. So ein Kerl gehört nicht an die Spitze eines Staates wie Israel. Die Israelis werden ihn aber noch selber "entsorgen", wenn sie erkannt haben, welchen Schaden dieser Mensch anrichtet. Ich hoffe, ich konnte mich verständlich machen. Anmerken möchte ich außerdem, dass ich selber Jude und mosaischen Glaubens bin.

Klaus Funke | Mo., 2. März 2026 - 13:36

Wieder einmal ist was verschwunden. Technik? Zensur? Es häuft sich, das fällt auf.