Der Fall Nawalny - Russland lieben, Putin verachten

Es ist kein Verrat an Russland, der Wahrheit ins Gesicht zu sehen: Wladimir Putin benutzt den russischen Geheimdienst, um politische Gegner zu eliminieren. Eine Gedankenübung für alle wahren Freunde Russlands.

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Russlands Präsident Wladimir Putin während seiner Pressekonferenz am 17. Dezember diesen Jahres / dpa

Autoreninfo

Moritz Gathmann leitet das Ressort Berliner Republik bei Cicero. Er studierte Russistik und Geschichte in Berlin und war viele Jahre Korrespondent in Russland

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Auch nach diesem Text werden wieder die Leserbriefe kommen: „Das ist zu komisch! Wenn der russische Geheimdienst jemanden beseitigen will, dann beseitigt er ihn.“ „Ach Herr Gathmann, ach Recherche-Verbund ... ach CIA, ach NSA, ach MI5, ach MI6, ach BND, …“ „Und wieder waren die Russen zu blöd dazu. Was hat der Putin nur für einen unfähigen Geheimdienst. Das hat der saudische Kronprinz aber besser hingekriegt mit dem Khashoggi.“ (Alles Original-Zitate)

Was steht hinter diesen Vorwürfen? Allgemeine Verachtung für die Medien, klar. Die Überzeugung, dass den amerikanischen Geheimdiensten alles zuzutrauen ist, auch dies. Aber im Fall von Russland kommt noch etwas hinzu: der Russland-Komplex der Deutschen.

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Dorothee Sehrt-Irrek | Di, 22. Dezember 2020 - 16:38

ich mag Ihre Stimme, manchmal auch die Texte und auch Obama warnte vor Putin. Obama ist aber nicht vollkommen.
Ich sehe bislang in Nawalny keinen Menschen, der mich berühren würde.
Noch einmal, warum sollte Putin so dumm sein, überhaupt etwas gegen Nawalny zu unternehmen?
Ich halte ihn bei allem Respekt für vor allem sich selbst, Nawalny jetzt, nicht etwa Putin.
Ich schätze Merkel nicht, das "entlastet" Putin ein bisschen.
Ich weiss, nicht sehr aussagekräftig.
Kurz, ich kann es nicht beurteilen.
Sie hingegen Herr Gathmann, Sie können verurteilen?
Das verlangt von mir mehr, als Ihre Stimme zu mögen.
Von Ihnen auch.
Russland agierte m.E. in der Finanzkrise nicht gegen die USA und ich halte Trump für schwierig, aber eben ein "Nicht Hillary Clinton"
Putin war KGB und ich war ein Fan von Chodorkowski.
Es wird ankommen auf die, die mir eine Alternative zu Putin sind, bevor ich beginne, Putin zu misstrauen.
Aber auch dann, ich halte ihn für intelligent.
Herr Gathmann, Sie ringen um uns?

Bernhard K. Kopp | Di, 22. Dezember 2020 - 17:00

In reply to by Dorothee Sehrt-Irrek

Mir scheint unverändert nicht plausibel, dass der russische Geheimdienst nicht jemanden mit chirurgischer Präzision beseitigen könnte, wenn man dies offiziell wollte. Es ist einleuchtend, dass Nawalny jahrelang beschattet wurde - man wollte genau wissen was er wo, und mit wem, macht. Der Rest erscheint einfach zu dilettantisch. Die jüngst über CNN verbreiteten investigativen Ermittlungen, die viel Geld gekostet haben, können sehr wohl CIA-Auftragsarbeit sein. Selbst der US-Congress will sich mit den Ergebnissen befassen. Die kennen auch geheime Aktionen, und, sie haben bekanntermaßen seit 25 Jahren eine anti-russische Agenda. Ohne diese Agenda wären wir, Europa, mit Russland nicht wo wir sind. Das mit Nawalny ist ein russisches Verbrechen, an einem Russen und damit russische Jurisdiktion. Der Rettungsflieger aus Berlin war ja auch schon auf stand-by als Nawalny ins KH kam.

Vielleicht hat Herr Gathmann recht und die Geheimdienste sind auch nicht mehr das was sie mal waren? Ich glaube einmal gehört zu haben, das der Mossad von den Israelis am leisesten und effektivsten arbeitet. Mit ein Grund für den Unmut der Vereinigten Staaten, speziell der CIA versus Russische Regierung und FSB dürfte der von uns wahrscheinlich schon vergessene Edward sein. Nicht der mit den Scherenhänden, sondern der mit dem Wissen über die Gewinnung topgeheimer Informationen, deren Beschaffung sowie den innersten Strukturen des Ladens aus dem er sich heraus über Hongkong? ins russische Exil verflüchtigte. Wir wollten ihm ja keine Aufnahme gewähren, was ihm m.E. auch nicht gut bekommen wäre. Dafür kenne ich wiederum die US-Dienste gut genug. Das Kapitel ist bestimmt auch noch nicht vollständig beigelegt. Der cui bonos gibt es so viele wie Unbekannte. Ich schätze es aber, das wir alle hier unseren Gedanken und auch Fantasien;) freien Lauf lassen können unter Bekannten. Frohe Tage! LG

Fritz Elvers | Di, 22. Dezember 2020 - 16:53

Geheimdiensten alles zutraue, es fehlt das Motiv.
Alexej Nawalny war, bisher jedenfalls, politisch zu unwichtig.

Dahingegen haben westliche Geheimdienste sehr wohl ein Motiv, nämlich bekanntlich NS2 zu verhindern. Die USA will uns tatsächlich eine Energiepolitik diktieren. Das ist der weiße Elefant im Raum, den keiner sehen will.

Man muss kein Russlandversteher sein, komisches Schimpfwort, um zu erkennen, dass die derzeitige Russlandpolitik dumm ist.

Und dem fröhlichen Ausplaudern von Staatsgeheimnissen Unbekannten gegenüber am Telefon...
Zumal ein Vortäuschungsmanöver angelsächsischer Geheimdienste mittels eines ungiftigen Reaktionsprodukts von Enzym und Novichok exakt ein heute übliches Vorgehen in der Pharmaforschung nutzen und umkehren würde, wie man heutzutage bessere neue Wirkstoffe durch Untersuchung von Metaboliten sucht und patentiert. Hier hat man dann quasi einen nicht-Wirkstoff gesucht, mit dem man Vergiftungen Labors gegenüber quasi als falsche Putin-Visitenkarte vortäuschen kann.
Über den angestrebten Nutzen (Verhinderung von NS2) kann man nur spekulieren. Technisch umsetzbar ist das Szenario relativ leicht.

"Wer uns für dumm verkaufen will, soll es bitte nicht dümmer tun, als wir selber sind." (W.Ludin)
welt.de:" In dem Mitschnitt ist zu hören, wie er (Nawalny) mit einem mutmaßlichen Agenten des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB telefoniert,..."...na wenigsten hatte man noch den Schneid "mutmaßlichen" zu verwenden.
Und ich mich bei dem Artikel gut amüsiert.

"Ein Mann filmt seinen Mörder beim Mord", aus den 70igern. Spielte in Chile und war wahrscheinlich wahr.

Ok, neben zahllosen Interviews, die "Bild" mit Ermordeten führte, ist natürlich der Anruf des untoten Opfers bei seinem Mörder (Bei Anruf ...) besser, als der "Tatort" je war. Das konnte nur von "Harry, hol' den Wagen..." überboten werden.

Für die Freunde schlechter Krimis: Ein gesegnetes Fest! Nasdrowje! (Wie der Russe nicht sagt).

Heidemarie Heim | Di, 22. Dezember 2020 - 17:13

Danke! Auch Ihnen lieber Herr Gathmann frohe Feiertage! Ich zähle mich nicht zu den Russlandverstehern, sondern wie gesagt, da sind Sie der Fachmann! Aber wir sind in der glücklichen Position schon etliche Jahre mit sogenannten Russland-Deutschen befreundet zu sein und wir bilden aus "politischer Sicht" heraus ein kurioses
Gespann. Denn schon unsere Sozialisationen und späteren Lebenswege könnten gegensätzlicher nicht sein. Mein Ehemann und ich im Westen geboren und mit den "Amis" quasi aufgewachsen, mein Mann arbeitete 42 von 46 Jahren bei einer Behörde der USAF. Unsere Freunde kamen aus dem sehr ländlichen Teil Kasachstans und ich bin beim ersten Mal fast in Ohnmacht gefallen, als sich unser Freund als Stalinverehrer aber nicht Kommunist bezeichnete, die Annektierung der Krim ganz "normal" fand, gehörte schon immer Russland!, seine Lieblings-Schwiegertochter aus der Ukraine stammt;) und es trotzdem kein Mord und Totschlag gibt in unserem wilden Freundschafts-Durcheinander;)! MfG

Juliana Keppelen | Di, 22. Dezember 2020 - 17:58

drei unterschiedliche kurze Plots, Tee, Wasserflasche, Cocktail in der Bar, serviert hat um zu testen wie das geneigte Publikum reagiert kommt nun noch die Unterhose dazu und siehe da die erhoffte Reaktion ist überwältigend jedenfalls bei denen die diese Geschichten gerne glauben. Das Drehbuch ist geschrieben und ich denke ein Film ist in Arbeit. Jetzt verstehe ich besser warum ausgerechnet "Cinema vor Peace"! den Flug nach Deutschland (und nicht in die Schweiz, Österreich, Frankreich usw.) forcierten und finanzierten die kennen sich aus mit solchen Drehbüchern.

Karl-Heinz Schmidt | Di, 22. Dezember 2020 - 18:12

Mal zusammen gezählt !
1: 2 Atombomben auf Japan abgeworfen !!
2: Vietnam , dort hat die USA ein Desaster hinterlassen.
3: Der nahe Osten !
Wiedermal war die USA die treibende Kraft !!
Und hat den gesamten Osten ins Chaos getrieben!
Das ist belegt ! Nicht Russland , sondern die USA läuft aus dem Ruder. Diese USA ist dabei sich selbst zu zerlegen! Russland braucht nur zu zu zuschauen.

Joachim Kopic | Di, 22. Dezember 2020 - 22:36

In reply to by Karl-Heinz Schmidt

Sie wissen schon, dass die NSA ab sofort eine Direktleitung schaltet ;)

Bernhard K. Kopp | Mi, 23. Dezember 2020 - 07:30

In reply to by Karl-Heinz Schmidt

Dort haben ja auch " die Russen " bombardiert, wie schon vorher in Bosnien. Auch mit dem " Kosovo" haben " die Russen " die europäische Nachkriegsgrenzen verschoben. Für einige Nachwirkungen all dieser Aktionen sind dann wir , schon wegen der Geographie, mit in der Haftung. Nawalny beweist ja wieder, dass Putin böse ist, und die Amerikaner seit Clinton die besten Freunde Europas weil sie uns gegen die bösen Russen beschützen.

Gerhard Lenz | Mi, 23. Dezember 2020 - 09:07

In reply to by Karl-Heinz Schmidt

Mal zusammengefasst, wenn ich ebenfalls die Vergangenheit dazu zählen darf:
1. In die Ukraine einmarschiert
2. In Georgien einmarschiert
3. In Afghanistan einmarschiert
4. In Tschetschenien einmarschiert
5. In die DDR, Ungarn und die CSSSR einmarschiert.
und hier und da ein wenig Krieg gespielt. Dazu, zeitnah,
5. ständig dabei, sich in fremde Wahlen einzumischen
6. ständig im Cyberwar mit der halben Welt, wenn auch verdeckt
7. unterstützt überall Rechtsextremisten und Faschisten
8. lässt - vermutlich - Oppositionelle im In- und Ausland ermorden
9. lässt Demonstranten mit schöner Regelmässigkeit niederknüppeln
oder in Sibirien verschwinden.
Dafür bleibt er wohl Herrscher auf Lebenszeit, wie in einer Bananenrepublik, und hat sich jetzt auch noch lebenslange Immunität gesichert, wenn eines Tages z.B. die finanziellen Machenschaften des Herrn Präsidenten hinterfragt werden könnten.
Nach irgendwelche Gerüchten soll es Herrn Putin finanziell ja ausgesprochen gut gehen.

Cornelia Karopka | Di, 22. Dezember 2020 - 18:58

Sorry, Herr Gathmann, von Cicero erwarte ich besser recherchierte und fundierte Artikel. Hier lese ich eigentlich nur Behauptungen Ihrerseits. Nur ein paar Denkanstöße: die Beziehungen Deutschland/Russland waren bis in die 2000-Jahre gut, Putin hat im deutschen Bundestag auf deutsch eine Rede gehalten, man kann sie noch finden. Einer anderen Macht gefiel diese Entwicklung sichtlich nicht, es folgte die "orange Revolution" (Kosten lt. Neuland 5 Milliarden Dollar, der blutige Maidan, dann die Annexion/Sezession der Krim. Zeitgleich fiel Syrien dem ebenfalls von dieser Macht aufgebauten IS zum Opfer, Assad, der gewählte Präsident, rief Russland zu Hilfe- das "neue Syrien kommt eben doch nicht aus Wilmersdorf"! Zeit Artikel 2012- lesenswert! Seitdem scheint Putin nur noch zu pfuschen- kein Attentat gelingt, der FSB kommt zwar an die Unterhose, nimmt aber zu wenig Nowitschok, genauso wie in GB. Und Bellingcat wird von den USA und Soros finanziert- auch schnell zu finden.

Karl-Heinz Weiß | Di, 22. Dezember 2020 - 19:06

Trump wird sein Präsidentenamt unter großen inneren Qualen aufgeben. Dies ist der Unterschied zu Putin, der dieses Amt aus Selbstschutz lebenslang ausüben muss. Solange lebt er in seiner eigenen Welt, die Selbstzweifel ausschließt. Warum sollte er solche auch haben, wenn lupenreine Demokraten wie Schröder, Gysi und Gauland ihn weiterhin bewundern, und dies im Angesicht seines Vernichtungsfeldzugs gegen das syrische Volk?

Christa Wallau | Di, 22. Dezember 2020 - 19:34

Es gibt - weiß Gott - viele Staatslenker u. andere
Leute auf dieser Erde, mit denen unsere Regierung Beziehungen pflegt u. unsere Wirtschaft eifrig Handel treibt, die wesentlich verachtungswürdiger sind als Putin. Da gäbe es wirklich jede Menge zu tun für Verachtungsgefühle!
Aber ich lasse dieses nutzlose Fühlen lieber u. finde mich als Realist mit Tatsachen ab, die sich nicht ändern lassen, jedenfalls sicher nicht von mir. Wenn die Russen offenbar in ihrer Mehrheit mit Putin zufrieden sind, wieso soll ich mich über ihn aufregen?
Wir haben in unserem Land genügend eigene problematische Personen, um die wir uns mit Verstand u. Gefühl kümmern müssen; denn diese stellen die entscheidenden Weichen für u n s e r zukünftiges Schicksal.

im übrigen plädiere ich schon lange dafür, mit Rußland in jedem Fall bessere Beziehungen zu pflegen; denn das russische Volk u n d Putin sind an kulturellem u. wirtschaftlichem Austausch mit DE sehr interessiert, u. wir würden davon auch
nur profitieren.

Klaus Funke | Di, 22. Dezember 2020 - 19:49

Journalismus, auch der von CICERO, erträgt Kritik nur schwer und versteckt sich hinter Nettiquette. Herr Gathmann redet von zu erwartender Kritik und lässt die Schotten schließen. Toll! So geht heute Journalismus. Das erzeugte Bild entspricht den eigenen Erwartungen. Nein, ich ärgere mich nicht, dass meine Kommentare nicht erscheinen. Ich habe das erwartet. Aber ich habe nun auch die letzten Illusionen über CICERO und seine Artikelschreiber verloren. Warum sollten sie auch anders sein als die von Spiegel oder TAZ und Welt. Und dann attestiert Herr Gathmann seinen Kritikern auch noch Verachtung der Medien. So einfach sind die Weltbilder dieser Herren. Aber ein alter Spruch, den mir meine Mutter schon empfahl, geht so: "Nichts ist so fein gesponnen - es kommt alles an die Sonnen!" Das gilt auch für die vermeintlichen Wahrheiten eines Herrn Gathmann. Darüber sollte er mal nachdenken. Auch wenn bekannt ist, dass Journalisten nichts so sehr lieben wie ihre eigene Wahrheit.

Auch mir geht es so. Bei manchen Autoren weiss man im Vorfeld was kommt und man wähnt sich in der üblichen Presselandschaft.
Aber dafür braucht's kein Cicero.
Die Gegenmeinung passt nicht, also im Vorfeld schon mal kundgetan und anschliessend nicht veröffentlicht.
Aber da sind noch die 80% anderen im TeamCicero. Und das ist gut so.
Nur weil ich etwas kritisch Begutachte, bin ich weder Leugner noch Versteher.
Allen ein schönes Fest.

Yvonne Stange | Di, 22. Dezember 2020 - 21:08

... hat ein Buch geschrieben, "Die nächsten 200 Jahre", oder so, ich weiß es nicht, ich hab den Titel vergessen und bin jetzt zu faul aufzustehen. Er ist Teil eines wichtigen Think Tanks in den USA und er beschreibt darin sehr gut, daß es immer das Bestreben der USA war, daß Deutschland und Rußland zusammenkommen. Die wären zusammen unschlagbar und das macht den USA Todesangst. Daher wird alles versucht, dies zu verhindern. Und wie es versucht wird, das sehen wir seit Jahrzehnten.... Ich bin Putinist und ich mag Rußland sehr. Und davon wird mich auch keiner abbringen. - Nett übrigens, Herr Gathmann, daß Sie mich zitieren. ;-) Sie machen mir trotzdem keine Angst vor Rußland und dem dämonischen Putin.

Yvonne Stange | Mi, 23. Dezember 2020 - 10:26

In reply to by Yvonne Stange

Es muß: NICHT zusammenkommen heißen! So entstellt es den Sinn. :-)

Die Russen haben während der Zeit Napoleons die Stadt Hamburg kurzzeitig unter Beteiligung der Bürger von den Franzosen befreit und sind wieder abgezogen. Die Franzosen sind allerdings nach 2 Monaten unter Davout wieder zurückgekehrt und haben sich übel an den Bürgern der Stadt gerächt.
Wenn man die europäische Geschichte Revue passieren läßt, kann ich verstehen wenn sich Finnen, Balten, Polen und die Anrainer des Schwarzen- und Kaspischen Meeres von Russland bedrängt fühlen.
Deutschland war dreimal an Überfällen auf Russland beteiligt.
Das erste mal in Napoleons Grande Armèe, in dem der deutsche Rheinbund ein Kontingent von 120.000 Soldaten oder mehr stellte, das zweite mal unter Kaiser Wilhelm und das dritte mal unter Adolf Hitler.

Kai-Oliver Hügle | Mi, 23. Dezember 2020 - 13:11

In reply to by Yvonne Stange

"Die [Deutschland und Russland] wären zusammen unschlagbar".

So wie zwischen 1939 und 41. Das waren noch Zeiten, was?

Tomas Poth | Mi, 23. Dezember 2020 - 15:05

In reply to by Kai-Oliver Hügle

Frieden in Europa gibt es nur mit Russland und nicht gegen!
Ich verstehe Fr.Stange so daß der eigentliche Aggressor der US-Imperialismus ist.
Der Kampf nach Weltkrieg II um die weltweiten Einflußzonen, der Machtverschiebungen zwischen Kommunismus und Demokratie, mit den Protagonisten UdSSR und USA. Daraus übrig geblieben sind die USA.
Darüber läßt sich diskutieren. Aber nicht in dem von Ihnen insinuierten revanchistischen Verständnis.

Thomas Hechinger | Di, 22. Dezember 2020 - 23:02

Es ist schon ein wenig gemein von Ihnen, Herr Gathmann, alle möglichen Einwände gegen Ihren Artikel gleich selbst vorwegzunehmen, um sie auf diese Weise unmöglich zu machen. Diesen rhetorischen Trick haben wir also durchschaut. Nun zur Sache. Putin ist ein gewissenloser und zynischer Autokrat, mit Verdiensten für Rußland, aber letztlich kein guter Präsident. Verfassung und Institutionen existieren nur der Form nach. In Wirklichkeit besteht Putins System aus einem verschworenen Kreis von Personen, zur Sicherung der Macht und zur Bereicherung in gegenseitiger Abhängigkeit miteinander verbunden. Weil dieses System nicht auf institutionellen Strukturen beruht, wird es mit Wegfall ihres Zentrums Putin auseinanderfallen. Ein guter Staatsmann würde aber versuchen, ein Werk zu schaffen, das nach ihm Bestand hat. Daß Putin politische Gegner wegvergiften könnte, glaube ich sofort. Ob es im konkreten Fall genau so war, wie geschrieben wird, da habe ich doch meine Zweifel. Zu viel Ungereimtes.

Clara Schwarze | Di, 22. Dezember 2020 - 23:24

Aus meiner Sicht ist geht der auch auf das eigentliche Problem nicht ein. Viele Leute sind inzwischen skeptisch mit diesen westlichen Einmischungen in anderen Ländern, weil die sich eigentlich immer als unberechenbar erwiesen haben. Und das wird hier durch eine - gelinde gesagt schillernde Figur wie Nawalny und eine dubioses Portal wie "Bellingcat" verschärft. Man kann schon fragen, ob es so klug ist, sich derart mi denen gemein zu machen - denn die werden eigene Interessen verfolgen.
Richtig ist, dass dabei v.a. viele den USA inzwischen misstrauen und ihnen unterstellen, sie hätten Interessen daran, Deutschland in Russland in Konflikte zu treiben und das mag stimmen oder nicht.
Nur man sollte schon Motive hinter Quellen wie "Bellingcat" hinterfragen und dass die Presse das nicht so recht tut, ist eben einer der Kritiken. Dass man selbst Journalist den FSB nicht mag ist übrigens kein Argument. Das kann ich verstehen, nur da muss trennen können.

Andre Möller | Mi, 23. Dezember 2020 - 07:01

Tut mir leid, Herr Gathmann, aber ihr Artikel überzeugt mich nicht. Subjektive Einschätzungen mit ideologischer Färbung. Ich denke, sie sind da auf dem Holzweg. Sorry, aber diese ganzen Pseudo-Ermittlungen von interessierter Seite sind nicht glaubhaft. da steckt einfach zu viel Fremdinteresse dahinter. Der Westen hat sich krass verrannt, was Russland betrifft. Wer wird hier eigentlich nervös? Kann ich auf russischer Seite nicht erkennen. Die sehen gerade zu, wie der Westen sich selbst zerlegt. Und ich glaube ebenso, dass das noch nicht mal so großartige Gefühle im Kreml auslöst. Ich finde die russische Außenpolitik wesentlich pragmatischer und handlungsfähiger als die jedes westlichen Staates. Da sind weniger Gefühle im Spiel...

Irgendwie ähnelt Herrn Gathmanns Einstellung und Sichtweise bezüglich Wladimir Putin, der seiner Kollegin Katja Thorwarth von der Frankfurter Rundschau bezogen auf Dieter Nuhr, scheint mir.

Ernst-Günther Konrad | Mi, 23. Dezember 2020 - 08:44

Erstmal auch Ihnen Herr Gathmann, der Redaktion und den Lesern und Kommentatoren ein besinnliches Weihnachtsfest und falls es techn. Probleme zwischen den Jahren gibt jetzt schon einen guten Rutsch.
Ich respektiere Ihre Sicht der Dinge und streite nicht ab, dass Putin auch, wie viele Staatenlenker sich unsauberer Mittel bedient bis hin zum Auftragsmord. Ja, es kann so sein, es muss aber nicht so gewesen sein. Mich stören wesentliche Details in dem Fall, die ich mir nicht schlüssig als ehem. Kriminalist erschließen kann.
Motiv - N. war ein unbedeutender Oppositioneller, der 10% Stimmen bei der Bgm.-Wahl in Moskau erlangte. Eigentlich ein zu kleiner Fisch, oder?
Mittel - warum ausgerechnet Nowitschok, das sog. Erkennungszeichen russ. pol. Auftragsmörder?
Ausreise - warum lässt man ihn nach DE, da wäre doch noch was gegangen, bei einem stümperhaften Mordversuch?
Die Medien und N. - da ruft der so einfach mal zwei, drei aussagewillige russ. Kenner des Komplotts an, die sofort gestehen?

Der Nawalny-Krimi ist noch nicht fertig geschrieben. Da werden weitere Bände aufgelegt werden. Und wer am Schluß der (Beinahe-)Mörder ist, wird in diesem modernen Stück vielleicht nie herauskommen.
In einem will ich Ihnen aber deutlich widersprechen, nämlich daß Herr Nawalny für das Putin-System ein unbedeutender Oppositioneller wäre. Wer in Rußland bei der Bürgermeisterwahl in Moskau 10 Prozent holt, ist für das System so gefährlich, als würde bei der nächsten Landtagswahl in Deutschland einer für die AfD 45 Prozent holen. Da schrillen bei den Mächtigen alle Alarmglocken. In Deutschland sind Giftanschläge jetzt nicht so üblich. Für so etwas haben wir die in allen Medien verkündete angedrohte oder vollzogene Beobachtung durch den Verfassungsschutz. In Rußland arbeitet man eher mit byzantinischen Methoden, um Störenfriede wegzuräumen.

Sebastian Bauer | Mi, 23. Dezember 2020 - 09:43

Zitat:” Wir hierzulande dagegen sollten uns daran gewöhnen, dass Putins Verhältnis zur Wahrheit mindestens so gestört ist wie jenes von Donald Trump.”
Ich warte jetzt schon seit fast einer Woche darauf, dass der Cicero zeigt dass Wahrheit ihm wichtiger als Clickbaits ist.
Herr Northe schrieb letzte Woche:” Nun meldet Schweden die höchste Sterblichkeit innerhalb eines Monats seit der Spanischen Grippe im Jahr 1918.” in einem Machwerk gerichtet an Corona Leugner.
Leider ist dies Fake news weil es nur fuer die absolute Anzahl Tote gilt und nicht für Sterblichkeit. Würde der Cicero mal über die Sterblichkeit in Schweden im langjährigen Vergleich berichten, müsste man zugeben, dass 2020 mit Grippejahren vergleichbar ist. Ich habe die Redaktion darauf hingewiesen aber keine Antwort.
Wenn der Cicero oben beschriebenes nicht richtigstellt, muss man leider konstatieren:“ Wir hierzulande dagegen sollten uns daran gewöhnen, dass das Verhältnis des Cicero zur „Corona Wahrheit „ gestört ist.“