Alexej Nawalny im Porträt - Der Einzelkämpfer

Alexej Nawalny wird wohl für mehrere Jahre im Gefängnis verschwinden – aber wer ist eigentlich dieser Mann, der Russlands Präsidenten Putin ein ums andere Mal herausfordert?

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Wie populär ist Alexej Nawalny wirklich im eigenen Land? / Peter Rigaud/Laif

Autoreninfo

Christian Neef ist seit 1983 politischer Korrespondent in Russland. 

So erreichen Sie Christian Neef:

Als ich Alexej Nawalny 2017 das letzte Mal in Moskau traf, war er nach einer 15-tägigen Haft gerade aus dem Gefängnis entlassen worden. Sie seien zu viert in einer Zelle gewesen; bei den anderen drei habe es sich um gewöhnliche Straftäter gehandelt. Denn politische Häftlinge würden sorgfältig voneinander getrennt, erzählte er. Trotzdem hätten sie tagelang über Politik diskutiert. Jetzt wird der 44-jährige Rechtsanwalt, Blogger und Dissident voraussichtlich für mehr als zweieinhalb Jahre hinter russischen Gefängnismauern verschwinden, und man darf rätseln, ob er diese Zeit genauso gut überstehen wird.

Das Urteil ist der vorläufige Tiefpunkt einer Kampagne, die den letzten charismatischen Regimegegner mundtot machen soll – einen Mann, der nach dem Versuch, ihn zu vergiften, eine erstaunliche Protestwelle in Russland ausgelöst hat. 

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Yvonne Stange | Do, 11. März 2021 - 19:27

Viel Unterschied zwischen dem Kommentar von einem Herrn Huld und dem Artikel hier ist scheinbar nicht mehr vorhanden. Dort wird Rußland schon offen als "der Feind" bezeichnet. Es läuft auf Krieg hinaus, es wird geschürt und gehetzt, in der Hoffnung, irgendwas wird schon hängenbleiben....
Und wieder sind es die Deutschen, die sich jubelnd zum Werkzeug machen lassen. Traurig.

Russia Today oder "Sputnik", oder irgendeiner der seltsamen "alternativen" Medien. Also da, wo Putin-Besessene vor lauter Zuneigung zum russischen Lebenslangdiktator den Griffel kaum noch halten können.

Zum Glück bringt der Cicero noch solche ausgewogenen Beiträge!

Es überrascht nicht, wenn mal wieder ganz schnell das Opfer zum Täter erklärt wird.
Schließlich stört Herr Nawalny das Märchen vom unter Putins Wohltaten genesenen Russland, in dem der "Landesvater" mit harter Hand, aber selbstverständlich voller Güte, nur das Beste für das eigene Volk will - ganz anders als unsere dekadenten Demokraten!

Da gefällt es nicht, wenn über die russische Kleptokratie, Korruption und Bereicherung der Oberen als Regierungsprinzip berichtet wird.
Wenn "Putin-Freunde" als Strohmänner für aufgehäufte Reichtümer des "Halbgottes auf dem Kreml-Thron" am Schwarzen Meer, in Panama oder sonstwo "vermutet" werden.

Hände weg vom letzten Helden aller Populisten - jetzt, wo Trump "weg" ist, erst recht!

"Hände weg vom letzten Helden aller Populisten" sie meinenNawalny?
Herr Nawalny stört in Russland fast niemand besonders nach seinem spektakulären "Vergiftungskrimi" der wohl das endgültige "Aus" für Nordstream 2 bringen sollte.
Und die schlimmsten Oligarchenverbrecher aus der Jelzin-Ära sitzen z.T. in London, Zypern, Schweiz und Israel und versuchen mit allen Mitteln wieder an ihre Pfründe zu kommen. Dabei geht es nicht um Reichtum denn das sind sie im Überfluss, es geht um Einfluß und Macht die sie duch Putin verloren haben. Ach und noch was ich brauche kein RT oder Sputnik oder BILD trotzdem genehmige ich mir eine breitere Palette an Informationen, den ich liebe die Vielfalt und nicht die Einfalt.

so plumpen der Anti-Putin-Agit kenne ich sie gar nicht.
Ihre Putin-fans sind nicht für Putin, den Herrscher, sondern gegen die politische Behandlung Russlands unter Führung von P. durch den Westen, dem er mit seiner nationalen auf Souveränität basierenden EIGENSTÄNDIGKEIT ein Dorn im Auge ist.
Also gegen den kalten Krieg mit dem Ziel der ökonomischen Eroberung Russlands, einer Entwicklung, der Putin und sein nationaler Weg einen strich durch die Rechnung machte.
Und Nawalny? herr L. sie glauben doch nicht wirklich, daß dieser Faschistenfreund was anderes zu bieten hätte als sich selbst: Kontrahent zu Putin, Saubermann - und in dieser moralischen Figur taugt er dem Westen. Korruption existiert in R. nicht erst seit Putin, besser: ist er es nicht der den Oligarchen Grenzen setzte, deren Macht unter die staatliche Diktion? hat den Westen nie gestört die Korruption solange Rußland "zur verfügung" stand.
Es ist nicht die aktuelle r. Politik die stört sondern die westliche - Gutester!

Ihr ganzer Beitrag spottet wie üblich jeder Beschreibung, aber Ihren letzten Satz verstehe ich noch weniger als den Rest. Darf man fragen, was Sie damit meinen..?

Walter Bühler | Do, 11. März 2021 - 19:31

... und die schlagartige Rückkehr nach Russland- dafür bietet Christian Neef keine plausible Erklärung. Die Filmchen vom Team Nawalny (z. B. über Putins Märchenvilla am Schwarzen Meer samt Tischstange) waren Fälschungen, auch wenn sie bei uns die Tagesschau füllten.

Und sonst: es wird ihm genau so gehen wie dem edlen Herrn Chodorkowski. Den hat Putin auch nicht umgebracht.

Und wer sagt uns bei diesem Medienstar, dass nicht noch einmal "den liberalen und den nationalistischen Flügel der Protestbewegung zusammenzubringen“ will? Vieleicht will er aus Russland eine größere Ukraine machen? Wer weiß das schon?

Dazu passt, dass sich Christian Neef nicht traut, etwas über die Finanzierung der politischen Aktionen Nawalnys zu sagen.

Was taugen eigentlich Auslandskorrespondenten, die nur die gängigen medialen Vorurteile in D über das Ausland bestätigen wollen?

Ich sehne mich oft nach solchen Charakterköpfen wie Gert Ruge zurück.

Thomas Hechinger | Do, 11. März 2021 - 19:56

Wofür Herr Nawalny politisch steht, weiß ich nicht. Nach diesem Artikel bin ich auch nicht schlauer, der Autor gibt es offen zu, daß auch er es nicht weiß. Aber eines weiß ich, weil ich es sehe: Dieser Nawalny hat Mut. Und er zeigt keine Angst. Immerhin mußte er nach seiner Rückkehr damit rechnen, eingelocht zu werden (wie konnte er es auch wagen, sich seiner Vergiftung zu entziehen!). Und es ist dann auch genau so passiert. Und er muß weiter damit rechnen, im Gefängnis um die Ecke gebracht zu werden. Ein plötzlicher Tod, die Ärzte diagnostizieren einen bisher unbemerkt gebliebenen Herzfehler - das läßt sich alles arrangieren. Es ist gar nicht wichtig, daß das jemand glaubt. Hauptsache, die Fassade stimmt. Und Hauptsache, es wird Angst verbreitet.
Warum Herr Nawalny unter diesen Umständen in seine Heimat zurückgekehrt ist, weiß ich nicht. Aber Mut hat er, der furchtlose Held. Oder sollte man ihn eher tollkühn nennen?

Juliana Keppelen | Fr, 12. März 2021 - 15:33

In reply to by Thomas Hechinger

Nein, seinen Sponsoren und Unterstützern nützt er im Ausland nichts. Er wird gebraucht als Kämpfer für das Gute und als Opfer von Putin das ist seine Rolle sozusagen der russische Guaido und das geht halt nur in Russland. Er ist ein Populist und ging bewusst zurück um Verhaftet zu werden damit hat er gerechnet und das war so geplant nur, dass er diesmal wirklich zu der Strafe verurteilt wird die das Gesetz in Russland für das mehrmalige Übergehen der Bewährungsauflagen vorsieht damit hat er als Ikone (des Westens) nicht gerechnet. Als ihm das bewusst wurde bekam er Nerven und legte einen ziemlich vulgären und ausfallenden Auftritt vor Gericht hin, da war er ganz der alte Nawalny.

Tomas Poth | Do, 11. März 2021 - 20:06

Tue mich schwer ihn einzuschätzen, was er sein will ... - eine Art Don Quichotte, Klaus Störtebeker, Michael Kohlhaas, ein Hasardeur, Revoluzzer, ein Dorn im Fleische Putins ...
Auf alle Fälle wird er im Informationskrieg vom "Westen" gegen Putins Russland und Nordstream 2 benutzt. Das ist klar zu erkennen.
Die Zeit wird es vielleicht zeigen?

Ernst-Günther Konrad | Fr, 12. März 2021 - 09:51

In reply to by Tomas Poth

Ähnliche Gedanken kamen mir auch in den Sinn. Nichts Genaues weiß man nicht, davon aber ganz viel. Wer und was Nawalny ist? Der Autor gibt sich selbst im Text für mich gesehen mit seiner Frage die Antwort. "Hat ihn der Westen vorschnell zur Ikone stilisiert?" Ich sage, ja. Er ist ein künstlich vom Westen erzeugter angeblicher Oppositioneller.
Es ist wie mit vielen anderen Völkern in Diktaturen auch. Die meisten wollen einen starken Mann oder eine starke Frau und geführt werden. Wenn es ihnen halbwegs gut geht, trotten sie vor sich hin und interessieren sich nicht weiter. Erleben wir in Teilen ja auch bei uns hier in DE. Schönes Wochenende Ihnen Herr Poth und allen anderen im Forum und der Redaktion.

Klaus Funke | Do, 11. März 2021 - 22:43

Zu Herrn Neef fällt mir eine Menge ein - leider nichts Positives. Es lohnt sich seinen medialen Werdegang zu beleuchten. Auf alle Fälle liefert er, was bestellt wird... Und Alexej Nawalny!? Nun da gibt es ziemlich umfassende Dossiers. Nein, er ist kein Held, er ist ein Abenteurer mit dem richtigen US-Abschluss. Von Yale kommen Leute, von der CIA ausgewählt, die überall in der Welt die Geschäfte des US-Geheimdienstes besorgen. So auch Herr Nawalny. Indes, irgendeine Führungsaufgabe möge man ihm nicht zutrauen. Da fehlt so Einiges. Sein beruflicher Werdegang bietet Pleiten, Pech und Pannen. Nirgendwo hat er irgendetwas Nachhaltiges erreicht. Nawalny ist ein Instrument der CIA. Nur ganz Naive halten ihn für einen Bürgerrechtler. Denn mit Bürgerrechten hat er nichts im Sinne. Eher ähnelt er einem Rattenfänger. Und die vielen jungen Leute, die ihm kritiklos nachrennen, bestätigen das. Ja, er ist ein neuer Chodorkowski, allerdings ohne Geld. Er gegen Putin? Das ist nur lächerlich!

Robert Friedrich | Fr, 12. März 2021 - 09:00

Hat man die Berichte zu Herrn Nawalny aufmerksam verfolgt war das Lügenvideo über den Palast von Putin die taktisch strategische Vorbereitung seiner Rückkehr nach Rußland und sollte den Druck auf Protestdemos erhöhen. Dieses Vorgehen beinhaltet doch bestimmt einige Straftatbestände: Aufwiegelung der Massen, Anstiftung zu landesweiten Unruhe usw. Wäre es in diesem Zusammenhang zu Toten gekommen, wer hätte die Verantwortung getragen? Die Einmischung Deutschlands in die inneren Angelegenheiten Rußlands war auch nicht unbedeutend. Man muß kein Putinversteher sein um die Lage realistisch zusehen.

Andre Möller | Fr, 12. März 2021 - 17:43

hat aber selbst jahrelang eine Opposition herbeifantasiert. Er sollte mal seine Artikel der letzten 20 Jahre lesen. Rußland steht unter den jetzigen Bedingungen nicht schlecht da, es hat den erklärten Wirtschaftskrieg des Westens mehr als achtbar überstanden, die wirtschaftliche Entwicklung ist langfristig angelegt, die Finanzpolitik wird selbst vom Westen als vorbildlich betrachtet. Rußland wird industriell aufholen und sich neue Partner suchen. Die wissen selbst gut genug, wo ihre Schwächen liegen. Warum denken deutsche (Europäische und US-amerikanische) Journalisten und Politiker, dass sie irgendwelche Mitspracherechte in Russland resp. für seine Bürger hätten? Was für eine Anmaßung...Klassischer Hochmut. Wenn man jetzt Rußland schon offiziell als Feind bezeichnet, ist erstens ein Krieg nicht mehr weit und zweitens sagt eine uralte Weisheit: Kenne deine Feinde. Damit aber hat sich der Westen noch nie hervorgetan...