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Früher lachte er freundlich auf offiziellen Fotos, jetzt schaut er besorgt drein: Abiy Ahmed / picture alliance

Friedensnobelpreisträger Abiy Ahmed - Der Friedensfürst von Äthiopien am Abgrund

Äthiopiens Ministerpräsident Abiy Ahmed hat seinen Bürgern nie gekannte Freiheiten verschafft und sogar den Friedensnobelpreis erhalten – doch jetzt eskaliert die Gewalt und ein neuer Krisenherd.

Autoreninfo

Yves Bellinghausen ist freier Journalist, lebt und arbeitet in Berlin und schreibt für den Cicero.

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Als Äthiopiens diktatorische Einheitspartei EPRDF vor zwei Jahren den glücklosen Ministerpräsidenten Hailemariam Desalegn durch den damals 41-jährigen Abiy Ahmed ersetzte, war ihr wohl selbst nicht ganz klar, welche Geister sie beschworen hatte. Eigentlich wollten die Machthaber der Partei nur die protestierende Oromo-Volksgruppe im Land beruhigen, die seit Jahren teils gewaltsam gegen die Regierung protestierte. Denn die Oromo bilden zwar den größten Bevölkerungsanteil in dem Vielvölkerstaat, politisch waren sie aber seit jeher marginalisiert.

Der neue Ministerpräsident Abiy gehört selbst der Oromo-Volksgruppe an, und tatsächlich waren die Oromo zunächst begeistert, dass nun endlich einer von ihnen Regierungschef wurde. Gleichzeitig, so hoffte die Partei, sollte ihr treuer Gefolgsmann Abiy das autoritäre Staatssystem in Äthiopien stabilisieren. Abiy, der in einem zentral­äthiopischen Dorf aufwuchs, trat noch als Jugendlicher der EPRDF bei, diente sich bei der äthiopischen Armee zum Oberstleutnant hoch und baute den äthiopischen Internet-Geheimdienst mit auf, der Opposition und Journalisten unterdrückte. Tatsächlich schien Abiy Ahmed knietief im äthiopischen Repressionssystem zu stehen.

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Alexander Mazurek | Mo, 13. April 2020 - 13:45

… Friedensnobelpreis ist inzwischen zur reinen Show verkommen, wie im Fall von Aung San Suu Kyi oder Barack Hussein Obama, den Rekordmeister außergerichtlicher Tötungen rund um die Welt.

Michaela 29 Diederichs | Mo, 13. April 2020 - 22:30

In reply to by Alexander Mazurek

Der Friedensnobelpreis ist so runtergekommen wie der Bambi, die WHO, die UNO. Korrupt, von Gates und anderen Wirtschaftsgrößen dominiert. Aber außer Trump werden sie von keinem Land in Frage gestellt. Jetzt ist es an der Zeit, auch diese Institutionen auf den Prüfstand zu bringen. Gewogen und für zu leicht befunden. Meine Meinung.

Hubert Sieweke | Mo, 13. April 2020 - 23:39

In reply to by Alexander Mazurek

Bevölkerung zu täuschen. Er hat sich immer locker mit den Celebreties in Hollywood gezeigt, sie geküsst und gedrückt, Ihnen Preise zugeworfen, weil er dass Rampemlicht so sehr gesucht hat. Er glaubte letztlich, er sei ein guter Mensch. Hat aber nahezu 26.000 Drohnentote zu verantworten und alle die Versprechungen, die er den Bürgern mit "yes we can" machte, nicht gehalten. Dazu noch 1500 Mandanten der Demokraten verjubelt, den Senat und das Rep Haus verloren.

Trotzdem sind die Sternchen und die MSM immer noch seine größte FanGemeinde.

Die Dummheit der Menschen ist schier grenzenlos...
Wie bei uns, als Kriegsverbrecher der Wehrmacht wieder Generäle der Bundeswehr und der NATO wurden, so als hätte es die Zeit 33-45 nicht gegeben.
Und, alle haben nicht mitgekriegt von den Umtrieben...

Markus Michaelis | Mo, 13. April 2020 - 15:02

Unsere politischen Modelle in der Welt kennen meist nur den Zusammenhalt und das Zusammenhalten bestehender Staaten. Ausnahmen wie Tschechien und Slowakei oder Sudan begründen keine akzeptierte Gesellschafts- und Staatstheorie der Spaltung. Sicher können Staaten und Gemeinschaften nur überleben, wenn man hohe Energie in den Zusammenhalt steckt, weil es von alleine immer divergierende Momente gibt. Aber vielleicht brauchen wir auch mehr akzeptierte Regeln für Spaltungen, wenn Gruppen einfach nicht zusammenpassen? Die gibt es nicht, aber vielleicht ist es einen Versuch wert solche zu entwickeln.

Zumindest im Moment glauben wir auch daran, dass es besser ist Ehen nach akzeptierten Regeln wieder lösen zu können. Das war über Jahrhunderte auch ein Tabu.

stimme ich zu
= Trennendes " ohne "Kriegerklärung" zur "Kenntnis feststellen", bei Entscheidungen weder ausklammern, noch grenzenlos tolerieren, noch Limits ignorieren. Dazu müsste allerdings "Diiiieeee" Moral außen vor bleiben.
Wird sowieso nur dann ins Feld geführt wenn Beteiligten Nix einfällt oder ohne nachvollziehbare bzw akzeptable Begründung Forderungen erheben.
Eene Meene Muh - Der Böse Der bist Du
Kann eben jeder - sogar die geistige Elite
Auch deren Unintelligentesten
Hat schließlich auch ne praktische sprachliche Rückkoppelung:
Wenn Der/Die andere Person/Seite dieserart identifiziert wird.
Steht fest wo Gutes zu finden ist.
Wer konnte nicht alles deshalb verbrannt werden...
Oder gesteinigt oder, oder, oder...
So lange der gehirnlose menschliche Faktor dominiert, was weitestgehend als Standard durchgeht
dabei wahrlich nichts mit sog. "Bildung" zu tun hat
oft mit scheuklapprigen Sichtweisen verschweißt
mit Intelligenz verwechselt
Sowas wie Götzenland

Christoph Kuhlmann | Mo, 13. April 2020 - 18:21

ethnischer Konflikte.Auch wenn man uns noch so oft die Schweiz als leuchtendes Beispiel vor die Nase hält, so zerbrach Jugoslawien in einem blutigen Bürgerkrieg. Auch in Libyen ist offenbar nur ein Diktator in der Lage die tribalistisch geprägte Gesellschaft zu regieren. Demokratie hat gewisse Voraussetzungen. Die Kenntnis darüber gehört leider nicht zur Allgemeinbildung der Regierenden. Entscheiden ist eine prosperierende und dominierende Mittelschicht welche diese Staatsform braucht um ihre Interessen gewaltfrei aufeinander abzustimmen und ein Minimum an Bildung. Man fasst sich an den Kopf mit welcher Naivität Regierungen versuchen Demokratie einzuführen. Es führt immer wieder zur Autokratie in Russland, der Türkei, Ägypten zunehmend auch den USA. Die Oligarchen sind ein sicheres Zeichen dafür, dass die Macht im Wirtschaftssystem viel zu zentralisiert ist um die Macht wirklich von demokratischen Institutionen ausüben zu lassen. Hinzu kommen autochthone und religiöse Faktoren.

Ernst-Günther Konrad | Di, 14. April 2020 - 13:43

80 Ethnien, Streit mit dem Brudervolk Eritrea zumindest beigelegt, unterschiedliche religiöse Strömungen und Stammesfehden, Kampf gegen das alte System, der Mann hat sich viel vorgenommen. Wer glaubt das wäre mit ein paar Jahren erledigt, irrt an dieser Stelle gewaltig. Wer glaubt, es lauern nicht schon andere Staaten, mit "Rat und Tat" beim Demokratisieren zu helfen, der irrt sich ebenfalls.
Es bedarf mehrere Generationen bis sich in einem Volk politisch eine Gedankenveränderung einstellt. Die Gefahr aber, dass gerade eine junge Demokratie so ausgereizt wird, dass sie sich eben auch dazu verleiten lässt, mit undemokratischen Mitteln ihrer "Feinde" zu erwehren ist groß. Wenn das Stammesdenken auf ein gesundes Maß reduziert werden kann und jeder sich als Äthiopier begreift ist ein großer Schritt getan. Ich hoffe für die Menschen dort, dass sie es schaffen. Mit Hilfe der in die Welt geflüchteten Landsleute, die gut ausgebildet zurück kehren könnte es was werden. Es braucht Geduld.

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