Demonstrationen in Ägypten - Angst vor dem Déjà-vu

Das Regime in Kairo reagiert nervös auf die Proteste gegen Vetternwirtschaft und Amtsmissbrauch. Ägyptens Präsident Abdel Fattah al Sisi lässt hunderte Demonstranten verhaften. Beim UN-Gipfel wurde er deshalb nicht kritisiert. Die deutsche Kanzlerin setzt weiterhin auf eine Zusammenarbeit

Wer steckt hinter den Protesten gegen Amtsmissbrauch und Vetternwirtschaft in Kairo? / picture alliance

Autoreninfo

Markus Bickel ist freier Journalist. Er war jahrelang Nahostkorrespondent der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

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Und wieder rollt die Repressionsmaschinerie: Allein 500 Ägypterinnen und Ägypter sind seit dem Wochenende verhaftet worden, teilte das Egyptian Centre for Economic and Social Rights am Montagabend in Kairo mit. Der Grund: Im Herzen der ägyptischen Hauptstadt, aber auch in Suez am Roten und in Alexandria am Mittelmeer gingen am vergangenen Freitag Menschen auf die Straße. Ihre Schlachtrufe glichen denen von 2011: „Nieder mit dem Regime!“, „Habt keine Angst, al-Sisi muss weg!“

Einen Tag vor dem geplanten Abflug des ägyptischen Präsidenten Abdel Fattah al Sisis zur Generalversammlung der Vereinten Nationen nach New York hatten sich die Unzufriedenen gesammelt. Unter anderem dort, wo vor acht Jahren das Regime Hosni Mubaraks zu Fall gebracht wurde – auf dem Tahrirplatz im Zentrum Kairos. Sisi dirigierte dort in den Tagen des Aufstands dessen Militärgeheimdienst, später stieg er zum Armeechef auf. Als jüngster der Generäle des Hohen Militärrats (SCAF) übernahm er im Winter 2011 die Federführung bei der Niederschlagung der Proteste; Sisi wurde zum Gesicht der Konterrevolution.

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Ernst-Günther Konrad | Di, 24. September 2019 - 14:10

kamen die Ägypter da wohl. Nun, dann müssen sie es selbst erneut in die Hand nehmen. Die Frage ist nur: Welche Staatform streben sie an? Haben sie Führer, die den Willen des Volkes umsetzen können? Wie können sie sich vor Einflüssen von außen schützen? Vor den gutmeinenden westlichen Staaten, die viel reden und wenns drauf ankommt, nicht helfen.
Kann ein arabischer Staat überhaupt nach westlichen Maßstäben politisch und gesellschaftlich leben?
Der Aufruhr dürfte berechtigt sein. Nur, haben sich die Aufständigen ernsthaft Gedanken gemacht, was dann kommen soll?
Der Bauunternehmer im Exil scheint ein selbst inszenierter Heilsbringer zu sein. Erst hat er mit der Regierung paktiert und Geld gemacht und jetzt ist er im Exil und schwärzt die ehem. Geschäftspartner an. Alles doch sehr verwirrend. Was Merkel anbetrifft bleibt sie ihrer Linie treu. Ob China, Ägypten oder andere Konfliktherde, erstmal ignorieren und so tun, als wenn nichts wäre. Sie muss halt gerade die Welt retten.

Der 'Aufruhr' dürfte enden, wie so viele andere ähnliche 'Freiheitskämpfe' auch - in einer neuen Diktatur! Ich erinnere an die 'Freiheits'-Kämpfe, Umstürze und Revolutionen in Nicaragua 1979, im Iran 1979, in Süd-Rhodesien (heute Simbabwe) 1980. Im Ergebnis etablierten sich die Diktaturen der Genossen Ortega, Chomeini und Mugabe. Es ist immer dasselbe: Wenn vom Ausland gesteuerte und islamistisch (oder kommunistisch) inspirierte Studenten und Berufsrevolutionäre auf der Straße protestieren und randalieren - entsteht keine 'Demokratie' (auch wenn wir das im Westen gerne herbeischreiben würden).
Noch eine Überlegung.
Das ägyptische Militär hatte (Gott sei Dank) durch den Sturz des Islamisten Mursi zunächst Ruhe und Berechenbarkeit wiederhergestellt. Stürzt jetzt al-Sisi kommen die Islamisten vermutlich (radikalisiert) zurück. Kann man das guten Gewissens wollen? Wollen wir ein islamistisches Ägypten, das - wie Iran - Atomwaffen anstrebt und dann Europa, Israel und Rußland bedroht ?

helmut armbruster | Mi, 25. September 2019 - 09:54

Ägypten ist von 1950 bis heute von 22 mio auf 100mio gewachsen.
Die Wachstumsrate lag durchschnittlich bei etwas über 2% und sie ist ungebrochen.
Die Wirtschaft kann mit diesem Wachstum nicht Schritt halten, daher gibt es nicht genügend Jobs und Verdienstmöglichkeiten.
Das wiederum bedeutet düstere Aussichten für die Jugend.
Was sollen, was können sie tun?