Sachbeschädigung in Museen - Kunst bis zum Anschlag

Am vergangenen Wochenende hat es erneut einen Anschlag auf Kulturgüter auf der Berliner Museumsinsel gegeben. Das Phänomen Kunst- und Bildersturm ist beileibe nicht neu. Es verrät viel über den Stellenwert der Kunst und über den Zustand der freiheitlichen Gesellschaft.

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Eine große Granitschale im Lustgarten vor dem Alten Museum wurde beschmiert / dpa

Autoreninfo

Teresa Ende ist promovierte Kunstwissenschaftlerin. Derzeit arbeitet sie im Editionsprojekt Heinrich Wölfflin an der Universität Zürich mit.

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Messerstiche, Säure, Speiseöl, Steinwurf. Kunstwerke müssen sehr viel aushalten. Leonardos „Mona Lisa“ trafen im Louvre Porzellangegenstände und Steine, Bilder Albrecht Dürers in der Alten Pinakothek wurden mit Schwefelsäure attackiert, ebenso erging es Rembrandts „Danae“ in der Ermitage. Auf einen Rubens in Zürich wurde ein Brandanschlag verübt, auf Barnett Newmans „Who’s Afraid of Red, Yellow and Blue“ gingen Faustschläge nieder und so weiter und so weiter.

Gerade berühmte Kunstwerke werden immer wieder zum Ziel von Anschlägen. Zuletzt – am 3. Oktober 2020, dem 30. Jahrestag der Deutschen Einheit – beschädigten Unbekannte im Berliner Pergamonmuseum, im Neuen Museum und in der Alten Nationalgalerie fast 70 Objekte durch Aufbringen einer öligen Flüssigkeit. Die Öffentlichkeit erfuhr erst Wochen später davon.

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Wolfgang Tröbner | Mi, 28. Oktober 2020 - 12:12

Es herrschen schlimme Zustände in diesem Land. Zustände, wie sie erst in den letzten Jahren entstanden sind. Zustände, für die sich insbesondere die Politik verantworten muss. Denn gerade die Politik hat massgeblich dazu beigetragen, dass Kultur hierzulande keinerlei Stellenwert mehr hat. Man erinnere sich an Frau Özugus, die behauptete, in Deutschland gebe es außer Sprache keine Kultur (die Dame sitzt übrigens immer noch im Bundestag). Man denke an die immer mehr um sich greifende Cancel Culture, die gegen historische Kulturgüter unseres Landes gerichtet ist und von einigen Parteien im Bundestag unterstützt bzw. stillschweigend geduldet wird? Merkt die Politik eigentlich nicht, was sie da anrichtet? Wie will man Flüchtlinge integrieren, wenn man seine eigene Kultur so missachtet, weil man sie nicht kennt bzw. vergessen will? Eines darf man nicht vergessen: Die Gewalt richtet sich zunächst gegen Kulturgüter und dann gegen die Menschen. Beispiele dafür gibt es zuhauf.

Wie recht Sie haben, werter Herr Tröbner. - Ich möchte noch ein wenig ergänzen:

"Wer in schönen Dingen einen schönen Sinn entdeckt – der hat Kultur." Oscar Wilde

Somit exestiert Kunst unangreifbar im Raum jener Zeiten, die im Lauf der Geschichte Kultur hervorgebracht haben. -

"Kultur ist der Sieg der Überzeugung über die Gewalt." Platon

Der kranke Zeitgeist der Cancel Culture greift über die Vergiftung der Seelen hinaus,
in die Schrecken unkontrollierter Gewalt und disqualifiziert sich somit selbst als egomane Dekadenz, die - man fasst es nicht - unwidersprochen von Politikern der Grünen und der Linken goutiert und gefeiert wird: Wie weit ist ein Volk gesunken, dass solche Bauerfänger noch Zustimmung und damit Bestärkung erfahren..

auf die "verderbliche" Cancel-Kultur sowie alleine durch ihre Existenz schuldige Grüne und Linke nicht fehlen.

Nur irgendwann verfängt auch beim grössten Hinterwäldler die ewige Ablenkung vom wahren Geschehen nicht mehr, auch nicht wenn von irgendwelchen Philosophensprüchen eingerahmt.

Unter Verdacht stehen rechte Chaoten, also jene, die so gerne mit der vom Foristen hofierten AfD zusammen marschieren, und schon mal für den Sturm auf den Reichstag geübt haben.

Günter Johannsen | Mi, 28. Oktober 2020 - 15:55

Jedoch erschließt sich mir nicht, warum man eine Stadt wie Chemnitz zur Kulturhauptstadt machen will, in dessen Zentrum immer noch das monumentale Denkmal eines Rassisten und ausgesprochenen Antisemiten steht. Karl Marx, die linke Ikone war offenbar ein Rassist und Antisemit. Passagen von Marx über Juden lesen sich wie Texte von Nazis.
"Welches ist der weltliche Grund des Judenthums? Das praktische Bedürfnis, der Eigennutz. Welches ist der weltliche Kultus der Juden? Der Schacher.“ Marx im Brief an Engels über den Juden F. Lassalle: "Es ist mir jetzt völlig klar, dass er, wie auch seiner Kopfbildung und sein Haarwuchs beweist, von Negern abstammt, die sich dem Zug des Moses aus Ägypten anschlossen … Die Zudringlichkeit des Burschen ist auch niggerhaft."
Bevor Chemnitz zur Kulturhauptstadt wird, muss es sich dieses Rassisten-Denkmals entledigen!

So versteht man auch besser, was Kurt Schumacher (SPD) meinte, als er Kommunisten identifizierte: "Kommunisten sind nur rotlackierte Nazis. Ihnen gemeinsam ist der Hass auf die Demokratie und der Hang zur Gewalt!"

Ernst-Günther Konrad | Mi, 28. Oktober 2020 - 17:12

in Ihrem sehr guten Artikel Frau Ende. Einem Volk, dem man krampfhaft die eigene Identität nimmt und mit einem "europäischen Menschenbild" glaubt, vorschreiben zu können, wie es mit ihrer eigenen Historie und ihren Kulturgütern umgeht, wird sich für Ihr Anliegen nicht mehr erwärmen lassen. "....wenn sie ins Visier von Personen mit ausreichend krimineller Energie und fehlgeleiteter Überzeugung geraten." Das ist der springende Punkt. Kunst und Kultur wird politisiert, wird von der jeweils herrschenden Meinung definiert. Die psychisch kranken Kunstwerkzerstörer gab es schon immer. Nur was gerade jetzt wieder passiert, spiegelt die Geschichte vieler Völker wider. Kunst und Kultur soll bestimmt werden, soll als jeweiliges Druckmittel oder Faustpfand gelten, für diejenigen, die ihre Ideologie durchsetzen wollen. Zerstörte Kunst und Kultur ist der sichtbare Beweis von Machtlosigkeit der Andersdenkenden. Die Kirchen haben es vorgelebt, Diktaturen haben es übernommen. Wo leben wir heute?

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