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Kämpfer gegen Ungleichheit: Angela Merkel, Emmanuel Macron und Ursula von der Leyen / dpa

Gemeinsamer Aufruf - Ein verräterischer Satz

In einem Aufruf, den unter anderen Angela Merkel, Emmanuel Macron und Ursula von der Leyen mit verfasst haben, wird Ungleichheit als Bedrohung für die Demokratie gegeißelt. Das ist nichts anderes als ein Angriff auf die liberale Gesellschaft.

Autoreninfo

Andreas Rödder ist Professor für Neueste Geschichte an der Universität Mainz und Mitglied der CDU. Der 52-Jährige ist Vordenker eines modernen Konservatismus und hat zahlreiche Bücher veröffentlicht. 2019 erschien von ihm „Konservativ 21.0“ (C. H. Beck) (Foto: dpa)

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Andreas Rödder

„Ungleichheiten sind eine Bedrohung für die Demokratie, weil sie den sozialen Zusammenhalt untergraben.“ Woher könnte dieser Satz stammen? Aus der Programmkommission der Linken? Vielleicht – aber wenn, dann vom linken Flügel, denn Bodo Ramelow ist für einen solchen Satz zu bürgerlich. Oder von Mao Tse-Tung, obwohl er zusammen mit seiner Frau während der chinesischen Kulturrevolution Hollywoodfilme schaute, die allen andern Chinesen streng untersagt waren?

Falsch. Der Satz stammt aus einem gemeinsamen Aufruf, den der Generalsekretär der Vereinten Nationen António Guterres. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, der französische Staatspräsident Emmanuel Macron, Bundeskanzlerin Angela Merkel, der Präsident des Europäischen Rates Charles Michel sowie Macky Sall, der Präsident Senegals, Anfang Februar 2021 veröffentlichten.

Der Satz versteckt sich mitten im Text. Genau besehen ist er nichts anderes als ein Angriff auf die liberale Demokratie und die Wettbewerbsgesellschaft. Die bürgerliche Gesellschaft beruht auf dem Ideal gleicher Voraussetzungen und Chancen. Sie werden von den einzelnen Menschen qua unterschiedlichen Leistungsvermögens und freier Entscheidung unterschiedlich genutzt. Die eine wird vielleicht Lehrerin, der andere Busfahrer, ein weiterer Unternehmer, wieder eine andere hauptberufliche Mutter oder Schauspielerin.

Ungleichheit als Grundlage von Pluralität

Ungleichheit ist die Grundlage einer pluralistischen Gesellschaft. Die politische Frage kann und muss immer nur sein: Worin liegt sie begründet? Geht Ungleichheit der Ergebnisse aus einem hinreichend großen Maß an gleichen Chancen hervor? (Vollständige Chancengleichheit gibt es nicht einmal in totalitären Systemen und gab es nicht einmal im antiken Sparta.) Oder beruht sie auf einem so großen Maß an Ungleichheit in den Voraussetzungen, dass es als problematisch und regulierungsbedürftig angesehen wird? Möglichst gleiche Chancen herzustellen, ist und bleibt eine politische Daueraufgabe. Hinzu kommt ein funktionales Argument: Wenn soziale Ungleichheit ein zu großes Ausmaß annimmt, dann kann sie tatsächlich „den sozialen Zusammenhalt untergraben“.

Man kann dem Text der hochmögenden Damen und Herren zugutehalten, dass genau dies gemeint war. Es steht aber nicht da. Vielmehr werden „Ungleichheiten“ an sich pauschal als „Bedrohung für die Demokratie“ deklariert, ohne dass sich Widerspruch erhebt. Das ist das Ergebnis einer Begriffsverwirrung, die den Begriff der „Gleichstellung“ an die Stelle von „Gleichberechtigung“ gesetzt hat. Letzterers ist (oder war) ein bürgerlich-liberales Konzept, ersteres ist ein staatsinterventionistisch-egalitäres, das letzten Endes auf eine neue Ständegesellschaft hinausläuft.

Wenn solche Sprach- und Sachverwirrung nicht einmal mehr bemerkt wird, dann braucht sich Europa keine weiteren Gedanken über seine zukünftige Wettbewerbsfähigkeit mehr zu machen, und es sollte sich auch Ursula von der Leyens hochtrabende „once in a generation“- und „man in the moon“-Rhetorik sparen. Wer Ungleichheiten für eine Bedrohung hält, hat seine Innovationsfähigkeit aufgegeben. Nur: Das Geld des „Next Generation“-EU-Fonds kommt nicht aus der Steckdose. Nicht einmal mit dem Green Deal der Europäischen Union.

Klaus Damert | Fr, 5. Februar 2021 - 17:16

Das erinnert mich wieder einmal an die DDR. Dort war die Gleichheit zwischen irgendetwas (die genaue Formulierung fällt mir auf die Schnelle nicht ein) die Triebkraft für die weitere Entwicklung. Dummerweise ist aus der Physik bekannt, dass nur Unterschiede eine Bewegung initiieren. Das ist in der Gesellschaft nicht anders. Aber hier scheint das Ziel zu sein: alle müssen auf dem gleich schlechten Niveau leben. Leider übersehen diese Politiker, dass sie dann auf ihre exorbitanten Vergütungen und Pensionsansprüche verzichten müssten. Aber so ernst meinen sie es nicht, es soll nur für andere gelten. Man braucht sich dann z. B. nicht um ein funktionierendes Schulsystem zu kümmern. Hartz IV lernen reicht aus. - Wo sind wir nur hingekommen?

Heidrun Schuppan | Sa, 6. Februar 2021 - 07:25

In reply to by Klaus Damert

auch nicht in Brüssel – zurück. Wenn Macron und Merkel einer Meinung beim Thema "Ungleichheit" sind, dass ist damit allerhöchstens gemeint, dass möglichst viel Geld vom "reichen Deutschland" in die "armen Südländer" transferiert werden soll. Gut, ein Gueterres meint natürlich wieder etwas anderes – aber auch ihm geht es in erster Linie, Geld von D zu fordern. Also, hier wird niemand enteignet, denn reiche Franzosen, Italiener und Griechen können weiterhin zu Hauf Immobilien in D kaufen.

gabriele bondzio | Sa, 6. Februar 2021 - 09:33

In reply to by Klaus Damert

oftmals sieht man(n)/frau sich bei politischen Aussagen wirklich in DDR-Zeiten zurückversetzt. Oder dem immensen Gefühl der Verhöhnung ausgeliefert. Ich dachte beim lesen des Artikels, auch sofort an George Orwell und Farm der Tiere. Aber...:

„Um die Lügen der Gegenwart durchzusetzen, ist es notwendig, die Wahrheiten der Vergangenheit auszulöschen.“ (Orwell)

Bernd Muhlack | Fr, 5. Februar 2021 - 17:51

So isset Herr Prof. Dr. Rödder - kurz, knackig und gut!
Frau Sevinc-Basad schrieb hier kürzlich Ähnliches: "Gleiches Unrecht für alle"

Diese "Gleichheitsbestrebungen" sind nur noch unerträglich UND gefährlich!
Ja, in der Tat: es herrscht "Sprach- und Sachverwirrung" - manche jubeln darob, viele nehmen es leider schlicht schulterzuckend zur Kenntnis.
Man schreibt einen Kommentar und das wars dann schon - ich bin insoweit (von mir) selbst angesprochen!
Man hat ja "Wichtigeres, Besseres" zu tun.
Irgendwer muss ja schließlich Steuern zahlen - für all diese sinnfreien Unterfangen, gell?

Ein schönes, gar treffliches Bild! Wie sagt der "Volksmund"? "Alle drei innen Sack tun und feste draufkloppen, man trifft immer den Richtigen!"
also Richtig_innen, sorry.

"Nous sommes entre-nous, n´ ést-ce-pas?"
Und diese "Eliten" schwadronieren von "Gleichheit"

"liberté, egalité, fraternité" meinte anno 1793 ff jedoch etwas anderes!
"Das Volk schreit nach Impfstoff? Soll es doch Zuckerwasser trinken!"

Wilfried Düring | Fr, 5. Februar 2021 - 18:29

In reply to by Bernd Muhlack

Mit Freiheit und Brüderlichkeit hatten die guten französischen Revolutionäre so ihre Probleme. Aber die GLEICHHEIT haben sie vorbildlich durchgesetzt - leider war es die Gleichheit unter der GUILLOTINE! Frauen waren völlig 'gleich berechtigt' - daher sie wurden nach 'gleichem' (Un-) Recht hingerichtet (Dubarry, Madame Roland, Lucile Desmoulins). Die 'sozialen Schranken' hatte man in atemberaubendem Tempo überwunden: unter den Hingerichteten befanden sich nicht nur König nebst Angehörigen, Adlige und Politiker, sondern Offiziere (Custine), Wissenschaftler (Lavoisier), Künstler (Andre Chenier), Nonnen (Märtyrinnen von Orange und von Compiègne). Schließlich: die Bauern! Die wollten - unvernünftigerweise - weiter zum alten katholischen Gott beten. Die weigerten sich, ihre Söhne als Kanonenfutter für die 'Revolutionskriege' zur Verfügung zu stellen. Revolutionstruppen warfen den Aufstand nieder ('vergessener' Völkermord in der Vendee) und schonten weder Frau, noch Kind, noch Greis ...

Georg Czech | Sa, 6. Februar 2021 - 06:56

In reply to by Bernd Muhlack

Bei so Sprüchen wie "Ungleicheit als Bedrohung für die Demokratie" kann man nur vermuten, dass der Ankläger selber der Dieb sein könnte. Die Politiker haben sich den Staat zur Beute gemacht und zeigen jetzt mit dem Finger auf die Leistungsträger und rufen nach Gleichheit. Und das Schlimme daran ist, die ehemals konservative CDU macht dabei mit, wahrscheinlich um den Abgeordneten die Diäten zu sichern.
Deutschland lebt von seiner Wirtschaftskraft, die durch viele unterschiedliche Leistungsträger erbracht wird. Also vom Arbeiter, der Führungskraft und vom Unternehmer. All diese Leute zahlen weltweit die höchsten Steuern und Abgaben an den !Staat! mit seinen Parteifunktionären und nicht an den "reichen" Leistungsträger oder Unternehmer, der für Arbeitsplätze sorgt.

Markus Michaelis | Fr, 5. Februar 2021 - 17:54

Ein Satz alleine sagt nichts - alles ist wichtig und richtig oder wenigstens ein wenig. Interessant wird es erst, wenn man es in Beziehung setzt zu anderen Dingen, Prios setzt etc. Etwa die Aussage: die wichtigste Aufgabe in der Welt ist es, möglichst schnell von wirtschaftlicher Ungleichheit wegzukommen - dafür muss man a,b,c als Ziel zurückstellen. Je nach a,b,c kann man darüber diskutieren - der Migrationsdruck etwa wird nur so nachlassen. Bin ich an einer "modernen, bunten, weltoffenen" Gesdellschaft als wichtigstes Ziel in D interessiert, darf ich die Ungleichheit weltweit nicht so schnell runterfahren, denn nur aus Interesse an Goethe werden die Menschen nicht nach D kommen. Auch maximaler Klimaschutz bräuchte erstmal mehr Ungleichheit. Man muss also das Ganze erzählen.

Wenn die Kanzlerin Ungleichheit in Deutschland meint, müsste sie die Migration stoppen, weil damit erstmal die Gleichheit in jedem realistischen Szenario sinkt.

Der Satz so alleine sagt also nichts Relevantes.

Ich hoffe, mir ist noch ein Nachtrag gestattet: Die Erfolge in Asien die letzten Jahrzehnte haben viele Gründe, ein Hauptgrund scheint ein zusammengehen nationaler und kapitalistischer Interessen. UNO, Multilateral und Entwicklungshilfe alleine sind im selben Zeitraum bis zum Stand in Afrika gekommen. Wir müssen alle Prinzipien einbeziehen, Wallstreet-Exzesse braucht niemand, aber Gleichheit alleine scheint mir als Prinzip, da wo wir stehen, nicht zu reichen: mit Gleichheit gibt es kein Biontech und kein Tesla, so würde ich es zumindest einschätzen.

Mein Bedenken ist, dass hinter dem Aufruf und Merkels Denken ein Weltbild steht, dass das Richtige irgendwie klar ist (Menschlichkeit, Solidarität, multilateral, GG) und gegen Egos und Gockelpolitik zu verteidigen ist. Daran glaube ich nicht. Wir tasten alle ins Unbekannte, was überhaupt funktioniert - technisch, gesellschaftlich, in allem. Merkel hat da auch keine Ahnung und Gleichheit alleine bringt gar nichts.

"Ein Satz alleine sagt nichts - alles ist wichtig und richtig oder wenigstens ein wenig. Interessant wird es erst, wenn man es in Beziehung setzt zu anderen Dingen".
Im Allgemeinen trifft Ihre zitierte Feststellung zweifellos zu.
Ob die (in der Logik unzulässige) Schlussfolgerung vom Allgemeinen auf das Spezielle immer zu treffenden Resultaten führt, ist allerdings eine andere Frage. Ebenso wie der Autor des Beitrags bin ich geneigt, sie vorliegend zu verneinen. Der Grund ist einfach:
Man stelle sich einmal - nur als kleines Gedankenexperiment - die Gesichter und Reaktionen der "hochmögenden" Herrschaften Macron, Merkel etc. vor, wenn man Ihnen in einer öffentlichen Diskussion vorhielte, sie hätten mit dem fraglichen Satz nur Nichtssagendes geschwafelt. Glaubt jemand, das würde bestätigt? Wäre nicht sehr viel eher damit zu rechnen, dass der/die Angesprochene mit vielen Worthülsen die (vermeintliche) Richtigkeit der "wichtigen Aussage" zu rechtfertigen und zu unterstreichen suchte?

Tomas Poth | Fr, 5. Februar 2021 - 17:57

Mann und Frau sind ungleich, das ist also sozialer Sprengstoff?
Die Worte dieser Politiker scheinen mir nur zur Beruhigung der Schafe gedacht, damit sie sich leichter und besser scheren lassen. Oder steckt dahinter die Absicht die Milliardäre und Millionäre in die Schafschur zu treiben?

Maik Harms | Fr, 5. Februar 2021 - 18:04

Hier tritt das alte Spannungsverhältnis von Gleichheit und Freiheit zutage, das zugegebenermaßen nicht immer im Sinne der Gerechtigkeit auflösbar ist. (Annähernd) gleiche Chancen und ein diese Chancengleichheit nicht gefährdendes Ergebnis, darauf verweist Herr Rödder; alles dazwischen ist dem freien (aber regelbasierten) Spiel der Individuen überlassen. Schon die beiden Gleichheitskriterien am Anfang und Ergebnis stellen hohe Anforderungen, aber linkerseits wird mit der Forderung eines identischen Ergebnisses der entscheidende Schritt zuviel gemacht, der zu freiheitswidriger Fesselung führt.
"Identität", übrigens auch so ein schwieriger, auszubalancierender Begriff, den man freiheitskonform oder freiheitswidrig verstehen kann; letzteres wiederum in der rechten, volkshermetischen und der linken, gruppenkollektiven Extremform. Gleich-stellung, zwangsweise auf die Spitze getrieben.

Manfred Sonntag | Fr, 5. Februar 2021 - 18:20

Danke, Herr Prof. Rödder für diesen erhellenden Beitrag. Beim Lesen Ihres Textes wurde ich immer wieder an G. Orwells Roman "Farm der Tiere" erinnert. So wird dort begeistert im Chor geblökt »Vierbeiner gut, Zweibeiner schlecht« und damit jegliche Kritik übertönt. Ein bekanntes Phänomen auch aus unserer Zeit. Den
Personenkult um Napoleon sowie die zelebrierte Huldigung kann man mit der Hofberichterstattung unserer Mainstream-Medien vergleichen. Und in den vielen Talk-Runden scheint Schwatzwutz als Stichwortgeber zu fungieren. Auch unsere Gesetzgebung im Rahmen der Coronakrise wurde unter dem Eindruck »Alle Menschen sind gleich, aber manche sind gleicher.« neu definiert. Und von der Farm wird es dann ohne Zögern in die Dystopie "1984" übergehen. Den Äußerungen von Frau Merkel 2021 beim WWF entnehme ich, Demokratie und Freiheit werden abgeschafft um den Gleichheitswahn nach stalinistisch- maoistischer Lesart unter dem Deckmantel der Ökologie umzusetzen.

entnehmen Sie also das Ziel, eine stalinistische Diktatur zu errichten? Gut, die "Corona-Diktatur" ist ja nach Gauland schon im Entstehen. Und im Buch des Herrn Schwab haben "Aufmerksame" ja eindeutig den Beweis für die anstehende Umwandlung der Gesellschaft durch den "Great Reset" erkannt. Ergebnis: Demnächst Diktatur, Versklavung der Menschheit, Völkermord....ganz nach persönlichem Geschmack. Nachzulesen auf den bekannten "rechten" Seiten.
Jetzt also diese Aussage der üblichen Verdächtigen. Herr Röder meint ja - einerseits -, die Herrschaften hätten vielleicht durchaus eine "gerechtere" Gesellschaft im Sinn gehabt. Da das aber - andererseits - nicht exakt so erklärt sei, könne man durchaus auch Autoritäres vermuten. Was so mancher Forist ja dann auch mit Begeisterung macht.
Dass gravierende soziale Ungleichheit zu gewalttätigen Konflikten führen (können), muss doch nicht diskutiert werden. Eine Gesellschaft, die keine gesellschaftlichen Besserungen verfolgt, kann gleich einpacken.

Herr Lenz, Sie sehen es so, ich etwas anders. Dort fängt die Ungleichheit an, die jetzt im Zuge von Cancle Culture und PC durch die linksilliberalen Eliten (siehe auch https://www.berliner-zeitung.de/news/sahra-wagenknecht-wer-bestimmte-me…) abgeschafft werden soll. Ich möchte jedenfalls, dass Ihre Meinung, genauso wie jede andere, solange sie sich im Rahmen des GG bewegt, als legitim betrachtet wird. Wir sollten alle wieder lernen, den Anderen und seine Meinung zu akzeptieren. Frau Wagenknecht hat das erstklassisch formuliert: „Alle, vom konservativen bis zum linken Spektrum, die ein Interesse daran haben, dass unser Land nicht wie die USA endet, mit dieser extremen Spaltung, sollten die Fähigkeit zurückgewinnen, mit Anstand und Respekt zu diskutieren.”. Dem möchte ich jetzt nichts mehr hinzufügen.

Gott sei Dank Herr Lenz gibt es noch eine vernünftige Stimme in diesem Konzert der Foristen, die diese Äusserungen so verstehen, wie sie gemeint sind, nämlich "gravierende soziale Ungleichheiten" zu beseitigen, die eine Gesellschaft spalten. Es ist unglaublich, was hier für geistige Akrobatenleistungen vollbracht werden, um eine solche Aussage zu diffamieren und in die autoritäre Ecke zu stellen.

die keine gesellschaftlichen Besserungen verfolgt, kann gleich einpacken."...aber Wasser predigen und Wein trinken, geht in Ordnung?
Hier könnten sie Fakten nachlesen: "Sozialdemokraten: Goldesel für die Welt, Armut in Berlin"/Chaim Noll...

helmut armbruster | Fr, 5. Februar 2021 - 18:39

nicht einmal eineiige Zwillinge sind gleich. Sogar zwischen ihnen gibt es Unterschiede.
Selbst zwischen den Lebensaltern gibt es Unterschiede. Ein Siebzigjähriger ist nicht mehr derselbe, der er mit 20 Jahren war.
Ungleichheit ist die Normalität und keine Bedrohung.
Und es ist gut, dass es diese Ungleichheit gibt. Das Leben, der Mensch, die Gesellschaft wären ja schrecklich langweilig, wenn alle gleich wären.
Deshalb ist Ungleichheit keine Bedrohung sondern eher eine Art Hefeteig, der die Sache in Bewegung hält.

Urban Will | Fr, 5. Februar 2021 - 19:48

Sätze schreiben und schon seit vielen Jahren CDU – Mitglied sein kann.
Herr Rödder, Ihre Partei schickt sich an, mit der schlimmsten aller „Gleichkehrer“ - Parteien überhaupt, den Grünen, eine Regierungskoalition auf Bundesebene einzugehen. Man kriecht denen förmlich in den Allerwertesten, wohl wissend, das in dieser Konstellation das Regieren für lange Zeit und quasi ohne nennenswerte, oder sagen wir „vernehmbare“ Kritik fürchten zu müssen, möglich ist, da diese Sekte fast die gesamte Medienwelt beherrscht.
Diese Konstellation des Grauens wird kommen, ob Merkel weiter macht oder einer ihrer Schoßhündchen das Ruder übernimmt.
Also bitte werden Sie ihrer Position und ihres Amtes oder einfach nur ihres klugen Kopfes gerecht und stemmen Sie sich gegen all den Unsinn, der da durch die Lande weht.
Ich bin überzeugt, wir befinden uns in einer Phase, wo nun bald für lange Zeit eine Politik - Richtung vorgegeben wird.
Links – Grün mit Schwarz als Steigbügelhalter führt in das Chaos.

Danke Herr Will. Exakt das dachte ich zuallererst. Warum ist man noch in der CDU, wenn man eine Kanzlerin aus der eigenen Partei hat, die solche Sätze mit formuliert. Ob es nur eine Phrase war, ein Satz mit tieferem Sinn, womöglich ein ernsthaft angestrebtes Ziel ist? Wer die Menschen zu einer Klonarmee machen will ist für mich menschenfeindlich. Lieber Herr Rödder, so sehr ich Ihrem Artikel zustimme, umso weniger verstehe ich, dass Sie noch in dieser Partei sind. Haben Sie das mal Frau Merkel geschrieben oder persönlich gesagt? Ich fürchte nein, sonst wären sie schon längst medial und in den asozialen Medien angegangen worden.

Rainer Mrochen | Fr, 5. Februar 2021 - 21:02

dann muß Gleichheit hergestellt werden um der vermeintlichen Bedrohung zu begegnen. Wenn das die Denke dieser Leute ist, dann ist es bis zum Totalitarismus nicht mehr weit. Also, ich erkenne darin die politische Zukunftsvision einer Politikerkaste, nicht nur europäischen Zuschnitts, die den Wettbewerb gar nicht mehr als nötig betrachtet. Tatsächlich könnte er auch gar nicht mehr nötig sein. In einem weltweit etablierten, einheitlichen, ökonomischen System gen. Kapitalismus, werden uniforme Arbeitskräfte benötigt, die vornehmlich den Kapitalinteressen dienen und das bei gleichzeitiger Selbstausbeutung. Somit wird der Gedanke der liberalen Demokratie unter der Ägide einer vermeintlichen Egalisierung der Menschheit, missbraucht, um die Kapitalinteressen weiter führen zu können. Das was als Gerechtigkeit verkauft werden soll, ist nichts weiter als Betrug.

Romuald Veselic | Fr, 5. Februar 2021 - 21:17

die Menschen nach ihrem Aussehen, schon primär unterschiedlich empfinde u. versuche die Individuen einzuschätzen. Will mir jemand etwa dieses Empfinden, dass durch Reizreflexe entsteht, verbieten? Das Individuelle ist Grundfundament für Verschiedenheit/Ungleichheit.
Ich kann Uniformität nicht ausstehen. Deshalb wenn: „Ungleichheiten eine Bedrohung für die Demokratie sind, weil sie den sozialen Zusammenhalt untergraben“, dann liegt die einzige Lösung - in Gleichschaltung. Und dabei wird mir schlecht.

Dieter Freundlieb | Fr, 5. Februar 2021 - 22:49

Was war das nur? Ach ja, Maos Kulturrevolution verfolgte das gleiche Ziel. Natürlich auch hier nicht für Mao selbst. Aber es war doch gut sozialistisch gemeint. Ein paar Millionen Tote. Keiner weiß genau wie viele. Aber für die Gleichheit muss man halt ein paar Zugeständnisse machen.

Selbst in unserer sogenannten Demokratie scheinen immer weniger Politiker zu begreifen, wie gefährlich der anbrechende Gleichheitswahn ist.

Karl-Heinz Weiß | Fr, 5. Februar 2021 - 22:56

Dem Autor möchte ich an die Situation der nachwachsenden Generation erinnern, die er als in einem Dauerarbeitsverhältnis stehender Hochschullehrer offenbar aus dem Auge verloren hat.
Diese Generation wird ungleich behandelt durch
-Zeitarbeitsverträge
-explodierende Immobilienpreise
-Nullzinspolitik
-steigende Sozialversicherungslasten

Noch Fragen, Herr Rödder?
Wenn ja, gerne an Ihre Studenten.

Heidemarie Heim | Sa, 6. Februar 2021 - 00:00

So in etwa könnte der Schlachtruf lauten zur Rettung der vielen, vielen Demokratien auf unserer Erde? Mal nachdenken, wann war ich gleich mit Mr. Gates oder dem Genie Einstein? Ach ja, kurz nach unserer Geburt! Aber das war es dann auch schon. Denn wir hatten schon mal nicht die gleichen Eltern. Die aber so weit so gut alles in ihrer Macht stehende tun, ihren jeweiligen Nachkommen die besten Chancen und Voraussetzungen für ein erfolgreiches Leben bieten zu können. Wir gehen eventuell auf die gleiche Schule bis sich die Wege trennen aufgrund ungleicher Leistungen. Doch das dürfen oder besser sollten Einstein oder Bill G. nicht, weil das die Demokratie gefährden könnte? Was auch interessant dabei wäre ist die Frage auf welchem Gleichheitsniveau wir uns da so treffen? Ein wenig nach oben oder unten korrigiert und alles versammelt sich in der Mitte? Und wie lange müssen wir warten bis ein z.B. schwächeres Staatswesen die Kräfte entwickelt dem unseren zu gleichen? Muss es das überhaupt? FG

Dr. Hermann-Josef Stirken | Sa, 6. Februar 2021 - 07:13

Gleichheit wollen da Leute, die ungleich sind. Macron kommt aus einer elitären Familie, besuchte Eliteschulen, vdL ist ein Produkt einer Protection, hat selbst nie was geleistet, war primär Höhere Tochter und Ehefrau. Merkel ist durch ihren Vater, der offensichtlich politisch zuverlässig war, mittelbar protegiert worden, wäre wahrscheinlich in der SED gelandet. Dies erinnert mich an die Schweine in George Orwells Animal Farm; auch die wollten gleich sein.

Carola Schommer | Sa, 6. Februar 2021 - 08:04

Identitätsstiftende Merkmale wie Landesgrenzen, kulturelle Eigenheiten und tradierte Werte machen Unterschiede sichtbar und bewusst und damit auch tolerabel. Für eine (angestrebte) Weltgemeinschaft ist das hinderlich. Unterschiede sollen verwischt werden. Das gelingt am besten, wenn man sie als inakzeptabel proklamiert.

Armin Latell | Sa, 6. Februar 2021 - 08:22

die haben ganz genau gewusst, was sie da von sich geben. Das war kein Text von hochmögenden Damen und Herren, sondern ein versteckter Hinweis auf die geplante und bereits lange begonnene Revolution von oben. Man muss nur 1 + 1 zusammenzählen, setzt allerdings voraus, das man ein wenig die Grundrechenarten kennt. Deswegen wird der Bürger bewusst dumm gehalten. Sprach der König zum Priester: Halte du sie dumm, ich halte sie arm.

Peter Sommerhalder | Sa, 6. Februar 2021 - 08:29

Das Maskentragenmüssen ist doch ein geniales/einfaches Mittel die Gesellschaft auf die ersehnte Gleichheit vorzubereiten.
Jetzt müsste eigentlich nur noch herausgefunden werden, dass man das Virus auch über die Augen einfangen kann und der beste Schutz eine Brille mit stark abgedunkelten Gläsern ist...

"Jetzt müsste eigentlich nur noch herausgefunden werden, dass man das Virus auch über die Augen einfangen kann und der beste Schutz eine Brille mit stark abgedunkelten Gläsern ist..."
Auf der politischen Pillepalle Skala versucht man uns (Mehrheit der Foristen) zu nullgleicher Nichtigkeit reduzieren, denn wir nicht bereit sind, die Politlackierer bei uns wortlos durchkommenlassen. Intellekt zu haben, passt nicht in aktuelle Weltanschauung und zum Non Stop-Hype des Ewigguten.

Gisela Fimiani | Sa, 6. Februar 2021 - 15:18

Von der liberalen Idee der Gleichheit vor dem Recht - einer der Pfeiler des Rechtsstaates - und der aus ihr ableitbaren Maxime der fairen, nämlich gleichen Wettbewerbsbedingungen für alle wird totalisiert zu der Gleichheit der Resultate des Wettbewerbs, dann zu der Gleichheit der Lebensbedingungen und schließlich zu der Idee, der Utopie der möglichst gleichen Schicksale. Hier steht die Idee des Menschen als Nur-Gattungswesen im Hintergrund. Diese Ideologie basiert ganz offensichtlich auf einem völlig anderen Menschenbild als dasjenige, das dem klassischen Liberalismus, das dem Individuum seine Würde verschafft, zugrunde liegt. Das beste Mittel, die freiheitlich bürgerliche Form der Gesellschaft zu zerstören, ist der Begriff der „sozialen Gerechtigkeit“ im Sinne des Egalitarismus. Die liberale Lebensform ist derzeit dem selbstgefährdenden Prozess ausgesetzt, der aus der Totalisierung liberaler Ideen erwächst und den freien Bürger zum Untertan degradiert. Ein beängstigender Rückschritt.