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 > Wofür entscheidet sich Rumänien?

Weltbühne

Machtkampf um das ReferendumWofür entscheidet sich Rumänien?

Von Werner Kremm28. Juli 2012
picture alliance
Traian Basescu,Staatspräsident Rumäniens,Amtsenthebung,Referendum
Gehen oder bleiben? Die Rumänien entscheide, was aus ihrem Staatspräsidenten Traian Basescu werden soll
Schrift:

Am Sonntag stimmen die Rumänen über die Amtsenthebung ihres Präsidenten ab. Das Volk wird zum Vollstrecker in einem knallharten Machtkampf. Wie tickt der Karpatenstaat?

Seite 1 von 2

Am Sonntag gehen die Bürger Rumäniens zu den Urnen. Sie sollen in einem Volksentscheid darüber abstimmen, ob ihr Staatspräsident Traian Basescu noch im Amt bleiben darf. Ihm wirft die von Victor Ponta geführte Regierungskoalition aus Sozialdemokraten und Nationalliberalen in 14 Punkten Verfassungsbruch vor – aufgrund dieser Liste hat das Verfassungsgericht das Referendum gutgeheißen. Der Wahlkampf im Vorfeld des Referendums hinterließ den Eindruck von politischem Chaos und irritierte die EU sowie einer Reihe der Mitgliedstaaten, auch Deutschland.

Wie könnte die Abstimmung ausgehen?

Es deutet alles darauf hin, dass die Liberaldemokraten (PDL), die den vom Amt suspendierten Präsidenten Basescu unterstützen, den Volksentscheid boykottieren werden.

Basescu selbst, mit dem die PDL alle entscheidenden Schritte abspricht, reagierte auf den von Parteichef Vasile Blaga initiierten Aufruf „an die Parteimitglieder und unsere Sympathisanten“ lammfromm: Er möchte seinen Anhängern keine Empfehlung bezüglich des Volksentscheids geben, aber er akzeptiere die Entscheidung der Leitungsspitze der Partei.

Basescus politische Feinde, Regierungschef Victor Ponta und Interimspräsident Crin Antonescu, versuchen hingegen ihrerseits, jeden Rumänen irgendwie an die Urnen zu holen. Die Einwohnermeldeämter machen Überstunden, damit abgelaufene Personalausweise noch schnell verlängert werden können, auch am Ferienort wird die Stimmabgabe möglich sein. Denn Basescus Gegnern ist klar: Ein Boykott der Abstimmung erhöht die Wahrscheinlichkeit, den suspendierten Präsidenten im Amt zu halten – weil zur Gültigkeit des Volksentscheids 50 Prozent plus eine Stimme der in den Wählerlisten Eingetragenen nötig sind.

Und da zeigt sich ein Problem für die Basescu- Gegner: In den Wählerlisten sind rund 18 Millionen Bürger eingetragen. Durch Emigration und negative Bevölkerungsentwicklung sind es aber real nur 15,5 Millionen. Laut Gesetz müssten neun Millionen Bürger abstimmen, doch in Wirklichkeit sind statt der 50 Prozent 65 bis 70 Prozent Beteiligung nötig, damit der Volksentscheid überhaupt gültig ist. Die Volkszählung vom Oktober 2011 mit den reellen Zahlen bestimmt erst ab 1. Januar 2013 die Wählerlisten. Voraussichtlich wird der Volksentscheid vom Sonntag also wegen des fehlenden Quorums vom Verfassungsgericht für ungültig erklärt werden – und Basescu würde im Amt bleiben. Das Gericht hatte den Dringlichkeitserlass der Regierung zur Änderung des Referendumsgesetzes aufgehoben, wonach die Stimmen von 50 Prozent der Wahlbeteiligten plus einer Stimme über das politische Schicksal Basescus entscheiden sollten.

Ungeachtet dessen gingen bislang alle Demoskopen in ihren Umfragen von einer Abwahl des Präsidenten aus. Um die 60 Prozent seien gegen seinen Verbleib im Amt, hieß es. Selbst Basescu bezweifelte nicht, dass die Mehrheit der Teilnehmer am Referendum gegen ihn stimmen werde.

Worum geht es in dem Konflikt?

Kaum jemand kann heute in diesem Land sagen, woran sich der Krieg zwischen Basescu und dem als Frontmann angetretenen, 20 Jahre jüngeren Regierungschef Ponta entfacht hat. Es ist einfach ein Machtkampf. Inhalte spielen keine Rolle. Das typische „Cine pe cine?“, auf Deutsch etwa „Wer schlägt wen?“, wurde seit der Phanariotenzeit im 17. und 18. Jahrhundert zum bis heute unveränderten byzantinisch-balkanischen Politikverständnis. Die Hauptfrage war und ist: Wer besetzt den Thron, wer setzt wen ab? Es ist gekennzeichnet durch das Fehlen einer Dialogkultur, die Sehnsucht nach einer Vaterfigur und die Verneinung derselben. Der Parlamentarismus ist unterentwickelt und traditionslos. Es herrschen politische Inkonsistenz, Brüchigkeit politischer Umgangsformen und Schwammigkeit der Parteiideologien. Die liberaldemokratische Partei PDL zum Beispiel war kurz nach dem EU-Beitritt Rumäniens unter Schirmherrschaft Basescus von links nach rechts gedriftet, von den europäischen Sozialisten zur Europäischen Volkspartei. Keine Partei in Rumänien erweist sich als ideologiefest. Selbst die ethnische Partei der Ungarn (UDMR) glänzte zwischen 1990 und 2012 als ununterbrochener Partner in Regierungskoalitionen, unabhängig von deren Couleur.

Da in der „politischen Klasse“ Rumäniens alles Gerede unverbindlich ist, artet das in Streiterei und Unversöhnlichkeit aus, in Zerstrittenheit, in Unduldsamkeit, in die Unfähigkeit, politische Kompromisse zu schließen. Nur aus solcher Sicht ist der Dauerkonflikt dieser Hauptkontrahenten zu verstehen. Das Parlament ist der Tatort des Feilschens um die Macht. Die Demokratie ist ein Vorwand für das Tauziehen um die Macht. Darum geht es Basescu, darum geht es Ponta.

Was wird dem amtsenthobenen Präsidenten vorgeworfen?

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Es hätte ein guter Artikel werden können

Herr Kremm, dass Sie bei der Recherche dieses Artikels keine intelligenten, einsichtigen und gut informierten Quellen haben finden können/wollen, bedeutet noch lange nicht dass „kaum jemand kann heute in diesem Land sagen, woran sich der Krieg zwischen Basescu und (…) Ponta entfacht hat.“ Kein Wunder also, dass Ihre Analyse in einen Trugschluss scheiert: “Es ist einfach ein Machtkampf”. Weit gefehlt: Basescu und Ponta trennen Welten, nicht nur das, was charakterielle, intellektuelle und poplitiche Konstistenz betrifft, aber vor allem, und das ist entscheidend, was die Politik angeht: während der erste sich konsequent für eine modernen und reformierten Rechtsstaat einsetzt, ist letzterer bloss ein Strohmann dunkler Interessen der Kleptokratie, die überparteiisch Rumänien dominiert. Daher der Konflikt „auf Leben und Tod“
Übrigens: mit solchen ünwürdigen Clischéen wie“ Lieber als Arbeitsloser in Deutschland leben, denn als Arbeitender in Rumänien” machen Sie sich keine Ehre.

  • Antworten
Rasvan Lalu28.07.2012 | 21:17 Uhr

Wahlen

Sie werden sich für nichts tun entscheiden ! den die Herrerei und Räuberer verschwinden NIE aus der Walachei ...

  • Antworten
Dario29.07.2012 | 14:21 Uhr

Rumänien 2012

Danke Herr Kremm für diesen guten und abgeklärten Artikel, den ich in der Deutschen Presse ( z.B. FAZ oder Spiegel ) bisher vermisst habe. Ich erlaube mir diese sUrteil als Deutscher der seit 1993 intensiv die Entwicklung in Rumänien beobachtet. Ich wünsche Ihen weiterhin alles Gute.

  • Antworten
Sraffa30.07.2012 | 01:58 Uhr

Lieber Herr Kremm,

Lieber Herr Kremm,

vielen Dank für Ihren Artikel,das die Bedeutung der Krise in Rumänien für die EU allgemein unterstreicht. Es ist wichtig, dass man nun als Bestandteil des großen Ganzen wahrgenommen wird und dass die anderen EU-Länder auf solchen Warnsignale auch reagieren! Es habne sich nichtsdestotrotzt einige Lücken in Ihrem Artikel eingeschliechen, die man ergänzen könnte:

Beim Volksentscheid haben einfach zu wenige Rumänen ihre Stimme a abgegeben, weil die von diesen Machtkämpfe die Nase voll haben. Sie füllen sich von allen Politiker unabhängig von Partei betrogen und belogen. Deswegen haben sie diesen Staatsstreich schlichtweg boykottiert. Die Antwort der regierenden Koalition war hingegen undemokratisch und diktatorisch. Basescu ist nicht wieder in Amt zurück gekehrt, sondern der Premier Victor Ponta hat eine Mini-Volkszählung erstmal gestartet, der entscheiden soll, ob das Ergebnis des Volksentscheids validiert werden kann, oder nicht... sprich ob der Quorum erreicht werdne konnte, oder nicht. Bis dahin bleibt weiterhin der Interimpräsident Crin Antonescu im Amt. So etwas gibt es eigentlich nur in den Bananenrepubliken aus Afrika, oder?

In dem Machtkonflikt zwischen Victor Ponta und Traian Basescu gibt es durchaus ideologische unterschiede. Man darf nicht vergessen, dass Traian Basescu eigentlich immer die europäische Linie in der Politik gefolgt hat, was auch der Parteiorientierung von PDL entspricht. Während dessen Victor Ponta ein Schüler des ehemaligen Präsidenten und KGB-geformten Io Iliescu war und ist, der skrupellos die politischen Institutionen des Staates missbraucht um seine eigene politischen Zielen zu erreichen. All das konnte man diese Wochen in den rumänischne Medien verfolgen... Es sind viele Köpfe gefallen, die das Scheitern des Volksentscheids validieren wollten. Bezüglich des Charakters des Machtkampfes habne sie allerdings völlig recht. Es wird schmutzig gekämpft und gestritten und das macht einen sehr schlechten Eindruck sowohl in Rumänien als auch im Ausland...

Die Wirtschaftslage ist prekärer geworden seit der großen Wirtschaftskrise, die Rumänien stärker betroffen hat, als Deutschland. Die Arbeitslosenquote ist seit dem dramatisch gestiegen, die Währung ist völlig abgestürtzt und die wenigen ausländischen Investoren sind zurück gezogen. Sogar Nokia, die vor kurzem dort ein Werk eröffnet hat, ist inzwischen weiter gen Osten gezogen... Das hat zu einer großen Emigrationswelle geführt nach West-Europa, sowie Amerika aber auch in den Arabischen Staaten. Die Anmerkung "lieber Arbeitslos in Deutschland als beschäftigt in Rumänien" trifft wirklich nicht zu, denn die wenigsten möchten ihr Land freiwillig verlassen und wenn sie das tun, dann nur weil sie sich eine gut bezahlte Arbeit erhoffen und danach auch streben. Und die meisten möchten nach einer Weile auch wieder zurück kehren. Diejenigen, die im Ausland bleiben, sind meistens gut gebildete und Hochqualifizierte Menschen, die nicht von Arbeitslosengeld leben... Das kann man in den Länderstatistiken auch lesen (UK, Deutschland, Schweiz etc.)

Last but not least, das Verhältnis zur EU ist inswischen sehr gespalten, aber nur weil die EU selber von einer Wirtschaftskrise ins andere gerät und das spüren weniger entwickelte Länder wie Rumänien, einfach stärker als die anderen. Nach dme Fall des Kommunismus wollte kein Rumäne irgendwelche Allianz mit Russland oder ehemaligen UDSSR-Staaten in Erwägung ziehen, sondern das Ziel war vor allem Europa. Der Gedanke war nicht neu, im Gegenteil, schon die Französische Revolution hat die politische und gesellschaftliche Entwicklung in Rumänien maßgeblich geprägt. Das bezeugen alle rumänischen Intellektuellen des 18. und 19. Jahrhundert sowie die deutschstämmige Monarchie, die das Land zwischen den beiden Weltkriege ds 20. Jahrhundert regiert hat. Die aktuelle Unpoppularität der EU in Rumänien beruht wirklich auf die inneren Problemen der Union sowie auf politischen Entscheidungen, die in Brüssel getroffen werden, mit Zustimmung der rumänischen Abgeordneten, aber im Land schlecht erklärt und kommuniziert werden...

Ich hoffeich konnte einige Ergänzungen bringen und würde mciih freuen weitere Artikel über Rumänien lesen zu dürfen.

  • Antworten
Maria Hübschmann-Mihalache16.08.2012 | 15:46 Uhr

21.08.2012 bukarest rumanien

Guten Tag ! erleichtert und lachelnd schonen Gruss und Kuss an Deutschland.Es war hart auszuhalten,hoffentlich konnen wir jetzt ein schoneres Gesicht zeigen.

  • Antworten
stefania braileanu21.08.2012 | 15:37 Uhr

Ein Bericht der Deutschen

Ein Bericht der Deutschen Welle zu dem Thema.

http://www.veeds.org/2012/09/13/Rumaenien-Machtkampf-um-die-Justiz/
http://www.veeds.org/2012/09/13/Rumaenien-Machtkampf-um-die-Justiz-2/

  • Antworten
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