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Weltbühne

USAWo Einwanderer als Wert begriffen werden

Von Malte Lehming19. Oktober 2012
picture alliance
USA,US-Flagge,Fußballfans,multikulti,Einwanderer
Stolz darauf, Amerikaner zu sein
Schrift:

Amerika steckt kämpft mit einer Wirtschaftskrise, hoher Arbeitslosigkeit und einer Radikalisierung am rechten Rand. Und doch gibt es etwas, worauf das Land stolz sein kann: seinen Umgang mit neu Eingebürgerten.

Noch 18 Tage – und am 6. November wählen die USA ihren Präsidenten: Cicero-Online-Korrespondent Malte Lehming berichtet zu diesem Anlass in einem Countdown über besondere Ereignisse und Kuriositäten während des Wahlkampfs.

Seine Neugier hat er sich bewahrt, sein Wissensfundus scheint unerschöpflich. David Schoenbaum ist wach und alert. Im Dreieck Amerika, Deutschland und Israel ist er zu Hause. In einem Café am Dupont Circle redet der 77-jährige Historiker und Sozialwissenschaftler auch über die amerikanischen Wahlen. „Ich verabscheue momentan fast alles“, sagt er. Was er damit meint? Die extreme Polarisierung, den Egoismus der Parlamentarier, die Radikalisierung der Republikanischen Partei, die systematische Blockade im Kongress, die marode Infrastruktur, das Bildungssystem. „Wir müssen lernen, in der Welt nicht mehr die Nummer eins zu sein.“

International bekannt wurde Schoenbaum bereits 1966 durch sein Buch „Hitler’s Social Revolution“. Später dokumentierte er die „Spiegel“-Affäre, verfasste gemeinsam mit Elizabeth Pond das 1997 auch auf Deutsch erschienene Buch „Annäherung an Deutschland – Die Strapazen der Normalität“. Gibt es irgendetwas, worauf Schoenbaum in Amerika noch seine Hoffnungen setzt? Ja, die Einwanderer. „Unser Einwanderungssystem ist der letzte entscheidende Vorteil, den wir in der Welt noch haben.“

Man erkennt ein Land auch an den Festen, die es feiert. Am 17. September 1787 wurde die amerikanische Verfassung unterzeichnet. Sie ist eine der ältesten republikanischen Verfassungen der Welt. In 225 Jahren wurde sie nur 27 mal geändert, wobei „Änderung“ das falsche Wort ist. Die „amendments“ ergänzen allenfalls den Wortlaut, denn der ist sakrosankt und muss erhalten bleiben. Die Verfahrenshürden für ein Amendment sind hoch. Zwei Drittel aller Senatoren und Repräsentanten müssen zustimmen sowie die Parlamente von drei Vierteln der 50 Bundesstaaten.

Amerikaner verehren ihre Verfassung. Der „constitution day“ ist ein Feiertag und heißt auch „citizenship day“. Wie wurde er vor einem Monat begangen?

In der Rotunde des Nationalarchivs in Washington D.C. sind an diesem Tag 215 Neubürger versammelt. Sie kommen aus 69 verschiedenen Ländern. Einige sind verschleiert, andere tragen Sandalen, die meisten haben kleine amerikanische Fahnen dabei. Im Hintergrund spielt eine Band „America the Beautiful“. Dann legen die Neubürger in einer feierlichen Zeremonie gemeinsam den Eid auf die Verfassung ab. Der Name eines jeden sowie dessen Ursprungsland wird aufgerufen, die rechte Hand erhoben.

Die Schwurformel orientiert sich an der Präambel des Verfassungstextes: „Wir, das Volk der Vereinigten Staaten, von der Absicht geleitet, unseren Bund zu vervollkommnen, die Gerechtigkeit zu verwirklichen, die Ruhe im Innern zu sichern, für die Landesverteidigung zu sorgen, das allgemeine Wohl zu fördern und das Glück der Freiheit uns selbst und unseren Nachkommen zu bewahren, setzen und begründen diese Verfassung für die Vereinigten Staaten von Amerika.“ Zusätzlich müssen die Neubürger allen anderen Loyalitäten abschwören und sich zur Wehrpflicht bekennen, sofern sie gesetzlich vorgeschrieben wird.

Amerika ehrt seine Einwanderer und baut ihnen Museen. Ellis Island in New York war gar das erste staatliche Museumsprojekt in den USA, das vollständig aus privaten Spenden realisiert wurde. Parallelwelten gelten als normal. Ob Chinatown oder Schuhplattling, St.-Patricks-Day oder Little Italy: Hier kommt jeder von irgendwoher, trägt Erinnerungen, eine Geschichte, Kultur und Tradition mit sich herum. Fast alle Amerikaner sind stolz darauf, Amerikaner zu sein. Aber sie sind auch stolz auf ihre Herkunft.

Der Verfassungstag als Einbürgerungstag. Einen stärkeren Beweis für die Bedeutung der Immigranten kann es kaum geben. Vielleicht war es das, was auch David Schoenbaum noch hoffen lässt für sein Land.

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Von den USA lernen!

Bin sehr dafür, dass wir uns in dieser Hinsicht den USA annähern:

Nur die reinlassen, die dem Land nützlich sind (also entweder Geld oder eine wirtschaftlich nützliche Qualifikation haben). Treue zur Verfassung schwören lassen.

Dann: Herzlich willkommen in Deutschland - und das mit dem Museum kommt dann irgendwann schon.

  • Antworten
M. W.19.10.2012 | 12:48 Uhr

Und was...

...ist jetzt die Botschaft/Mahnung? Oder möchte Herr Lehming mal eine idealisierte Zustandsbeschreibung zum Thema raushauen? Denn die wirklich gesellschaftsverändernde Einwanderung in Amerika findet derzeit auf etwas andere Art als hier beschrieben statt. Bin etwas ratlos.

  • Antworten
Jan van Gemmeren19.10.2012 | 13:24 Uhr

human resources

Die USA locken mit vagen Aussichten auf ein besseres Leben oder Ruhm und viel Geld Migranten an. Diejenigen, welche nach der Selektion dankbar ins Land dürfen, werden irgendwann einbürgert. Nur der stete Zufluss von "frischem Menschenmaterial" von außen sichert den USA das (intellektuelle) Überleben, wie einem Vampir frisches Blut...
Aus sich heraus bringt diese Nation wohl weniger Geistesgrößen hervor, als andere. Schauen Sie sich doch z.B. die amerikanischen Nobelpreisträger in Physik und Chemie an, davon sind 114 gebürtige Amerikaner, gegen 198 gebürtige Kerneuropäer, siehe http://www.nobelprize.org/)? Eine Auswertung nach Amerikanern ab der 2. Generation fiele wohl noch ernüchternder aus. Es ist für eine Nation wahrlich kein erstrebenswertes Ziel, einem solchen Vorbild zu folgen.

  • Antworten
Blase20.10.2012 | 11:52 Uhr

Vielleicht sollte mal bedacht werden wie die Einwanderung

in USA erfolgt und wer legal einwandern darf. Nicht mal illegale Zuwanderer koennen in USA zum Sozialamt gehen und Sozialhilfe beantragen,darauf zaehlen dass ihm/ihr eine mietfreie Wohnung die eingerichtet wird vom Steuerzahler und dass automatisch die Krankenkasse auch bezahlt wird. Waehrend Deutschland unqualifizierte Zuwanderer anzieht durch die garantierte Sozialhilfe muessen Einwanderer in die klassischen Einwanderungslaender beweisen dass sie in der Lage sind sich selber zu ernaehren.

  • Antworten
Lill-Karin Bryant20.10.2012 | 16:03 Uhr

Wir haben schon gelernt...

In Deutschland gibt es recht hohe Anforderungen für die Einbürgerung. Vom Ausland her eingebürgert zu werden ist in der Regel noch schwerer.

Wer nicht unterhaltsfähig ist oder keine Sprachkenntnisse auf dem Niveau B1 nachweisen kann, der erhält keinen deutschen Pass. Das Problem besteht nur darin, dass immer wieder pseudoliberale Gutmenschen diese gesetzlichen Regelungen aushebeln wollen.

  • Antworten
Katharina K.29.10.2012 | 01:39 Uhr

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