Mitt Romney ist nun ganz offiziell Präsidentschaftskandidat der Republikaner. Seine Chancen im Rennen gegen Barack Obama gelten als durchwachsen. Welche Chancen hat er? Und wie gefährlich ist dieser Romney überhaupt - für die USA und für den Rest der Welt?
Wer ist Mitt Romney – und wie sähe seine Politik konkret aus, wenn die Amerikaner ihn am 6. November tatsächlich zum 45. Präsidenten der USA wählen sollten? Nach seinem großen Auftritt zum Abschluss des Republikanischen Parteitags in der Nacht zu Freitag sehen die USA – und sieht die Welt – kaum klarer. Viel leichter lässt sich sagen, was Romney alles nicht ist. Er ist, zum Beispiel, kein so guter Redner wie Barack Obama. Er hat auch nicht Bill Clintons Gabe, einem Menschen tief in die Augen zu schauen und ihm treuherzig-glaubhaft zu versichern: „I feel your pain.“ Und ein Bier mit ihm trinken, wie das viele Amerikaner gern mit dem leutseligen George W. Bush getan hätten, kann man mit Romney schon gar nicht. Als Mormone ist er Alkohol-abstinent.
Nun sind Parteitage auch nicht dazu da, einen realen Menschen und sein konkretes Regierungsprogramm vorzustellen. Sie sollen die eigene Basis mobilisieren und die Reihen schließen. Generell zeichnet ein Wahlkampf kein verlässliches Bild von einem Kandidaten. Beide Lager übertreiben maßlos. Sie überhöhen den eigenen Bewerber und verteufeln den Gegner.
[gallery:Wer ist Mitt Romney? Ein Kandidat zwischen Fettnäpfchen und Hoffnungsträger]
Wer mag, kann sich aus den republikanischen Darstellungen ein Heiligenbild von Mitt Romney malen: der liebende Ehemann einer von Krankheiten geplagten Frau; der treu sorgende Familienmensch mit fünf Söhnen und 18 Enkelkindern; der höchst erfolgreiche Investmentmanager, der viele Firmen vor der Pleite bewahrt und so unzählige Jobs gesichert hat; der Politiker mit Augenmaß und Kompromissbereitschaft, der als republikanischer Gouverneur im mehrheitlich demokratischen Massachusetts mit der Gegenseite zusammengearbeitet und das Budget ausgeglichen hat, ohne die Steuern dafür zu erhöhen; und ein Außenpolitiker, auf den sich Amerikas Verbündete besser verlassen können, als auf Obama – und den Amerikas Feinde stärker fürchten müssen.
Ebenso darf, wer will, die Behauptungen der Demokraten (und heimlichen Ängste mancher Europäer) nutzen, um Romney zu einem gefährlichen Dämon zu stilisieren: ein gefühlsarmer Superreicher, dem es an Mitgefühl für die Armen und Verständnis für die Sorgen der Mittelklasse fehlt; ein kalter Zahlenmensch, der ohne Rücksicht auf die praktischen Folgen die Sozialprogramme zusammenstreicht; ein arroganter Weltpolizist, der trotz Amerikas Verschuldung jedenfalls nicht am Militär sparen will; dazu ein Kriegstreiber, der Israel einen Blankoscheck für die Siedlungspolitik sowie die Unterdrücker der Palästinenser ausstellt und der vermutlich bald den Befehl zum Angriff auf Iran geben wird.
Wer Romney über die Jahre verfolgt hat, ahnt: Er ist kein politischer Überzeugungstäter. Er ist ein Pragmatiker. Ideologien – samt der Behauptung, eine Ideologie zu haben – sind für ihn Mittel aus dem politischen Werkzeugkasten, um Wahlen zu gewinnen. Als er 2002 im liberalen Massachusetts Gouverneur werden wollte, gab er den moderaten Konservativen in der Mitte der Gesellschaft. 2012 will er Präsident werden, wozu er zunächst die Zustimmung einer weit nach rechts gerückten Republikanischen Partei mit einem einflussreichen Tea-Party-Flügel benötigte; also spielte er den überzeugten Wertkonservativen. Amerikas Rechte glaubt ihm das bis heute nicht. Warum also sollten sich Linke übermäßig davor fürchten, dass der wahre Romney diesem Abziehbild nahe kommt?
Seite 2: In der US-Außenpolitik herrscht ein weit gehender Konsens











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