Höher, weiter, gefährlicher: Derzeit geht es im Raketenwettlauf vor allem um die Frage der Distanz. „Nenne mir die Reichweite deiner Raketen und ich sage dir, ob und wen du bedrohst.“ Eine Landkarte sagt mehr über das Bedrohungspotential als politische Akteure
Eine Nuklearmacht nach der anderen startete jüngst Raketentests: Nordkorea am 13., Indien am 19. und Pakistan am 25.April. Doch die Aufregung der Europäer und Amerikaner hielt sich, verglichen mit der Sorge um Irans Raketen- und Atompotenzial, in Grenzen. Was aber ist die richtige Reaktion – Gelassenheit oder Aufregung?
Nur wer die jeweilige Bedrohung, die eigentlichen Ziele, die Strategie der Akteure be- und ermessen kann, ist in der Lage, angemessen zu reagieren – jenseits von Kaffeesatzleserei und unabhängig davon, ob die Sprengköpfe atomar, biologisch oder chemisch sind.
Die Bedrohung messe man nach dem Motto: „Nenne mir die Reichweite deiner Raketen, und ich sage dir, ob und wen du bedrohst.“ In der Raketengeografie gelten nur Fakten, keine Vorurteile, Sympathien oder Antipathien, nur Analysen, keine Alarmglocken. Was also ist etwa Nordkoreas Strategie? Von Pjöngjang nach Berlin sind es 8000 und nach San Francisco 9000 Kilometer.
Maximal 6000 Kilometer fliegen die heutigen Raketen Nordkoreas. Das wird sich trotz des Satelliten- und damit auch Raketenfehlschlags vom April schon bald ändern. Dann werden auch die USA und Europa im Visier der Raketen des „Obersten (und sicher bald auch „Geliebten“) Führers“ Kim Jong-un sein.
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Die Staatlichkeit des steinzeitlich kommunistischen Nordkorea behagt weder Europa noch den USA, Südkorea oder Japan, doch keiner stellt sie ernsthaft infrage. Das befreundete China erst recht nicht. Vor allem seine wirtschaftliche Insuffizienz bedroht die staatliche Existenz Nordkoreas. Um zu überleben, braucht es kostengünstige (am liebsten kostenlose) Nahrungsmittelhilfen.
Damit besonders die USA und Europa diese Unterstützung gewähren, braucht Pjöngjang ein ultimatives Druckmittel, eben die Atombombe plus, die Trägerwaffen, die sowohl in die USA als auch nach Europa fliegen können. Das erklärt die Notwendigkeit von Langstreckenraketen. Pakistans Strategie richtet sich vornehmlich gegen den „Erzfeind“ Indien.










