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 > Wenn „Sandy“ kommt

Weltbühne

Amerika vor dem HurrikanWenn „Sandy“ kommt

Von Malte Lehming29. Oktober 2012
picture alliance
Sturm,USA,Wahl,Obama,Hurrikan,Sandy,Unwetter
„Sandy“ von oben
Schrift:

Amerika steht kurz vor der Wahl. Doch momentan hat ein anderes Thema die Vereinten Staaten im Griff: Hurrikan „Sandy“. In vielen Bundesstaaten wurde bereits der Notstand ausgerufen. Wer über „Sandy“ spricht, pendelt zwischen Respekt, Sorge und Angst

Noch 8 Tage – und am 6. November wählen die USA ihren Präsidenten: Cicero-Online-Korrespondent Malte Lehming berichtet zu diesem Anlass in einem Countdown über besondere Ereignisse und Kuriositäten während des Wahlkampfs.

Taschenlampen? Ausverkauft. Wasser? Ausverkauft. Batterien? „Das sind die letzten hier.“ Stromgeneratoren? „Haben wir nicht. Müssen Sie woanders versuchen. Viel Glück!“ Den ganzen Sonntag über herrscht Hochbetrieb zwischen „Safeway“ und „Giant“ in der Mall in der King Street in Alexandria. Es ist wie kurz vor Weihnachten, wenn Heiligabend auf einen Sonntag fällt. Man deckt sich ein. Die Kassen klingeln zwar nicht, aber scheinen zu dampfen.

Denn „Sandy“ kommt. Dieses Unwesen, dieser Teufel, der „Frankenstorm“, das Urgetüm, der Super-Mega-Hurrikan. Drei Wettersysteme potenzieren sich in ihm zu einem naturgewaltigen Monster, dessen Winde, Stürme, Regenfälle und Schneeschauer Amerikas Ostküste in diesen Tagen lahmlegen könnten. Es ist die am dichtesten bevölkerte Region des Landes. Rund 60 Millionen Amerikaner wären betroffen. In vielen Bundesstaaten wurde bereits der Notstand ausgerufen. Hochalarm bei Polizei, Feuerwehr, Elektrizitätswerken, Wasserversorgern, Telefonunternehmen. Wer über „Sandy“ spricht, pendelt zwischen Respekt, Sorge und Angst. Historische Analogien werden herangezogen, „Sandy“ übertrifft sie alle.

In mehreren Fernsehkanälen laufen rund um die Uhr Sondersendungen. Über Zeitungen und Online-Portale werden Instruktionen verbreitet. Woran man nicht alles denken muss! Essen in Dosen kaufen, keine Tiefkühlkost, denn wenn der Strom ausfällt, geben Kühlschrank und Tiefkühltruhe ihren Geist auf. Genügend Bargeld abholen und den Wagen volltanken, weil bei Stromausfall weder die elektronischen Kassensysteme noch die Zapfsäulen funktionieren. Alles, was lose ist, ins Haus bringen, auch Mülleimer, damit nichts herumfliegt. Ein altes Telefon zur Verfügung haben, das man noch direkt mit der Telefonbuchse verbinden kann, also ohne Stecker und Strom. Telefonnummern für den Notfall heraussuchen, abschreiben und in einer Plastiktüte verwahren. Das betrifft auch Dokumente und Versicherungspolicen.

Spezielle Anweisungen gibt es für Hochhausbewohner und Kleintierhalter. Ohne Strom kein Fahrstuhl. Und Tiere werden in den meisten Notunterkünften nicht akzeptiert. Außerdem: Laden Sie Ihre Handys auf! Heizen Sie die Wohnung nicht über den Gasherd, Vergiftungsgefahr! Überschwemmungen meiden, weil das Wasser durch abgeknickte Strommasten elektrisch geladen sein könnte. Es wirkt, als könne man mehr falsch als richtig machen. Längst bevor „Sandy“ da ist, wirbelt er alles durcheinander.

Wann schlägt Vorsicht in Hysterie um? Das ist schwer zu sagen. In diesen Minuten lässt der Wind draußen etwas nach. Ein seltsamer Ruhemoment. Politiker wollen gewarnt haben, Zeitungen Auflage machen, Fernsehanstalten schielen auf Einschaltquoten. Alarmismus verkauft sich besser als Beschwichtigung. Aber manchmal kommt der Wolf eben doch, der die Schafe fressen will. Und gilt nicht die Regel, dass es besser ist, sich zehnmal auf eine Katastrophe vorzubereiten, die dann nicht eintritt, als einmal unvorbereitet zu sein, wenn sie kommt?

Die „New York Times“ berichtet über einen Skandal. Zwischen 2016 und 2018 wird Amerika kaum noch über eine zuverlässige Wettervorhersagetechnik verfügen. Die entsprechenden Satelliten, die 84 Prozent der Informationen liefern, mit denen Computer derzeit auch den Verlauf von „Sandy“ berechnen, sind veraltet und müssen spätestens 2016 aus dem Verkehr gezogen werden. Das neue „Joint Polar Satellite System“ (J.P.S.S.-1) aber, das rund 13 Milliarden Dollar kostet, wird wegen Missmanagement und Schlampereien frühestens 2018 betriebsbereit sein.

Die Schule fällt aus, heißt es in den lokalen Fernsehnachrichten, also muss ohnehin umdisponiert werden. Das Haus nicht mehr verlassen, Wäsche waschen, lesen, mit den Kindern spielen, Verwandte beruhigen. Und wenn der Strom ausfällt? Dann nur noch mit den Kindern spielen, im batteriebetriebenen Radio die Ereignisse verfolgen und früh ins Bett gehen. Der Himmel wird schon nicht einstürzen.

Spätestens in einer Woche kann man dann T-Shirts mit einem dramatischen Sturmbild und dem Aufdruck „I survived hurricane Sandy“ kaufen.

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Oh Gott

Ich wünsche diesen Leuten, die in New York leben, sehr viel Glück.
Ich hoffe, dass die meisten überleben werden. Ich drück die Daumen.

  • Antworten
Anonym29.10.2012 | 23:37 Uhr

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  • Antworten
rajeev01.11.2012 | 11:50 Uhr

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