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Weltbühne

Amoklauf in DenverWas weiß man über den Täter?

Von Christoph von Marschall23. Juli 2012
picture alliance
Aurora,Denver,Colorado,James Holmes,Amoklauf,Attentat,Kino
Aurora im US-Bundesstaat Colorado betet für die Opfer
Schrift:

Es war eine Tat aus dem Dunkeln: In einem Kino in einem kleinen Vorort von Denver sind am vergangenen Sonntag 12 Menschen getötet und dutzende Weitere verletzt worden. Der Täter, James Holmes, eröffnete während der Premiere des neuen „Batman“-Films das Feuer in einem Vorstellungssaal. Offenbar plante er die Tat langfristig – und eiskalt

Seite 1 von 2

Vor dem Leben der Anderen hatte er keinen Respekt. Er wollte Tod bringen, nicht nur im Kinosaal in Aurora, wo er bei der Premiere des Batman-Films in der Nacht zu Freitag zwölf Menschen erschoss und mehr als 50 verwundete, zum Teil lebensgefährlich. James Holmes wollte ursprünglich auch die Ermittler in den Tod reißen, die in seiner Wohnung nach Unterlagen suchen würden, um das Verbrechen – vielleicht – erklären zu können. Bevor er die Wohnung verließ, hatte er zahlreiche Sprengstofffallen installiert, deren kombinierte Explosionskraft ausgereicht hätte, um den ganzen Gebäudekomplex in die Luft zu jagen.

„Nach der Anordnung zu urteilen, wollte er jeden umbringen, der die Wohnung betritt“, sagt der örtliche Polizeichef Dan Oates. Dieses Unheil konnte abgewendet werden. Holmes hatte sich unmittelbar nach der Tat auf dem Parkplatz hinter dem Kino festnehmen lassen. Im Verhör sagte er der Polizei, dass er größere Mengen Sprengstoff zu Hause lagere und Fallen gegen Eindringlinge installiert habe.

 Amerikas Fernsehsender zeigen immer wieder die Bilder, wie die umliegenden Häuser evakuiert wurden, Feuerwehrleute von einer Drehleiter Fenster zu Holmes Wohnung einschlugen und mit größter Vorsicht in die Zimmer einstiegen. Am Ende mussten Spezialkräfte gerufen werden, um die Sprengsätze mit Hilfe von Robotern zu entschärfen oder zu kontrollierten Explosionen zu bringen. Nach Darstellung von Antiterrorexperten setzten sie spezielle Geräte ein, mit denen man jeden Stromfluss unterbrechen und so den Zündermechanismus ausschalten kann.

Drei Tage nach der Kinoschießerei gibt es noch immer kaum Hinweise, was das Motiv war. Es werden aber immer mehr Details bekannt, die die Ermittler zu einem Profil zusammenfügen. Der 24-Jährige hatte die Tat offenbar seit Monaten geplant. Die Polizei konnte rasch klären, woher die vier Waffen stammten, die er bei der Tat dabei hatte. Er hatte die zwei Pistolen der Marke Glock, eine Remington-Schrotflinte und ein Sturmgewehr Marke Smith & Wesson AR 15 in den letzten zwei Monaten legal in örtlichen Filialen der Ladenketten „Gander Mountain“ und „Bass Pro Shop“ gekauft. Online hatte er 6000 Schuss Munition geordert.

Aus den Berichten von Familienangehörigen, Studienkollegen und Nachbarn ergibt sich das Bild eines jungen Mannes, der einst als vielversprechender wissenschaftlicher Nachwuchs gegolten hatte, aber still und leise von seinem Weg abkam, ohne dass sich dies in auffälligem Verhalten bemerkbar machte. Die High School in San Diego, wo seine Eltern immer noch wohnen, schloss er 2006 mit so guten Noten ab, dass er ein Begabtenstipendium erhielt. Das Grundstudium am Riverside-College der University of California beendete er 2010 mit Auszeichnung und wechselte dann als Doktorand in Neurowissenschaften an die University of Colorado in Denver.

Vor wenigen Monaten ließen seine Studienleistungen nach. Bei Prüfungen bekam er schlechte Noten. In den letzten Wochen bereitete er den Abbruch seines Studiums vor, bestätigte die Universität. Es ist jedoch unklar, was diesen Wechsel ausgelöst haben könnte.

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