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 > Was ist aus den Protesten gegen die EM geworden?

Weltbühne

UkraineWas ist aus den Protesten gegen die EM geworden?

Von Christian Tretbar, Paul Flückiger12. Juni 2012
picture alliance
Ukraine, EM, Kiew, Proteste, Prostitution, Polizei
Eine Aktivistin, die im Dezember gegen Prostitution bei der bevorstehenden EM demonstrierte, wird weggeschafft
Schrift:
Seite 2 von 2

Ist Abwesenheit schon Protest?

Offiziell begründen die meisten ihre Abwesenheit mit „Terminproblemen“. Was an einigen Stellen auch stimmt. So beginnt am Wochenende der G-20-Gipfel in Mexiko und anschließend gibt es einen EU-Gipfel. Trotzdem hätte es Zeitfenster gegeben, so beim Spiel in Charkiw, weshalb das Fehlen dort als Protest verstanden werden darf.

Wie reagiert das System Janukowitsch?

Der umstrittene Präsident gibt sich optimistisch, doch noch ein Foto mit einem Polit-Promi zu bekommen. „Es werden viele bedeutende Regierungschefs kommen, unter anderem Polens Präsident Bronislaw Komorowski und aus Russland entweder Ministerpräsident Dmitri Medwedew oder Präsident Wladimir Putin“, sagte er. Bisher aber muss er auf PR-Bilder verzichten. Auch beim Auftaktspiel der Ukrainer am Montagabend wurde der schwedische Ministerpräsidenten Fredrik Reinfeldt nicht erwartet. Genauso handhaben es Frankreichs Präsident Francois Hollande und der britische Premierminister David Cameron, deren Mannschaften in derselben Vorrunden-Gruppe wie die Ukraine spielen – auch sie verzichten vorerst auf Reisen zur EM in die Ukraine.

Was passiert aktuell in der Ukraine?

Walerij Dutko ist Vize-Chef der Timoschenko-Partei „Batkiwtchina“ („Vaterland“) in Charkiw und als solcher auch verantwortlich für die Pro-Timoschenko Demonstrationen vor der Strafkolonie, in der Timoschenko vor ihrer Verlegung ins Haftkrankenhaus eingesessen hat. Diese Demonstrationen seien kürzlich verboten worden, klagt der Oppositionelle, weil die Proteste den Verkehr behindern würden. Ein technischer Grund für ein politisch motiviertes Verbot finde sich immer. Ostap Senerak, ein enger Mitarbeiter von Timoschenkos Anwalt Serhij Wlasenko, schildert die verzweifelte Situation: „Es war ein persönlicher Entscheid von Staatspräsident Janukowitsch, Timoschenko einsperren zu lassen.“ Niemand könne ihn zum Umdenken bewegen – weder die orthodoxe Kirche, noch Putin, Brüssel oder Berlin. Laut westlichen Diplomaten sollen selbst Mitglieder der Regierungspartei durchblicken lassen, dass das Land in eine Sackgasse stecke. Am Montagnachmittag wurden in Kiew „Freiheit für Julia!“-T-Shirts verteilt.

Ist die EM politisch besonders aufgeladen?

Der Fall Timoschenko hat sicher dazu beigetragen. Doch ist dieses Thema bisher eher latent im Hintergrund. Mehr Aufladung verleiht die Euro-Krise dem Turnier. Denn jeder Sieg oder auch jede Niederlage Spaniens, Griechenlands oder auch Irlands wird als Signal in diese Länder der Euro-Krise interpretiert – vor allem von den jeweiligen Regierungen. Politisch brisant wird das Turnier derzeit durch rassistische Zwischenfälle in den Gastgeberländern – in der Ukraine ist das auch eng mit Janukowitsch verbunden, weil viele Oppositionelle klagen, dass der Präsident solche Zwischenfälle bewusst hinnehme.

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