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 > Was ist aus den Protesten gegen die EM geworden?

Weltbühne

UkraineWas ist aus den Protesten gegen die EM geworden?

Von Christian Tretbar, Paul Flückiger12. Juni 2012
picture alliance
Ukraine, EM, Kiew, Proteste, Prostitution, Polizei
Eine Aktivistin, die im Dezember gegen Prostitution bei der bevorstehenden EM demonstrierte, wird weggeschafft
Schrift:

Im Vorfeld der Fußball-Europameisterschaft haben besonders die Deutschen das ukrainische Regime heftig kritisiert. Jetzt steht ein politisch heikles Spiel in Charkiw an. Was ist aus dem Protest geworden?

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Nicht jeder Protestvorschlag hatte Erfolg. FDP-Generalsekretär Patrick Döring konnte sich mit seiner Forderung, die Spiele der Fußball-Europameisterschaft lieber nach Deutschland zu verlegen, nicht durchsetzen. Und die Vorsitzende der Grünen-Bundestagsfraktion, Renate Künast, hatte mit ihrer Idee, Schals in den Farben der Revolution zu tragen, bei Lukas Podolski und Co auch noch keinen Erfolg. Gerade vor dem Spiel gegen die Niederlande in Charkiw ziert man sich vor dem orangefarbenen Textil wohl ein wenig.

Aber das Spiel ist nicht nur sportlich brisant, sondern auch politisch – findet es doch dort statt, wo die ehemalige ukrainische Regierungschefin Julia Timoschenko in einem Gefängniskrankenhaus unter unwürdigen Bedingungen inhaftiert ist.

Der Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen im Deutschen Bundestag, Volker Beck, fordert deshalb ein Zeichen der Spieler. "Da erwarte ich mir nochmal ein starkes Signal der deutschen Delegation - gegen die Haftbedingungen und gegen den Umgang mit Oppositionellen insgesamt", sagte Beck dem Tagesspiegel. Wochen vor der Europameisterschaft rollte wegen der Haftbedingungen Timoschenkos und wegen dem Umgang des ukrainischen Präsidenten, Viktor Janukowitsch, mit Oppositionellen eine Empörungswelle durch Deutschland. Seitdem ist es stiller geworden. Und doch hinterlässt der Protest Spuren.

Wie verhält sich die Politik?

Zurückhaltend. Und genau das ist auch das Ergebnis der Protestwelle. Denn während es bei anderen Fußball-Großereignissen längst zum Standard gehörte, dass es sich politische Repräsentanten auf den Tribünen bequem machten, bleiben die meisten Staats- und Regierungschefs den ukrainischen Spielstätten zurzeit fern. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wird kein deutsches Vorrunden-Spiel besuchen und wie es bei einem möglichen Weiterkommen der deutschen Mannschaft dann aussieht, ist offen. Auch sonst macht sich kaum ein deutscher Politiker auf den Weg in die Ukraine.

Aus den Bundestagsfraktionen haben sich keine Delegationen oder einzelne Abgeordnete auf den Weg gemacht. Bundespräsident Joachim Gauck wird die Vorrunde ebenfalls verstreichen lassen. Für die Zeit danach gibt es laut Bundespräsidialamt noch keine genauen Überlegungen. Einzig Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) hat angekündigt, im Falle eines Finaleinzugs nach Kiew zu reisen. Einen Plan für ein mögliches Rahmenprogramm gibt es aber laut Innenministerium noch nicht. Für Beck ist das ein "falsches Signal, jetzt schon anzukündigen, dass er ein deutsches Final-Spiel in Kiew besuchen werde". Der Druck auf Janukowitsch müsse hoch gehalten werden, fordert er.

International sieht es nicht viel anders aus. Auch andere Staats- und Regierungschefs verzichten auf einen Stadionbesuch in der Ukraine. Insbesondere für die Niederländer könnte das ein kleines Handicap sein, denn sie müssen auf königlichen Beistand im Spiel gegen Deutschland verzichten, weil Königin Beatrix den ursprünglich geplanten Besuch wieder gestrichen hat. Der dänische Kultusminister Uffe Elbaek löste die Problematik auf andere Weise. Er verzichtete beim Spiel der Dänen gegen die Niederlande auf seinen Ehrentribünen-Platz und feierte den 1:0-Erfolg lieber im Fanblock.

Seite 2: Ist Abwesenheit schon Protest?

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