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 > Was denken andere Euroländer über Deutschland?

Weltbühne

KrisenmanagementWas denken andere Euroländer über Deutschland?

14. Juni 2012
picture alliance
Deutschland, Fußballfans, Europa
Beim Fußball ist die Stimmung gut, aber wie sieht es beim Thema Euro aus?
Schrift:

In der Eurokrise gilt Deutschland als Krisenmanager – doch längst nicht alle Eurostaaten nehmen das noch gelassen hin. Wie hat sich das Bild Deutschlands in diesen Ländern verändert? Wir schauen nach Spanien, Griechenland, Frankreich und Irland

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Spanien

An den spanischen Stammtischen weiß man, wer an der Euro-Krise schuld ist: „Alemania“ und „la Merkel“. Weil die deutsche Regierung mit ihrem „radikalen Spardiktat“, das sie in der EU durchsetze, den Aufschwung abwürge. Weil Berlin sich weigere, den klammen Krisenländern mit Euro-Bonds zu helfen und immer neue Reformbedingungen stelle. Außerdem nutze Deutschland die Not der Schuldenländer aus, um sich am Geldmarkt zu Dumpingzinsen zu finanzieren.

Die wachsende feindliche Stimmung Deutschland gegenüber spiegelt eine Umfrage der konservativen Tageszeitung „El Mundo“ wider, die ihre Leser fragte: „Glauben Sie, dass Merkel eine verkleinerte Euro-Zone ohne Spanien will?“ 70 Prozent antworteten mit „Ja“.

Die sozialdemokratische Zeitung „El País“ macht Stimmung mit Überschriften wie „Deutschland bereichert sich an der Krise“. Und das bürgerliche Blatt „ABC“ titelte: „Alemania, einer der Schuldigen an der spanischen Immobilienblase“. Die deutsche Regierung ist derzeit zweifellos der beliebteste Prügelknabe in spanischen Euro-Debatten.

„Man hat das Gefühl, dass Länder wie Spanien, Portugal oder Griechenland arbeiten, damit Deutschland das Geld mit vollen Händen ausgibt“, sagt Diego Valderas. Er ist linker Vize-Regierungschef in der Krisenregion Andalusien, wo die Arbeitslosigkeit bei 33 Prozent liegt. „Wir brauchen ein Deutschland, das europäischer ist, und ein Europa, das weniger deutsch ist“, pflichtet Carme Chacon bei. Die Ex-Verteidigungsministerin sitzt im nationalen Parlament auf der Oppositionsbank und versucht, mit populistischen Tönen Spitzenkandidatin ihrer sozialistischen Partei zu werden.

Auch Spaniens konservativer Regierungschef Mariano Rajoy nimmt seine Parteifreundin Merkel nicht mehr so in Schutz wie früher. Rajoy fordert mehr Entgegenkommen des EU-Schwergewichts Deutschland – vor allem bei EU-Anleihen und Auflagen für sein Land, das demnächst wegen seiner kranken Banken am Euro-Rettungstropf hängen wird. Auch wenn Rajoy weiter versucht, antideutsche Töne zu bremsen: „Die Sparpolitik ist keine Erfindung von Frau Merkel, sondern der EU, ein Projekt, dem wir alle freiwillig beigetreten sind.“

Positiv äußert sich Portugals konservativer Ministerpräsident Pedro Passos Coelho, der als harter Reformer im eigenen Krisenland den Ruf hat, „deutscher als Merkel“ zu sein. Und für den „Alemanha“ ein Vorbild ist: „Ich möchte ein industrialisiertes, offenes Land – das sind deutsche Ideen, gute und zugleich universelle Ideen.“ Ralph Schulze, Madrid

Seite 2: Griechenland

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Eine allgemeine Entideologisierung scheint bei diesem Thema nicht zu funktionieren. Immer wieder angesprochen wird das Phänomen eines deutschen Eigenweges, womit nicht nur eine deutsche Besonderheit gemeint ist, im Sinne einer bloßen Unterscheidung von anderen Staaten, sondern eine zweifelhafte Isolierung Deutschlands etc.. Falsch, ganz falsch! In einigen Ländern Europas ist Wachstum jahrelang auf Pump vorgetäuscht worden. Diese politischen Hasadeure, die verantwortungslos und unsolide gehandelt haben, wollen jetzt, dass diese angehäuften Schulden vergemeinschaftet werden (Transferunion). Was ist das eigentlich für ein politisches Denken, wobei angebotene strukturelle deutsche Hilfe (Aufbau eines Finanz- und Steuersystems), auch noch ausgeschlagen wird. Diejenigen, die solide gewirtschaftet haben, sollen für diejenigen zahlen, die jahrelang getäuscht und unsolide gewirtschaftet haben? Ich persönlich werde diesem Konzept niemals zustimmen, ich gehe soweit zu behauten, es wäre für mich ein Verrat an meinen Kindern, ein Verrat an den nachfolgenden Generationen, an den jungen Leuten, die mit Blick auf den demografischen Wandel in Deutschland diese gewaltigen Schulden nicht mehr tragen werden können, trotz hoher Qualifikation und Leistungsbereitschaft.

  • Antworten
bernhard jasper14.06.2012 | 11:29 Uhr

Was denken die Euroländer.......

Wenn Irland durch harte Sparmaßnahmen - die überhaupt nichts mit Frau Merkel zu tun haben, denn es wird SELBST sparen - wirtschaftlich wieder gesundet ist, kann es sich sehr freuen und Deutschland wird es mit ihm.

Herr jasper hat völlig recht!!!

  • Antworten
Gerhard Thiel14.06.2012 | 16:03 Uhr

Zahlmeister Deutschland

Der Euro hat die Euro-Länder gegeneinander aufgebracht. Die Südländer konnten von ihrer InflATIONSKULTUR nicht lassen und haben sich in die Bredouille gebracht. Einig sind sie sich. natürlich mit den Banken, darin, daß Deutschland sie "retten", d.h. ihre Schulden bezahlen soll.
Wenn die Kanzlerin Merkel diesem Druck nachgibt, ruiniert sie unsere Stabilität und verübt mit ihrer CDU politischen Selbstmord.

  • Antworten
Johannes von Bieberstein14.06.2012 | 20:43 Uhr

Populisten aller Länder vereinigt euch!

Es sind immer die anderen. Der Nationalismus überlagert die sachliche Problemanalyse in der öffentlichen Meinung vieler Länder. Je düsterer die Lage, desdo mehr ist Deutschland schuld. Dass man sich ohne EU und EZB in einer stetigen Inflations- und Abwertungsspirale befinden würde, wird dabei geflissentlich übersehen. Es ist halt auch viel schwieriger wachstumspolitische Reformen umzusetzen, als mit dem Finger auf andere zu zeigen. Natürlich fehlt jetzt die schleichende Enteignung der Gläubiger durch die Inflation der eigenen Währung und verschärft die Krise. Diesen Vorwurf muss sich Deutschland gefallen lassen. Dafür zahlt es für den Eurorettungsschirm. Die Standardreflexe auf Wirtschaftskrisen, Abwertung der eigenen Währung und Inflation sind den Krisenländern verwehrt. Sie müssen jetzt politisch an hart verteidigte gesellschaftliche Partialinteressen und Privilegien ran. Das in solchen Prozessen nationalistischer Populismus als probates Mittel gesehen wird, von den eigentlichen Ursachen abzulenken, ist da nur menschlich, wenn auch zu billig. Die Bitschaft, über die eigenen Verhältnisse gelebt zu haben, will auch keiner hören.

  • Antworten
Christoph Kuhlmann15.06.2012 | 08:11 Uhr

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