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Weltbühne

IslamismusWarum werden Salafisten-Vereine verboten?

Von Frank Jansen15. Juni 2012
picture alliance
betende Muslime, Salafisten, Islam, Islamismus, Extremismus, gebet, bärtiger mann
Betende Muslime auf dem Potsdamer Platz in Berlin
Schrift:

Der Staat wehrt sich gegen radikale Salafisten-Vereine in Deutschland. Wer sind die nun von Innenminister Friedrich verbotenen Gruppierungen und warum hält er sie für gefährlich?

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Es ist der härteste Schlag, der das islamistische Spektrum in Deutschland bislang getroffen hat. Ein Verein der salafistischen Szene wurde verboten, zwei weiteren Gruppierungen steht die Auflösung bevor. Nach den Krawallen vom Mai in Solingen und Bonn war für Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) die Zeit reif, wenn nicht überreif, die extremen und meist gewaltbereiten Frömmler hart anzufassen. Die Pläne, Verbote gegen die Vereine Millatu Ibrahim, Die wahre Religion und Dawa FFM auszusprechen, sind aber schon älter.

Warum wurde Millatu Ibrahim verboten?

Der Verein Millatu Ibrahim war noch jung, fiel aber von Beginn an mit brachialen Parolen auf.

Im November 2011 präsentierte der Anführer („Amir“) des Vereins, der Österreicher Mohammed Mahmoud, als eine Art Keimzelle des Vereins die Internetseite „Millatu Ibrahim“. In einer programmatischen Rede, die in einem Chatroom veröffentlicht wurde, beschrieb Mahmoud in holprigem Deutsch den Kampf um eine weltweite Herrschaft des Islam, „so dass Allahs Scharia und diese Flagge, diese Flagge über das Weiße Haus und über das Vatikan weht. Oder wir sterben.“

Anfang 2012 benannten Anhänger Mahmouds die Solinger Hinterhof-Moschee „Deutsch-Islamisches Zentrum“ um in „Millatu Ibrahim e.V.“, allerdings gab es keinen Eintrag im Vereinsregister. Mahmoud selbst ist schon lange einschlägig bekannt. Der Sohn eines nach Österreich geflohenen, ägyptischen Islamisten war 2007 als „Amir“ (Anführer) der „Globalen Islamischen Medienfront“ aufgetreten, die im Internet für Al Qaida warb. 2008 verurteilte ein Wiener Gericht Mahmoud zu vier Jahren Haft. Nach Verbüßung der Strafe begab sich Mahmoud zur salafistischen Szene in Berlin, dann trat er als Prediger in der Millatu-Ibrahim-Moschee in Solingen auf. Die Sicherheitsbehörden hatten ihn im Blick.

Die Propaganda von Millatu Ibrahim war heftig. Bei den Ausschreitungen am 1. Mai in Solingen heizte der Millatu Ibrahim zugerechnete Prediger Hassan K. den Salafistenmob auf, in dem er afghanische Terroristen als „die wertvollsten Menschen für uns“ glorifizierte. Der Verein „kümmerte“ sich auch um inhaftierte Islamisten, um sie in der Szene zu halten.

Politiker wurden bei Millatu Ibrahim systematisch beleidigt und bedroht. Zitate aus einem Video vom Januar: „Die Leute, die die Gesetze machen, die sind die Schlimmsten. Die sind schwul, die sind kokainsüchtig, pädophil, einfach ekelhaft. (...) Guckt mal Wowereit an, ekelhaft. (...) Möge Allah ihn vernichten.“ Der Mann, der diese Hetze von sich gab, war die Nummer 2 bei Millatu Ibrahim, der Berliner Denis Cuspert. Er wurde einst bekannt als Rapper „Deso Dogg“, heute gilt er als einer der gefährlichsten Islamisten in Deutschland. In der Verbotsverfügung wird Cuspert, der auch „Islamseminare“ abhält, mehrfach zitiert – und seine Sehnsucht erwähnt, auf dem „Schlachtfeld“ zu sterben. Das ist offenbar ernst zu nehmen.

Im Mai entdeckte die Polizei in Berlin Utensilien zur Herstellung einer Sprengstoffweste. Das Material wird dem inzwischen nicht mehr auffindbaren Cuspert zugeordnet. „Die Weste ist ein weiteres Zeichen für die aggressiv-kämpferische Grundhaltung der Vereinigung“, heißt es in der Verbotsverfügung.

Was wirft der Bundesinnenminister den anderen beiden Vereinen vor?

Die Argumente gegen Die wahre Religion (DWR) und Dawa FFM ähneln denen im Fall Millatu Ibrahim. Die Propaganda des DWR nach den Ausschreitungen in Solingen und Bonn stelle „den vorläufigen Höhepunkt einer auf die systematische Diskreditierung der verfassungsmäßigen Ordnung angelegten Agitation dar“, steht in Friedrichs Verfügung zur Einleitung eines vereinsrechtlichen Ermittlungsverfahrens. So drohte der DWR-Prediger Abu A. in einem Video dem Innenminister und Bundeskanzlerin Angela Merkel, sie brächten „ihre Bürger in Gefahr“, sollte es weiter zulässig sein, die Mohammed-Karikaturen zu zeigen.

Auch Journalisten werden aus dem Umfeld von DWR attackiert. In einem Video ist comicartig zu sehen, wie einem Redakteur der „Welt“ der Kopf explodiert. Ein Salafist, den Sicherheitsexperten der Umgebung von DWR-Chef Ibrahim Abu Nagie zuordnen, hat zudem in einem Video gegen Mitarbeiter von Tagesspiegel und „Frankfurter Rundschau“ gehetzt. Bei dem Verfahren gegen DWR spielt die vom Verein initiierte Verteilung von Gratisexemplaren des Korans keine Rolle.

Dem Verein Dawa FFM wirft Friedrich ebenfalls vor, er billige „Gewalt gegen den Staat und dessen Funktionsträger“. Dawa FFM hatte sich mit den salafistischen Randalierern in Solingen und Bonn solidarisiert und auch das Droh-Video gegen Friedrich und Merkel veröffentlicht. In der Verfügung zur Einleitung des Verfahrens gegen Dawa FFM wird außerdem erwähnt, dass Vorträge des Anführers Abdellatif Rouali zur Radikalisierung des Attentäters Arid Uka beitrugen. Der junge, über das Internet aufgeputschte Kosovare hatte 2011 am Frankfurter Flughafen zwei US-Soldaten erschossen und zwei weitere lebensgefährlich verletzt.

Seite 2: Wie reagieren die muslimischen Verbände auf Salafisten?

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Keine religiöse Vereinigung mit Absolutheitsanspruch!

Ich finde es richtig, dass endlich angefangen wird, eine religiöse Vereinigung zu verbieten. Aber fairerweise sollten auch sämtliche anderen religiösen Vereinigungen überprüft werden. Denn noch immer haben die drei monotheistischen Religionen Islam, Christen- und Judentum ihren mittelalterlichen kriegerischen Absolutheitsanspruch offiziell nicht abgelegt, der bisher schon zu sehr vielen Millionen von grausamsten Ermordungen geführt hat!

Falls Deutschland wirklich ein Rechtsstaat ist, der dem Frieden verpflichtet ist, sollte hier allen(!) islamischen, christlichen und jüdischen Vereinigungen eine Frist bis Jahresende gesetzt werden, offiziell auf jeglichen Absolutheitsanspruch zu verzichten und die Menschenrechte anzuerkennen – andernfalls sollte die betreffende Vereinigung verboten werden!

  • Antworten
Reiner Moysich18.06.2012 | 14:47 Uhr

Keine religiöse Vereinigung mit Absolutheitsanspruch

Dem Verfasser dürfte entgangen sein, dass die Menschenrechte eine Auswirkung der Gebote Gottes sind. Es hat leider lange gedauert, dies auch umzusetzen. Aber welchen Absolutheitsanspruch hat der christliche Glaube? Im Gegensatz zum Islam ist es keine Glaubensvorstellung, dass wir mit Waffengewalt eine Herrschaft Christi errichten sollen. Im Gegenteil; wir bekennen sonntags und ansonsten im Gottesdienst im Glaubensbekenntnis "von dannen er kommen wird, zu richten die Lebenden und die Toten". ER, Christus, wird kommen und Sein Gericht hat überhaupt nichts mit menschlichen Gerichtsbarkeiten, wie sie in der Scharia verlangt werden, zu tun. Ähnlich verhält es sich mit dem jüdischen Glauben, der Messias wird erwartet, also Gott selbst, der dann sein Reich aufrichten will.
Und noch eines:
Wenn in der Kirchengeschichte Menschen getötet, gefoltert und verfolgt worden sind, so konnten die kirchlich Verantwortlichen sich nicht auf die Heilige Schrift, vor allen Dingen im verbindlichen Neuen Testament berufen. Ganz anders ist es im Islam. Salafisten und alle Parallelgruppen, die die Scharia einführen wollen, haben Kernaussagen im Koran auf ihrer Seite und handeln mit ihrer Gewalttätigkeit im Sinne Allahs. Von friedlicher Religion kann also keine Rede sein.

  • Antworten
Werner Sadowski18.06.2012 | 14:47 Uhr

Wenn ich mich nicht taeusche haben weder

die evangelischen Pastoren noch katholische Pfarrer oder juedische Rabbis zum Kampf gegen die Demokratie aufgerufen,keiner stachelt seine Mitglieder zur Attacke gegen die Polizei auf .
Hetzprediger stachelten ihre Mitglieder gegen Nicht-Muslime auf,und weil das Benehmen illegal war wurden etliche Moscheen und Kulturvereine geschlossen.
Es ist mir auch noch kein Bericht ueber einen juedischen Rabbi vor die Augen gekommen der gegen den deutschen Staat hetzte oder gar seine Glaeubigen gegen Andersglaeubige aufbrachte.
Wer die Religionen vergleichen will sollte jedenfalls so viel Information zur Hand zu haben.Es sind nicht die Religionen sondern speziell Islam wo das Gewaltpotential gegen vermeintliche Kritiker und Beleidigungen enorm gross ist.

  • Antworten
Karin S.Bryant18.06.2012 | 14:48 Uhr

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