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 > Streiten sich zwei, freut sich Virgil Goode

Weltbühne

US-WahlkampfStreiten sich zwei, freut sich Virgil Goode

Von Malte Lehming14. September 2012
Virgil Goode
Virgil Goode,Romney,US-Wahlkampf
Seinen Wahlkampfspruch muss man ihm lassen: Goode safe America
Schrift:

Es gibt jemanden, der Romney den Einzug ins Weiße Haus vermasseln könnte. Nicht Barack Obama, nein: Virgil Goode. Zwar kennt kaum ein Amerikaner den erzreaktionären Kandidanten und auch für die Präsidentschaft reicht es wohl kaum, aber zum Stimmenklau

Es ist durchaus möglich, dass der amerikanische Präsidentschaftswahlkampf von Virgil Goode entschieden wird. Von wem? Virgil Goode! Den 66-jährigen schlanken, schlagfertigen Mann kennt zwar kaum einer in Amerika – und erst recht nicht außerhalb von Amerika –, doch in jenen Teilen Virginias, wo die Herzen meist konservativ schlagen, ist der eigenwillige Politiker ein Begriff. Denn auch er will Präsident werden. Als Spitzenkandidat der Verfassungspartei steht er in Virginia ebenso wie Barack Obama und Mitt Romney auf dem Wahlzettel.

Virginia wiederum ist einer von acht „swing states“. Um die Wähler in diesen Bundesstaaten buhlen Obama und Romney besonders intensiv. Und während Obama in Ohio, Florida und New Hampshire leicht in Führung gegangen ist, liefert er sich in Virginia ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit Romney. Für den indes ist klar: Ohne die 13 Wahlmännerstimmen aus Virginia, das traditionell zwar republikanisch wählt, aber vor vier Jahren mehrheitlich demokratisch votierte, hat er kaum eine Chance, Präsident zu werden.

Romney braucht Virginia. Hier geht es für ihn um jede einzelne Stimme.

Auftritt Virgil Goode: Der Mann kennt Virginia wie seine Westentasche. In Richmond wurde er geboren, 24 Jahre lang saß er im Senat des Bundesstaates, erst für die Demokraten, dann für die Republikaner. Rechts war er eigentlich immer schon. Als Demokrat stritt er für die Tabakindustrie, die Waffenlobby und das Amtsenthebungsverfahren gegen den damaligen Präsidenten Bill Clinton. Als Republikaner kam der Kampf gegen illegale Immigranten, die Abtreibung und die hohe Staatsverschuldung hinzu. Goode war für den Afghanistan- und Irakkrieg, für den Patriot Act und gegen die Rettung von General Motors und Chrysler mit Hilfe von Steuergeldern.

Vor zwei Jahren trat Goode in die Verfassungspartei ein, im Februar dieses Jahres wurde er zu deren Spitzenkandidat gewählt. Die Verfassungspartei wurde 1991 ursprünglich als Steuerzahlerpartei gegründet, 1999 nannte sie sich um. Sie ist christlich ausgerichtet, gegen Einwanderung, für einen extrem schlanken Staat, strikt gegen Sterbehilfe, Abtreibung, Pornografie und Homo-Ehe. In ihrer Präambel heißt es, man anerkenne „dankbar den Segen unseres Herrn und Erlösers Jesus Christus als Schöpfer, Bewahrer und Herrscher des Universums und der Vereinigten Staaten“.

Natürlich kann ein erzreaktionärer Kandidat wie Goode nicht amerikanischer Präsident werden. Aber aus seiner Sicht verhalten sich Obama und Romney wie „Tweedledum and Tweedledee“. Beide seien viel zu lasch in Sachen Staatsverschuldung, Einwanderung und gleichgeschlechtlicher Ehe. Außerdem will Goode die Entwicklungshilfe streichen und die Zusammenarbeit der USA mit allen multinationalen und internationalen Organisationen aufkündigen. Raus aus der Uno, aus Nafta (der nordamerikanischen Freihandelszone), aus Gatt (General Agreement on Tariffs and Trade), aus der Welthandelsorganisation (WTO), aus der Weltbank und dem Internationalen Währungsfond.

Persönlich ist Goode bescheiden. Parteispenden von mehr als 200 Dollar lehnt er ab. Er hat nur vier Mitarbeiter, einen davon in Vollzeitbeschäftigung. Als begnadeter Populist, der seine Zuhörer elektrisieren kann, tingelt er durchs Land. Ende April kam Goode in Virginia in einer Umfrage auf fünf Prozent Zustimmung, Mitte Juli bereits auf neun Prozent. Besonders christliche Rechte und Tea-Party-Anhänger schlagen sich auf seine Seite.

Jede Stimme mehr für Goode bedeutet in der Regel eine Stimme weniger für Romney. Deshalb beobachtet dessen Team die Entwicklung in Virginia mit allergrößter Sorge. Sollte ausgerechnet ein Reaktionär den Republikanern am 6. November die Show stehlen und ihrem Kandidaten den Einzug ins Weiße Haus vermasseln? Es wäre zumindest eine Pointe.

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