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Weltbühne
Barack Obama

Der ungeliebte Präsident

von 
Sanford J. Ungar
25. November 2011
picture alliance
Barack Obama, USA, Amerika, Präsidentschaftswahl 2012
Die Krisen in der Wirtschaft und der Außenpolitik nagen an Obamas Bild.

Er trat an, um den großen Wandel zu organisieren. Mittlerweile ist Barack Obama der unbeliebteste Präsident seit Jimmy Carter. Wie konnte das passieren? Und wie stehen Obamas Chancen vor der Präsidentschaftswahl 2012 wirklich? Ein Porträt

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Dieses Interview ist eine Kostprobe aus der Dezember-Ausgabe des CICERO mit dem Schwerpunkt Familie. Jetzt am Kiosk - oder hier zum Bestellen im Shop.

Die triumphierende E-Mail von Barack Obamas Wahlkampfteam an seine Unterstützer kam in der Nacht zum 4. November an, dem dritten Jahrestag seines Wahlsiegs von 2008. Die Betreffzeile „Erinnert ihr euch noch an Grant Park?“ weckte Erinnerungen an einen mitreißenden Wahlabend in Downtown Chicago, Erinnerungen an den unerwarteten Wahlerfolg eines jungen, idealistischen und eloquenten Schwarzen, der Amerika einen „Wandel, an den wir glauben können“, versprach.

Dieser Abend war sicherlich ein Höhepunkt. In einer brillanten und inspirierenden Rede, die weltweit übertragen und seitdem unzählige Male wiederholt wurde, appellierte der damals über alle Maßen beliebte und frisch gewählte Präsident an die Menschenmassen, die sich am Ufer des Lake Michigan versammelt hatten:

„Dieser Sieg allein ist noch nicht der Wandel, den wir anstreben. Er ist nur unsere Chance, diesen Wandel herbeizuführen. Das kann nicht geschehen, wenn wir zu dem zurückkehren, wie die Dinge waren. Das kann nicht ohne euch geschehen, ohne einen neuen Geist der Leistungs- und Opferbereitschaft. Während wir heute Abend feiern, wissen wir, dass die Herausforderungen, denen wir morgen gegenüberstehen, die größten unseres Lebens sein werden. Der Weg, der vor uns liegt, ist lang, der Aufstieg wird steil sein, wir werden es nicht in einem Jahr schaffen, vielleicht nicht einmal in einer Legislaturperiode. Aber Amerika, meine Hoffnung, dass wir es schaffen werden, war nie größer als heute Abend. Ich verspreche euch, wir als Volk werden es schaffen … aber es gibt noch so viel zu tun.“

Die aktuelle E-Mail-Kampagne lässt eine Sehnsucht nach vergangenen Zeiten aufkommen, eine Sehnsucht, die umso schmerzlicher ist, weil sich der Optimismus von damals kaum mehr herstellen lässt. Denn nach diesem Höhepunkt in Chicago ging es im Grunde nur noch bergab.

Barack Obama ist isoliert und nicht in der Lage, seine Gesetzesvorhaben ohne größte Einschnitte durch den Kongress zu bekommen. Seinen Handlungsmöglichkeiten sind durch einen verheerenden nationalen und globalen wirtschaftlichen Abschwung Grenzen gesetzt; international muss er sich mit nahezu unlösbaren Problemen herumschlagen. Ein Jahr vor der Präsidentenwahl 2012 ist Obama der seit Jimmy Carter unbeliebteste Präsident. Inzwischen wird er gar mit dem ehemaligen sowjetischen Staatschef Michail Gorbatschow verglichen, der im Ausland beliebter war als zu Hause. Einige derselben Menschen, die Obama einst so erfolgreich für seinen Wahlerfolg mobilisiert hatte, werfen ihm heute vor, nur noch eine billige Kopie seines verhassten Vorgängers George W. Bush zu sein.

Die USA befinden sich in einer politischen und sozialen Krise, die sich immer weiter zuspitzt: Die Armen werden ärmer und immer mehr, die Reichen werden immer reicher und weniger. Weil die Arbeit im Kongress fast komplett gelähmt ist, findet ein Großteil der Debatte über die Zukunft des Landes nicht in den Korridoren der Macht, sondern im Umfeld der Proteste statt, die von der „Occupy-Wall-Street“-Bewegung inspiriert werden. Während seines Wahlkampfs 2008 mokierte sich Obama sehr elegant über die „Dinge, wie sie einst waren“, zu denen man nicht zurückkehren könne. Heute erscheinen sie als geradezu erstrebenswert.

Wie konnte es so weit kommen? ­Obama war ein brillanter Präsidentschaftskandidat, der seinem republikanischen Gegner John McCain problemlos die Show stahl. Als „Praktiker“ jedoch zeigte er gleich nach seiner Wahl erstaunliche Schwächen. Die wichtigen Posten in seiner Regierung besetzte er langsamer als die meisten anderen seiner Vorgänger – nicht zuletzt, weil er zu glauben schien, dass er die wichtigen Dinge selbst regeln könne, statt sich mit einem starken Unterstützerteam zu umgeben. Zuweilen – wie im Fall seines hochmütigen Versprechens, das Militärgefängnis Guantánamo zu schließen – entzog er jenen die Unterstützung, die er selbst ernannt hatte. An Ratschlägen, die seine einmal getroffene Meinung infrage stellen, ist Obama nicht besonders interessiert; selbst dann nicht, wenn sie von engen Beratern stammen. Bereits zu Beginn seiner Amtszeit hat er viel Zeit auf den letztendlich erfolglosen Versuch verwandt, Unterstützung auch aus den Reihen der republikanischen Minderheit im Kongress zu gewinnen, anstatt auf die Stärke und Einheit der damals noch gefestigten demokratischen Mehrheit im Senat und im Repräsentantenhaus zu setzen.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, warum Obama in der Außenpolitik völlig verloren wirkt.

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Versager mit Nobelpreis

Dieser sogenannte mächtigste Mann der Welt sollte Größe zeigen und durch die Rückgabe seines Nobelpreises sein Versagen auf ganzer Linie offen eingestehen.

  • Antworten
Gschwind Jahn26.11.2011 | 13:08 Uhr

Das Schwerste sind Glaubwürdigkeit und Verlässlichkeit

US-Präsident Barack Obama hat wahrlich keinen leichten Stand. "Yes, we can", war seinerzeit seine Botschaft. Viele Wählelrinnen und Wähler, gerade aus der unteren Gesellschaftsschicht, haben ihm geglaubt. Jetzt fühlen sie sich von Obama und der republikanischen Partei unverstanden, vernachlässigt und möglicherweise sogar betrogen.

Er konnte mehr, wenn er konsequenter denken und klarer agieren würde. Wenn.

Wichtig wäre es, wenn er immer wieder erklärt und duch politische Taten unter Beweis stellt, daß er sich für die große Mehrheit der Amerikanerinnen und Amerikaner einsetzt und deren Vorstellungen und Wünsche umsetzt.

Dabei kommt er nicht umhin, den Reichen und Superreichen kräftig "auf die Füße zu treten" und deren Reichtum drastisch zu beschneiden. Und wenn er die US-Truppen beispielsweise so schnell wie möglich aus Afghanistan abziehen ließe. Dabei sollte er der Bevölkerung "reinen Wein einschenken" und beispielsweise auch das Land Afghanistan als größtes Drogenanbaugebiet der Welt brandmarken. Was wollen die US-Truppen, aber auch die deutsche Bundeswehr eigentlich dort?

Sicherlich, die Vermögenden haben - wie auch hierzulande - Presse und Medien hinter sich. Wenn jedoch die "einfachen" Bürgerinnen und Bürger spüren, daß Obama wirklich auf ihrer Seite steht, werden sie sich bei der nächsten Wahl vermutlich auch an seine Seite stellen.

Nur Glaubwürdigkeit und Verlässlichkeit können seine Wahlchancen verbessern, eine inkonsequente Politik kann den letzten Rest an öffentlichem Zuspruch noch zunichte machen.

Ob es dem US-Präsidenten gelingt, mit klaren Botschaften und einer klaren politischen Linienführung zu punkten?

Er darf sich von der Gegenpropaganda nicht ins Bockshorn jagen lassen, sonst dürfte es wenig Sinn für ihn machen, überhaupt noch einmal als Präsidentschaftskandidat anzutreten.

  • Antworten
Yvonne Walden27.11.2011 | 16:15 Uhr

Wer hat die Macht in dern USA?

Spielt es wirklich eine Rolle, wer Präsident ist und wird? Letzten Endes bestimmen die dahinter stehenden Interessentengruppen. Siehe hier:

http://knol.google.com/k/klaus-rohde/die-ideologie-der-amerikanischen/xk923bc3gp4/123#view

  • Antworten
Klaus Rohde28.11.2011 | 07:54 Uhr

Vorschuss Lorbeeren sind immer ein uebles " Geschenk"

und steigerten die Erwartungen,nicht nur in USA,sondern der ganzen Welt die nun dachten dass dieser neue US Praesident Wunder verbringen koennte.Auch die Leute in Stockholm unterlagen der Euphorie als sie ihm dann ohne dass er auch nur eine Leistung vollbrachte den Nobelpreis verliehen... Nun zeigt sich dass Herr Obama wenig Erfahrung fuer seinen Job mitbrachte,weder in der Wirtschaft noch Aussenpolitik hatte Obama Erfahrungen auf die er sich stuetzen konnte. Alles war er vorzeigen konnte waren seine berufliche Erfahrungen als 'neighborhood organizer" wo er Leute zusammen brachte,die oft unter der Armutsgrenze lebten, um mehr vom Staat zu bekommen... Da hatte er weder Verantwortung fuer das Leben anderer Menschen oder gar ein ganzes Land.Chicago ist schliesslich nicht die gesamte USA.
Selbst unter den Afro-Amerikanern war man skeptisch,aber Obama war ein Demokrat und Afro-Amerikaner waehlen oefter die Demokraten als die andere Partei. Dazu kamen viele Sachen die Obama versprach aber nicht einhalten konnte.Wie schon Jimmy Carter scheitert Obama an der Unfaehigkeit den Congress auf seine Seite zu bringen....Schade,eigentlich denn es waere gut gewesen wenn er wenigsten einige seiner Programme Realitaet geworden waeren.Aber selbst die so oft gepriesene oder beschimpfte Obama Care ist voller Strickfehler...Ich denke aber dass Obama wieder gewaehlt wird weil die GOP keinen wirklichen guten Kandidaten aufstellen kann und es wird sich wenig aendern an der Lage der US Wirtschaft ..... Obamas Politik und die Ideen der US Wirtschaft sind wie Essig und Oel....

  • Antworten
Karin S.Bryant28.11.2011 | 14:44 Uhr

Too young to lead.....

Man hatte es befürchtet:Zu euphorisch agierte eine ganze Nation in ihrer Begeisterung für Barack als Heilsbringer.Aufbruch,Umbruch...Reformen...Health-care,jobs for everyone,peace and power....am Ende Ernüchterung.Er war und ist immer noch der sympathische,idealistische " Member of University ", "Columbia- State","Havard"...very well educated, but too young to lead.Es fehlt:Erfahrung. Das Sammeln von begeisterten,jungen Mitstreitern konnte er- aber nur über die Netzwerke.Dann kam der politische Alltag,die komplexen Probleme einer Supermacht.Eine Herkulesaufgabe, die er unmöglich lösen konnte.Dazu kommt, der Kongress lässt ihm kaum Spielraum.Sein Beraterteam war ausgereizt.Keine neuen Ideen,Impulse,Konzepte für strategische Realpolitik..Präsident werden ist schon schwer, Präsident sein, dann umso mehr.Wird er nocheinmal die Massen seiner Wähler bewegen können? Wohl kaum.Eine große Chance gibts nur einmal.Thank You Mr.President.

  • Antworten
Bernd30.11.2011 | 16:18 Uhr

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