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 > Unser Land braucht Religion

Weltbühne

Glaube, Staat, GesellschaftUnser Land braucht Religion

Von Alexander Kissler11. Dezember 2012
picture alliance
Jesuskreuz,Christentum,Glaube
Braucht die wunderbare Erzählung des Lebens einen Erzähler, einen Gott?
Schrift:

Religiöse als „Religioten“ zu verspotten ist ein haltloses Vorurteil, heißt ein gottgefälliges Leben zu führen doch, vernünftig zu denken und dem Gewissen gemäß zu handeln. Ein Plädoyer

Seite 1 von 2

Religionen sind das Gedächtnis der Menschheit, Schulen der Demut, Räume der Selbstvergewisserung, sind Wissensspeicher und Trostmaschine zugleich. Sie reißen das Individuum heraus aus den Bedingungen der Gegenwart, die es mal nach dieser, mal nach jener Pfeife tanzen lassen will. Sie machen Monaden zu Menschen, machen die berühmten „kohlenstoffbasierten Entitäten“ zu Personen, denn Religion gibt es nie nur für mich. Sie ist das Band, das für Spannkraft sorgt in senkrechter wie waagerechter Richtung. Wer glaubt, steht in der langen Reihe derer, die vor ihm waren und die neben ihm sind – und hat Tuchfühlung mit dem, was kommen wird, dem, was er erhofft am Ende seiner Tage.

Es ist modisch geworden in unseren Breitengraden, den Religiösen als einen „Religioten“ zu verspotten. Wer noch glaube, der denke nicht und sei also ein Idiot. Dieses auf Auguste Comte zurückgehende Vorurteil erinnert an den Geisterfahrer, der sich auf der richtigen Spur wähnt und alle anderen für Geisterfahrer hält. Die große Mehrheit nämlich der Weltbevölkerung ist gläubig – aus guten Gründen. Den allermeisten Menschen ist es unmittelbar einsichtig, dass das Universum eine Schöpfung ist und dass es einen Schöpfer geben muss. Dass diese ganze wunderbare Erzählung namens Leben einen Erzähler braucht, einen Gott. Ebenso mehrheitsfähig ist die Auffassung, dass in den heiligen Schriften alles Wesentliche über den Homo sapiens ausgesagt ist. Dort und nicht bei den „Vollstreckern des Zeitgeists“ (Feridun Zaimoglu) mit ihrer Jenseitsphobie wird der Sinnsucher Zuflucht finden. Man lese zum Vergleich die furchtbar bitteren, lichtlosen, in sich gekrümmten Philippiken, die der Neoatheismus hervorbringt. Die Freude wohnt dort nicht und nicht die Hoffnung und der Trost. Was aber bräuchten wir dringender denn diese drei?

Die heiligen Schriften enthalten die farbigsten Erzählungen vom Los des Menschen überhaupt. Grau und traurig wäre die Welt ohne Eschu, den Narrengott Nigerias, ohne den hinduistischen Elefantengott Ganesha, der Süßigkeiten mag, Hindernisse aus dem Weg räumt und die Gelehrsamkeit verkörpert, ohne die Veden und die Upanishaden und das Rad des Lebens, ohne Altes und Neues Testament, ohne den Talmud und die Hadithe. Immer ist der Mensch in diesen Erzählungen ein unvollkommenes, vielfach angefochtenes Wesen, das der Barmherzigkeit bedarf und das sich eines Tages für seine Taten wird rechtfertigen müssen. Religionen haben im Gegensatz zum Aberglauben und zum Fundamentalismus der Atheisten einen realistischen Blick. Sie wissen, dass im Menschen unfassbar Großes wohnt – und dass diese Größe jederzeit zuschanden gehen kann.

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Es kommt ganz darauf an was der Einzelne unter Religion versteht

Ich will keine Betschwestern und Brueder in der Regierung und keine Missionare egal welcher Farbe die mir ihre Version von der 'wirklichen Religion ' um die Ohren schlagen noch will ich bedroht werden weil Anderen meine Religion oder Nicht-Religion nicht gefaellt.
Deswegen sollte das GG in Sache Religionsfreiheit mal ueberholt werden
denn es gibt heute schon zu viele Menschen in D die alles was ihnen nicht gefaellt mit religioeser Freiheit hoffaehig machen wollen.

Soll doch bitte jeder glauben was er/sie moechte.Aber das nur solange es meine Freiheit zu glauben oder nicht zu glauben nicht gefaehrdet.

  • Antworten
Lill-Karin Bryant11.12.2012 | 15:14 Uhr

Sie sind nicht nurein

Sie sind nicht nurein Religionshasser, sondern auch ein Hasser der Freiheit. Beides geht oft Hand in Hand.

  • Antworten
Erwin14.12.2012 | 13:01 Uhr

Mehr Hohn und Spott wagen

Solange religiöse Menschen - egal ob (rechte) Christen oder Islamisten - der Meinung sind, sie könnten andere unterdrücken mit ihrer "Heilslehre", ist es nötig sich mit Hohn und Spott zu wehren.

Ich will nicht bezahlen für Eure ideologischen Projekte. Wenn ihr Gutes tun wollt, dann macht es ohne die Menschen "erziehen" zu wollen und vor allen Dingen mit Eurem Geld und nicht mit Steuergeldern. Das Geld anderer Leute auszugeben ist leicht.

Ich möchte mir meinen Lebenspartner von Eurer Ideologie auch nicht bestimmen lassen.
Und Eure Dogmen gehen mir am Ar... vorbei. Würdet ihr mich in Ruhe lassen, würde ich mich auch nicht an Euch stören. Aber religiöse Menschen meinen ja immer, ihr Weltbild müsste für die gesamte Gesellschaft gelten. Ich warte nur noch auf eine Ausweitung des Blasphemiegesetzes.

Nicht mehr Religion wagen, sondern mehr Vernunft wagen.
Es ist die Zeit für weniger, viel weniger Religion. Für weniger ideologischem Einfluss auf die Gesellschaft und für eine deutliche Trennung von Staat und Religion.

  • Antworten
Markus11.12.2012 | 16:07 Uhr

Zu erst möchte ich dir Recht

Zu erst möchte ich dir Recht geben, wenn Menschen anderen Menschen ein Weltbild aufzwingen und sie unterdrücken wollen, sollte man da auf jeden Fall immer versuchen einzugreifen. Doch geschieht dies keineswegs nur durch religiöse Menschen. Viel mehr Menschen leiden zum Beispiel unter dem Kapitalismus, werden durch ihn und unsere ach so tollen westlichen Regierungen ausgebeutet und unterdrückt. Und die meisten Probleme, die es momentan auf der Welt gibt, sind einfach mal durch den Kapitalismus ausgelöst worden (auch die Konflikte im Nahen Osten werden schon lange nicht mehr von den Religionen geprägt, sondern von den Regierungen) und nicht durch Religionen!
Weiterhin:Wer ist ihr/ Euch in deinem Text? Diese Verallgemeinerung und Pauschalisierung von Menschen ekelt mich so an! Hast du dich mal mit religsiösen Menschen auch außerhalb des Christentums unterhalten? Dann hättest du nämlich irgendwann festgestellt, dass das auch eine riesige kulturelle Bereicherung für uns sein kann.
In meinen Augen bist du ein Rassist, der kein Bock auf Menschen hat, die ein anderes Weltbild haben. Lass jedem Menschen das, was er sich für sein Leben ausgesucht hat. Ich bin mir ganz sicher, an dir wird auch keiner weiteres Interesse haben.
Toleranz, Junge! Wieso erwarten ständig alle von allen Toleranz und Akzeptanz und sind selber dazu so wenig in der Lage...
Du erwartest eine Ausweitung des Blasphemiegesetzes? Ich erwarte ein Verbot von Moscheen und die Ausweisung aller ausländischen Menschen, hauptsächlich Muslime. Wo wir wieder in 1933 wären...

  • Antworten
Luise11.12.2012 | 18:00 Uhr

Atheisten haben nicht nachgedacht

@Markus
Bei allem Respekt vor Ihrer Meinung. Aber in einer Welt, wie Sie sie beschreiben, möchte ich nicht leben. Vernunft ist große Klasse, Vernunft ist unschätzbar wertvoll - aber sie reicht als alleinige Grundlage menschlichen Handelns kaum aus. Denn Vernunft ist immer kontextabhängig, die Definition dessen, was vernünftig ist, von Mensch zu Mensch, von Gruppe zu Gruppe verschieden. Auch die Nazis waren bei ihren bestialischen Verbrechen gewiss überzeugt, "vernünftig" zu handeln.

Nein, ich denke, der Mensch braucht eine Instanz, die größer ist als er selbst, die die Maßstäbe setzt für das, was man rechtes Leben nennt. Nächstenliebe, Großzügigkeit, Respekt vor anderen, Nachsicht, sich selbst nicht so wichtig nehmen, Freude, Liebe und so weiter. Alles das sind Begrifflichkeiten, die in keinem Gesetzestesxt stehen - sehr wohl aber in den religiösen Schriften dieser Welt. Und ohne diese Werte ist alle Vernunft nichts wert.

Umgekehrt ist es aber genau so. Mir ist klar, dass im Namen der Religion im Laufe der Jahrhunderte viel Schreckliches passiert ist und immer noch passiert. Aber gleich ob es sich um die fanatischen evangelikalen Christen in den USA handelt oder um radikale Islamisten, mit wahrer Religiösität hat das nichts zu tun. Solche Auswüchse entstehen leider aus dem Unvermögen heraus, eigenständig zu denken. Religion wird so zurecht gebogen und interpretiert, dass der eigene Hass oder Ressentiments gegen alles Fremde und Andersartige eine moralische Grundlage erhalten. Denn es hasst sich mit leichterem Gewissen, wenn man es im Namen einer Religion tut.

Es gibt ein paar schöne Zeilen dazu von Anthony de Mello, auf die ich mal gestoßen bin. Ich denke, sie passen sehr gut zum Thema des Artikels:

"Eine religiöse Überzeugung ist keine Aussage über die Wirklichkeit,
sondern nur ein Hinweis, ein Fingerzeig auf etwas, das ein Geheimnis darstellt
und jenseits des dem menschlichen Verstand Zugänglichen liegt.
Kurz gesagt, eine religiöse Überzeugung ist nur ein Finger, der auf den Mond zeigt.
Manche Leute kommen über das Studium des Fingers nicht hinaus. Andere sind damit beschäftigt, an ihm zu lutschen. Wieder andere gebrauchen den Finger,
um sich damit die Augen zuzudrücken. Das sind die frommen Eiferer,
die die Religion blind gemacht hat."

Ansonsten kann ich mich nur bei der Cicero-Redaktion und dem Autoren für diesen mutigen und wichtigen Artikel bedanken. Schön, dass mal ein Kontrapunkt gegen die selbstgerechte, arrogante Haltung gesetzt wird, die die meisten Atheisten heute gegenüber Menschen an den Tag legen, die an Glott glauben.

Dabei merken Atheisten gar nicht, dass sie eigentlich diejenigen sind, die nicht nachgedacht haben. Denn tatsächlich ist es doch der Gipfel der Naivität anzunehmen, dass die ganze Welt, das Universum um uns herum in all seiner Perfektion und Großartigkeit, einfach nur ein Produkt des Zufalls wäre. Dass sich menschliche Empfindungen wie Liebe, Trauer, Angst, Zorn, Sehnsucht in mathematische Gleichungen quetschen ließen.
Ich begeistere mich sehr für die Wissenschaft und ich glaube auch an die Evolutionstheorie. Aber Wissenschaft ist trotz ihrer gigantischen Erfolge begrenzt. Sie vermag zwar das "wie" zu erklären, keinesfalls aber das "warum". Das kann allein der Glaube.

  • Antworten
Oliver Vogt12.12.2012 | 00:39 Uhr

"Sie vermag zwar das "wie" zu

"Sie vermag zwar das "wie" zu erklären, keinesfalls aber das "warum". Das kann allein der Glaube."

Das wäre mir völlig neu das der Glaube das kann! :-) Anstelle einer Erklärung des "warum" kommen mehr oder weniger alberne und ausschließlich von Menschen erdachte und weidlich für ganz profane Zwecke erdachte Märchen (Märchen im Sinne von erdachten aber real wirken sollenden Geschichten) Was soll an einer "Gottheit" anders sein als an einem heiligen Baum, Blitz- und Donnergöttern? Bei den letzteren gelang halt der wissenschaftliche Nachweis des Humbug, ersteres hat sich schnlicht und einfach entzogen. Der Glaube das der Plantet XYZ im Sternbild Kassiopeia aus Ziegenkäse besteht, lässt sich ja auch nicht widerlegen. Es gibt ja eine monotheistische Religion die heut noch behauptet, die Welt existiert erst seit 6.000 Jahren, sorry - gehts noch?

Das "warum" ist ganz einfach zu erklären: Der Sinn des Lebens ist schlicht und einfach das Leben selbst, der Weg ist das Ziel. Hier nach einem mystischen "Warum" zu suchen ist doch einfach nur die Flucht und die Angst vor der schwer zu akzeptierenden Realität des Lebens und des Todes das wir als Maus, Ameise oder Mensch hinnehmen müssen, man kann sich aber auch selbst froh machen und halt an irgendetwas glauben um vor der Realität zu flüchten.

  • Antworten
gerd12.12.2012 | 14:59 Uhr

@gerd

@gerd
Da haben Sie mich offenbar missverstanden. Ich sage, dass es meines Erachtens keinen Widerspruch gibt zwischen dem Glauben an einen Schöpfergott und der empirischen Wissenschaft. Letztere vermag zwar die Zustände innerhalb des Universums zu erkennen und zu beschreiben. Aber zum Beispiel bei der Frage, was vor dem Urknall war, kommt sie an ihre natürliche Grenze.
Es mag unbenommen religiöse Überzeugungen geben, die die Erkenntnisse der Wissenschaft leugnen. Und zweiffellos kommt auch nichts Gutes dabei heraus, wenn religiöse SChriften nur Wort für Wort ausgelegt werden, aber der eigentlich Sinn dahinter verloren geht. Religiöse Ansichten müssen sogar hinterfragt und reflektiert werden, um der dahinterliegenden Wahrheit auf die Spur zu kommen.

Ihrer These, dass der Sinn des Lebens das Leben selbst ist, kann ich beim besten Willen nicht zustimmen. Wenn dem so wäre, dann wäre das Leben wohl auf der Stufe der Einzeller stehen geblieben. Aber dem ist bekanntermaßen nicht so, denn die Evolution hat eine Richtung hin zu mehr Komplexität. Fragen Sie sich nie, warum das so ist?

Ich will mich nicht über den Begriff "Gott" streiten, das ist nur ein Wort. Aber wenn man einmal ganz neutral an die Sache heran geht, was ist logischer: Dass die Welt in all ihrer unfassbaren Komplexität, die wohl niemand leugnen kann, einfach nur ein Produkt des Zufalls ist? Oder dass es, wenn man das Wort Gott vermeiden will, zumindest eine informationsgebene Quelle existiert?
Ich bin durchaus nicht naiv und der Glaube ist für mich auch keine bequeme Beruhigungspille, wie Sie mir vielleicht unterstellen mögen. Aber allein wenn ich der Logik folge, hat die zweite Erklärung sehr viel mehr Sinn als die erste. Oder um es mit Voltaire zu sagen: „Das Universum bringt mich in Verwirrung. Ich kann nicht verstehen, wie ein solches Uhrwerk bestehen kann ohne einen Uhrmacher.“

Was ich wiederum auch nicht verstehen kann, warum Sie und andere hier im Forum, eine gläubige Haltung für bloße Verwirrung und Naivität halten. Denn zu meiner Überzeugung bin ich nicht gekommen, weil man mich früher in den Kindergottesdienst gesteckt und dort einer Gehirnwäsche unterzogen hst, sondern weil ich über die Dinge nachgedacht habe.

  • Antworten
Oliver Vogt12.12.2012 | 16:31 Uhr

Warum soll ich an

Warum soll ich an Hirngespinste ( das sind ja im Sinne des Wortes ALLE Religionen - von Menschen erfunden ) glauben? Was kam schon gutes bei Religionen raus? Kommen sie mir bloss nicht mit "christlichen Werten" Die brauche ich nicht, der kategorische Imperativ reicht mir da völlig - das sind einfach humanistische Werte die (zum Teil) von Religionen übernommen wurden. Ich kenne aber viel schlechtes, Abermillionen von Toten, Knechtschaft, Hass und Kriege die durch Religionen hervorgerufen wurden.

Religioten - für mich ein äusserst gut passender Begriff

Ich kann wirklich niemand für voll nehmen der an einen Gott oder andere ähnliche Instanzen glaubt.

  • Antworten
gerd11.12.2012 | 18:38 Uhr

Religiöse Hirngespinste regieren die Welt?

Fast nichts ist schwieriger und zeitvergeudender als einen überzeugten Theisten davon zu überzeugen, dass seine Phantasien nichts als unselige Produkte seines eigenen Gehirns sind, um Freude, Hoffnung und Trost (Begriffe, die der Autor des Artikels selbst als wesentlich für Religiöse nennt) , die im Umfeld aber zu selten zu finden sind, herbeizuphantasieren, weil Menschen eben grundsätzlich bedürftig sind.

Nur weil das Feld nicht den religiösen Spinnern überlassen werden darf, (Cicero als Parteiblatt, will auch gläubige Sozis an sich binden) kommt von einem Atheisten eine Gegenmeinung. Der Artikel von Herrn Kissler ist ein Gemisch aus nicht zutreffenden Zitaten, die keiner allgemeinen Zustimmung fähig sind. So glaubt ein Atheist nicht „nichts, sondern alles Mögliche“, sondern es sind i. der Regel Atheisten, die ihre Umwelt realistischer wahrnehmen als religiöse Menschen, die religiöse „Wahrheiten“ herbeiphantasieren.

Atheisten bzw. Religionskritiker glauben z. B. nicht an einen Elephantengott Ganesha, der Süßigkeiten mag, Hindernisse aus dem Weg räumt und die Gelehrsamkeit verkörpert; sie glauben nicht an das Rad des Lebens (es sei denn als Metapher in der Lyrik). Es gibt übrigens nichts an Blödsinnigem, was Menschen nicht geglaubt hätten. Ein überzeugendes Beispiel für das angeblich „übernatürliche Löffelverbiegen“ des Zauberkünsters Uri Geller. Selbst als man vor den Augen der Zuschauer die Tricks entlarvte, blieben ca. 50 % derjenigen bei Ihre Ansicht des „Wunderbarens“, die bereits zuvor – unaufgeklärt – an ein Wunder geglaubt hatten. Das erklärte auch das Festhalten an der eigenen Religion, obwohl das Vorhandensein weiterer zahlreicher Religionen eigentlich zur Skepsis führen sollte.

Wer sagt diesem religiösen Extremisten Kissler , der davon überzeugt ist, dass Atheisten „abschaffen, verfolgen, zerstören, verunglimpfen, zensieren“ , dass er damit offenbar wissentlich die Unwahrheit verbreitet? Psychologisch spricht man von „Projektionen“. Atheisten wissen selbstverständlich wie andere Menschen auch, dass Atheisten selbst und alle Menschen fehlbar sind. Der Autor unterstellt, dass religiöse Menschen die besseren Menschen sind, dabei sind sie meist nur die dümmeren. Ich nehme mir heraus, meine Ansicht genauso zu verallgemeinern wie Herr Kissler die seine, damit er merkt, wohin seine hassgetränkten Verallgemeinerungen führen.

Die irrationale Verteidigung von Stalin durch sogen. Kommunisten hatte übrigens mehr von religiösem Wahn an sich als von atheistischer Weltanschauung.

Die Vorstellung von einem unfehlbaren Diktator verdankt sich eher religiösen Bedürfnissen, zumal einige Religionen, wenn nicht alle, sich dadurch ausbreiteten, dass religiöse Vorstellungen von Alleinverehrung eines - oder mehrerer - höheren(r) Wesen mit Unterwerfungsforderungen in den Augen von weltlichen Herrschern unterstützt wurden, weil eigene Bedürfnisse nach Unterwerfung von Beherrschten dabei eine entscheidende Rolle spielten. Die Gemeinsamkeit, die z. B. Religiöse mit Areligiösen teilen, ist die Auffassung, dass der Mensch allgemein zur Unterwerfung neigt.

Während Religiöse dieses Bedürfnis jedoch entsprechend der jeweiligen Religion fördern und gutheißen, empfinden fast alle Atheisten bzw. Religionskritikern dieses Bedürfnis als Gefahr der Verdummung und Einengung der eigenen Geisteskräfte und damit auch des Stillstands gesellschaftlicher und demokratischer Entwicklungen.

Deshalb werden gesellschaftliche Strömungen von Atheisten oft auch kritischer gesehen als von „naiven“ Religiösen. Einer durch und durch religiös geprägten Gesellschaft volle demokratischen Rechte zu geben, heißt nach Ansicht vieler Atheisten, unmündigen, phantasierenden Kindern Gewaltwerkzeuge in die Hand zu geben, wie sich z. B. jetzt in Ägypten zeigt.

  • Antworten
Kar. Rupold12.12.2012 | 16:06 Uhr

Danke für diesen treffenden Kommentar, K.R.

als Atheist fühle ich mich in meinen Gefühlen verletzt, wenn Herr Kissler behauptet , daß ich Religionen/religiöse Menschen „abschaffen, verfolgen, zerstören, verunglimpfen, zensieren“ will. Bitte doch mal mit netten Atheisten sprechen, es gibt sie zu Hauf....das hilft vielleicht solche Ängste abzubauen und nicht unnötige und verletzende Vorurteile zu schüren!!!Danke, Herr Kissler...

  • Antworten
limette12.12.2012 | 16:58 Uhr

Ich verstehe nicht, weshalb

Sie sich dann über andere Überzeugungen derart ärgern? Das nur für sie zum Nachdenken.

Etwas anderes ist, dass ich Ihre Haltung für nicht tragbar halte. sie kennzeichnet das, was Habermas in einem Aufsatz als "SäkularISMUS" bezeichnet hat, nämlich Intoleranz und Abwertung anderer Überzeugungen. Ein fanatisch missionierender und diffamierender Atheismus ist für eine Gesellschaft ebenso untragbar wie eine andere Glaubensrichtung, die sich so verhält.
Kritik an staatlicher Förderung und Bevorzugung relig. Organsiationen muss erlaubt sein, das ist richtig. Aber mir würde niemals einfallen, einen Menschen, der an irgendeine Art von Gott glaubt als Religioten zu beschimpfen.

  • Antworten
Leo18.12.2012 | 13:26 Uhr

Das ist eine Polemik,

lieber Herr Kissler, die Sie da verfasst haben - und wird konsequent von meinen beiden Vorängern entsprechend polemisch beantwortet.

Was EIGENTLICH dahinter steckt, ist aber die SINNfrage, die so viele umtreibt (eine ensprechende Äußerung über den Wert von Religion durch Herrn Thierse hatte in der ZEIT in kürzester Zeit über 378 Kommentare - die Zeit hat darauf die Kommentare abgeschlossen;-))

Was die Emotion ziegt, ist, dass die Sinnfrage viele beschäftigt, aber nur wenige "der Religion" zutrauen, sie zu beantworten.

Ich war eines dieser Kinder, die dne Religionslehrer zur Verzweiflung bringen: ich habe ihn gefragt, wer ddann Gott erschaffen hat, wenn es den gibt? Später ist mir aufgefallen, dass die Frage auch ohne Gott nicht zu beantworten ist: wenne es ihn nicht gibt, wer hat dann die Welt erschaffen? Kausales Denken führt also nicht weiter.

Das andere ist die Theodizee, die auch beliebt ist: wenn Gott gut ist und die Welt erschaffen hat, weshalb ist sie dann so erschreckend mangelhaft? Andererseits ist die von J. Vogl so genannte Ökodizee nicht besser: wenn im Wirtschaften eine unsichtbare Hand aus Einzelegoismen alle zum Wohlstand führt (A. Smith), warum gibt es dann so viel Armut auf er Welt?

Das Lustige ist, dass beide Glaubensrichtungen behaupten, das Konzept würde jeweils funktionieren, wenn wir nicht alles falsch machen würden.

Dabei gelten dann wieder unterschiedliche Suchansätze: nicht erst die Christen, sondern bereits die "alten Griechen" (Vorsokratiker, Platon, Sokrates, die Stoa) haben versucht, Menschen zur Selbsterfahrung anzuleiten in der Meinung, dass diese (vereinfacht gesprochen) durch die Konzentration bzw. das Finden ihres innersten Wesens zur tugendhaften Lebensführung gelangen könnten. Dazu gehört nicht, aber es passt der Glaube, dass ein höheres Wesen den Menschen vernünftig angelegt hat.

Die Ökonomie wiederum veräußerlicht das: wenn bisher Fehler gemacht wurden, dann muss man sie finden und beheben. Diese Denkweise sucht in richtigen Berechnungen und Szenarien einen größtmöglichen Wohlstand für alle. Ein löbliches Ziel, aber: es ist nicht einsehbar, weshalb die Profiteure des Spiels das wollen sollten? Ohne irgendeine sinnhafte Fundierung ist in der Tat nicht einsehbar, wieso irgend jemand sich nach dubiosen "Werten" ausrichten sollte.

Und genau das ist das, was fehlt, obgleich so viel darüber gesprochen wird: alle wollen Werte (wobei fast jeder diese anders priorisieren und im Detail anders beurteilen würde) und sind sich kuschlig darüber einig, dass WERTE fehlen.

Fakt aus meiner Sicht aber, dass es ohne Transzendenz irgendeiner Art schlicht logishc nciht möglich ist, für bestimmte Werte oder überhaupt für diese einzutreten.

Das denke ich, mienen Sie auch mit dem, was ich Polemik genannt habe. Es nutzt nur leider nichts: wie wollen Sie denn das Jahrtausende vor allem machtpolitisch funktionierende Primat einer Religion (und damit die Macht der kirchlichen Organisation) wieder einführen? Mal abgesehen davon, dass das nciht unbedingt wünschenswert wäre.

Richtig aber ist, dass ohne jede Transzendenz der Mensch nur Werte erfinden kann - die nicht verbindlich sind, es sei denn, jemand zwingt diese auf. Das aber tut keiner, und wir sind auch zurecht misstrauisch gegenüber solchen Ideologen. Dass andererseits eine mechanische, programmierte Verfahrenslogik nicht der Weisheit letzter Schluss ist, das haben Naturwissenschaftler bereits begriffen. wir aber sind im Denken noch nicht über das mechanische Zeitalter hinaus. Das ist schade.

  • Antworten
Leo11.12.2012 | 19:57 Uhr

Macht, Religion und ihre Kontrolle

Macht bedarf der Kontrolle, andernfalls wird sie zur Tyrannei. Die Regierenden werden in einer Demokratie von den Regierten kontrolliert – nicht umfassend, nicht immer ausreichend, allzu oft auch erst, nachdem der Schaden angerichtet ist. Aber es reicht meist, um die schlimmsten Auswüchse menschlicher Ignoranz, Dummheit und Besessenheit zu begrenzen, die mit politischen Ideen, Ideologien und der Gier nach Macht einhergehen.

Doch wer kontrolliert die Religion, die doch Macht über das Denken und Handeln von Milliarden hat? Letztlich doch nur ein unbeweisbares, nicht widerlegbares, kaum fass- und vorstellbares, vielleicht nur eingebildetes Wesen namens „Gott“, das in der bisherigen Menschheitsgeschichte noch für jede Abscheulichkeit instrumentalisiert wurde. Mit der Kontrolle religiöser Macht ist es also nicht weit her – darum muss sie begrenzt sein, so gut und so umfassend es eben geht.

Doch wie begrenzt man religiöse Macht? Die Quelle religiöser Macht ist der Glaube des Einzelnen, die Macht potenziert sich mit der Zahl der Gläubigen; ist der Glaube der Vielen zu stark, tragen ihn zu viele Menschen ohne Raum für Zweifel und Unsicherheit in sich, dann gewinnt Religion ungeheure, schier unbegrenzte Macht – im Guten wie im Schlechten. Keine staatliche Verfassung, weder Gewaltenteilung noch Demokratie könnten sich dann gegen den Willen der zweifelsfreien Mehrheit behaupten. Die korrumpierende Wirkung von Macht würde unabweisbar irgendwann das Schlimmste in uns zu Tage fördern. Die aktuellen Beispiele aus aller Welt brauchen hier wohl nicht noch einmal aufgezählt zu werden.

Darum ist die Macht der Religion nur durch das ständige Zweifeln zu begrenzen. Verböte man den Zweifel, die Kritik, den klugen Spott oder für die geistlich Armen bei RTL2 das im Grunde peinliche Lächerlichmachen der Religion, gäbe es auf Dauer nichts, was die allzu menschlichen Träger religiöser Macht kontrollieren, sie in ihrer Machtausübung einschränken könnte.

Der Spott über die Religion ist demnach der einzig wirksame Selbstschutz einer religiös toleranten Gesellschaft gegenüber einem religiös begründeten Machtanspruch.

  • Antworten
michend11.12.2012 | 20:20 Uhr

Spott und Diffamierung

sind das Gegenteil von Toleranz!

Zudem sollte man die durchaus berechtigte Kritik an Einflussnahmen religiöser oder sonstiger weltanschaulicher ORGANISATIONEN von der "Glaubenswelt" von Individuen unterscheiden können.

  • Antworten
Leo03.01.2013 | 16:17 Uhr

Banause

Ich bin immer wieder überrascht, mit welcher selbstverständlichen Arroganz und Ignoranz manche Gläubige bestimmte Einstellungen und Positionen als Monopol beanspruchen. Als ob alle Atheisten geldgeile, gewissenlose Fundamentalisten wären, und alles gute Verhalten eine religiöse Fundierung bräuchte und nur von Theisten vollbracht würde!

  • Antworten
Langdon Olger11.12.2012 | 20:47 Uhr

Umgekehrt gilt das Selbe

Ich bin immer wieder überrascht, mit welcher selbstverständlichen Arroganz und Ignoranz manche ATHEISTEN bestimmte Einstellungen und Positionen als Monopol beanspruchen. Als ob alle THEISTEN MACHTgeldgeile, gewissenlose Fundamentalisten wären, und alles gute Verhalten eine SEKULAERE Fundierung bräuchte und nur von ATHEISTEN vollbracht würde!

  • Antworten
Tinello19.12.2012 | 20:46 Uhr

Der Ungläubige als seelenlose Kohlenstoffeinheit,

die dem billigen Tand des Materialismus hilflos ausgeliefert ist und dessen Werte sich in Zahlen ausdrücken lassen. Oh bitte, wann werden Menschen, die unbedingt eine überirdische Vater- oder Mutterfigur, eine heilige Kuh, einen Elefanten, oder was auch immer brauchen zu dem oder der sie beten können begreifen, das sie weder die Spiritualität, noch die Moral und auch die Ethik für sich gepachtet haben. Es geht einfach um die Wahrheit. Ausgehend um die Erkenntnis, dass kein Mensch das Göttliche in Worte fassen kann und jeder Versuch dieses Göttliche in der Wahrnehmung entzaubert, haben nun einmal viele Menschen beschlossen, dass es besser ist, über ihre religiösen Visionen und Ahnungen zu schweigen. Zumal die Welt wahrscheinlich ein besserer Ort wäre, wenn es alle täten. Spätestens die Einsicht, das der Allmachtsanspruch monotheistischer Götter und der damit verbundene Machtanspruch ihres ernannten und selbsternannten Bodenpersonals der freien Entfaltung des Menschen und der Wahrung seiner Menschenrechte entgegensteht. Schließlich haben die Atheisten das Naturrecht entwickelt und erst damit dem Menschen gegen den Widerstand der Religion seine Würde gegeben. Diese Rechte waren und sind es Wert die Götter sterben zu lassen, wenn die Freiheit des Einzelnen denn zwangsläufig zur Säkularisierung der Gesellschaft führt. Mag sich den Geboten der Götter unterwerfen wer will, ich baue da lieber auf meinen eigenen fehlerhaften Verstand, einfach aus der Erkenntnis heraus, dass man die Verantwortung für sich selbst nicht deligieren kann. Da helfen auch keine Gebete. Die Religion hat ihre gesellschaftliche Funktion, die einst mit "Welterklärung" bezeichnet werden konnte, an die Wissenschaft verloren und im Ernst, wer will sich da mit den überlieferten Werken vorderasiatischer Mystiker aus dunkler Vergangenheit zufrieden geben? Psychologisch mag es noch individuellen Bedarf geben, aber der lässt sich auch decken ohne seinen Mitmenschen auf den Geist zu gehen.

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Christoph Kuhlmann11.12.2012 | 21:34 Uhr

Religion

Es ist doch ganz einfach : Da mihi facta, do tibi ius

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Peter Lyssy11.12.2012 | 22:08 Uhr

Ein herzliches Grüßgott

auch den Juristen unter uns, insbesondere den Zivilrechtlern;-)

Nur, dass die Rechtssätze auch kanonische Wurzeln haben. die sich beinhart aus ehemaligen päpstlichen Dekreten herleiten ...

Die abendländische Kultur (und ihre Gesetze) basieren auf einem jahrhundertealten durch die Kirche geprägten Rechtsdenken. Das mag uns gefallen oder nicht.

Die Aufklärung passierte erst im 18 Jh. (in Deutschland, wie immer, etwas später, wenn überhaupt). Diese hat Verfassungen beeinflusst, nicht aber die römisch-kanonische Gesetzgebung. Und seitdem mühen sich Rechtsphilosophen, eine nichtreligiöse Rechtfertigung dafür zu finden. Und wir tun so, als würde beides zusammenhängen. Logisch gar. NEIN, Logik ist was anderes.

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Leo12.12.2012 | 13:45 Uhr

Religionen setzen Berge

Religionen setzen Berge dorthin, wo vorher keine waren. Das Christentum hat die Entwicklung Europas um mindestens 1000 Jahre zurückgeworfen.

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fonso11.12.2012 | 22:27 Uhr

@fonso: Wo fingen denn ihrer

@fonso: Wo fingen denn ihrer Meinung nach die 1000 Jahre an und wo hörten sie denn auf?

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vieleFragen13.12.2012 | 10:23 Uhr

Religioten

Ich kannte den Begriff "Religioten" bisher noch nicht. Aber dieser Artikel ist der beste Beleg dafür, dass wir diesen Begriff in unser tägliches Vokabular aufnehmen sollten.

Wenn ich Sätze lese, wie "Den allermeisten Menschen ist es unmittelbar einsichtig, dass das Universum eine Schöpfung ist und dass es einen Schöpfer geben muss." kommt es mir hoch. Da will man hier aufgrund der Mehrheitsmeinung eine Tatsache ableiten. Nach diesem Modus hatten die Nazis auch Recht; schließlich wurden sie von der breiten Mehrheit unterstützt. Und die die Inquisition hatte auch Recht; schließlich vertrat sie die Mehrheit. Lässt sich beliebig weiterführen.

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JaMai11.12.2012 | 22:42 Uhr

Man, man, man ... Achim!

Nun argumentieren sie über zwei Seiten und sagen doch am Ende nichts. Sie behaupten viel, was sich gerade ihrer Meinung fügt, doch die Mühe zu begründen nehmen sie sich nicht. Schon Ihre Anfangsargumentation. Erst leiten Sie Wahrheit von Mehrheit ab. Das absurde daran ist, je nachdem welchen Maßstab man wählt, man kann immer seine Meinung, die Sie ja auch kaum verstecken, begründen. Wenn also eine Mehrheit Atheistisch wäre, wäre folglich diese Position die Richtige?
Dann schreiben Sie "Man lese zum Vergleich die furchtbar bitteren, lichtlosen, in sich gekrümmten Philippiken, die der Neoatheismus hervorbringt. " und schaffen es allen ernstes nicht ein einziges Beispiel für Ihre Behauptung zu nennen. Sie hätten einfach Dawkins sagen können. Da hätte ich Ihnen sogar zustimmen können, nur sind die Handvoll bekannten Schriftsteller in diesem Bereich, auch die Abgrenzung von Agnostikern und Atheisten unterschlagen Sie übrigens, natürlich sowenig repräsentativ für die Atheisten, wie der Papst für die Christen.Aber gut. Das könnte man noch als Nachlässigkeit abtun, Danach wird es immer kruder.
"Religionen haben im Gegensatz zum Aberglauben und zum Fundamentalismus der Atheisten einen realistischen Blick." Ähm,... bitte?
Sie stellen Religion in Gegensatz zu Aberglauben und Fundamentalismus, was wohl beides Eigenschaften sind, die eine Mehrheit eher als fehlgeleitete Auswüchse eines Wunsches nach Religion bewerten würde, denn als sein Gegenteil. Das kann ich aber für die von Ihnen so geliebte Mehrheit nicht belegen. Der eigentliche Witz dieses Satzes liegt aber darin, dass sie einfach mal behaupten, das Atheisten abergläubisch und fundamentalistisch sind. Jetzt, mit etwas Distanz zu dem Text, sollte Ihnen eigentlich klar werden, was Sie da tun. Sie stellen eine relevante gesellschaftliche Gruppe unter eine Art Generalverdacht. Stellen Sie doch den Satz mal um und tauschen Sie "Atheisten" gegen jede beliebige anderer gesellschaftliche Gruppe, dann merken Sie vielleicht was ich meine.
Belege, Begründungen oder gar eine Herleitung dieser Behauptungen suche ich im Text vergebens. Ist das der Journalismus, für den der Cicero jetzt steht? Ehrlich?

Aber ich habe mir natürlich auch die zweite Seite ihres Pamphlets durchgelesen. Was erfahre ich da?
"Sie (die Religionen) wissen, dass im Menschen unfassbar Großes wohnt – und dass diese Größe jederzeit zuschanden gehen kann." Wer also keinen Gott kennt, der weiß das Leben nicht zu schätzen? Wollen sie das sagen? Wie argumentieren Sie dann gegenüber all jenen, die ihr Leben für Ihre Religion geopfert haben, in der Hoffnung auf eine Gerechtigkeit im Jenseits oder die Töten für ihren Glauben? Könnte man nicht ebenso argumentieren, wenn man sich schon jeglicher Beweislast entledigt, dass gerade die Religion dazu führt, dass das diesseitige Leben nur begrenzt wertvoll ist, weil es ja erst durch Überwindung des Lebens und damit den Tod vervollkommnet wird? Jede Zeile Ihres Textes könnte beliebig in Gegenteil verkehrt werden und wäre immer noch genauso falsch bzw. richtig.

Aber das bremst Sie ja nicht. Nö. Nächster Satz. "Darum sind Religionen der beste Schutz vor der Selbstüberhebung des gegenwärtigen Menschen, wie sie die Spätmoderne kennzeichnet." Klar kann man behaupten. Ich behaupte dann gerade Religion führt dazu, dass sich Menschen überheben, eben weil sie denken sie stünden Gott näher als die anderen bzw. verstünden besser als die anderen den Sinn der Überlieferung. Man könnte also sagen, Religion führt zu Kirchen, also Organisationen, die ihren Mitgliedern erklären können, was Gottes Plan ist. Leider bliebe auch meine Behauptung wie ihre eine Behauptung. Denn einen zwingen logischen Zusammenhang können weder Sie noch ich liefern. Damit bleiben beides haltlose Behauptungen, mit dem Mehrwert eines Gedankenexperiments. Nur im Unterschied zu mir, scheint Ihnen die Unterscheidung einer rein gefühlten, sich aus der Lebenserfahrung ableitenden Position und einer fundierten Meinung nicht klar zu sein. Denn munter geht sie weiter die Reise durch das Land der steilen Thesen. "Bekanntlich glaubt, wer an nichts glaubt, nicht nichts, sondern alles Mögliche." Soso, es ist also bekannt. So nach dem Motto, dass haben wir immer schon gewusst? Klar, kann man ja einfach mal behaupten. Merkt ja vielleicht keiner. Sie nennen aber wiederum kein einziges Beispiel. Welcher Atheist behauptet denn, dass er an nichts glaubt? Ich vermute, dass ich Atheist bin (ganz sicher kann man sich da nie sein) und ich kann nicht an einen Schöpfergott glauben, geschweige denn an eine Religion (auch dass setzen sie übrigens gleich. Glaube und Religion). Aber natürlich glaube ich, dass meine Freunde mich mögen, ich glaube an die Liebe und momentan davon Sie überzeugen zu können. Für manches davon habe ich Hinweise, für manches eher nicht. Das ist Glaube im Sinne dessen, dass ich hoffe das etwas eintritt und weiß, dass es letztlich allein von meinem und dem Verhalten meines Gegenübers abhängt. Ich halte es für möglich. Das ist etwas anderes als davon auszugehen, dass ein mehr oder minder omnipotenter Gott die Welt und alles was darin ist geschaffen hat, dass es ein jenseitiges Leben gibt, usw.. Zumindest ist zweites wesentlich abstrakter. Aber wie auch immer Sie das bewerten mögen, die Behauptung Atheisten würden an nichts glauben und wenn man Ihnen nur nachweist, dass sie doch glauben, dann müsste das an ihrer Überzeugung, dass es keinen Gott gibt, etwas ändern, ist nicht schlüssig.
Dann zum Ende hin, und man kennt es schon, kommt dann noch mal die Keule. Dann zitieren sie munter Chesterton, freilich ohne mit einem Wort zu erwähnen worin dessen Expertise sich begründet, oder wer das eigentlich ist. Ich hab mir mal die Freiheit genommen. Laut Wikipedia war Chesterton ein englischer Buchautor und Journalist, der 1874-1936 lebte. Er kam aus einer protestantischen Familie, faszinierte sich zeitweilig für das Okulte und konvertierte schließlich als Engländer zum Katholizismus. Er hatte wohl einige für seine Zeit moderne Einstellungen und war Autor einiger recht erfolgreicher Gedichte, Theaterstücke und Romane, sah aber auch Kapitalismus und Marxismus als Instrumente der Juden zur Erlangung der Weltherrschaft(!). Wie sind sie denn auf den gekommen? Antisemitismus war zu der Zeit leider sehr verbreitet, aber einen anderen Kronzeugen konnten sie nicht finden? Kam einfach eins zum anderen, so nach dem Motto: Das Zitat ist da, der Rest wird sich fügen?
Aber bitte. Ihr Zeuge.

Geht ja auch munter weiter. Sie und Chesterton wissen nicht nur das der gemeine Atheist schummelt und eben doch an etwas glaubt, nein Sie wissen auch an was. Nämlich die "Ökonomisierbarkeit aller Lebensbezüge, die Ausrufung des Ichs zum unumschränkten Herrscher, dessen Willen sich die Welt zu fügen habe, den Trugschluss, die Zukunft sei komplett berechenbar, das ganze Leben ein einziges Projekt, der Staat ein Agent des Glücks und jede Beziehung von Mensch zu Mensch ein interessenpolitisches Kräftemessen." Kleiner ging nicht? Mal ehrlich wer glaubt das? Die verrückten Grünen mit ihrem Glauben an das Soziale, an das Mitgefühl nicht nur mit Menschen sondern auch Tieren ja sogar der Welt selbst? Oder die Kommunisten, die den Menschen einreden, dass Glück wäre im Diesseits zu suchen und wohl auch sicher nicht für eine "Ökonomisierbarkeit aller Lebenslagen" stehen. Klar, man kann alles behaupten, wenn man will. Solang man nie konkret wird, ist das kein Problem. Wenn Sie wissen, dass der gläubige Mensch weiß, dass "alle Politik, alle Wirtschaft, alle Staatlichkeit" letzlich "nur vorletzte Dinge" behandelt, dann glauben Sie mir, dass ich glaube, dass ihr Artikel nur vorvorletzte Dinge behandelt. Wenn Journalismus, einfach das Schreiben von Behauptungen erfordern würde, dann hätten Sie mehr Konkurrenz.

Aber fast am besten ist der Schluss. Abermals mit Begleitung von Chesterton. Dem Kenner der Religionskritik des 21. Jh.
"Von „Menschen mit jenseitigen Idealen“, so abermals Chesterton, geht „in der Tat eine Fanatismusgefahr“ aus – „von Menschen mit diesseitigen Idealen hingegen die ununterbrochene und nie nachlassende Fanatismusgefahr“. Wir sehen den Fanatismus der „Glaubensfeinde“, folgen wir noch einmal Zaimoglu, am „giftgeifernden Wort“, an „der Unterstellung, der bloßen Behauptung, der Selbstbesoffenheit."
Soso, wer diesseitige Ideale hat, von dem geht eine ununterbrochene und wirklich niemals Endende Fanatismusgefahr aus? So mit Sprengstoffgürtel und Kofferbombern? Wirklich? Von allen? Ich seh schon die Schlagzeilen: Verfassungsschutz beobachtet die militante Atheistenszene. Aber dann schränken Sie doch wieder ein, nicht nur die "Religionsfeinde" auch Gläubige liefen Gefahr in Versuchung geführt zu werden. Nur seien Gläubige ja im Unterschied zu "Religionsfeinden" natürlich nicht auch noch stolz auf ihre Taten. Das muss man sich echt auf der Zunge zergehen lassen. Ohne Religion keine Reue! Klar, kann man alles behaupten. Ist Ihnen das wirklich ganz geheuer, was Sie da geschrieben haben?

Allerdings gebe ich zu, dass ich zunehmend unsicher darüber bin, ob es sich bei Ihrem "Artikel" um Satire oder einen ernst gemeinten Beitrag handelt. Also nicht das Satire nicht auch ernst sein könnte, aber Sie verstehen schon. Ging mir letztens schon bei dem Artikel über die Bevorzugung von Frauen so. Ist das so eine Art guerilla marketing?
Dann nehme ich das als Denksportaufgabe und zolle Respekt. Ist es so?

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chriko11.12.2012 | 23:32 Uhr

ist toternst gemeint von Achim K.

aber shcön gekontert...habe mich gut amüüüüsiert.. :-)

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limette12.12.2012 | 17:26 Uhr

Atheist = Fanatist?

Den Atheismus automatisch mit Fanatismus gleichzusetzen und auf eine Stufe mit den religiösen Fanatismen dieser Welt zu stellen ist völlig abwegig und sehr unredlich vom Autor. Auf dieser Grundlage kann man doch nicht diskutieren!
Es sagt schon einiges aus, dass er nur von islamischen und hinduistischen religiösen Fanatikern spricht - nicht von christlichen.

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gth12.12.2012 | 00:08 Uhr

Religiöse Hirngespinste regieren die Welt?

Fast nichts ist schwieriger und zeitvergeudender als einen überzeugten Theisten davon zu überzeugen, dass seine Phantasien nichts als unselige Produkte seines eigenen Gehirns sind, um Freude, Hoffnung und Trost (Begriffe, die der Autor des Artikels selbst als wesentlich für Religiöse nennt) , die im Umfeld aber zu selten zu finden sind, herbeizuphantasieren, weil Menschen eben grundsätzlich bedürftig sind.

Nur weil das Feld nicht den religiösen Spinnern überlassen werden darf, (Cicero als Parteiblatt, will auch gläubige Sozis an sich binden) kommt von einem Atheisten eine Gegenmeinung. Der Artikel von Herrn Kissler ist ein Gemisch aus nicht zutreffenden Zitaten, die keiner allgemeinen Zustimmung fähig sind. So glaubt ein Atheist nicht „nichts, sondern alles Mögliche“, sondern es sind i. der Regel Atheisten, die ihre Umwelt realistischer wahrnehmen als religiöse Menschen, die religiöse „Wahrheiten“ herbeiphantasieren.

Atheisten bzw. Religionskritiker glauben z. B. nicht an einen Elephantengott Ganesha, der Süßigkeiten mag, Hindernisse aus dem Weg räumt und die Gelehrsamkeit verkörpert; sie glauben nicht an das Rad des Lebens (es sei denn als Metapher in der Lyrik). Es gibt übrigens nichts an Blödsinnigem, was Menschen nicht geglaubt hätten. Ein überzeugendes Beispiel für das angeblich „übernatürliche Löffelverbiegen“ des Zauberkünsters Uri Geller. Selbst als man vor den Augen der Zuschauer die Tricks entlarvte, blieben ca. 50 % derjenigen bei Ihre Ansicht des „Wunderbarens“, die bereits zuvor – unaufgeklärt – an ein Wunder geglaubt hatten. Das erklärte auch das Festhalten an der eigenen Religion, obwohl das Vorhandensein weiterer zahlreicher Religionen eigentlich zur Skepsis führen sollte.

Wer sagt diesem religiösen Herrn Kissler, der davon überzeugt ist, dass Atheisten „abschaffen, verfolgen, zerstören, verunglimpfen, zensieren“ , dass er damit offenbar wissentlich die Unwahrheit verbreitet? Psychologisch spricht man von „Projektionen“. Atheisten wissen selbstverständlich wie andere Menschen auch, dass Atheisten selbst und alle Menschen fehlbar sind. Der Autor unterstellt, dass religiöse Menschen die besseren Menschen sind, dabei sind sie meist nur die dümmeren. Ich nehme mir heraus, meine Ansicht genauso zu verallgemeinern wie Herr Kissler die seine, damit er merkt, wohin seine hassgetränkten Verallgemeinerungen führen.

Die irrationale Verteidigung von Stalin durch sogen. Kommunisten hatte übrigens mehr von religiösem Wahn an sich als von atheistischer Weltanschauung.

Die Vorstellung von einem unfehlbaren Diktator verdankt sich eher religiösen Bedürfnissen, zumal einige Religionen, wenn nicht alle, sich dadurch ausbreiteten, dass religiöse Vorstellungen von Alleinverehrung eines - oder mehrerer - höheren(r) Wesen mit Unterwerfungsforderungen in den Augen von weltlichen Herrschern unterstützt wurden, weil eigene Bedürfnisse nach Unterwerfung von Beherrschten dabei eine entscheidende Rolle spielten. Die Gemeinsamkeit, die z. B. Religiöse mit Areligiösen teilen, ist die Auffassung, dass der Mensch allgemein zur Unterwerfung neigt.

Während Religiöse dieses Bedürfnis jedoch entsprechend der jeweiligen Religion fördern und gutheißen, empfinden fast alle Atheisten bzw. Religionskritikern dieses Bedürfnis als Gefahr der Verdummung und Einengung der eigenen Geisteskräfte und damit auch des Stillstands gesellschaftlicher und demokratischer Entwicklungen.

Deshalb werden gesellschaftliche Strömungen von Atheisten oft auch kritischer gesehen als von „naiven“ Religiösen. Einer durch und durch religiös geprägten Gesellschaft volle demokratischen Rechte zu geben, heißt nach Ansicht vieler Atheisten, unmündigen, phantasierenden Kindern Gewaltwerkzeuge in die Hand zu geben, wie sich z. B. jetzt in Ägypten zeigt.

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Kar. Rupold12.12.2012 | 15:57 Uhr

"SEIN"

Von Dr. Martin Luther stammt der Spruch: „ Sei heiß oder kalt, doch bist du lauwarm, so speie ich dich aus“.

Meinte er mit heiß den Gottgläubigen und mit kalt den Atheisten? Mich sicher wohl betrifft der Begriff “lauwarm“ weil ich so feige und opportunistisch ein Agnostiker bin, der um mit Sokrates zu reden, weiß, dass er nichts weiß und sich vorsichtig eine Tür offen lässt.

Aus Angst vor dem Tod und dem ungewissen “Sein“ danach, haben sich Menschen schon immer einen Gott geschaffen, egal wie er hieß, nie aber hat meiner Überzeugung nach ein Gott einen Menschen geschaffen.

Ich denke, also bin ich, doch warum, wozu, woher, wohin, hat auch ein Decart nicht sagen können.

Ich?

Mein Sein.
Rätselhaft!
Ich denke.
Also bin ich.
Decartes.

Ich denke.
Ich spür es.
Ich weiß es.
Viel Unsinn.
Immerhin.

Warum?
Wozu?
Für wen?
Für nichts?
Fürs Sein?

Materie.
Zu Energie.
Zu Geist.
Ins All.
Ins Sein.

Durch Knall.
Im All.
Vom Geist.
Zu Energie.
Zu Materie.

Wieder Sein.
Wieder spüren.
Wieder denken.
Wieder Leiden.
Wieder sterben.

Kommen.
Vergehen.
Warum?
Wozu?
Für wen?

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Heinz Boxan12.12.2012 | 16:41 Uhr

Der Sprung in den Glauben, die Religiosität?

Die Fragen nach dem Grund aller Dinge sind schon sehr alt. Das Absolute bleibt in Theorie und Praxis unerreichbar. Der Glauben soll eine letzte Bindung und Einordnung schaffen, die eine Erlösung verspricht (auch die Sehnsucht nach Harmonie). Aber auch diese Erlösung bleibt von kurzer Dauer. Auch in der Religiosität wird das Gleichgewicht, das der Mensch doch immer wieder sucht nicht erreicht. Das hat sicher etwas mit seiner Stellung im Kosmos zu tun. Er weiß um seine Nichtigkeit und Zufälligkeit. Natürlich kann man sich individuell und kollektiv in Heilslehren, Ideologien und absolute Lösungen flüchten, um menschliche Zweifel erfolgreich abzuwehren. Der menschliche Geist kann jedoch auch im Glauben nicht seinen Frieden finden. Diese menschliche Schwäche kann verheerende Folgen haben. Auch heute müssen wir wieder theoretische Anmaßung zurückweisen.

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bernhard jasper12.12.2012 | 17:12 Uhr

Auch das Christentum war "militant!"

Verfasser Alexander Kissler spricht vom militanten Islam, vom militanten Hinduismus, nicht aber vom militanten Christentum. Warum denn nicht?
Auch und insbesondere das Christentum war bis ins späte Mittelalter äußerst militant und keineswegs eine "Religion der Nächstenliebe".
Revolutionäre Umwälzungen speziell in Europa ("Französische Revolution" und andere Ereignisse) konnten dieses militante Christentum zähmen und "an die Kette legen", wenn auch längst nicht rigoros genug.
Die von den christlichen Religionen autorisierte "Geschichte" ist nichts mehr als eine "bereinigte Legende".
Einzig der Verfasser Karlheinz Deschner stellte die wirkliche "Kriminalgeschichte des Christentums" zusammen; inzwischen liegen neun Taschenbuch-Veröffentlichungen vor.
Wer diese "wahre Geschichte" des Christentums aufmerksam liest, kommt zu der Einsicht, daß es dieses Christentums besser niemals gegeben hätte. Der Welt wäre dann viel Unheil erspart geblieben, obwohl gerade das Christentum doch "Heil" stiften wollte.
Die mögliche Idee der Ur-Christen ist jedenfalls deutlich mißraten; ohne die christlichen Institutionen hätte das Weltgeschehen womöglich einen besseren Verlauf genommen.
Aber dies alles ist Spekulation, ebenso wie der "Glaube an ein Jenseits".

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Yvonne Walden12.12.2012 | 17:43 Uhr

Ich bin Atheist ...

mein Vater war es schon, eine ernsthafte religiöse Erziehung habe ich nie genossen, ferner bin ich Evolutionstheoretiker (habe sogar eine eigene Theorie dazu entwickelt, in der es für Gott absolut keinen Platz mehr gibt), schließlich 68er. Schlimmer geht's kaum noch, könnte man denken.

Dennoch schwant es selbst mir zunehmend, dass unsere Gesellschaft ohne Religion nicht gut funktionieren würde. Damit meine ich jetzt nicht unbedingt die Kirche oder andere religiöse Institutionen, mit denen oftmals viel Macht und Einfluss ausgeübt werden soll, sondern das ganz normale religiöse Empfinden. Beispielsweise scheint mir die Vorstellung Urknall-Inflation-Materie-Gestirne-Leben-Evolution-uns für die meisten Menschen kein befriedigendes Erklärungsmodell zu sein, insbesondere in Krisenzeiten nicht, wenn z. B. das eigene Kind gestorben ist.

Außerdem sehe ich einige Probleme beim Zusammenhalt. Es heißt immer, dafür reiche im Grunde der kategorische Imperativ. Nun, dann sollte man vielleicht schleunigst jegliche Anonymität in Internetforen verbieten, denn dort will der irgendwie nicht auftauchen, stattdessen aber ganz viel "abschaffen, verfolgen, zerstören, verunglimpfen, zensieren", wie es der Autor im Artikel beschreibt.

Und ja, auch mir fällt oftmals auf, dass tatsächlich etliche nicht religiöse Menschen Gott durch sich selbst ersetzt zu haben scheinen.

Deshalb denke ich schon, dass man das Thema auf Dauer differenziert diskutieren muss. In meinen 68er Jahren war ich ebenfalls für die Abschaffung der Religionen, kein Wunder, wir waren für freie Liebe usw., da störten deren Vorgaben nur. Heute sehe ich das anders.

Es gab da in den letzten Jahren mal so einen Aspekt in der Religionsdebatte, der da meinte, nicht religiöse Menschen seien beinahe automatisch die besseren. Ich denke, davon sollte man sich schleunigst trennen.

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Peter Mersch12.12.2012 | 17:48 Uhr

Wir sind raus

Der Autor argumentiert für Religiosität und nicht für eine Religion. Das zeigt, dass auch er aus den ursprünglichen Zusammenhängen herausgerissen ist. Es gibt kein Zurück. Man kann es sich nicht aussuchen.

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Kammer12.12.2012 | 19:16 Uhr

Prima: alle Argumente GEGEN Religionen in einem Artikel!

- Religionen als Gedächtnis? Religionen brennen Bibliotheken ab und verbieten Erkenntnisse. Sie tradieren eine "Bibel", deren Erzählungen keinerlei Entsprechung in archäologischen Funden haben.

- Religiöse sind nicht die schützenswerte Minderheit, wie im Artikel und im Forum behauptet. Sie sind die Mehrheit und greifen ständig ein in Gesetze, die es - würde man es ernst meinen mit der Religionsfreiheit - so eigentlich gar nicht geben dürfte. Beispiele: Abtreibung, Beschneidung, Erziehung, Homoehe, Sonntagsöffnung

- Mir ist _nicht_ "unmittelbar einsichtig", dass es einen "Schöpfer und Erzähler" geben _muss_. Argumentationsstil: wer DAS nicht begreift hat sowieso schon verloren! Klarer Fall von Polemik! Setzt mich zu Mollath ins Irrenhaus!

- Wo bitte schön wohnt in den "heiligen Schriften" die Freude, die Hoffnung und der Trost? Für den Nichteingeweihten klingt alles eher wie Mord und Totschlag und psychisch labilen Menschen.

- Leicht und nett untergeschoben: Religiöse hätten "Barmherzigkeit", Atheisten hingegen wären Fundamentalisten und Abergläubige. Das ist ganz sicher auch "unmittelbar einsichtig"? Atheisten lernen zu argumentieren, zu überprüfen und sich zu korrigieren. Religiöse können Behauptungen in die Welt setzen wie sie wollen, da Gott, die Regierung und die Mehrheit sie schützen wird.

- Religionen der beste Schutz vor Selbstüberhebung des Menschen? Na, schauen Sie mal in den Nahen Osten, in die USA! Und das, was Merkel macht, die Retterin Europas, hat mit Religion nichts zu tun? Sie spricht doch sogar wie eine Pastorin!

- Die Ausrufung des Ich zum unumschränkten Herrscher? Der Papst und der gesamte europäische Hochadel, der durch ihn legitimiert wurde? Wie der Sonnenkönig der Ägypter, die Könige der Inkas und Mayas?

- Der militante Islam und der militante Hinduismus "faule Früchte"? Das war dann das "militante Christentum" während der Kolonialzeit wohl auch? Tatsache: Religionen verhindern Militarismus nicht, sie fördern ihn - sie faseln nur von Frieden.

- Religionskritiker sind Profilneurotiker - danke für die Beleidigung ihrer Leser! Eine Beleidigung jedoch ist _kein_ Argument sondern billige Polemik, auch wenn sie diese in ein Zitat verpacken.

So wie beschrieben wollen sich Religionen stets gern sehen. Mit klarem Blick muss man leider feststellen: sie sind nicht so! Der Autor opfert seiner Selbsttäuschung auch noch seinen journalistischen Anspruch und arbeitet schwerst polemisch. Schade!

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janhansen14.12.2012 | 03:20 Uhr

Geld, Politik und Religion

Das Geld ist die grundlegendste zwischenmenschliche Beziehung in einer arbeitsteiligen Zivilisation, und der Geldkreislauf der Volkswirtschaft ist so lebenswichtig wie der Blutkreislauf des Menschen. Der Zusammenbruch des Geldkreislaufs (Liquiditätsfalle) bedeutet das Ende der Zivilisation.

Damit das "Geld, wie es (noch) ist" in Bewegung (im Umlauf) bleibt, werden heute zwei Mechanismen eingesetzt, die aber beide in ihrer Wirkung destruktiv sind und jede Volkswirtschaft mit mathematischer Präzision zerstören: das "Zuckerbrot" der Liquiditätsverzichtsprämie (Urzins) und die "Peitsche" der schleichenden Inflation.

Für den Zinsgeldverleih muss der Urzins bezahlt werden, was zur systemischen Ungerechtigkeit der Zinsumverteilung von der Arbeit zum Besitz (Privatkapitalismus) führt; und die schleichende Inflation ist erforderlich, um die als "Frieden" bezeichnete Zeitspanne von einem Krieg bis zum nächsten zu verlängern.

Wer "Spitzenpolitiker" in einer Zinsgeld-Ökonomie (zivilisatorisches Mittelalter) spielen will, darf diese Zusammenhänge auf gar keinen Fall wissen; und wer ein von der "hohen Politik" anerkannter "Wirtschaftsexperte" sein will, darf auf gar keinen Fall wissen, was Geld ist.

http://www.swupload.com//data/Geld-Geldmengen-Geldillusionen.pdf

Damit das "Geld, wie es sein soll" vom arbeitenden Volk gar nicht erst angedacht wird und somit die Marktwirtschaft unverständlich und auf jeden Fall kapitalistisch bleibt, sodass "Spitzenpolitiker", "Wirtschaftsexperten" und andere sinnfreie Existenzen weiterhin gut beschäftigt sind, gibt es bis heute die Religion (selektive geistige Blindheit gegenüber makroökonomischen Konstruktionsfehlern).

http://opium-des-volkes.blogspot.de/2012/07/der-zins-mythos-und-wahrheit.html

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Stefan Wehmeier14.12.2012 | 13:17 Uhr

Ökodizee

Lustig, dass sie hier die Geldreligion aufführen:

Die Zinsnahme war im Mittelalter durch massive und erfolgreiche Einflussnahme des Vatikans als Wucher gänzlich verboten. Nur den Juden war dieses "unreine" Geschäft erlaubt. Mit den unschönen Folgen für deren Ruf ...

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Leo03.01.2013 | 16:24 Uhr

Wer sagte noch so treffend:

Immer wenn mir jemand was verspricht daß er/sie selbst noch nie gesehen hat bin ich in der Kirche.

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Karin Stutz17.12.2012 | 00:09 Uhr

Alexander Kissler - Mehr Religion

Alexander Kisslers Forderung nach mehr Religion ist von der gleichen Qualität wie die Forderung republikanischer Senatoren nach mehr Waffen, die angeblich weitere Massaker verhindern könnten.
Kisslers Forderung ist obszön - er verlangt nach noch mehr Verdummung, noch mehr Angst und noch mehr Hokuspokus und christlichem Voodoo.
Es ist die übliche Vorgehensweise von Religionen, sich als bedroht - und damit die ganze Zivilisation als bedroht zu beschreiben - und sich selbst natürlich dann als Erlösung anzupreisen.
Tatsächlich haben wir seit der Aufklärung zivilisatorische Fortschritte gemacht, die der augenblickliche Papst (ganz wie seine Vorgänger im 19. Jahrhundert) aufs schärfste bekämpft. Menschenrechte, Individualfreiheiten, menschliche Selbstbestimmung usw. sind gegen das Christentum durchgesetzt worden.
Das Christentum - vor allem in seiner katholischen Form (gehen wir einmal davon aus, daß der Protestantismus ja auch nur gleichsam ein ungeliebtes Kind des Katholizismus ist - ebenso wie die vielen anderen Sekten) - bemüht sich seit 2000 Jahren die Menschen zu unterdrücken, zu kujonieren, ihnen ein schlechtes Gewissen einzureden und sie zu zwingen, an Unsinn wie Sünde überhaupt, Erbsünde, Jungfrauengeburt, das Naturrecht (wenn´s denn den Päpsten frommt), die Dreifaltigkeit und andere Fabeleien zu glauben.
Die Kriecherei und Unterntanenmentalität des Christentums hat Haß, Häme, Selbstgetrechtigkeit und vor allem Angst und Dummheit erzeugt. Es reicht, Herr Kissler!
Es gibt nicht die geringste Evidenz für Ihren Gott! Jetzt kommen Sie und sagen, man könne ebenso nicht seine Nichtexiastenz beweisen. Weshalb aber sollte ich an Ihren Gott glauben, der ebenso wenig wahr ist wie Einhörner, Feen, Hobbits und Trolle - daran glauben Sie ja auch nicht!
Glauben Sie an Ihr christliches Fabelwesen, die göttliche Dreieinigkeit, die Gottesmutter, an Engel und an Teufel! Aber hören Sie endlich auf mit Ratzinger zu predigen, daß es ohne Christentum keine guten Menschen, keine Zivilisation, kein Recht und keine Moral gäbe. Das ist übelste Bauernfängerei.
Wir fürchten uns vor salafistischen Verfassungsfeinden, vorm islamischen Terrorismus -2000 Jahre lang hat uns das Christentum terrorisiert - und Papst Ratzinger ist nicht der erste, der durch Wühlarbeit in vielen Ländern die mühsam errungenen Freiheiten und Rechte untergraben und rückgängig machen will. Sein Interesse gilt der Außerkraftsetzung der Moderne. Die katholische Kirche macht das nur geschickter als die wilgewordenen Islamisten. Solche Artikel wie der von Kissler sind ein Baustein in diesem Projekt zur christlichen Theokratie. Auch der katholische Fubndamentalismus feiert wieder fröhliche Urständ´. So wie wir auf dem rechten Auge (siehe NSU) blind gewesen sind, so sind wir es auch auf dem "christlichen", wenn die Metapher erlaubt ist. Dem Gesäusel von der Friedensreligion, der Religion der Liebe dürfen wir nicht glauben!
Der christliche Religionswahn ist nicht weniger gefährlich als der islamische - nur noch viel gerissener und geschickter.

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Wolfgang Brosche17.12.2012 | 16:50 Uhr

Gretchenfragen

Wer mehr Religion wagen möchte, ist als Individuum frei, das zu tun.
Wer damit aber eigentlich meint, mehr Institution und Macht wagen zu wollen, der gehört in die Schranken verwiesen.

Die meisten christlichen Kirchen haben wirklich keinen finanziellen Mangel, die Ihren zu betreuen. Sie haben Mangel an den Ihren, können also mit "mehr Religion wagen" nur den eigenen Einfluss meinen.

Und wenn denn Sektenkriterien nur für kleine religiöse Gruppen verwendet werden, ist es eine gefährliche, schleichende Einschränkung der Meinungsfreiheit, die um sich greift. Ein Film wie "Leben des Brian" könnte heute nicht mehr gedreht werden. Warum eigentlich?
Von "nicht mehr drehbar" bis "gehört verboten" ist es nur ein kleiner Schritt.

Besonders tückisch ist das Verhältnis von christlichem Gesellschaftsverständnis und Bezug zu den islamischen Gruppen in Deutschland. Denn qua prinzipiell christlicher Orientierung können selbst radikale Muslime "die Deutschen" als "irrgläubig" und nicht als "ungläubig" definieren.

"Khuffar" - also Ungläubiger im Sinne des Koran - ist eine ganz andere Nummer, selbst moderate Muslime zucken erkennbar zusammen, wenn sie erfahren, dass wir eben nicht "im Prinzip doch alle an den einen Gott" glauben. Daher kann es der Kirche nur recht sein, hier einerseits qua Existenz eine Brücke argumentieren zu können, andererseits aber von der Gewalttätigkeit von Islamisten indirekt zu profitieren. Das sorgt schliesslich mal für ein bißchen mehr Respekt allen Religionen gegenüber. Oder?

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BBA-201218.12.2012 | 16:28 Uhr

Angelus Novus

Der Mensch als ein utopisches Wesen hat in sich keinen Halt. Er braucht etwas, dass ihm Orientierung und Halt verschafft, dass seiner Individualität gegenüber steht. Im allgemeinen Budenzauber deutscher Weihnachtsmärkte (die Heilsarmee spielt auf), taucht dann plötzlich „Angelus Novus“ von Paul Klee (1920) bei mir wieder auf. Der „Engel der Geschichte“ (Walter Benjamin), der die Ereignisse im Rückblick als einzige Katastrophe sieht. Ein Sturm vom Paradies treibt ihn unaufhaltsam in die Zukunft. Das ist doch eine große menschheitsgeschichtliche Erzählung, auch ein Bild von Gemeinschaft.

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bernhard.jasper18.12.2012 | 19:09 Uhr

Na ja, der Eine greift zu Stuetzen wie weichen und harten Drogen

der Andere zur Religion und wenn ich ansehe was in der Welt so passiert im Namen der einen oder anderen Religion, dann weiss ich nicht was eine groessere Gefahr darstellt.
Deswegen moechte ich Gott,wenn es einen Gott gibt, bitten doch Hirne regnen zu lassen und Vernunft walten zu lassen.

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Lill-Karin Bryant23.12.2012 | 16:01 Uhr

Na und?

Jeder Gedanke jedes Menschen, so seriös er auch sein mag, wird aufgelöst im Meer der Meinungen des nächsten ICH's.
ICH habe auch MEINE Meinung. Besser könnte das ICH sich nicht im NICHTS des leeren, kalten und sinnlosen Universum auflösen.

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Lupus05.01.2013 | 09:37 Uhr

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