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 > Über dem Abgrund ukrainischer Empfindlichkeiten

Weltbühne

Timoschenko in HaftÜber dem Abgrund ukrainischer Empfindlichkeiten

Von Werner A. Perger6. Juni 2012
picture alliance
timoschenko, ukraine, charite, arzt
Katastrophale medizinische Versorgung
Schrift:

Wie der Chef der Berliner Charité mit seinem Ärzteteam gegen alle Widerstände um die medizinische Versorgung von Julia Timoschenko kämpft und dabei Achtungserfolge gegen das ukrainische Regime erringen kann

Seite 1 von 2

Der Mann, auf den Julia Timoschenko ihre Hoffnungen im Kampf um ihre Gesundheit und gegen die „Siegerjustiz“ ihres Erzfeinds Viktor Janukowitsch setzt, ist nicht nur ein international renommierter Neurologe, als Mediziner global vernetzt und in Deutschland als ehemaliger Vorsitzender des Wissenschaftsrats über sein Fach hinaus profiliert. Er ist auch ein freundlicher Mann mit gewinnendem Lächeln und guten Manieren. Einer, der interessiert zuhören und unterhaltsam erzählen kann. Freunde wissen, dass er auch hervorragend kocht.

Auf seine Patienten wirkt er beruhigend. Wohl denen, um die er sich selbst kümmert: Professor Dr. Karl Max Einhäupl, 65, Chef der Berliner Charité, Europas größter Gesundheitsfabrik, der gute Mensch aus München, einer, der keiner Fliege was zuleide tut. Einige Ukrainer – vom Chefarzt im Frauengefängnis in Charkow bis zum Generalstaatsanwalt und zur Gesundheitsministerin in Kiew – wissen, dass dies nicht der ganze Einhäupl ist.

Der Mann, der in seiner Münchener Studentenzeit als „roter Karli“ bekannt war und das konservative Uni-Establishment als Stratege einiger spektakulärer Protestaktionen das Fürchten gelehrt hatte, kann auch anders: unbeugsam sein, hartnäckig, ausdauernd. Schon als Schüler, da hatte der Sohn aus einem politisch eher rechten Milieu („mein Vater war über den Wahlsieg Kennedys in Amerika erschüttert“) noch mit der CSU sympathisiert, war er als Aktivist aufgefallen: 1966 organisierte er mit ein paar Freunden eine Kundgebung gegen die Neo- und Altnazipartei NPD, mit Carl Amery als Redner, mehr als 10.000 Menschen kamen, und die französische Illustrierte Paris Match präsentierte das Großereignis auf einer Fotodoppelseite: in der Mitte, neben Amery, der brave, gutbürgerliche Einhäupl.

Der besorgte Junge, der nicht lockerlässt. Wie der junge Alte heute. Den Rat, sich an die Charité zu wenden, hatte Timoschenkos international vernetzte Tochter Jewgenia in Berlin von Lothar de Maizière, dem letzten Regierungschef der DDR, erhalten. Ein guter Rat, wie sich inzwischen gezeigt hat. Seit Anfang Mai scheint der Fall Timoschenko sich zu entspannen. Die Kranke wird von einem der führenden Neurologen der Charité, Lutz Harms, in Charkow behandelt, eine Weiterbehandlung in Berlin ist nicht mehr ausgeschlossen.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, wie sich Einhäupl über die Schikanen des ukrainischen Regimes hinwegsetzt

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Otto Meyer11.06.2012 | 14:21 Uhr

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