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 > Vom Traum, Hitler zu verteidigen

Weltbühne
Staranwalt Jacques Vergès

Vom Traum, Hitler zu verteidigen

von 
Sascha Lehnartz
9. Februar 2012
picture alliance
Klaus Barbie und Slobodan Miloševi? waren seine Klienten – Muammar al-Gaddafi hätte er sich als solchen auch gewünscht.

Der Pariser Anwalt Jacques Vergès verteidigt Diktatoren und Massenmörder – und gefällt sich in dieser Rolle. Ein Porträt

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Wäre Mephisto Innenarchitekt, er hätte das Büro des Pariser Anwalts Jacques Vergès eingerichtet: Der Besucher betritt das Kabinett des Maître in einem kleinen Stadthaus im 9. Pariser Arrondissement – und fühlt sich in ein Schattenreich versetzt. Mannshohe, düstere asiatische Statuen und grimmige Totemfiguren teilen sich den Raum mit dem berüchtigten Strafverteidiger, der das Image pflegt, der „Advokat des Teufels“ zu sein.

Jacques Vergès hat ein rundliches, beinahe gütig erscheinendes und faltenarmes Gesicht für einen Mann, der 86 Jahre alt sein soll. Seine schweflige Reputation hat sich Vergès hart erarbeitet: Er hat einige der fürchterlichsten Gestalten vor Gericht verteidigt, die unsere Zeit hervorgebracht hat: Klaus Barbie, den „Schlächter von Lyon“, den Terroristen Carlos, den Serbenführer Slobodan Miloševi?. 2004 wollte Vergès Saddam Husseins Verteidigung übernehmen. Daraus wurde jedoch nichts. Auch der ehemalige Rote-Khmer-Führer Khieu Samphan wählte nach seiner Verhaftung 2007 Vergès zu einem seiner Verteidiger. Die beiden Männer waren sich während des Studiums in den fünfziger Jahren in Paris begegnet.

2011 sorgte Vergès zudem durch eine eigenartige Allianz für Schlagzeilen: Gemeinsam mit dem 89-jährigen Roland Dumas, Außenminister unter François Mitterrand, bildete er eine Art französische Version des Duos Waldorf und Statler aus der Muppet-Show: Die beiden rüstig-ruchlosen Advokaten ließen sich gegen fürstliches Honorar vom abgewählten ivorischen Präsidenten Laurent Gbagbo in die Elfenbeinküste einladen und setzten sich dann für den Verbleib des Wahlfälschers an der Macht ein. Im Oktober schließlich gaben Dumas und Vergès gemeinsam das Pamphlet „Sarkozy sous BHL“ (Sarkozy unter BHL) heraus, in dem sie den Einfluss des Publizisten Bernard-Henri Lévy auf den Libyenkrieg geißeln und Sarkozy eine Klage wegen Kriegsverbrechen androhen.

Bildergalerie: Der Fall des Muammar al-Gaddafi
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Gaddafi hätte Vergès selbstverständlich auch gerne unter seinen Mandanten gesehen, und oft hat er leichtes Bedauern erkennen lassen, dass es ihm nicht vergönnt war, Adolf Hitler als Strafverteidiger zu dienen. Für einen Mann vom Schlage Vergès’ wäre dies die ultimative juristisch-sportliche Herausforderung gewesen.

Vergès wurde in Thailand geboren, wahrscheinlich im Jahr 1925. Er ist der Sohn eines von der Insel La Réunion stammenden Franzosen und einer Vietnamesin. Frühe Erfahrungen an den Rändern des französischen Kolonialreichs prägten seine antikolonialistischen Überzeugungen. Nach der Schulzeit auf La Réunion schloss er sich 1942 in England den „Forces Françaises Libres“ von General de Gaulle an. Nach dem Krieg trat er der Kommunistischen Partei bei. Beschleunigt wurde seine politische Radikalisierung durch den algerischen Unabhängigkeitskampf. In den sechziger Jahren war er mit der algerischen Aktivistin Djamila Bouhired verheiratet, mit der er zwei Töchter hat.

Wie der Kommunist plötzlich acht Jahre spurlos verschwand und anschließend begann, die größten Verbrecher zu verteidigen, lesen Sie auf der nächsten Seite.

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Grundsätzlich hat jeder Angeklagte das Recht auf eine qualifizierte Verteidigung. Insofern kann ich kein moralisches Problem darin erkennen, Massenmörder zu verteidigen. Alles andere würde die Rechtsstaatlichkeit des Verfahrens in Frage stellen und um die Wiederherstellung der Rechtsstaatlichkeit geht es ja in den Verfahren. Wahrscheinlich sind Anwälte wie Vergès auch auf die Verteidigung von Schlächtern angewiesen, sobald sie einen gewissen Bekanntheitsgrad erreicht haben, da sich wohl kaum ein Angeklagter, der wegen geringerer Vergehen vor Gerichts steht, in eine Reihe mit Barbie und Milosevic stellen würde. Aber da der staatlich verordnete Massenmord kein Ende nimmt, wird er wohl weitere Mandanten finden. Die Familie Assad zum Beispiel. Wie heißt es doch so schön, "ist der Ruf erst ruiniert lebt es sich ganz ungeniert."

  • Antworten
Christoph Kuhlmann11.02.2012 | 10:18 Uhr

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