Als Oppositionschefin irritierte Soraya Sáenz de Santamaria die Regierung. Heute ist die 40-Jährige die Schlüsselfigur der spanischen Politik und hat sich den Respekt der letzten Skeptiker erworben
Im Kreis der überwiegend älteren Caballeros im Madrider Machtzentrum Moncloa wirkt die kleine Frau mit den hohen Absätzen, der mächtigen Löwenmähne und der etwas piepsigen Stimme auf den ersten Blick wie verloren. Aber das täuscht. Soraya Sáenz de Santamaría hat sich hierher nicht verlaufen. Im Gegenteil.
Die 40 Jahre junge Einserjuristin ist heute die Schlüsselfigur der spanischen Politik: „Erste Vizepräsidentin“ von Mariano Rajoy, dem neuen „Präsidenten der Regierung“ und Chef der konservativen Partido Popular (PP), zugleich „Ministerin der Präsidentschaft“, was dem Kanzleramtschef in Berlin entspricht, und schließlich auch die offizielle Sprecherin der Regierung. Kurzum, Soraya Sáenz ist „die Chefin“.
Rajoy, der Chef, will das so. Und was er will, das will auch sie. Die beiden sind ein eingespieltes Paar, über die Jahre zusammengewachsen und inzwischen als Partner, Freunde und Schicksalsgefährten politisch unzertrennlich. Ihr Zusammentreffen geht zurück auf Soraya Sáenz’ Wunsch, die Provinz zu verlassen und Karriere zu machen. Die Ausbildung zur Staatsanwältin – im spanischen System eine Eliteschulung mit hohen disziplinarischen Anforderungen und anspruchsvollen Abschlussprüfungen – hatte sie im Alter von 28 Jahren ohne Mühen als Jahrgangsbeste absolviert, gewiss auch dank des phänomenalen „Computergedächtnisses“, das ihr nachgerühmt wird.
Nach dem Studium arbeitete Soraya Sáenz zunächst in Leon, der Heimatstadt des jungen sozialistischen Hinterbänklers José Luis Rodríguez Zapatero, der im Jahr 2000 überraschend Chef der spanischen Sozialisten wurde. Sáenz war zu der Zeit politisch ungebunden, hörte zufällig, dass die Konservativen für die Regierungszentrale einen Juristen mit Spitzenqualifikation suchten, fand, dass das auf sie zutraf, und bewarb sich. „Sie kam in die Politik wie andere bei IBM einsteigen“, schrieb später ein Journalist. Sie wollte einen Job in Madrid, gern in der Moncloa, dem Sitz des Regierungschefs. Dass da die Konservativen saßen, war ihr nicht so wichtig.
Der Auftritt in Madrid war erfolgreich. Soraya Sáenz wurde genommen und landete als juristische Beraterin im Mitarbeiterstab des damaligen Amtschefs der Aznar-Präsidentschaft, dem galizischen Juristen Mariano Rajoy. Der Rest ist die Geschichte eines steilen Aufstiegs der jungen Frau mit der seltenen Mischung aus Intelligenz, Sachkenntnis, Zuverlässigkeit und Loyalität.
Wie sich de Santamaria den Respekt der letzten Skeptiker erwarb








