Saudi-Arabien - Ein brandgefährlicher Verbündeter

Die Hinrichtung des schiitischen Geistlichen Nimr Baker al-Nimr und 46 weiterer Gefangener wirft einen Schatten auf die westliche Allianz mit Saudi-Arabien. Die Appelle für mehr Toleranz und Menschenrechte auf der Arabischen Halbinsel sind wirkungslos verhallt. Ein Kommentar

Schiiten in Pakistan halten Porträts des Geistlichen Nimr al-Nimr, der in Saudi-Arabien hingerichtet wurde, in die Höhe
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Martin Gehlen ist Journalist und berichtet aus der arabischen Welt.

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Man braucht nicht lange zu rätseln, was die saudischen Herrscher zu ihrem blutigen Neujahrsauftakt bewogen haben mag. Manche der exekutierten Dschihadisten saßen bereits seit mehr als zwei Jahrzehnten hinter Gittern.

Die letzte Massenhinrichtung erlebte das ölreiche Königreich vor mehr als dreißig Jahren, nachdem Dschihadisten die Große Moschee in Mekka, das wichtigste Heiligtum der Muslime, gekapert und teilweise zerstört hatten. Diesmal jedoch ging es den Mächtigen in Riad vor allem darum, mit der Exekution des schiitischen Predigers Nimr al-Nimr ein spektakuläres Fanal zu setzen. Ihn betrachtete das Königshaus als Aufwiegler und Sprachrohr des Iran auf eigenem Territorium. Mit seiner Todesstrafe will Saudi-Arabien demonstrieren, dass es bereit ist, seine Rivalität mit der Islamischen Republik künftig noch ganz anders zu eskalieren als bisher.

Und so entwickelt sich das Königreich für Europa und die Vereinigten Staaten immer mehr von einem problematischen zu einem unkalkulierbaren Verbündeten. Denn die saudische Besessenheit mit der Islamischen Republik setzt seit dem Antritt des greisen Königs Salman und seiner beiden aggressiven Kronprinzen immer neue Brandherde in einer Region, die schon jetzt an ihren politischen, religiösen und ideologischen Wirren zugrunde zu gehen droht.

Der Jemen-Krieg, vom Zaun gebrochen als Feldzug gegen Irans angebliches Hegemoniestreben auf der Arabischen Halbinsel, ist eine politische, militärische und humanitäre Katastrophe. Der Umgang mit der eigenen schiitischen Minderheit wird immer provokanter und verbohrter.

Brüssel und Washington dagegen müssen erleben, dass ihre Appelle zu mehr Kompromissbereitschaft, Respekt für Menschenrechte, Toleranz und Meinungsfreiheit wirkungslos verhallen. Kein Wunder – denn solange sich die westlichen Waffenverkäufer in Riad die Klinke in die Hand geben, wird Saudi-Arabien seinen Kurs nicht ändern.

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