Eine ungewöhnliche Situation: Der Herausforderer gab sich präsidial, während der Amtierende kräftig kämpfte. Mitt Romney hat auf seinem Weg in die Mitte viel Kreide geschluckt. Das bewies er beim dritten Rededuell
Nanu, wer spricht denn da? „Wir wollen einen friedlichen Planeten.“ – „Wir wollen starke Verbündete.“ – „Krieg darf immer nur das letzte Mittel sein.“ – „Wir kommen aus dem Schlamassel nicht durch weiteres Töten heraus.“ – „Ich will mehr Frieden, Menschenrechte und Menschenwürde verteidigen.“
Ja, genau, das sagt Mitt Romney, jener konservative, knallharte Wiedererwecker der neokonservativen Interventions-Ideologie, der die Welt in Gut und Böse scheidet und die Kriegstrommeln gen Teheran schlägt. Doch von diesem Romney war am Montagabend in der Lynn University in Boca Raton nichts zu sehen und zu hören. Wieder einmal zeigte sich der Republikaner als schamloser Meister in der Kunst, negative Zerrbilder von sich in weichgezeichnete David-Hamilton-Poster zu verwandeln. Bei jedem zweiten Romney-Satz fühlte man sich an die Kandidatinnen im Schönheitswettbewerb aus dem Film „Miss Congeniality“ erinnert, die reflexartig auf die Frage, was sie sich am meisten wünschen, „Weltfrieden“ antworten.
Folglich saß da ein fast verzweifelt wirkender Präsident, der immer wieder versuchte, den Gegensatz zwischen klugem Diplomaten (er selbst) und unberechenbarem Rambo (Romney) zu inszenieren. Doch das klappte nicht. Stoisch lächelte sich der Herausforderer durch jede Attacke hindurch. Barack Obama stieß auf den Widerstand eines glitschigen Aals, der sich jedem Zugriff entwand.
Obama griff an, Romney spielte Präsident. Ruhig, resolut und durchaus kenntnisreich hatte er den Amtsinhaber in einen Rollentausch gedrängt. Als dieser ihm rhetorisch gekonnt vorhielt, eine Außenpolitik der achtziger Jahre zu verfolgen, eine Sozialpolitik der fünfziger Jahre und eine Wirtschaftspolitik der zwanziger Jahre, entgegnete Romney nur: „Mich anzugreifen, ist noch kein Programm.“ Damit verstärkte er den Eindruck, Obama sei der ewige Mahner, Warner und Miesmacher, während er, Romney, über allem Zwist schwebt und lieber Amerika als Nation definiert, „die die Hoffnung der Erde verkörpert“.











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