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 > Palästinas Chance in New York

Weltbühne
Nahostkonflikt

Palästinas Chance in New York

von 
Michael Bröning
20. September 2011
picture alliance
UN-Chef Ban Ki Moon trifft Palästinenserpräsident Abbas
UN-Chef Ban Ki Moon trifft Palästinenserpräsident Abbas

Ein mögliches UN-Votum für die Anerkennung Palästinas wird den Nahostkonflikt nicht über Nacht lösen. Dennoch erscheint ein solcher Beschluss vielen Palästinensern erfolgsversprechender als ein bloßes „weiter so“. Er bietet die Chance, die festgefahre Sitaution neu zu beleben.

Seite 1 von 2

Am 29. November 1947 beschloss die Generalversammlung der Vereinten Nationen in einem dramatischen Sitzungsmarathon eine Teilung des Heiligen Landes zwischen Juden und Palästinensern. Weltweit verfolgten jüdische Flüchtlinge und Holocaustüberlebende den Beschluss vor batteriebetriebenen Rundfunkgeräten. In Tel Aviv ging das Votum in nächtliche Freudentänze und enthusiastische Jubelfeiern über.

Heute, 64 Jahre nach der historischen Abstimmung, hofft die palästinensische Führung unter Präsident Mahmud Abbas auf eine Wiederholung des UN-Votums – mit entgegengesetztem Vorzeichen. Am kommenden Freitag soll mit einer historischen Rede des Palästinenserpräsidenten der Endspurt zu einer Abstimmung über die Aufnahme eines Palästinenserstaates in die Weltorganisation eingeläutet werden. Obwohl der Ausgang ungewiss ist, gibt es kaum gangbare Alternativen.

Der Showdown in New York hat eine Vorgeschichte: In den vergangenen zwei Jahren hat die palästinensische Führung in Ramallah einen Zweijahresplan zur Vorbereitung auf staatliche Unabhängigkeit umgesetzt. Mit Erfolg: Jahrelang Inbegriff von Vetternwirtschaft und Korruption, gelang der Palästinensischen Autonomiebehörde eine umfassende Reform, die auch von der internationalen Gemeinschaft gewürdigt wurde. Erst im Frühjahr erklärten Vereinte Nationen, Weltbank und der IWF, dass palästinensische Institutionen „bereit für die Eigenstaatlichkeit“ seien. Auftrieb erhielten palästinensische Hoffnungen nicht zuletzt vom US-Präsidenten persönlich, der in seiner Rede in New York vor zwölf Monaten der Hoffnung Ausdruck verlieh, in diesem Herbst den Staat Palästina als „neues Mitglied in die Vereinten Nationen willkommen heißen zu können“.

So klar die Hoffnung der Palästinenser auf einen unabhängigen Staat ist, so unklar ist der Weg dahin. Dies gilt nicht nur für Verhandlungen mit Israel, sondern auch für den Gang vor die UN. Vor dem Hintergrund israelischer Drohungen und einem angekündigten US-Veto im Sicherheitsrat läuft auf internationalem Parket die Suche nach Alternativen auf Hochtouren. Der Ausgang ist nach wie vor offen. Als Optionen haben sich bislang zwei komplementäre Ansätze herauskristallisiert, die entweder einen Antrag auf UN-Vollmitgliedschaft über den Sicherheitsrat oder eine Aufwertung des palästinensischen Status zu einem Non-Member State vorsehen. Beide Optionen wären ein dringend benötigter symbolischer Erfolg für Präsident Abbas. Sie stoßen auf entschiedenen Widerstand in Washington und Tel Aviv. In den europäischen Hauptstädten herrscht – wie so oft – Uneinigkeit. In London und Paris sieht man den palästinensischen Vorstoß mit Sympathie. In Berlin tendiert man seit langem zu einem „Nein“.

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ein arg optimistischer

ein arg optimistischer artikel, der indirekt unterstellt, daß die friedensverhandlungen zwischen der autonomiebehörde und israel an letzteren gescheitert sei. und vor allem was heißt hier "in washington und tel aviv"? der israelische regierungssitz befindet sich in jerusalem.

  • Antworten
stefan kullmann20.09.2011 | 12:10 Uhr

Die Knesset und ein Großteil

Die Knesset und ein Großteil der israelischen Ministerien befinden sich in Jerusalem, das stimmt. In Ermangelung einer international anerkannten Hauptstadt des Staates Israel stößt der UN Gang der Palästinenser aber wohl auch auf Widerstand in Tel Aviv - zum Bespiel in Ehud Baraks Verteidigungsministerium.

  • Antworten
xyz20.09.2011 | 13:33 Uhr

Worum geht es?

@stefan kullmann
Optimistisch? An keiner Stelle wird im Artikel davon gesprochen, dass die Abstimmung alle Probleme des israelisch-palästinensischen Konflikts löst. Es geht doch vielmehr um die Alternativen:
a) die Wiederauflage eines Scheinfriedensprozesses mit der rechtesten israelischen Regierung aller Zeiten, während Israel in bewährter Manier die Zeit nutzt, um hunderttausende Siedler im Westjordanland anzusiedeln
b) die Rückkehr der Palästinenser zum bewaffneten Kampf und ein erneutes Abdriften in eine Gewalspirale
c) eine diplomatische Initiative, um auf multilateralem Niveau die Zweistaatenlösung als Lösungsparadigma endgültig zu verankern.

Auch wenn der Gang vor die UN die Besatzung nicht über Nacht verschwinden lassen wird, ist er doch die mit Abstand beste Wahl. Dieser Ansatz ist gewaltlos, multilateral, völkerrechtskonform und konstruktiv - wird auf diese Weise doch ein für alle Mal unmissverständlich klar gemacht, dass die Legitimität des Staates Israel in klar definierten Grenzen anerkannt wird. Über diesen Aspekt wird in der Debatte seltsamerweise gar nicht gesprochen.

Ja, der Regierungssitz ist in der Tat in Jerusalem. Als Hauptstadt ist aber international nur Tel Aviv anerkannt. Dies macht sich u.a. daran bemerkbar, dass kein Staat der Welt seine Botschaft in Jerusalem hat, nicht einmal die USA. Warum also ist es ein Problem, von "Washington und Tel Aviv" zu sprechen?

Wer immer eine Zweistaatenlösung anstrebt, kann sich nicht daran stoßen, dass diese Zweistaatenlösung vor den Vereinten Nationen verkündet wird. Netanjahu ist nicht gegen die Verkündung vor den UN - er will keinen Staat für die Palästinenser. Dies beweisen er und seine Regierung täglich in Wort und Tat.

  • Antworten
Heiner20.09.2011 | 16:20 Uhr

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