Gewiss aber sind heute schon drei Dinge. Erstens gibt es kein erreichbares politisches Ziel, das die Kosten eines Krieges gegen den Iran rechtfertigen könnte. Zweitens: Der einzig sinnvolle Weg, nämlich eine diplomatisch ausgehandelte politische Lösung, bleibt den Kombattanten mit und ohne Krieg nicht erspart – ist aber ohne Krieg preiswerter. Drittens: Sollte Teheran den Willen zur Atomwaffe noch nicht besitzen, so ist Krieg das wirksamste Mittel, ihn zu entwickeln. Eine Kündigung des Vertrags gegen die Ausbreitung von Atomwaffen läge bedrohlich nahe, samt der Ansteckungsgefahr für andere Nationen in der Region – und das ausgerechnet im Jahr 2012, da eigentlich die 2010 vereinbarte Konferenz über eine von Massenvernichtungswaffen freie Zone im Nahen Osten stattfinden soll.
Deutschland spielt zwar eine wichtige Rolle, aber keine entscheidende. Weder allein noch im Verbund mit den anderen 26 EU-Staaten könnte Berlin einen Krieg verhindern. Wohl aber müsste es die Kriegssuppe mit auslöffeln. „Die Sicherheit Israels ist für mich als Bundeskanzlerin niemals verhandelbar. Und wenn das so ist, dann dürfen das in der Stunde der Bewährung keine leeren Worte bleiben.“ So sprach Angela Merkel 2008 vor der Knesset.
Was aber füllt die Worte, wenn Israels Premier die Sicherheit seines Landes mit einem Angriffskrieg aufs Spiel setzt? Die politische Frage eines militärischen Beistands würde sich kaum stellen – überdies reichten Deutschlands militärische Kräfte nicht, um Israels Grenzen verteidigen zu helfen. Wohl aber müsste Berlin darauf gefasst sein, dass die vor der Küste des Libanon unter Uno-Mandat operierenden deutschen Marineeinheiten bisher nicht gekannten Gefährdungen ausgesetzt würden. Und im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen müsste Deutschland sich zu dem Begehren des Iran verhalten, Israels Militärschlag zu verurteilen. Mit einem „Jein“ wie im Fall Libyens vor einem Jahr wäre es da nicht getan.
Seit mehr als 40 Jahren hat Deutschland Israel handfest unterstützt, wenn es sich verteidigen musste. Auch mit Waffen. Wird es aber zum Angreifer, ist keine Hilfe denkbar, die auch nur in die Nähe dessen gelangen könnte, was von der Bundeskanzlerin in Jerusalem vermutlich erwartet würde. Im Gegenteil. Wahre Freundschaft verlangte, dass die Kanzlerin Benjamin Netanjahu in den Arm fällt und ihn vom Waffengang abhält. Die bilateralen Beziehungen zwischen Berlin und Jerusalem gehörten wohl mit zu den Kriegsopfern.
Deutschland, sagte einmal der ehemalige finnische Staatspräsident Martti Ahtisaari, habe sich seiner Vergangenheit geradezu vorbildlich gestellt. Das stimmt. Deutschland hat seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs die tragende Rolle des Gewaltverzichts verinnerlicht und verstanden, im Widersacher den Verhandlungspartner zu sehen, dessen Interessen es zu verstehen gilt, womit ein Ausgleich erzielt werden soll. Zur Schutzpflicht Deutschlands gegenüber Israel muss daher auch gehören, den jüdischen Staat vor selbstmörderischen Abenteuern zu bewahren.













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