Jump to Navigation
Startseite

Magazin im Mai: Nichts klappt, alle lieben sie: Das Geheimnis der verschlunzten Hauptstadt

Babel Berlin
  • Magazin
  • Mediathek
  • Literaturen
  • Service
  • Newsletter
  • Shop
  • Abo
  • Berliner Republik
  • Weltbühne
  • Kapital
  • Stil
  • Salon
  • Bücher
  • Themen der Zeit
  • Kolumnen
  • Blogs
  • Ressorts
  • Dossiers
  • Karikaturen
  • Suche

Suchformular


Mein Cicero


Sie sind hier: Startseite > Magazin
 > Nationale Egoisten oder Sündenböcke Europas?

Weltbühne

Die DeutschenNationale Egoisten oder Sündenböcke Europas?

Von Michael Naumann16. Juni 2012
picture alliance
Deutschlandfahne, Griechenland, griechische Fahne, Athen, Eurokrise, ESM, führungsmacht
Ein unvermeidbares historisches Dilemma: Deutschland als „Mittelmacht“
Schrift:

Deutschland ist eine Rolle zugefallen, die es so noch nie innehatte: Es soll Europa aus der Krise führen. Zugleich werfen viele Euroländer der Merkel-Regierung vor, kaltherzig zu sein. Deutschland hat aber eine historische Bringschuld

Seite 1 von 2

„Apokalypse“ heißt auf Deutsch: „Offenbarung.“ Sollte Griechenland in den nächsten Wochen einen Offenbarungseid leisten müssen – nicht der erste seiner Geschichte – werden sich die Finanzexperten melden, die das scheinbar Unvermeidbare seit zwei Jahren schon prognostiziert haben, an ihrer Spitze der Ifo-Direktor Hans-Werner Sinn. Kürzlich riet er dem amerikanischen Präsidenten Barack Obama in einem Artikel der Herald Tribune, sich doch gefälligst mit seinen Ratschlägen für Angela Merkel zurück zu halten: Deutschland habe sich bereits höchst fahrlässig in eine europäische Schuldenfalle begeben, 80 Milliarden Euro seien auf alle Fälle schon perdu, und im Ernstfall – sollten Italien, Spanien und Portugal ebenfalls in den Orkus der Staatspleite stürzen – stünden weit über hundert Milliarden deutscher Steuergelder auf dem Spiel.

In anderen Worten: Die Griechen (und die anderen Notleidenden) sollen sich selbst helfen. Was er nicht sagte: Die alten Währungen neu zu drucken, dürfte bis zu einem Jahr dauern. In der Zwischenzeit wären die privaten Euro-Konten in den Krisenstaaten längst leer geräumt – die Geldautomaten wären tot, nicht nur der Auto-, sondern auch der Warenverkehr würde Pause machen (wie derzeit schon in Griechenland ), nur unbesteuerte Schwarzmärkte würden blühen wie in jenen westdeutschen Übergangsjahren zwischen der Reichsmark-Zeit von 1945 bis 1948. (Das neue Geld, die D-Mark, wurde damals in den USA gedruckt.)

Sinns kühler, strikt national orientierter Rechnung entgegnen die Kritiker von Angela Merkels zögerlicher Euro-Rettungspolitik mit makro-ökonomischen Argumenten: Die Deutschen seien die wahren Urheber des Finanzdebakels in den Peripherie-Staaten. Dem jährlichen Außenhandelsüberschuss der deutschen Exportnation in Höhe von derzeit circa 158 Milliarden Euro stünden entsprechende Defizite der Nachbarstaaten gegenüber. Aufgrund ihrer zurückhaltenden Lohnpolitik und insofern niedriger Stückzahlkosten trage die allzu fleißige Bundesrepublik die Verantwortung für die gravierenden Haushaltsdefizite ihrer Nachbarn im Süden, die, von billigen Euro-Krediten ihrer Banken beflügelt, über ihre Verhältnisse zumal deutsche Produkte konsumiert und vor allem Straßen und Häuser gebaut hätten, die niemand brauchte. Sinns Gegenargument, dass dies nur möglich war, weil Deutschland angeblich bis zu 60 Prozent seines Handelsüberschusses als Kapitalinvestitionen ins europäische Ausland exportiert, also keineswegs im Binnenmarkt investiert habe, ändert nichts daran, dass deutsche Industrie-Produkte ganz offensichtlich konkurrenzfähiger sind als andere.

In Deutschland leben einfach mehr Menschen als in den anderen EU-Einzelstaaten. Die demographisch bedingte, breitere industrielle Aufstellung ist Teil des unvermeidbaren historischen deutschen Dilemmas als „Mittelmacht“ im Konzert der kleineren europäischen Nachbarn. Ihnen ist die wiedervereinigte deutsche Nation immer noch zu groß. Und weil das so ist, sollte der Euro – jedenfalls hofften das einst Helmut Schmidt und Helmut Kohl – ein vertrauensbildendes Band politischer und ökonomischer Gemeinsamkeit werden. Dieses Vertrauen geht gerade verloren.

Die Bundestags-Debatten über diverse europäische Rettungsschirme sind inzwischen Geschichte. Ihr Gesamtvolumen beträgt derzeit 1,5 Billionen Euro – dreimal so viel wie der Bundeshaushalt. Nicht enthalten in der exorbitanten Summe sind die Billigkredite in Millionenhöhe, die in den letzten Monaten von der Europäischen Zentralbank (EZB) an mehrere Hundert europäischen Banken ausgereicht wurden, um einen Crash der Finanzinstitute zu vermeiden. Wie viel von diesen mit dubiosen Staatsanleihen gesicherten Krediten in die Realwirtschaft zumal der südeuropäischen Länder fließt, ist noch nicht bekannt. Viel wird es nicht sein.

Schlimmer noch: Die ominösen Bankgeschäfte mit Credit-Default-Swaps (CDS) blühen wieder. Das sind Kreditausfallversicherungs-Policen, mit denen gegen die Solidität von gewissen, meist südeuropäischen Staatsanleihen gewettet werden kann. Es handelt sich aber um genau jene prekären Staatsanleihen, die von den Schuldner-Banken als Sicherung bei der EZB hinterlegt wurden – gewissermaßen mit einem Augenzwinkern. Die undurchsichtigen CDS-Deals „over the counter“ laufen immer noch jenseits einer europäischen oder amerikanischen Bankaufsicht ab und symbolisieren einen offenkundig moralfreien Raum des internationalen Finanzgewerbes.

Sollte es zum Euro-Crash kommen, werden die nationalen politischen Schuldzuweisungen in alle Himmelsrichtungen – wie jetzt schon in Griechenland – die kommenden Wahlkämpfe bestimmen. Die absehbaren, abstrakten Hinweise auf den Euro-Konstruktionsfehler von Maastricht (keine zentrale Fiskalpolitik), konkrete Vorwürfe gegen die Deutschen (nationaler Egoismus, gestützt durch das Bundesverfassungsgericht), mangelnde Steuerdisziplin in den südeuropäischen Staaten, wahlkampforientierte Pseudolösungen (Sarkozys und Merkels Strandspaziergang in Deauville) und dergleichen mehr – dies alles verweist auf die eigentliche Ursache der ernstesten Krise seit Bestehen der Europäischen Union: Als bislang höchst erfolgreiches Projekt europäischer Friedenssicherung hat es gleichzeitig auf die Illusion einer institutionell tragfähigen Verlagerung nationaler Souveränität an „Europa“ (sprich Brüssel) und an das europäische Parlament gesetzt.

Die Euro-Krise hat es für jedermann an den Tag gebracht: Jener Transfer staatlicher, parlamentarisch gesicherter Finanzhoheit hat nicht stattgefunden. Wie auch? Zum Kern jener Souveränität gehört das Budgetrecht der demokratisch gewählten Abgeordneten. Sollten sie sich selbst abwählen? Die meisten von ihnen leben von der Politik und nicht nur für sie. Und sie agieren in den unterschiedlichen Räumen nationaler Rechtstaatlichkeiten und ihrer historisch unterschiedlichen administrativen und  judikativen Ausprägungen.

Gewiss, eine gemeinsame „europäische Rechtskultur“ gibt es sehr wohl – als Erinnerung an ihren Ursprung im römischen Recht, aber nicht als gleichsam monolithische, transnationale Gegenwart. Die Kompetenzansprüche des Europäischen Gerichtshofs und der EU-Kommission prallen immer unversöhnlicher auf diejenigen der nationalen Verfassungsgerichte, vom politischen Gestaltungswillen der einzelnen Parlamente ganz abgesehen.

Kurzum: Die Vereinigten Staaten von Europa mit einer gemeinsamen Verwaltungs- und Rechtskultur gibt es nicht. Dass die Griechen zum Beispiel kein Katasteramt kennen, sollte sich als Überraschung herausstellen.

Zahllose Versuche, jene Gemeinsamkeit über Brüsseler Verordnungen herzustellen, stießen auf den Spott der politischen Klassen in allen Ländern: Vom „Krümmungsgrad der Gurke“ bis zur Länge von Import-Bananen – hinter dem Hohn über derlei Bizarrerien (die stets auf Initiativen des Ministerrats oder des europäischen Parlaments verwiesen) verbarg sich nicht selten nationale, parlamentarische Sorge um den möglichen Verlust von politischer Einflussmacht. Die zentrifugalen Hoffnungen und Gesetze eines geeinten Europas stießen von Anfang an auf die zentripetalen Kräfte der nationalen Egoismen, und deren Nenner lautet zumal in Wahlkampfzeiten: Jeder ist sich selbst der Nächste. Oder, in den Worten Angela Merkels während des NRW-Wahlkampfes vor zwei Jahren: „Keinen Cent für die Griechen!“ Europa-Politik, das wurde immer höflich übersehen, ist auch nationale Machtpolitik.  

Seite 2: Die Parteien streiten über eine irrelevante Frage wie die Finanzstransaktionssteuer

  • 1
  • 2
  • nächste Seite »
Twitter
drucken
merken
in mein Dossier
versenden

zum Ressort

zurück zum Dossier
Zu diesem Artikel gibt es
10 Kommentare

Weiterführende Links

Europa
Vom deutschen Wahn, die Wahrheit gepachtet zu haben

Krisenmanagement
Was denken andere Euroländer über Deutschland?

Diese Artikel könnten
Sie auch interessieren:

Außenminister Timmermans
Die Niederlande, das 17. Bundesland
von
15.05.2013
Euro-Krise
Zurück nach Maastricht!
von
10.05.2013
Demografie
Jugend? Welche Jugend?
von
08.05.2013
Deutsch-französische Beziehungen
Angela Merkel als Feindbild
von
07.05.2013
Reporter ohne Grenzen
„Pressefreiheit wird massiv eingeschränkt”
Interview mit
Christian Mihr
03.05.2013

Zu den Kolumnisten von CICERO ONLINE
zum Dossier ESM und Fiskalpakt als Lösung der Finanzkrise?zum Dossier Wege zu mehr Europa
Twitter
zum Ressort

zurück zum Dossier

Weiterführende Links

Europa
Vom deutschen Wahn, die Wahrheit gepachtet zu haben

Krisenmanagement
Was denken andere Euroländer über Deutschland?

Diese Artikeln könnten Sie auch interessieren:

Außenminister Timmermans
Die Niederlande, das 17. Bundesland
von
15.05.2013
Euro-Krise
Zurück nach Maastricht!
von
10.05.2013
Demografie
Jugend? Welche Jugend?
von
08.05.2013
Deutsch-französische Beziehungen
Angela Merkel als Feindbild
von
07.05.2013
Reporter ohne Grenzen
„Pressefreiheit wird massiv eingeschränkt”
Interview mit
Christian Mihr
03.05.2013

 
Zu Dossier hinzufügen:
  • Europa
  • Kommentare
  • Detuschland
  • Jochen Thies, Was Hitler wirklich wollte
  • Goetz
  • Goetz
  • afrika
  • afrika
  • Syrien
  • Euro krise
  • familienpolitik
  • familienpolitik
  • familienpolitik
  • familienpolitik
  • familienpolitik
  • filosofia
  • Offenen Demokratie
  • LINKE
  • Vorbereitung_Wahlen
  • Cicero
  • Politik
  • Politik
  • Wirtschaft
  • Grüne
  • Wahlen in D
  • Atomenergie
  • Terror
  • Lesenswert
  • Serina
  • _Wj
  • Papstreise 2011 Deutschland
  • Kapitalismus
  • Kapitalismus
  • Piraten
  • Grüne
  • Grüne
  • Grüne
  • Leben
  • haha
  • Migration
  • Generation 2.0
  • Kunst
  • Kunst aA
  • Kunst
  • EURO
  • Russland
  • Steuerpolitik
  • Internet-Kultur
  • Wulf
  • Wulf
  • Parteien
  • Parteien
  • Parteien
  • Finanzkrise und Staatsschulden
  • Gesellschaftspolitik
  • Gesellschaftspolitik
  • Gesellschaftspolitik
  • kindle
  • kindle
  • Rechtsradikalismus
  • USA
  • Religion und Tradition
  • Architektur & Bauen
  • Architektur & Bauen
  • Architektur & Bauen
  • Architektur & Bauen
  • Parteien
  • Kirche
  • Grass
  • Linke
  • Linke
  • Linke
  • Linke
  • Netz
  • Politik, Gesellschaft ...
  • Politik, Gesellschaft ...
  • Politik, Gesellschaft ...
  • politik
  • Tourismus
  • Moral
  • Urheberrecht
  • favs
  • Digitalisierung
  • A Nachlesen
  • A Nachlesen
  • internet
  • Film
  • Literatur
  • Literatur
  • NH
  • Polemik
  • Praktische Philosophie
  • diethart
  • Steinbrück
  • Bildung & Schule
  • Bildung & Schule
  • Bildung & Schule
  • Mark Twain
  • Mark Twain
  • Mark Twain
  • MILANKO
  • Entwicklungspolitik
  • Gunter Hofmann
  • dudelfunk
  • pit
  • Material-SK
  • Steuern
  • Antisemitismus
  • Intellektuelle
  • Türkei
  • Jan von Alen
  • Autoren
  • Autoren
  • Autoren
  • Doppelte Staatsbürgerschaft
  • Test
  • Hyperkorrekte
  • Stasi
  • Fernsehen Qualität
  • Kretschmer
  • Kretschmann
  • Politik
  • Pressegleichschaltung
  • NSU
Neues Dossier anlegen:

Es stimmt:

"Die Europäische Union verkörpert die Lehre aus den blutrünstigen Kriegen des 20. Jahrhunderts."

Aus dieser frischen Erinnerung wurde sie geboren. Die Welt hat sich aberr weeitergedreht. Die frische und damit relevante Erinnerung der Menschen heute ist, dass die EU undemokratisch ist, und zudem eine Währungsunion gebastelt wurde, die nicht funktioniert, nicht funktionieren kann. Man sollte diese gegenwärtigen Realitäten akzeptieren und eine geordnete Auflösung der Währungsgemeinschaft angehen. Statt sie mit dem substanzlosen 'es bedarf mehr Europa' noch weiter zu verflechten und die inneren Spannungen damit ins unermessliche zu steigern.

Denn eines scheinen die vereinten Transferleistungsfetischisten aller Länder und Parteien zu übersehen: dass sich ein Volk irgendwann aus der Zahlsklaverei befreien wird, da es nicht sein kann und darf, dass der eigenen Hände Ertrag anderen geschenkt wird. Es fehlt für diesen Zornesausbruch derzeit nur das überzeugende Personal in Deutschland, vergesst das nicht.

  • Antworten
Very Serious Sam16.06.2012 | 10:22 Uhr

Vereinigte Staaten von Europa

Nur so hat Europa eine wirkliche Zukunft und es sollte doch möglich sein, nach 2.000 Jahren gemeinsamer Geschichte und Vermengung endlich die egoistischen nationalen Interessen auf den Müll zu werfen!

Möglicherweise ist unsere Gesellschaft (Europa) unabhängig von unfähigen Politikern allerdings noch längst dazu nicht in der Lage!

  • Antworten
Konrad B.16.06.2012 | 11:07 Uhr

Die Auguren des Untergangs

werden nicht müde den Untergang Europas in dunkelsten Farben zu schildern. Doch jedes ist die Chance auf einen neuen Anfang. Die Schuldenkrise ist ein Härtetest und einige werden eventuell auf der Strecke bleiben. Doch gerade das schafft Spielraum für neue Konstrukte, die auf den gemachten Erfahrungen aufbauen. Die Welt ist im Wandel und es nicht abzusehen, ob Deutschland wirklich verliert. Bisher geht die Rechnung auf und die Schwarzseher mussten ihre Prognosen regelmäßig korrigieren. Alle Welt verlangt Führung von diesem Land. Es führt, allerdings in Richtung nachhaltiger Stabilität. Eine Politik die erst in Jahren Früchte tragen wird. Solange gilt es durchzuhalten. Macht macht manchmal einsam. Doch wer wird sich davon ins Bockshorn jagen lassen? Will denn wirklich keiner einsehen, das so eine Krise nach vierzig Jahren Deficitspending und Bubbleökonomie unvermeidlich ist? Sie ließe sich aufschieben, doch je länger man das Notwendige unterlässt, desdo schlimmer das Erwachen. Daran ändern auch nationale Schuldgefühle nichts. Ganz abgesehen davon, dass Europa und insbesondere Deutschland noch eine zentrale Aufgabe im Osten hat, von den kommenden Generationen mal ganz abgesehen. Deren Zukunft wird ja durch immer neue Kreditkartenhäuser verpfändet. Was die "Bringschuld" betrifft. Weder Spanien noch Portugal noch Irland hatten unter den Weltkriegen zu leiden. Italien war Verbündeter und Griechenland hat mehr als genug bekommen. Diese "Bringschuld" haben wir in erster Linie gegenüber den Osteuropäern, wenn überhaupt. Die würden aber durch Eurobinds die Staatsvrschuldung von Ländern mitbezahlen, die sich einen wesentlich höheren Lebensstandard gönnen.

  • Antworten
Christoph Kuhlmann16.06.2012 | 16:46 Uhr

Nationale Egoisten

Solidarität ist keine Einbahnstraße. Ich kann mich nicht erinnern, dass unsere Nachbarn geholfen hätten, die Wiedervereinigung zu stemmen.
Ansonsten : Wer zahlt, bestimmt auch die Musik ! Insbesondere dann, wenn Nachbarn mit 60 Jahren oder noch früher ihr Arbeitsleben beenden,
sich trickreich in die EU. mogeln, von ihr zehren, Schulden für eine
überdimensionierte Verwaltung und Prestigeobjekte machen und glauben,
dass wir immer noch eine Bringschuld hätten.
Vergessen sollte man auch nicht, dass die Finanzeliten in den USA
und GB. in ihren Spielcasinos zum Währungsdesaster beitragen und
mit ihren Ratingagenturen Wirtschaftspolitik betreiben.
Frau Merkel sollte dies im Auge behalten !!

  • Antworten
Sirius16.06.2012 | 18:46 Uhr

Nein es reicht ..

es sind zu viele Konstruktionsfehler. Die geringe demokratische Legitimation der europäischen Institutionen beispielsweise, "one man one vote" gilt für deutschen Stimmen im EU-Parlament nicht, weshalb ist eine polnische, nicht böse sein Polen, Stimme wertvoller? Von einem solchen Parlament kann ich mich vertreten sehen, an dieses möchte ich nicht Hoheitsrechte abgegeben sehen!
Dem deutschen Steuerzahler und abhängig Beschäftigten kann daneben nicht vermittelt werden weshalb Länder zu stützen seien, die seit Einführung des Euro 30 bis 40% Lohnzuwächse zu verzeichnen hatten, bei 5-7% in Deutschland bei gleichzeitigem Abbau von Sozialleistungen und Heraufsetzen des Renteneintrittsalters. Herrn Hollande scheinen deutsche Befindlichkeiten nicht zu interessieren, nun fordert er Euro-Bonds, dies sind die Treibladungen am Projekt Europa.
Die bestehenden deutschen Beistandszusagen gehen vom optimistischen Ansatz aus, dass Spanien und Italien sowie Frankreich ihren Kreditzusagen nachkommen können, wer glaubt dies heute noch. Haben wir unsere Staatlichkeit nicht schon längst geopfert?
Auch wenn es schwer fällt, die ClubMed-Staaten müssen für ihre Schulden selbst aufkommen, es reicht, ich kann es nicht mehr hören!

  • Antworten
Thomas H.16.06.2012 | 21:08 Uhr

Die Schuld an den Schulden

Es ist schon erstaunlich, wie man einen so breit gefächerten Artikel schreiben kann, ohne die wahren Hintergründe dieser Finanzkatastrophe beim Namen zu nennen. Man könnte wirklich meinen diese vielen hochintelligenten Leute in Politik, Bankenwelt und Medien wüssten nicht so recht was sie eigentlich tun. Diese enormen Schulden, durch die Banken unvorstellbare Gewinne realisieren, sollen letztlich vom kleinen Mann bezahlt werden. Vorrangig der deutsche Michel wird zur Kasse gebeten, der seit 15 Jahren Lohnzurückhaltung geübt hat. Die gar nichts mehr haben sollen sparen und die reichen Griechen haben sich z. B. samt ihrem Vermögen nach London abgesetzt. Da bleibt nur die Schlussfolgerung, dass dieses Chaos gewollt ist und alle Beteuerungen, man wolle das Finanzsystem regulieren, Dummpulver für die Völker Europas sind. Was eigentlich angestrebt wird, ist eine Finanzdiktatur, die mit der Realwirtschaft nicht das Geringste zu tun hat. Wer eine Einheitswährung, die als Schlussstein der europäischen Hauses gedacht war, zum Grundstein macht, ist kein Architekt Europas, sondern der eines Kartenhauses. Durch den ESM soll nun ein ähnliches Konstrukt geschaffen werden, wie es die Sowjetunion oder Jugoslawien gewesen sind. Zumindest im Falle der österreichischen Donaumonarchie sprach man von einem Völkergefängnis.

  • Antworten
Domingo17.06.2012 | 09:44 Uhr

Sündenböcke und Egoisten

Die landläufige Formel vom „Sündenbock“, die aus der hebräischen Bibel stammt, taucht in der Zeitgeschichte und Politik immer wieder auf. Der „Sündenbock“ hat die Funktion alle Verschuldungen und alle Übertreibungen auf sich zu nehmen, mit denen sich andere versündigt haben. Der rituelle „Sündenbock“ soll sie (auf)nehmen und wegtragen- in die Wüste. Die Rolle des „Sündenbocks“ hat eine soziale und psychologische Funktion. Im Fall Griechenlands könnte es auch als ein Instrument bezeichnet werden, immun gegen instrumentelle Übergriffe und Vereinahmungen zu werden. Er ist ein Bild für kollektives Vergessen. Wenn jedoch Erfahrungen herangezogen werden, wie beispielsweise die Verbrechen des Nationalsozialismus (Merkel mit Hakenkreuz), Hitlers Judenverfolgung und Judenvernichtung, also persönliche traumatische Erfahrungen, über die griechischen Medien vermittelt, geht das natürlich entschieden zu weit. Sie sprechen damit das deutsche kulturelle Gedächnis an, und benutzen diese Erinnerungsfunktion damit die Deutschen Schuld sühnen sollen. Es ist ein erneutes Eintreiben der Erinnerungschulden. Dabei sind es doch, lieber Herr Naumann, die Bürokraten aus Brüssel und des IWF, die den im Mittelalter so genannten „Schultheiß“ (Schuldeneintreiber, Erinnerer) verkörpern, auch damals ein unbeliebter Beamter, dessen Aufgabe darin bestand, die Menschen an das zu erinnern, was sie am liebsten und schnellsten vergassen, nämlich ihre Schulden. Die Zukunft Europas? Die Spekulation geht weiter. Geordnete Schrott-Bankeninsolvenzen müssen möglich sein. Neue helle Entwürfe müssen her, mit einer demokratischen Basis, gegen die große Koalitition der Anti-Demokraten, die heute das europäische Schicksal aushandeln wollen.

  • Antworten
bernhard jasper17.06.2012 | 12:06 Uhr

Geschichte und aktuelle Politik

"Als ihre Urheber (wer will das noch bestreiten?) steht Deutschland als verantwortliche Nation in den Augen der Nachbarn immer noch in einer historischen Bringschuld."

Es ist für die jüngeren Generationen der Deutschen mittlerweile schlicht inakzeptabel, für Deutschland kostspielige EU-Integrationsschritte immer noch mit deutscher Kriegsschuld begründen zu wollen. Das heutige Deutschland hat keinerlei Verpflichtung, eine "historische Bringschuld" mit "finanziellen Opfern zu begleichen". Deutschland darf kein Gefangener der Vergangenheit sein. Unser Land ist wie jeder andere europäische Staat berechtigt, eine an den nationalen Interessen ausgerichtete Politik zu betreiben. Deutsche EU-Politik kann doch im Jahre des Herrn 2012 keine Sühnepolitik sein - hier kommen gefährliche altbundesrepublikanische Komplexe zum Vorschein, die längst überwunden sein müssten.

En passant bezieht Michael Naumann zudem eine dezidiert antideutsche geschichtliche Position, wenn er Deutschland die Verantwortung nicht nur für den 2., sondern auch noch für den 1. Weltkrieg in die Schuhe schiebt. Unter Historikern ist die Auffassung, Deutschland trüge für den Kriegssausbruch 1914 die alleinige Schuld eine absolute Minderheitenposition.

  • Antworten
Archivar19.06.2012 | 18:04 Uhr

archivar

Von "alleiniger Schuld" war nicht die Rede. Die historische Debatte seit Fischers "Griff nach der Weltmacht" ist mehr oder weniger abgeschlossen. Fischer hatte Recht. Deutschland darf kein Gefanger der Geschichte sein? Geschichte ist kein Gefängnis. Worauf es ankommt, ist der angemessene politische Umgang mit ihr. Daran hat es Angela Merkel ("Kein Cent für die Griechen") mangeln lassen. Es geht nicht um "Sühnepolitik", sondern um europäischen Interessensausgleich; dass dabei historische Ereignisse eine Rolle spielen, ist unvermeidbar, auch wenn es Politikern wie Kauder nicht immer ganz klar zu sein scheint.

  • Antworten
michael naumann20.06.2012 | 14:26 Uhr

Nun ist

die Fischer-Kontroverse endlich entschieden. Ich nehme an, der ultimative Schiedsspruch von Herrn Dr. phil. habil. Naumann erscheint demnächst in der Historischen Zeitschrift.
Und Geschichte ist kein Gefängnis. Clios Jünger können aufatmen: Bald sind sie frei!

  • Antworten
Katharina K.12.07.2012 | 04:07 Uhr

Ihr Kommentar zu diesem Artikel

Der Inhalt dieses Feldes wird nicht öffentlich zugänglich angezeigt.
Bildergalerie

20 Gründe, auf den Mars umzuziehen

zur Bildergalerie
Anzeige

Petra Sorge

Die Medienkolumne am Donnerstag

Erosion der investigativen Recherche?

Merkel und Dagmar Wöhrl (r.) im Bundestag. Politiker kritisch zu beobachten, ist Aufgabe der freien Presse

Wer Ziel einer kritischen Berichterstattung ist, versucht sich natürlich auf allen Kanälen zu wehren. Die Betroffenen haben mit dem Internet sogar eine echte Waffe in der Hand: Sie können die Fragen von Journalisten inklusive eigener Antworten einfach früher veröffentlichen – Pech für langsame Printmedien


DAS NEUESTE AUS DEN BLOGS VON CICERO ONLINE

Bild des Benutzers Eric Bonse - Lost in EUrope
Hollandes Offensive kommt zu spät

Frankreichs Staatschef Hollande will eine Wirtschaftsregierung für die Eurozone. Auf einer…

zum Blogeintrag

Frage des Tages

Klone der Schöpfung
In Kooperation mit dem Tagesspiegel
zur Frage

Thema der Woche

150 Jahre SPD: Vom Fürstenfeind zur Kaviarlinken
zum Dossier
Sollte die Bundeswehr Drohnen kaufen?
Das Cicero-Meinungsbild

Das Verteidigungsministerium will unbemannte Flugkörper kaufen. Ist das ethisch zu vertreten?

Umfrage
Die Türkei muss in die EU, fordert Gerhard Schröder im Cicero. Hat er Recht?
Ja, ein Beitritt ist dringend nötig, um die Region zu stabilisieren
16%
Nein, die EU wäre heillos überfordert
84%
Gesamtstimmen: 639
zur Umfrage
Medizin, Gesundheitssystem, krank
Dossier

Wie krank ist unser Gesundheitssystem?

zum Dossier

Dossier

Nordkorea zündelt

zum Dossier

Mittelstand,Mittelschickt,Bürgertum,Internetstore AG
Dossier

Mythos Mittelstand

zum Dossier

Anzeige
Anzeige

Video

„Deutschland wird nicht mehr zu den G8 gehören“

Video
alle Videos
Anzeige

Jetzt den Newsletter von Cicero Online abonnieren

Liebe Leserinnen und Leser. Gerne informieren wir Sie regelmäßig über das aktuelle Angebot von Cicero Online. Bitte tragen Sie ihre E-Mail-Adresse ein und wir schicken ihnen montags bis freitags unseren täglichen Newsletter.

E-Mail*
Anrede
Vorname
Nachname

Anzeige

Weitere Angebote des Ringier Verlags: Monopol – Magazin für Kunst und Leben | Geschenkidee.de – Der Shop für ausgefallene Geschenkideen
© Cicero 2013
  • Impressum
  • Nutzungsbedingungen
  • AGB
  • Stellenangebote

Weitere Angebote des Ringier Verlags: Monopol – Magazin für Kunst und Leben | Geschenkidee.de – Der Shop für ausgefallene Geschenkideen
© Cicero 2013
 
RESSORTS
Startseite
Berliner Republik
Weltbühne
Kapital
Stil
Salon
Bücher
Karikaturen
Bildergalerien
Videos
Blogs
Dossiers
Newsletter
 
  • Datenschutz
  • Impressum
  • Redaktion
© Cicero Online 2013zum Seitenanfang