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 > Merkel verliert ihre Macht in Europa

Weltbühne

EU-Gipfel in BrüsselMerkel verliert ihre Macht in Europa

Von Eric Bonse19. Oktober 2012
picture ailliance
merkel,bruessel,eu-gipfel
Merkel ist bereits eine "lame duck" in Europa
Schrift:

Beim EU-Gipfel sind die deutsche und die französische Agenda aufeinander geprallt. Für die Lösung der Eurokrise ist dies kein gutes Omen – auch wenn Merkel das Treffen wie üblich als Erfolg verkauft

Seite 1 von 2

Wenn man sich nicht auf eine gemeinsame Tagesordnung einigen kann, ist dies immer ein schlechtes Omen. Wenn man dann aber auch noch außerhalb der Tagesordnung spricht und versucht, die Veranstaltung komplett umzudrehen, wird es ärgerlich. Genau das ist beim EU-Gipfel in Brüssel passiert.

[gallery:Griechenland unter: Karikaturen aus zwei Jahren Eurokrise]

Erst präsentierte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble außer der Reihe – kurz vor Beginn des Gipfels, aus dem Flugzeug heraus – seine eigenen Ideen zur EU-Reform, mit denen er eine neue, deutsche Agenda setzen wollte. Und dann versuchte Frankreichs Staatschef François Hollande, einen Beschluss zur Bankenaufsicht herbeizuführen, der überhaupt nicht auf der Tagesordnung stand.

Beides war schlechter Stil. Und beides wirft die Frage auf, was überhaupt noch geht in dieser Bundesregierung und in dieser EU. War Schäubles Vorstoß mit Kanzlerin Angela Merkel abgestimmt – und wenn ja, nahm sie damit bewusst in Kauf, EU-Ratspräsident Herman van Rompuy zu brüskieren?

Schließlich war van Rompuy von den Chefs beauftragt worden, einen „Masterplan“ für die Euroreform auszuarbeiten, nicht Schäuble. Dessen Vorschlag, einen Superkommissar für Budgetdisziplin zu schaffen, wurde denn auch schnell weggebürstet. Der Berliner Finanzminister hätte sich besser mit dem Brüsseler Zeremonienmeister abgesprochen, statt seine Ideen aus dem „Off“ zu präsentieren.

Für Verwirrung sorgte auch Frankreichs Staatschef. Obwohl Hollande genau wußte, dass sich Deutschland viel Zeit bei der Schaffung einer gemeinsamen Bankenaufsicht nehmen möchte, drängte er auf einen schnellen Beschluss mit einem ehrgeizigen Zeitplan. Auch hier stellte sich die Frage, ob dieser Vorstoß mit Merkel abgestimmt war – oder ob sich Paris um Berlin gar nicht mehr schert.

Fest steht, dass der französische Vorstoß die deutsche Kanzlerin in die Defensive brachte. Erst nach stundenlangen, außerplanmäßigen Verhandlungen konnte sie ihre Linie durchsetzen: Die gemeinsame Bankenaufsicht, die eines Tages in einer Banken- und Haftungsunion enden könnte, nimmt nicht schon am 1. Januar 2013 ihre Arbeit auf, wie dies Hollande gefordert hatte.

Vielmehr sollen die „Arbeiten zur operativen Umsetzung im Laufe des Jahres 2013 stattfinden“ – eine windelweiche Formulierung, die es Merkel erlaubt, die ungeliebte Bankenunion bis zur Bundestagswahl im Herbst nächsten Jahres hinauszuzögern. Erst danach dürfte die gemeinsame Aufsicht – der erste Schritt zu einer Bankenunion - ihre Arbeit aufnehmen.

Ein Sieg für Merkel ist dies trotzdem nicht. Schließlich war sie nach Brüssel gereist, um die deutsche Reformagenda durchzusetzen – und keine Beschlüsse zu fassen. Stattdessen wurde sie von Hollande vorgeführt und zu einem Zeitplan verpflichtet, den sie ursprünglich gar nicht wollte. Und der Schäuble-Plan, den sie sich bei ihrer Regierungserklärung vor dem Gipfel zu eigen gemacht hatte, ist wieder in der Schublade verschwunden.

Auf der folgenden Seite: Warum die Kanzlerin ihren Nimbus als Kutscherin Europas los ist

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Neues Dossier anlegen:

Merkel verliert ihre Macht.....

Ein sehr schwacher Artikel des Herrn Bonse, da er nicht über Inhalte
spricht sondern über Verfahrensabläufe und diese um seine ganz persönliche Stellungnahme (Steinbrück-orientiert ???)ergänzt.
Unabhängig davon, was auf der Agenda stand und ob bestimmte neue Anregungen beiseite geschoben wurden, hätten sie von Herrn Bonse kom-
mentiert werden müssen. Hierzu einige Hinweise:

1) Herr SCHULZ (SPD, Präsident des EU-Parlaments): "Herr Schäuble
hat Recht mit seinem SUPERKOMMISSAR (oder so etwas ähnlichem).
Wenn ein Staat falsche Haushaltszahlen liefert oder seine Ziele
nennenswert verfehlt - wer kann gegen ihn vorgehen??? Das müssen
wir entscheiden. Ich werde darüber nachdenken."
2) SÜDLÄNDER sprechen sich lieber mit FRANKREICH ab: Frankreich ist
in seiner Lebensart ein typisches Südland, ebenfalls mit sehr
hohen Schulden, hoher Arbeitslosigkeit und begrenzter Wettbewerbs-
fähigkeit und steht sehr nahe an der SÜDLÄNDERSITUATION.
3) Merkel hat kaum Verbündete: Klar, weil die meisten EU-Länder hoch
verschuldet sind bzw. fürchten in diese Kategorie abzurutschen.
4) Obwohl Hollande Frau Merkel zunächst in die Defensive brachte,
konnte sie sich durchsetzen (das heißt nach meiner Beurteilung,
daß er mit einem LEEREN Termin zum 1. Januar nachhause geht.
5) Beim EU-Gipfel im Juni präsentierten sich die SÜDLÄNDER als Sieger
-leider VOREILIG, wie Herr Bonse selbst schreibt - wohl, weil sich
Frau Merkel mit ihrer nunmehrigen Haltung durchgesetzt hat;
vielleicht deshalb "die mächtigste Frau Europas bzw. der WELT???
6) Zusammenfassend hat sie einen sinnvollen Kompromiß geschlossen,
wie es eben bei divergierenden Meinungen in der Demokratie
üblich ist.

  • Antworten
G.Thiel19.10.2012 | 20:55 Uhr

Merkel

hat, wie immer, verloren - und damit hat Deutschland verloren. Das Problem ist, dass die Alternative Steinbrück begierig noch mehr deutsche Interessen preisgeben möchte.

  • Antworten
Very Serious Sam20.10.2012 | 00:17 Uhr

Stimmt schon

Letztlich sind die Entscheidungen schon gefallen und was jetzt noch diskutiert wird ist zweitrangig. Man sieht das z.B. auch daran, dass jetzt schon griechische Staatsanleihen kräftig an Wert gewinnen.

  • Antworten
Robert20.10.2012 | 10:55 Uhr

In Europa läuft die Merkel-Zeit ab,

sie hat das mit Europa wahrscheinlich nie sehr ernst genommen, oder immer noch nicht begriffen. Erstaunlich war von Anfang ihrer Kanzlerschaft an, daß sie als ersten Auslandsbesuch nach Bush-Amerika flog, was sie von dieser Bush, Powell, Rice Kriegstreiber Liga wollte, blieb dem Normalbürger verschlossen! Dies hatte sich noch kein Kanzler getraut, jeder besuchte zuerst die Franzosen und dann dieses Debakel im französischen Wahlkampf, welch ein Affrond, sie weigert sich Hollande zu treffen, da fragt man sich doch, wie die Beiden jetzt jemals miteinander können sollen, möglicherweise denkt sie ja, man könne sich die Leutchen selbst schnitzen und wundert sich, daß entsprechende Gegenwehr, oder ein ins Abseits schieben die Folge ist.
Gleiches in Griechenland, wenn das alles denn so furchtbar ist das ihr das Herz blutet wenn sie die armen Rentner dort sieht, warum läßt sie es denn zu und äussert sich nicht, wenn ihre eigenen Parteikollegen sich gegen die Griechen so überheblich äussern.
Nein, diese Frau vertritt uns in Europa schlecht und man fragt sich, ob sie nicht begreift, daß uns ein bischen mehr Demut in Europa immer noch am Besten gestanden hat, wie das alle Kanzler vor ihr schon wußten.
Diese Frau denkt nur an ihre eigene Macht und glaubt ganz Europa hüpft nach ihrem Takt, genau wie ihre eigene Partei, denn da ist nur noch Leere, kein Politiker mehr mit Kopf und schon gar nicht mit Herz!
Gruß

  • Antworten
Arcins20.10.2012 | 11:24 Uhr

ZU Arcins:

ARCINS ist wohl ein überzeugter Merkel-Gegner, wahrscheinlich LINKS-
ideologisch geprägt.
Auch Hollande will sich " seine Leutchen schnitzen". Er bläst sich auf wie ein Pfau und möchte sowohl für seine Franzosen als auch für
die Europa-LINKEN den Führer spielen und ist leider schon zu oft ab-
gestürzt.

Im Übrigen: Was Merkel mit den Griechen auslöffeln muß, hat ihr
Schröder und Gesamt - ROT/GRÜN - eingebrockt. Und FRAGE: Denkt ROT/GRÜN nicht an die eigene Macht???
z. B: SCHRÖDER: "....mit MEINER SPD nicht zu machen" (trotz verlorener
Wahl).
STEINBRÜCK: Sein Gesicht strahlt keinerlei Gefühl für Menschen
aus ("Beinfreiheit"), sondern kalte Siegerpose, die keinen Widerspruch duldet. Und das ist ein (Sozial-)demokrat???
NEIN, DANKE!!!

  • Antworten
G.Thiel20.10.2012 | 17:06 Uhr

Na ja,

G.Thiel, Ihre Spekulation und Gemütswallungen helfen nicht die Fakten zu ersetzen. Das Thema Europa ist das jetzt gestellte und derzeit kann ich nicht erkennen, daß die Merkel CDU viel für die unausweichliche Integration Europas getan hat, gegenteilig sogar, es driftet allerlei auseinander und je länger es dauert, je teurer wird es. Übrigens glaube ich, daß Merkel in Kürze auch den Euro-Bonds zustimmen wird, daß heisst, wenn ihr noch die Zeit dazu bleibt, einfach weil wir die Bonds defakto schon haben. Wie erklärt sie das dann wohl dem Wählervolk?
Aber ist es nicht schön, wir können uns das alles in Ruhe und sehr genüßlich ansehen, jedenfalls bin ich schon auf den nächsten 180 Grad Dreher der Frau Merkel gespannt, immerhin, es gibt ja einige davon und alle nicht ganz billig. Sind es dann eventuell die Eurobonds die wir denn doch bekommen und übrigens, wären die von der Schwarz-Gelben Regierung beschlossenen Gesetze ordentlich gemacht worden (nicht immer diese handwerklichen Fehler drin), hätte ich keine Sorge, daß auch die Eurobonds vernünftig zu händeln wären.
Und jetzt mit gelassenem
Gruße

  • Antworten
Arcins21.10.2012 | 16:51 Uhr

Hinweise

Bürgerbewegung Solidarität

http://www.bueso.de

Vorbild Schweiz: Direkte Demokratie mit Plebisziten

http://www.zeit-fragen.ch

  • Antworten
Lars Lonte21.10.2012 | 22:50 Uhr

Griechenland-Krise

Seit ca. 3 Jahren ist die Griechenland-Krise akut und mindestens ebenso lange warteten diverse Unternehmen auf die Begleichung ihrer dorthin gestellten Rechnungen.
Ich muss – glaube ich – nichts über das Verhalten von Banken sagen, wenn umfangreiche Außenstände zweifelhaft werden.
Wenn „die Politik“ dem Staat Griechenland zu diesem Zeitpunkt die finanzielle Unterstützung entzogen hätte, wären etliche Firmen mit etlichen Arbeitsplätzen in finanzielle und damit wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten.
Möge sich jeder geneigte Diskutant selbst überlegen, welche öffentliche Reaktion zu diesem Zeitpunkt Hilfsmaßnahmen von Deutscher Seite für Deutsche Unternehmen ausgelöst hätten, von Reaktionen aus dem Wettbewerbskommissariat in Brüssel ganz zu schweigen.
Also war folgendes politische Problem zu lösen: „Wie schaffen wir es, Unternehmen mit Verbindlichkeiten in Griechenland vor finanziellen Totalausfällen zu bewahren? Richtig! Es wird Zeit gebraucht ... und Geld, mit dem Griechenland seine Schulden bezahlen kann.
Vermutlich wird in den nächsten Wochen und Monaten genügend Zeit vergangen sein, in der sich das obige Problem durch die „Weiterleitung“ der Hilfszahlungen gelöst hat.
Und dann wird Griechenland der europäische Geldhahn endgültig zugedreht werden.
Ist das etwa auch nur eine Verschwörungstheorie?

  • Antworten
Willy Ehrlich22.10.2012 | 14:14 Uhr

Südländer

Irgendwann im Juli standen wir an einer Schiffsreling in Spitzbergen. Es war für mitteleuropäische Verhältnisse kalt. Da fiel mir bei einem Videokommentar ein bedeutender Satz ein: "Der Südländer kann sich einfach zurücklegen und friert trotzdem nicht."

  • Antworten
Willy Ehrlich22.10.2012 | 14:19 Uhr

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