Terroranschlag gegen Charlie Hebdo

Es ist Zeit für eine islamische Revolution

Der Anschlag auf das religionskritische Satiremagazin „Charlie Hebdo“ mit mindestens zwölf Toten sollte nicht nur Anlass sein, Gewalt im Namen der Religion zu ächten und ein stärkeres Miteinander zu suchen. Wichtiger wäre, dass Muslime jetzt weltweit dem Islamismus die Stirn bieten

Blumen liegen vor der französischen Botschaft in Berlin. Beim Anschlag auf das religionskritische französische Satiremagazin «Charlie Hebdo» sind am Mittwoch mindestens zwölf Menschen getötet worden
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Unser Autor

Alexander Kissler ist Ressortleiter Salon beim Magazin Cicero. Er verfasste zahlreiche Sachbücher, u.a. „Dummgeglotzt. Wie das Fernsehen uns verblödet“, „Der aufgeklärte Gott. Wie die Religion zur Vernunft kam“ und „Keine Toleranz den Intoleranten. Warum der Westen seine Werte verteidigen muss“.

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An Tagen wie diesen mag ich es nicht mehr hören. Meine Wut und mein Entsetzen sind größer als mein Wissen. Darum mag ich es heute nicht hören, dass der Islam eine Religion des Friedens und Allah der Allerbarmer sei. Dass all jene Muslime den Koran falsch verstehen, die ihn wie die Attentäter von Paris als Freibrief für ihr planvolles Hinschlachten unschuldiger Menschen lesen. Dass der Mann, den die Muslime ihren Propheten nennen, allen Menschen ein Leben in Freiheit verheißen habe, den Männern wie den Frauen, den Angehörigen seiner wie den Menschen einer anderer Religion. Nein, heute, da zwölf Menschen in Paris, Journalisten der Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ und mutige Polizisten, im Kugelhagel muslimischer Terroristen zu Märtyrern der Freiheit wurden, heute, da zu meiner Wut und meinem Entsetzen sich Angst und Feigheit gesellen, wünsche ich mir nur eins: einen weltweiten Aufstand, eine Revolution der Muslime gegen diesen Islam.

Angst und Feigheit? Ja, ich habe Angst um eine Welt, an die ich mich gewöhnt habe und die ich für die einzig menschenwürdige Welt halte, eine Welt, in der Menschen mit ganz unterschiedlichen Ansichten friedlich miteinander leben, eben weil sie Menschen sind, nichts Kleineres, nichts Gewaltigeres als Menschen. Eine Welt, in der Glaube wie Unglaube ohne Gewalt und ohne Einschüchterung gelebt werden können. Ich habe Angst um die Straßen und Plätze der freien, der westlichen Welt, Angst um Europa, in dem nun ein Klima der Verdächtigungen und der Furcht gedeihen wird, ein Schweigen zwischen den Menschen, ein Wegschauen und Davonhasten und Abschotten, ein Leben hinter Mauern, selbstverkapselt in den verbliebenen Sicherheiten. Angst sei ein schlechter Ratgeber? Heute kann ich mir keinen anderen ausmalen.

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Ich bin Christ. Ich kenne den Satz, der im Neuen Testament und nicht im Koran steht, man solle seine Feinde lieben. Der Satz ist eine Zumutung. Den muslimischen Mördern gilt meine Liebe nicht, sie sind Feinde der Menschheit. Ich tu, was ich nicht sollte, ich wünsche ihnen den Tod. Dennoch hat der Satz eine atemberaubende Dimension, eben weil er dem Menschen zutraut, sich zu solcher Größe aufzuschwingen. Meine Feigheit kommt da nicht hinterher: Ich würde mich nie trauen, in vergleichbarer Weise, wie wir es nun bei Cicero durch einen gepiercten, tätowierten, rauchenden Jesus auf dem Cover mit dem Gründer des Christentums getan haben, über den Gründer des Islams nachzudenken: pfiffig, witzig, provokativ und doch nicht respektlos. Die Schere im Kopf, sie schneidet nach dem Pariser Massaker umso schärfer. Diese mentale Islamisierung, diese Berührungsscheu ist leider ein Faktum.

Wie komme ich, wie kommt der Westen, Europa, die freie Welt da heraus? Ein „Aufstand der Anständigen“, die im Zweifel nur die üblichen Unbeteiligten sind, wird es nicht richten. Es braucht wirklich eine innerislamische Revolution, eine Lawine des Widerstands, eine täglich aufs Neue bekräftigte Ausgrenzung aller Extremisten und deren klammheimlicher Sympathisanten. Wie schön wäre es doch, wenn am kommenden Montag die Teilnehmerzahlen von „Pegida“ Peanuts sein sollten gegen eine muslimische Großdemonstration mit dem Motto „Nicht in unserem Namen!“. Der Weg von der Religion in die Gewalt muss von allen Religiösen geächtet werden. Und es braucht von uns allen, weil wir Menschen sind, die Bereitschaft, miteinander nach Menschenart umzugehen, frei und hoffnungsfroh, trotz alledem, trotz alledem.

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