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Weltbühne
Griechenland

„Die Finanzmärkte honorieren den Euro-Austritt“

Interview mit Markus Söder 8. Februar 2012
picture alliance
Markus Söder, Eurozone, Griechenland, EU, Europa, Euro
„Die Eurozone ist kein ein zahnloser Tiger.“

Seit zwei Jahren kämpft Kanzlerin Angela Merkel um den Verbleib des EU-Mitglieds Griechenland in der Euro-Zone. CSU-Finanzminister Markus Söder erklärt im Gespräch mit CICERO ONLINE, warum er nicht mehr an eine Rettung glaubt

Seite 1 von 2

Seit zwei Jahren schon ist Europa, ist die deutsche Regierung damit beschäftigt, die Griechen zu retten. Herr Söder, warum haben Sie gerade jetzt das Gefühl, dass alle Bemühungen umsonst sind, dass Griechenland fallen wird?
Die Realität ist der beste Glaubwürdigkeitsmaßstab. In der Griechenland-Frage hat sich nicht wirklich viel bewegt. Immer wieder wurden Zusagen gemacht, die dann nicht eingehalten wurden. Versprochene Reformen wurden verschoben. Der Internationale Währungsfonds (IWF) und die Eurozone haben ihre Forderungen an die griechische Regierung klar gemacht. Doch aus den griechischen Parteien heißt es nur, man könne keine Zusagen darüber abgeben, dass die Forderungen nach der Wahl auch erfüllt werden. Es kann nicht sein, dass Europa für Griechenland dauerhaft bezahlt. Die Eurozone ist kein zahnloser Tiger.

Bildergalerie: CICERO ONLINE präsentiert: Die Kandidaten für die Euro-Nachfolge
  • Kandidaten für die Euro-Nachfolge
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Josef Ackermann warnte auf der Münchener Sicherheitskonferenz vor einem Auseinanderbrechen der Eurozone, wenn Griechenland pleite geht. Es liegen große Ängste in der Luft…
Die individuellen Risiken der einzelnen Banken können die Vorstandsvorsitzenden wohl selbst am besten bewerten. Aber ich habe den Eindruck, dass die Märkte selbst mittlerweile nur noch wenig Hoffnung haben, was die Rettung Griechenlands betrifft. Umgekehrt scheint ihnen eine Insolvenz weniger Sorgen zu machen. Vielleicht hat man sich an den Finanzmärkten schon an den Gedanken gewöhnt, dass Griechenland es nicht schaffen könnte.

Wie soll es also konkret weitergehen?
Auch die Finanzmärkte wünschen sich eine klare Struktur und eine klare Entscheidung. Ihnen ist ein stabiler Euroraum wesentlich lieber als ein Fass ohne Boden. Mit der Wiedereinführung der Drachme und einer Abwertung hat das Land die Chance, wettbewerbsfähig zu werden und wieder auf die Beine zu kommen.

Das ist zurzeit nicht möglich, meinen Sie?
Unter dem Spardiktat, dem sich Griechenland derzeit unterwerfen muss, lässt sich kaum Wachstum erzielen. Das aber wäre dringend notwenig. Hinzu kommt der Aspekt der Demokratie. Es wird zu erheblichen Verwerfungen kommen, wenn Europa den Griechen weiterhin ständig die ökonomischen Bedingungen diktiert. Es wäre besser, die Griechen entscheiden allein über ihr Schicksal.

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Bayrisches Allerlei

Herr Söder ist offenbar, selbst nach den Ereignissen von 2008, von seiner Finanzmarktgläubigkeit nicht zu heilen. Er tut so, als seien die Finanzmärkte eine "Person" mit einheitlichen Handlungsoptionen. So, als würde alle vorhandenen Informationen bei einer Stelle zusammenfließen und einen Preis oder ein Ergebnis bilden. Hier ersetzt eine Fiktion das wirkliche Leben. Natürlich weiß jeder seriöse Ökonom, dass das ein Märchen ist. Herr Söder glaubt daran. Er weiß offenbar nicht, dass bereits auf vermachteten Arbeits- und Gütermärkten, dieses schöne Märchen wie eine Seifenblase zerplatzt. Und an Finanzmärkten macht nur der Gewinne, der nicht erwirbt, was er für den Lebensunterhalt oder die eigene Produktion braucht, sondern dadurch, dass er bestimmte Assets günstig ein- und höher weiter verkauft. An Finanzmärkten werden die gleichen Informationen von allen Teilnehmern ausge- und bewertet, sodass alle, wie eine Herde in die gleiche Richtung rennen. Daraus konstruieren Pseudo-Ökonomen, wie Herr Söder ein Dogma, das behauptet, der Markt stabilisiere die Preise der Vermögenstitel, da alle Marktteilnehmer kaufen und verkaufen in der Erwartung, der Preis kehre wieder zum Gleichgewichtspreis zurück. Das ist aber schon deshalb falsch, weil niemand den Gleichgewichtspreis kennt. Das bewirkt, dass Finanzmärkte nicht, wie normale Märkte, die Knappheit beseitigen, sondern diese schaffen. Da auch Frau Merkel das nicht begreift, lobt Herr Söder sie für ihre Unbildung. Und findet ihr Verhalten in der Eurokrise gegen alle ökonomische Vernunft gut. Im Übrigen bei solchen Politikern in Bayern muss sich niemand mehr über das Desaster der Bayern LB beim Kauf der österreichischen Hypo Alpe Adria.

  • Antworten
popper09.02.2012 | 11:26 Uhr

sehr treffend

genau so sehe ich die Situation auch, ich bin verwundert in der Presse so ein klares Statement zu finden, bravo!

  • Antworten
juergen09.02.2012 | 14:22 Uhr

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