Auf europäischer Ebene steht Angela Merkel ziemlich allein da. Ein letzter Vertrauter ist der niederländische Liberale Mark Rutte, er folgt der Linie der Kanzlerin. Nur wie lange noch - Rutte könnte sein Amt bei den Wahlen diese Woche verlieren
Wenig deutete Anfangs darauf hin, dass ausgerechnet Mark Rutte der letzte Verbündete Angela Merkels in der Eurokrise sein würde. Als der juvenile Regierungschef der Niederlande vor fast zwei Jahren sein Amt antrat, ließ die Chefin der liberalkonservativen Koalition an der Spree harsch verlautbaren, wie enttäuscht sie über die Bildung seiner Minderheitsregierung war.
Sie bedauerte offiziell, dass Rutte sich vom unberechenbaren
Populisten Geert Wilders unterstützen ließ.
So undiplomatisch war die Kommunikation zwischen Berlin und Den
Haag lange nicht mehr gewesen. Aber Rutte ließ sich nichts
anmerken, übte stattdessen einige Wörter Deutsch, und als er Merkel
dann wenig später zum ersten Mal im Kanzleramt traf, lachte er alle
Kritik weg.
Diese
Reaktion ist exemplarisch für den niederländischen Regierungschef.
Der 45-Jährige ist ein unverbesserlicher Optimist, immer in der
Lage, die schwierigsten Situationen umzudeuten. Stets behält er
dabei sein entwaffnendes Lächeln. Ein richtiger Holländer eben,
locker, fröhlich, gut gelaunt – und immer mit festem Blick auf
das Portemonnaie: Richtig ist, was Geld bringt, falsch, was kein
oder kaum Geld einbringt. Als sogar die Niederlande in die
Rezession rutschten, sollte Schluss sein mit „linken Hobbys“ und
Umverteilung. So wurden Kultursubventionen, Gelder für den
öffentlich-rechtlichen Rundfunk, die Entwicklungshilfe und sogar
Mittel für Bildung für Behinderte massiv gekürzt.
Rutte ist eben ein Neoliberaler, gilt als Fan von Ronald Reagan und Maggie Thatcher. Für ihn sind Menschen selbst für ihr Schicksal verantwortlich. Er befürwortet maximale persönliche Freiheit, sogar um den Holocaust zu leugnen. Seine wirtschaftspolitischen Ziele konzentrieren sich auf ein unternehmerfreundliches Klima. Dabei sollen der Staat und auch die Bürokraten aus Brüssel ihren Einfluss möglichst gering halten. Außer wenn es darum geht, Wohnungseigentümern mit Milliarden Euro zu helfen – die steuerliche Abziehbarkeit von Darlehenszinsen ist für Rutte eine heilige Kuh.
Sein Vater war Handelsdirektor in der Kronkolonie Indonesien. Der Sohn wuchs in der Regierungsstadt Den Haag auf, wo er auch heute noch in einer kleinen Wohnung wohnt. Seine Mutter wusch bis vor kurzem noch seine Wäsche und bügelte die Hemden des bekanntesten Singles der Niederlande. Wie alle in seiner Familie ist Rutte Protestant und gilt als bescheiden. Seit Jahren unterrichtet er jeden Donnerstagmorgen Schüler in seiner Heimatstadt im Fach politische Weltkunde, egal wie voll der Terminkalender des Ministerpräsidenten ist.










