Stehen wir nach über 500 Jahren am Ende der westlichen Vorherrschaft? Nicht, wenn der Westen sich auf die Werte besinnt, die ihn einst stark machten. Unser System braucht dringend ein Update
Ich bin kein „Untergangsprophet“, glaube auch nicht, dass sich die USA oder der westliche Kulturkreis insgesamt in einem unaufhaltsamen Niedergang befinden. Doch ebenso wenig gehöre ich zu jenen unbelehrbaren Optimisten, die, wie einst Winston Churchill, der Meinung sind, die USA werden schon das Richtige tun, wenn sie erst mal alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft haben.
Weder der Aufstieg noch der Zusammenbruch beziehungsweise langsame Niedergang von Kulturen und Zivilisationen folgen den unausweichlichen und absehbaren Regeln vom Wechsel der Jahreszeiten. Geschichte vollzieht sich nicht in einer sanften parabolischen Kurve nach der anderen, sondern ähnelt eher den exponentiellen Grafiken, wie sie der Physiker Geoffrey West zeichnet, um darzustellen, wie Städte wachsen – und dann, ganz plötzlich, zusammenbrechen.
Blickt man auf vergangene Zivilisationen, dann ist das Auffälligste die Geschwindigkeit, mit der die meisten von ihnen zusammenbrachen, ganz unabhängig von der jeweiligen Ursache: etwa das römische Imperium, die Ming-Dynastie und jüngst die Sowjetunion. Sollten Sie zweifeln, dass sich Zusammenbrüche plötzlich vollziehen, denken Sie daran, wie unvermittelt die postkolonialen Diktaturen Nordafrikas und des Nahen Ostens in diesem Jahr zusammenbrachen. Noch vor zwölf Monaten schienen die Herren Ben Ali, Mubarak und Gaddafi sicher in ihren protzigen Palästen. Heute sind sie tot oder entmachtet.
Allen diesen Mächten und ihren Zusammenbrüchen gemeinsam ist, dass die komplexen sozialen Systeme, die sie stützten, plötzlich nicht mehr funktionierten. Eben noch besaß ein Herrscher in den Augen seines Volkes Legitimität, im nächsten Augenblick war es damit vorbei. Daher ist es an der Zeit zu fragen, wie nahe die USA und der Westen als Ganzes dem Absturz sind.
Seit dem Jahr 1500 hat sich der Westen an die Spitze des Restes der Welt gesetzt, weil ihm eine Reihe von institutionellen Neuerungen gelungen ist, die ich die „Killerapplikationen“ nenne:
Lesen Sie, welche sechs Apps gemeint sind









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