Weltklimareport - An der Realität vorbeiprognostiziert

Die Klimamodelle haben versagt. Der Klimawandel richtet weniger Schaden an als prognostiziert. Unbeeindruckt von den daneben liegenden Prognose liefert das IPCC wieder Neues 

Vielleicht geht die Welt doch nicht unter
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Teufel, Lorenz

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Als in Großbritannien die Wirtschaftsmodelle mit ihren Prognosen wieder einmal total daneben lagen, sagte der „Wirtschaftsweise“ Andrew Britton folgendes: „Die Tatsache, dass praktisch alle Modelle … falsche Voraussagen getroffen haben, lässt darauf schließen, dass nicht unser Modell besonders schlecht war, sondern dass sich die ihm zugrunde liegende Wirtschaft verändert hatte.“

An dieses Zitat mussten wir denken, als am vergangenen Montag die Uno den zweiten Teil des neuen Klimaberichtes über die möglichen Auswirkungen des prognostizierten Klimawandels vorgestellt hat.

Die Prognosen versagen
 

Beginnen wir mit den schlechten Nachrichten. Das IPCC erklärt, dass sich bisher kein einziges Aussterben einer Tier- oder Pflanzenart sicher auf den Klimawandel zurückführen lasse. Das ist eine schlechte Nachricht, denn noch 1990 hatte uns das IPCC ein dramatisches klimawandelbedingtes Artensterben schon ab 2018 prophezeit.

Auch an der Klimaflüchtlingsfront sieht es nicht gut aus. In Ländern, die vom Klimawandel angeblich besonders bedroht sind, wächst die Einwohnerzahl. Frühere Uno-Prognosen hatten noch 50 Millionen Klimaflüchtlinge bis zum Jahre 2010 vorherphantasiert.

Und wie sieht es mit den wirtschaftlichen Einbußen durch den Temperaturanstieg aus? Die Verluste dürften erheblich geringer Ausfallen als vorhergesagt – meint das IPCC nun: 0,2 bis 2 Prozent des BIP. Von den bis zu 20 Prozent, die Lord Stern 2006 in seinem weithin beachteten Bericht für die britische Regierung errechnete, ist nur noch die Größenordnung eines Rundungsfehlers übrig geblieben. Setzt sich diese Entwicklung der Prognosen fort, können wir in wenigen Jahren auf einen positiven BIP-Beitrag des Klimawandels hoffen.

Was ist mit den angeblich häufigeren Dürren in Nordafrika? Entwarnung! Satellitenmessungen bestätigen eine Zunahme der Vegetation in wärmeren Breiten. Das CO2 würde als Dünger wirken. Und die angeblich zunehmenden Verluste durch Hurrikane im Nordatlantik? Passé!

Aber Bangladesch wird doch wohl ganz sicher im Meer versinken? Ja, das sei möglich. Aber das liege hauptsächlich an dem fehlenden Sand, der die Küsten früher vor Erosion schützte – und nicht wie behauptet am Klimawandel. Staudämme würden verhindern, dass die Flüsse den Sand bis ins Meer tragen.

Gibt es auch Positives an der Prognosefront?
 

Gibt es denn gar nichts Positives an der Prognosefront? Doch! Die für Nordafrika falsch vorhergesagten Trockenheiten verlagern sich laut IPCC nach Südeuropa und Südasien und sorgen dort für Einbußen bei der Getreideernte. Allerdings wird der Anbau von simuliertem Getreide im Computer erst seit relativ kurzer Zeit praktiziert - dementsprechend unsicher seien die Modelle – meint das IPCC. Man sei sich noch nicht sicher, wie genau sich modellierte Temperatur und elektronischer Niederschlag auf simuliertes Getreide auswirken werden. Ähnliches gelte auch für die Pflanzenatmung, die ja entscheidend für das simulierte Wachstum sei.

Jedenfalls sei nun aber ein Hauptproblem früherer Klimaberichte erkannt und berücksichtigt worden. Die bisherigen Modelle seien nämlich davon ausgegangen, dass die Menschen (und die Natur?) sich widerstandslos dem simulierten Wandel hingeben und nicht darauf reagieren würden. Da sich Gesellschaften (und die Natur?) aber seit jeher an reale Klimaschwankungen angepasst hätten, werde dies nun auch in den Prognosen berücksichtigt. Auf jeden Fall sei aber in vielen Regionen im Laufe des Jahrhunderts ein Rückgang der Erträge von Weizen, Soja, Mais und Reis zu erwarten. Allerdings nur, wenn sich Mensch (und Natur?) nicht anpassen würden.

Was uns das IPCC damit eigentlich sagen will, ist folgendes: Bedauerlicherweise ist es in der Vergangenheit vorgekommen, dass unsere Modelle zwar richtig waren, sich die ihnen zugrunde liegende Wirklichkeit aber geändert hatte.

Hunderte von Wissenschaftlern haben fünf Jahre gearbeitet, um uns auf Tausenden Seiten mitzuteilen, was Andrew Britton in einem Satz sagen konnte!

So gut wie alle Modellrechnungen haben sich als unkorrekt erwiesen, nicht ein einziges hat den Quasi-Stillstand der globalen Mitteltemperatur seit nunmehr rund 15 Jahren vorhergesagt. 2007 etwa prognostizierten mehrere Modelle, dass die Arktis 2013 eisfrei sein werde. Doch Eis gibt es dort auch heuer wieder im Überfluss. Trockenheiten, Überschwemmungen, Hurrikane – die Daten wollen den Modellen einfach nicht folgen.

Bei allen Rückzugsgefechten, die das IPCC jetzt betreibt – das Hauptglaubensbekenntnis bleibt bestehen: Die Modelle sind prinzipiell in Ordnung. Dabei gibt das IPCC ihre traurige Trefferquote nicht nur im vorliegenden Bericht indirekt zu, wenn dies auch in Presse und Öffentlichkeit offenbar wieder nicht wahrgenommen wird. Schon im Klimabericht aus dem Jahr 2001 konnte man auf Seite 774 lesen: „Klimamodelle arbeiten mit gekoppelten nichtlinearen chaotischen Systemen, dadurch ist eine langfristige Voraussage des Systems Klima nicht möglich.“

Hier liegt das eigentliche Schlamassel des IPCC: Nur weil sich natürliche Systeme im Computer simulieren lassen, bedeutet das nicht notwendigerweise, dass sich mit solchen Modellen das zukünftige Verhalten realer Systeme vorhersagen lässt. Sogenannte Doppelpendel lassen sich im Computer sehr gut modellieren und tragen auch durchaus zum Verständnis derartiger physikalischer Systeme bei, dennoch ist keines dieser Modelle in der Lage, das Verhalten eines realen Doppelpendels vorherzusagen.

Klimamodelle können nur das liefern, was wir in sie reinstecken
 

Klimamodelle sind unverzichtbar, ohne sie können Klimaexperten das Klima nicht verstehen. Doch sollten wir uns davor hüten, diese Modelle als exakte Vorhersageinstrumente zu sehen. Sie können uns nur das liefern, was wir in sie reinstecken. Ohne exaktes Wissen zu den Anfangs- und Randbedingungen der höchst komplizierten Berechnungen können die Modelle das reale Klima nicht vorhersagen. Garbage in – Garbage out, wissen erfahrene Wissenschaftler.

Ein Beispiel: Alle Experten wissen, dass CO2 allein keine signifikante Erwärmung produzieren kann. Erwärmungsenthusiasten rechnen daher mit einem Verstärkungseffekt durch Wasserdampf. Doch es gibt keine Sicherheit in diesem Punkt: Die Mehrheit der Forscher glaubt an einen positiven (also Temperatur steigernden) Feedbackprozess, eine Minderheit aber an ein negatives (abkühlendes) Feedback des Wassers. Es gibt derzeit keinerlei Möglichkeit, diese Annahmen zu überprüfen; sich für die eine oder andere Seite zu entscheiden, ist eine Glaubensfrage, die im Zweifelsfall wohl dadurch entschieden wird, für welche Annahme mehr Forschungsgelder winken.

Ein weiterer ungeklärter Input in den Klimamodellen ist die Sensitivität der Atmosphäre hinsichtlich der „Treibhausgase“. Noch immer setzt man sie sehr hoch an. Dabei konstatiert eine erst drei Wochen alte umfassende Analyse der Global Warming Policy Foundation, einer britischen Klima-Denkfabrik, dass „unser bestes Beobachtungswissen zeigt, dass unser Klima erheblich weniger sensitiv auf Treibhausgase reagiert als die Klimawissenschaftler bisher annahmen.“

Auf der Basis all dieser Unsicherheiten wird uns aber die Politik weiterhin immense Kosten und Freiheitseinschränkungen zumuten. Wie sagte der US-Außenminister John Kerry zum IPCC-Bericht? „Nichthandeln wird die Menschheit Unsummen kosten.“ Handeln, so fürchten wir, erst recht.

 

 

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