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 > Kampf der Kulturen im Islam

Weltbühne

Sunniten vs. SchiitenKampf der Kulturen im Islam

Von Raphael Thelen29. Oktober 2012
picture alliance
Libanon,Tripoli,Armee,Unruhen,Militär,Barrikaden
Schrift:

Die jüngsten Unruhen im Libanon haben erneut die Frontlinien im Nahen Osten verhärtet: Es geht nicht um Staatsgrenzen, sondern um Religionszugehörigkeit. Der Konflikt der Sunniten gegen die Schiiten hat eine geopolitische Dimension

Seite 1 von 2

Plötzlich sind die Grenzen innerhalb Beiruts wieder sichtbar. An Straßenbarrikaden aus Schutt und umgestürzten Containern wehen Parteiflaggen. Der Stadtteil Tariq al-Jedideh ist sunnitisch, der andere, verfeindete Teil schiitisch. Verkohlte Flecken im Asphalt markieren die Stellen, an denen kürzlich noch Reifen brannten. Nach dem Bombenanschlag, bei dem drei Menschen getötet und über 100 verletzt wurden, brachen überall im Libanon Kämpfe aus.

Viele Menschen blicken nun verängstigt ins Nachbarland Syrien. Die Fronten, die Damaskus, Aleppo und Homs durchziehen, sind die gleichen, die sich jetzt wieder im Libanon zeigen: Sunniten gegen Schiiten. Der Kampf zwischen den zwei verfeindeten islamischen Religionsgemeinschaften macht vor Ländergrenzen nicht halt.

Abu Baker* ist Sunnite; er sitzt an einer Kreuzung im Schatten eines Kiosks und erholt sich von den vergangenen Tagen. Er streckt den Finger auf das benachbarte Viertel: „Die da drüben sind Schiiten. Sie unterstützen Syriens Präsident Baschar al-Assad“, sagt der Mittzwanziger. In seinem normalen Leben ist er Koch. „Die Kämpfe dauerten den ganzen Tag. Natürlich haben wir auch mitgemacht.“  Am Sonntag war es zwischen beiden Seiten wieder zu Zusammenstößen gekommen. Mindestens eine Person wurde getötet, sechs weitere verletzt.

[gallery:Es war einmal in Syrien: Assads Freunde aus dem Westen]

Die Anspannung war auch in den Tagen danach spürbar.  Jugendliche düsen auf Motorrollern durch die Straßen. Einige tragen automatische Waffen, andere Molotowcocktails. Fast alle Geschäfte sind geschlossen.

„Es wurde unglaublich viel geschossen“, sagt Latifa*, eine 23-Jährige Apothekerin. Sie ist heute nicht zur Arbeit gegangen, ihr Geschäft ist geschlossen. „Bewaffnete Männer waren hinter unserem Haus. Wir hatten große Angst.“ In der Hand hält sie eine Tüte. Ein Schuhkarton lugt heraus. „Heute ist mein Geburtstag“, fügt sie schüchtern hinzu. Ihre Mutter treibt sie zur Eile an; lange wollen die beiden Frauen nicht auf der Straße bleiben.

Der Hass zwischen den islamischen Gruppen spaltet die ganze arabische Region. Es ist längst nicht nur ein Streit um die richtige Auslegung des Korans, es ist ein strategischer, geopolitischer Kampf, der mit viel Geld ausgefochten wird. Auf der einen Seite steht das sunnitische Königshaus von Saudi-Arabien: Der reiche Ölstaat unterstützt sowohl das libanesische Bündnis „March 14“ als auch die Freie Syrische Armee, die das Assad-Regime bekämpft. Auf der anderen Seite steht der schiitische Iran: Das Regime um Mahmud Ahmadinedschad finanziert die Hisbollah im Libanon und deren Bündnis „March 8“. Ebenso steht Iran fest an der Seite Syriens. Baschar al-Assad ist Alawit, eine schiitische Untergruppe.

Saudi-Arabien und Iran sind Todfeinde – genau wie die Schiiten und Sunniten im Libanon.

Seite 2: Ausgerechnet das Militär gilt einzige neutrale staatliche Institution

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Kampf der Kulturen: WO?

Ja, guter, informativer Artikel, mit einem interessanten Titel:
Kampf der Kulturen im Islam, vielen Dank Herr Thelen.
Dieses soll ein Kommentar werden, kein Nachrichtenartikel, deshalb
erlauben Sie mir bitte einige weitere Informationen der letzten Wochen stichpunktartig hinzuzufügen:
22.10.2012: Libanon: etwa obiger Artikel, mehr Details: Der-arabischen-Welt-droht-ein-Flaechenbrand
Afghanistan: 24.10.2012: min. 24 Menschen... Fardjab (orf.at)
Afghanistan: 26.10.2012: min. 41 Menschen... Maymana, Attentäter in Polizeiuniform (orf.at)
Tunesien: 27.10.2012: Umarmung der Salafisten: Blasphemiegesetz (www.nzz.ch)
Irak, 27.10.2012: min. 27 Tote... Bagdad, ...gegen Schiiten (Baseler Zeitung)
Nigeria, 28.10.2012: min. 5 Tote: christliche Kirche gesprengt, min. 1400 Tote seit 2010, Boko Haram (www.news.at)
29.10.2012:Rangun: Dutzende Tote, Gewalt gegen muslimische Rohingya. (www.news.ch)
Mali: Humanitäre Katastrophe: NATO: Militärintervention gegen die Tuareg?
Und nun etwas lokalpolitischer:
26.09.2012: Neuss: Jobcenter: 52-jähriger Marokkaner: 32-jährige Mutter erstochen.
14.10.2012: Berlin, Alexanderplatz Jonny K. von 7 Türken totgetreten
20.10.2012: Hannover: 21-jähriger Araber fesselt 19-Jährige. ...vergewaltigt er sie mehrfach. (die Artikelüberschrift ist eine FRECHHEIT gegenüber der jungen Frau!)
21.10.2012: München: Muenchen-Zentrum Prügel-Attacke
Plötzlich bauten sich drei hochaggressive Typen vor ihnen auf: „Verschwindet hier! Kein Knochen in seiner linken Gesichtshälfte ist mehr heil, sogar die Augenhöhle ist gebrochen!

Meine Frage lautet nun: wo, bitte, findet der Kampf der Kulturen denn nun statt?
Darf man jetzt auch hier über die wirkliche Ursache sprechen? Darf man vorsichtig den Koran und seine Ideologie zur Diskussion stellen? Habt Ihr Autoren die Ihr Artikel zum (im weitesten Sinne) Islam schreibt den Koran endlich SELBST gelesen (und das Abrogations Konzept nebst historische Reihenfolge der Suren beachtet?)
Oder wollen wir weiter schönreden, wegschauen, abwarten und unseren links/grün/ roten Politikern glauben?

Frank

  • Antworten
F. Engelhardt29.10.2012 | 21:04 Uhr

Iran und Saudis keine Todfeinde!

Das von Amateuren immer wieder angebrachte Argument es handele sich bei Tehran und Riad um Todfeinde ist einfach nur lächerlich. Todfeinde unterhalten nicht gegenseitig Botschaften in den jeweiligen Ländern, Todfeinde treffen sich nicht permanent auf politischer Ebene, Todfeinde erteilen sich nicht gegenseitig EinreiseVisa, etc etc etc... Noch im August gab es in Mekka Gespräche dieser angeblichen Todfeinde bzgl. Syrien.

Anhand dieser Aussage kann man Ahnungslose von Wissenden ausmachen. Anscheinend wünschen sich das einige bei uns im westen, dass sich die Staaten im Mittleren Osten alle gegenseitig hassen und Todfeinde sind. Klar, wir würden davon ja auch profitieren!

  • Antworten
Loodi30.10.2012 | 08:12 Uhr

Saudis vs. Iran: Totfeinde?

Lieber Loodi,
so kann man, imho, Ihre Aussage nicht stehen lassen:
In Saudi Arabien herrscht wahhabitischer Islam (konservative Sunniten), die Iraner sind Schiiten, und natürlich sind sie deshalb Feinde. Aber Sie haben Recht: Beide Staaten unterhalten diplomatische Beziehungen, aber warum denn? Richtig: Solange man wirtschaftlichen oder machtpolitischen Nutzen daraus ziehen kann ist man auch (zumindest nach außen) Nett und Tolerant gegen die Anderen!
Aus Sicht der Sunniten (vielleicht 75% der gesamten Umma) kann man vielleicht eine Rangliste der Feindschaft aufstellen: Juden, Christen (Amerikaner, Europäer), Schiiten, Aleviten und dann die kleinen Richtungen wie Alawiten (Nusairier), Drusen, Jesiden, Ahmadiyya, und und und.
Aus Sicht der Saudis kann man sicher sagen: Wir unterstützen die Schiiten im Kampf gegen Juden und Christen. Sind diese Feinde besiegt geht es den schiitischen Kufr an den Kragen.
Also ich meine, die Darstellung des Autor Herr Thelen ist absolut ok.
Wenn jemand die Themen und Denkweisen von wahrhaft rechtgeleiteten Moslems kennenlernen möchte dem sei die Site: www.ahlu-sunnah.com empfohlen: Ein sehr gepflegtes Forum. Einfach mal ab und an die 'aktuellen Themen' verfolgen...

Gruß Frank

  • Antworten
F. Engelhardt30.10.2012 | 13:27 Uhr

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