In Deutschland ist die Rolle von Familienministerin Schröder höchst umstritten. In Frankreich wurde das Amt der Frauenministerin erstmals seit 25 Jahren wieder besetzt – mit Najat Vallaud-Belkacem. Die medienschlaue Sozialistin will neue Töne anschlagen. Ein Portrait
Ihr erster Termin als Ministerin für Frauenrechte wurde zu einer Begegnung zweier Generationen. Najat Vallaud-Belkacem, mit 34 Jahren das jüngste Kabinettsmitglied der neuen französischen Regierung, empfing in ihren neuen Diensträumen Yvette Roudy zu einem halbstündigen Gespräch. Madame Roudy, mittlerweile 83 Jahre alt, war von 1981 bis 1986 Ministerin für Frauenrechte unter François Mitterrand. Seither gab es das Amt nicht mehr als eigenständiges Ministerium in Frankreich. „Wir machen hier eine Art symbolische Machtübergabe“, erklärte Najat Vallaud-Belkacem mit der ihr eigenen Halbironie.
Nach einer 25-jährigen Pause bekommen Frankreichs Frauen wieder ein eigenständiges Ministerium. „Es wird sicher hart werden“, mahnte Madame Roudy. „An jeder Ecke stehen Leute, die überhaupt keine Lust darauf haben, dass Frauen ihren Platz einnehmen und über ihren Körper verfügen“, sagte die 83-Jährige in einem eher traditionellen feministischen Jargon, der im Kontrast zu dem pragmatischen Ton, den Najat Vallaud-Belkacem anschlägt, leicht historisch klingt. Oder vielleicht auch nur erfahrener. Denn als die knapp 50 Jahre Jüngere die optimistische These wagt, heutzutage sei doch „jeder Sozialist auch Feminist“, lächelt Yvette Roudy skeptisch milde und erwidert: „Das stimmt vielleicht nicht ganz.“
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Najat Vallaud-Belkacem ist zu flexibel und zu medienschlau, um sich auf eine bestimmte Art von Feminismus – oder überhaupt auf irgendeine unbewegliche politische Position festzulegen. Diese Gewandtheit ist einer der Gründe, warum die junge Frau mit dem Pagenschnitt als Sprecherin des Präsidentschaftskandidaten zu einem der Stars des Wahlkampfteams von François Hollande wurde – und nun Ministerin und Regierungssprecherin in einer Person ist. Dass die zweifache Mutter gleich drei Quoten erfüllt – jung, weiblich, zugewandert –, hat ihrer Karriere sicher nicht geschadet.
Najat Vallaud-Belkacem bekennt sich dazu, lässt sich aber auf keines ihrer Identitätsmerkmale reduzieren: „Weil ich gleichzeitig eine Frau bin, jung und aus einer Zuwandererfamilie stamme, habe ich immer Schwierigkeiten gehabt herauszufinden, was denn jede einzelne dieser Besonderheiten über mich sagen soll.“ Im Grunde führe diese Mischung nur dazu, dass „man fünfmal so viel arbeitet, um zu beweisen, dass man zu Recht an seinem Platz ist“.
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