Die Unruhen in Ägypten dauern an. Die jungen Revolutionäre protestieren gegen den Militärrat. Was wird aus der Arabellion?
Bereits den zweiten Tag lang versuchten am Freitag Tausende aufgebrachter Protestierer, mit Gewalt zu dem mit Beton und Stacheldraht abgeriegelten Innenministerium in Kairo vorzudringen. Gleichzeitig versammelten sich Zehntausende auf dem Tahrir-Platz, die in Sternmärschen aus allen Stadtteilen in das Zentrum gezogen waren.
Was treibt die Protestierer auf die Straße?
„Weg mit dem Militärrat – hängt den Feldmarschall auf“, skandierte die Menge und „Wir haben von einem Umbruch geträumt, sie aber haben uns zum Narren gehalten.“ Seit der blutigen Tragödie im Stadion von Port Said eskalieren in Ägypten Empörung und Aggressionen gegen die Herrschaft des Militärrates und dessen Chef, Feldmarschall Hussein Tantawi.
„Das Ministerium könnt ihr schützen, warum dann nicht ein Fußballstadion“, schrie die Menge in der Mohamed- Mahmoud-Straße. Viele schwenkten Fahnen der Ultra-Fanklubs von Ahly und Zamalek, den beiden Erstliga-Vereinen aus Kairo. „Diesmal werden wir nicht mehr zurückweichen“, schwor einer der Ahly-Ultras, die bekannt sind für ihre Härte im Straßenkampf gegen die Polizei.
„Die Verbrechen gegen die Kräfte der Revolution werden die Revolution nicht stoppen und die Revolutionäre nicht einschüchtern“, stand auf einem ihrer Flugblätter. Als ein Mannschaftstransporter mit Polizisten versehentlich in eine Seitenstraße abbog, die voller Protestierer war, wurde der Wagen eine Dreiviertelstunde lang mit Steinen bombardiert, bis ihm schließlich andere Demonstranten mit einer Menschenkette halfen zu entkommen.
Nur während des Freitagsgebets hielten die Kämpfer kurz inne, dann gingen die Krawalle bis in den Abend unvermindert weiter. Vereinzelt waren in der Kampfzone Schüsse zu hören, schwarzer Rauch von brennenden Autoreifen waberte durch die Straßen. Die hinter Stacheldraht verbarrikadierte Polizei antwortete mit Salven von Tränengas. Mindestens ein Mann starb – ihn traf eine Kugel in die Brust. Bis zum Abend wurden allein in Kairo mindestens 1400 Menschen verletzt. Immer wieder brachen Demonstranten plötzlich zusammen und verfielen in schwere Krämpfe, ausgelöst durch das eingesetzte Tränengas. Andere haben gebrochene Arme, Schusswunden oder Augenverletzungen durch die eingesetzten Gummigeschosse.
Wie war die Lage andernorts im Land?
Auch in anderen Teilen Ägyptens kam es zu Unruhen. In Suez wurden zwei Menschen getötet, als die Menge versuchte, eine zentrale Polizeistation zu stürmen und die Beamten das Feuer eröffneten. Mehr als 200 Angreifer erlitten Verletzungen, zahlreiche Geschäfte wurden geplündert. In Port Said dagegen, wo sich am Mittwochabend die Tragödie mit 74 Toten und über Tausend Verletzten abgespielt hatte, verliefen die Versammlungen zunächst ohne Zwischenfälle.
Seite 2: Was bedeuten die Ausschreitungen für die Zukunft Ägyptens?









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