2011 ist das Jahr der "Empörten". Nicht nur in der arabischen Welt, auch in anderen Ländern zieht es vor allem die junge Generation auf die Straßen. Trotz aller Unterschiede einen Frustration und wirtschaftliche Perspektivlosigkeit die Aufständischen. Auch in Deutschland beginnt es zu brodeln, wenn auch vorerst nur auf Sparflamme.
Athen, Madrid, Tel Aviv, London oder Santiago de Chile: Es ist nicht unproblematisch, diese in sich so verschiedenen Aufstände in eine Reihe zu stellen, sie alle sind an jeweils andere Kontexte gebunden, speisen sich aus unterschiedlichsten Lebensrealitäten. Doch so wenig die friedlichen Proteste von der Madrider Puerta del Sol auf den ersten Blick mit den britischen Randalierern gemeinsam zu haben scheinen, die Aufstände verbindet eine wesentliche Tatsache: In ihnen manifestiert sich die Krise des bestehenden Gesellschaftssystem, die Sinnkrise des Kapitalismus.
Die Zeit schreibt, die deutsche Jugend habe im Gegensatz zu ihren europäischen Altersgenossen keine Wut im Bauch. Laut der Shell-Jugend-Studie blicke die Mehrheit der Jungen trotz Euro-Krise optimistisch in die Zukunft. Keine Spur von „German Angst“, stattdessen leben die Deutschen mitten im krisengebeutelten Europa auf einer Insel der Glückseligkeit – oder ist man hierzulande schlichtweg zu politikverdrossen, um sich zu engagieren?
Eine Gruppierung in Deutschland möchte genau mit diesen Vorurteilen aufräumen und probt in Berlin schon mal die Revolution. Sie betreibt den Blog „aCampada“, Spanisch für Zeltlager, im Internet. Ein Name ohne Programm: Zeltstädte gibt es in der Hauptstadt nirgendwo. Zur Vollversammlung am Alexanderplatz kommt eine Handvoll junger Leute, kaum zu unterscheiden von den Touristengruppen.
Einer der Aktivisten ist Florian, der Politik und Soziologie studiert hat. „Man kann uns mit keiner anderen politischen Aktion oder Organisation vergleichen“, sagt der 29-Jährige. „Wir sind weder eine Gruppe, noch eine Organisation, letztlich nicht mal eine Bewegung, sondern einfach eine Vernetzung von Individuen.“ Keine Hierarchie, keine ideologische Färbung. Jeder kann mitmachen. Seit Juni treffen sich die Früherkenner der sozialen Misere bereits regelmäßig am Alexanderplatz, inspiriert von der Protestbewegung des 15. Mai in Spanien.
Doch der Versuch der Acampadas, ein Protestcamp nach Madrider Vorbild am Berliner Alexanderplatz zu etablieren, schlug fehl. „Wir hatten zunächst einen Infopavillion aufgebaut und nur so vier, fünf Zelte drum rum aufgestellt“, erzählt Florian. Die Versammlungsbehörde und die Polizei seien massiv dagegen Sturm gelaufen. „Sie haben uns die Zelte verboten, die Polizei hat uns weg getragen. Dann waren unsere Campingstühle dran und schließlich wurde uns sogar ein Schlafverbot erteilt.“
Lesen Sie weiter auf der nächsten Seite, wie es um die Zukunft der deutschen Jugend steht.









4 Kommentare