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 > Globalisierte Wut

Weltbühne
Die Aufstände der Jugend

Globalisierte Wut

von 
Carolin Hentschel
16. September 2011
picture alliance
Krise, Jugend, Aufstand, Revolte, Zelte, Protest, Spanien, Berlin, Kapitalismus
Die Mutter der Protestcamps in der spanischen Hauptstadt Madrid

2011 ist das Jahr der "Empörten". Nicht nur in der arabischen Welt, auch in anderen Ländern zieht es vor allem die junge Generation auf die Straßen. Trotz aller Unterschiede einen Frustration und wirtschaftliche Perspektivlosigkeit die Aufständischen. Auch in Deutschland beginnt es zu brodeln, wenn auch vorerst nur auf Sparflamme. 

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Athen, Madrid, Tel Aviv, London oder Santiago de Chile: Es ist nicht unproblematisch, diese in sich so verschiedenen Aufstände in eine Reihe zu stellen, sie alle sind an jeweils andere Kontexte gebunden, speisen sich aus unterschiedlichsten Lebensrealitäten. Doch so wenig die friedlichen Proteste von der Madrider Puerta del Sol auf den ersten Blick mit den britischen Randalierern gemeinsam zu haben scheinen, die Aufstände verbindet eine wesentliche Tatsache: In ihnen manifestiert sich die Krise des bestehenden Gesellschaftssystem, die Sinnkrise des Kapitalismus.

Die Zeit schreibt, die deutsche Jugend habe im Gegensatz zu ihren europäischen Altersgenossen keine Wut im Bauch. Laut der Shell-Jugend-Studie blicke die Mehrheit der Jungen trotz Euro-Krise optimistisch in die Zukunft. Keine Spur von „German Angst“, stattdessen leben die Deutschen mitten im krisengebeutelten Europa auf einer Insel der Glückseligkeit – oder ist man hierzulande schlichtweg zu politikverdrossen, um sich zu engagieren?

Eine Gruppierung in Deutschland möchte genau mit diesen Vorurteilen aufräumen und probt in Berlin schon mal die Revolution. Sie betreibt den Blog „aCampada“, Spanisch für Zeltlager, im Internet. Ein Name ohne Programm: Zeltstädte gibt es in der Hauptstadt nirgendwo. Zur Vollversammlung am Alexanderplatz kommt eine Handvoll junger Leute, kaum zu unterscheiden von den Touristengruppen.

Einer der Aktivisten ist Florian, der Politik und Soziologie studiert hat. „Man kann uns mit keiner anderen politischen Aktion oder Organisation vergleichen“, sagt der 29-Jährige. „Wir sind weder eine Gruppe, noch eine Organisation, letztlich nicht mal eine Bewegung, sondern einfach eine Vernetzung von Individuen.“ Keine Hierarchie, keine ideologische Färbung. Jeder kann mitmachen. Seit Juni treffen sich die Früherkenner der sozialen Misere bereits regelmäßig am Alexanderplatz, inspiriert von der Protestbewegung des 15. Mai in Spanien.

Doch der Versuch der Acampadas, ein Protestcamp nach Madrider Vorbild am Berliner Alexanderplatz zu etablieren, schlug fehl. „Wir hatten zunächst einen Infopavillion aufgebaut und nur so vier, fünf Zelte drum rum aufgestellt“, erzählt Florian. Die Versammlungsbehörde und die Polizei seien massiv dagegen Sturm gelaufen. „Sie haben uns die Zelte verboten, die Polizei hat uns weg getragen. Dann waren unsere Campingstühle dran und schließlich wurde uns sogar ein Schlafverbot erteilt.“

Lesen Sie weiter auf der nächsten Seite, wie es um die Zukunft der deutschen Jugend steht.

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Manifest

"Es gibt kein Manifest" stimmt so nicht ganz...hier wären sogar gleich zwei: http://www.alex11.org/manifest/ ...übrigens ist das der Nachfolgeblog von aCAMPada, man ist also schon organisiert, wie man sieht...nur vielleicht anders als es erwartet wird.

  • Antworten
Hannes16.09.2011 | 18:41 Uhr

Ich glaube, die Krise der

Ich glaube, die Krise der Demokratie sitzt tiefer als es zunächst den Anschein hat. Die heutigen politischen Verantwortlichen zeigen sich seit Ende des Kalten Krieges vollkommen unfähig, in irgendeiner Form politische Alternativen aufzuzeigen. Resultat: Ein Großteil wählt überhaupt nicht mehr, oder im Zweifelsfall 'gegen'.
Das heißt eine ganze Generation muss sich den Raum, in dem sie ihre politischen Ideen artikulieren kann, außerhalb der öffentlichen Institutionen (in Politk und Medien) suchen. Nur sind sie im Grunde nicht gegen das System, sondern müssen vielmehr zusehen, wie sich eine relativ kleine Schicht der politschen und wirtschaftlichen Elite den Kuchen unter sich aufteilt, während sich ihre Chancen noch irgendwo in dieser Gesellschaft ihren Platz zu finden - trotz Ausbildung und Diplome - zunehmend veringern. Sie enthalten sich nicht ihrer Stimmen, weil die Politiker keine Macht mehr hätten, sondern weil sie systematisch ihre Interessen verraten.
Oder um es anders auszudrücken, es geht hier weder um eine Sinnkrise des Kapitalismus, noch um das Verlangen nach einem anderne System, weswegen auch der Vergleich mit 1789 und 1848 nicht ganz stimmt, sondern schlicht um die Frage, wie man seinen Platz in einer spätkapitalisschen Gesellschaft finden soll, in der nur noch Kapital zählt, und Arbeit im Grunde nichts mehr wert ist. Vielleicht auf Grund der hohen Lebenserwartung (das Kapital - Erbe - überträgt sich fast schon direkt auf dritte Generation) artikuliert sich diese Krise aber nicht den verschiedenen Gesellschaftsklassen oder Bildungsniveaus entsprechend, sondern zwischen den Generationen. Jemand, zwischen 25 und 30 - diplomiert - hat heute kaum mehr Chancen sich eine Existenz aufzubauen als jemand ganz ohne Diplome. Das mag in Deutschland noch nicht ganz so ausgeprägt sein, ist aber im restlichen Europa offensichlich.
Ganz abgesehen davon waren aber auch 1830 bzw. 1848 schon europäische Bewegungen.

  • Antworten
atengel17.09.2011 | 01:46 Uhr

Das Wunschdenken vom Wachstum

„ Wir brauchen mehr Wachstum“, kein Tag vergeht, ohne dass Politiker, Wirtschaftsweisen Verbände, Gewerkschaften diese Forderung in den Medien verbreiten.
Nur Wachstum beseitigt die Wirtschafts- u. Bankenkrise, rettet die Altersversorgung, beseitigt die Arbeitslosigkeit und fördert angeblich den Atomausstieg bis hin zu den Erneuerbaren-Energien. Ohne Wachstum fehle das Geld für Gesundheit und Wohlstand.
Jedoch kein Wachstumsprediger kann sagen, was denn eigentlich wachsen soll im Zeitalter des Geiz- und Billigwahns ( außer Kredit finanziertes Wachstum, faule Derivate, faule Staatsanleihen usw. auf Kosten des Steuerzahler )
Sollen wir etwa noch mehr Einfamilienhäuser bauen, wo jetzt schon jede Menge Wohnungen (Häuser) Leerliegen. Noch mehr Gewerbegebiete, Bürokomplexe, Einkaufszentren, Supermärkte, Seniorenresidenzen errichten, die zum Teil noch nie vermietet worden sind. Soll der Staat noch mehr Subventionen - sprich Schulden machen -.
Oder die Kinderzimmer mit noch mehr mit Spielsachen aus Asien ausstatten.
Noch mehr Weltreisen auf den Luxusjachten buchen. Noch mehr Freizeitparks einweihen. Noch mehr Fußballstadien, künstliche Eishallen, - jedem Verein sein eigenes kreditfinanziertes neues Stadion -. ?
Da bliebe nur noch die Autobranche, die deutsche Schlüsselindustrie: „DIE“ Jobschmiede (augenblicklich noch).
Jedoch diese wichtige Domäne wird von den sogenannten grünen Umweltschützer seit Jahren verteufelt und zum Kaufverzicht erstklassige deutsche Autos aufgerufen, wie unlängst vom neuen Ministerpräsident in B.W. „ Kretschmann“

Die Wachstumsprediger wünschen sich stetig jedes Jahr um die drei Prozent Wachstum.
In hundert Jahren 2100 wären Produktion und Konsum ungefähr zwanzig Mal größer als im Jahr 2000. Was soll um Himmelswillen 20-mal mehr wachsen?
< Natürlich die Staatsschulden: jede Sekunde über 1.000 Euro>
An erster Stelle müsste die Bevölkerung in Deutschland wachsen. Jedoch der Bevölkerungsrückrückgang bei uns ist dramatisch wie nirgendwo.
Die Mütter, welche die Kinder gebären könnten, wurden selbst nie geboren.
Die hierdurch entstandene Renten-Zeitbombe wird in den Händen unserer Kinder und Enkel explodieren.

Solides Wachstum kann man nur erreichen, wenn man sich auf die Thesen von Ludwig Ehrhard von der sozialen Marktwirtschaft zurück besinnt: „Maßhalten, erst solide Erwirtschaften, dann gerecht Verteilen“. Damals von 1953 bis 1960 war Deutschland nicht nur Schulden frei, sondern erwirtschafte einen Haushaltüberschuss von cir. 40 Milliarden Euro und man sprach vom Juliusturm – so wurden die „Überschüsse“ des Bundeshaushaltes bezeichnet.
Kein Nachfolger hat sich an Ludwig Ehrhards Thesen ( außer evt. Karl Schiller: „Genossen lasst die Tassen im Schrank“) gehalten. Im Gegenteil, jeder hat noch was draufgesattelt.
2012 erreichen wir ein negatives „Wachstum“ von Staatsschulden in Höhe von 2 Billionen Euro.
Nicht genug. Dank des Atomausstiegs „wachsen“ durch die erneuerbaren Energieformen die Schulden nochmals um 500 Milliarden Euro in den nächsten Jahren an, von der Haftung Deutschlands bei der europäischen Schuldenkriese in Höhe von 400 Milliarden ganz zu schweigen.
So sieht anscheinend „Wachstum“ - im negativen Sinne -unserer Staatsmänner aus.
Das ganze Land wird zu sehend ärmer.

Doch nicht nur Politiker und Parteien haben die notwendigen Ziele verfehlt, sondern ein großer Teil unserer Gesellschaft selbst, ist nicht bereit etwas zu verändern.
Wir sind in Wirklichkeit jedoch in unbezahlbarer Daseinsvorsorge auf „Kredit“ stecken geblieben.

  • Antworten
Hermann Huberet17.09.2011 | 11:33 Uhr

Was lange gärt, wird endlich Wut

Politikerinnen und Politiker verkünden unisono, daß "der Mensch im Mittelpunkt" aller Programme, Aktivitäten und Entscheidungen stehe.

Wirklich? Wie sieht die Realität (auch in Deutschland) aus?

Seit Monaten, seit Jahren befassen sich Regierungen und Parlamente europaweit und weltweit mit nichts anderem als der sogenannten "Finanzkrise" als Folge rigoroser Staatsverschuldung, nicht nur in Griechenland.

Steht wirklich "der Mensch im Mittelpunkt" aller politischen Bemühungen, etwa bei der Bewältigung der "Finanzkrise".

Weit gefehlt. Es geht offenbar lediglich um die Bankenrettung, also um die Sicherung der internationalen Großbanken und großer Vermögenswerte, an denen die Allgemeinheit keinerlei Anteile besitzt.

Währenddessen liegt beispielsweise unser Bildugnssystem im Argen, von gerechter Entlohnung für geleistete Arbeit (Stichwort Mindestlohn) ganz zu schweigen.

Wer kümmert sich also wirklich und ernsthaft um die Menschen, die eigentlich im Mittelpunkt aller politischen Aktionen stehen sollten?

Eigentlich niemand. Das ist die klare Erkenntnis des vielzitierten "kleinen Mannes" und letztlich auch der Grund für die zunehmende Wahlenthaltung insbesondere auch jüngerer Menschen.

Dies alles ist wohlbekannt, nur die "verantwortlichen" Politikerinnen und Politiker sind scheinbar erkenntnisresistent.

Wie lange funktioniert unser Gesellschafts- und Wirtschaftssystem noch?

Wann endlich wird soziale Gerechtigkeit zur Richtschnur politischen Handelns?

Sollen alle Bürgerinnen und Bürger sich letztlich als "Wutbürgerinnen und Wutbürger" betätigen, um auf radikale Weise Änderungen zu erzwingen?

Fragen über Fragen, die auf eine baldige Antwort warten!

  • Antworten
Yvonne Walden17.09.2011 | 15:15 Uhr

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