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 > Hör auf zu schmollen, Obama!

Weltbühne

Verpatzte TV-DebatteHör auf zu schmollen, Obama!

Von Malte Lehming6. Oktober 2012
picture alliance
Obama,TV-Debatte,TV-Duell,Romney,Präsidentschaft,Wahlkampf
Die Wahl ist noch nicht entschieden
Schrift:

Nach Obamas TV-Debattenniederlage dürfte vielen Zuschauern erstmals der Gedanken gekommen sein: Romney als Präsident – warum eigentlich nicht? Höchste Zeit also für Obama, mit dem Schmollen aufzuhören und den Ernst der Lage zu erkennen

Noch 31 Tage – und am 6. November wählen die USA ihren Präsidenten.

Cicero-Online-Korrespondent Malte Lehming berichtet zu diesem Anlass in einem Countdown über besondere Ereignisse und Kuriositäten während des Wahlkampfs.

Laut der Psychiaterin Elisabeth Kübler-Ross stehen dem Menschen fünf Strategien zur Bewältigung extremer Situationen zur Verfügung. Leugnen, Wut, Verhandeln, Depression, Akzeptanz. Die Phasen können sich überlappen, verschieden lang dauern, einzelne können auch übersprungen werden.

Die Anhänger des amtierenden amerikanischen Präsidenten Barack Obama pendeln nach dessen Debattenniederlage gegen Herausforderer Mitt Romney noch immer zwischen den Phasen eins und zwei, Leugnen und Wut. Unwillkürlich fühlt man sich an Gerhard Schröders trotzige Trampelei in der Elefantenrunde nach der von ihm verlorenen Bundestagswahl 2005 erinnert. Was nicht sein kann, das nicht sein darf.

Nun ist die amerikanische Präsidentschaftswahl noch längst nicht entschieden, und Obama hat weiterhin gute Chancen, im Weißen Haus zu bleiben. Aber zur Wahrheit gehört auch, dass Romney am vergangenen Mittwochabend vor einem Rekordpublikum schlicht besser war. Wach, höflich, konzentriert, klar. Vielen Zuschauern dürfte zum erstenmal der Gedanke gekommen sein: Romney als Präsident – warum eigentlich nicht?

Zur Wahrheit gehört ebenso, dass Obama schlecht war. Müde, gealtert, fahrig, nervös. Angesichts der Bedeutung, die diesem Duell vorher von allen Seiten zugesprochen worden war, wiegt das Versagen des Präsidenten doppelt schwerer. Kein Wunder, dass zu seiner Entschuldigung nun tausenderlei Relativierungen aufgeführt werden. Als da sind: Der Herausforderer ist in der ersten Debatte ohnehin immer im Vorteil; so wichtig sind diese Debatten gar nicht; Romney hatte viel mehr Zeit zur Vorbereitung, Obama muss nebenbei ja auch regieren.

Phase eins – das Leugnen.

Obama selbst ist bereits in der zweiten Phase. Wütend zieht er durchs Land und bezichtigt seinen Widersacher des Lugs und Betrugs. Romney rede heute so und morgen so, man wisse nie, was er wirklich meine. Das beginnt mit der gesetzlichen Krankenversicherung, die er als Gouverneur von Massachusetts einst selbst einführte, aber in Form von „Obamacare“ bekämpft. Und es endet mit den Steuersenkungen (-erleichterungen) für Reiche, die er zwar will, diesen Willen aber abstreitet.

Romney, der flip-flopper. Ein flip-flop ist in Amerika, was ein U-turn in England, ein backflip in Australien oder eine Angela Merkel in Deutschland. Jemand, der sein Mäntelchen nach dem Wind hängt und, je nach politischer Stimmungslage, plötzlich seine Sinne wandelt. Gerald Ford sagte 1976 Jimmy Carter nach, ein flip-flopper zu sein. 1988 versuchte Michael Dukakis gegen Richard Gephardt damit zu punkten. Und 2004 klebte das Etikett an John Kerry, weil man nie genau wusste, ob er für oder gegen den Irakkrieg war.

Doch ob es ebenso fest an Romney haften bleibt, ist fraglich. Denn allzu durchsichtig ist die Strategie des Obama-Camps, damit die Debatte von den Leistungen des Präsidenten und den Bilanzen seiner ersten Amtszeit abzulenken. Man hofft lediglich auf den Nivellierungseffekt zweier Anti-Kampagnen (Romneys Anti-Obama-Rhetorik soll durch Obamas Anti-Romney-Rhetorik gekontert werden). Die Schwäche dieser Strategie ist es, mit staatsmännischem Gestus ausgehebelt werden zu können. Gerade weil Romney gewisse Flip-flopper-Qualitäten hat, wird er demnächst verstärkt „nach vorne gucken“ und die „persönlichen Verunglimpfungen beenden“ wollen.

Obamas Fehler wäre, jetzt überzureagieren. Er darf nicht einfach den Hebel umlegen und auf Krawall umschalten. Ein weiter polarisierter Wahlkampf, in dessen Zentrum der Charakter Romneys gestellt wird, würde Obama in seiner Präsidentenrolle degradieren. Genau in diese Falle wollen ihn die Republikaner locken.

Die Stimmung hat sich am vergangenen Mittwochabend gedreht. Gut möglich, dass Romney in die kommende Woche mit einem kräftigen Umfrageplus geht. Er hat das Momentum. Vielleicht zum erstenmal seit Beginn des Wahlkampfes wirkt er wie ein ebenbürtiger Rivale. Je schneller Obama und die Demokraten diese Tatsache akzeptieren, aus der Schmollecke herauskommen und die Ernsthaftigkeit der Lage erkennen, desto größer sind ihre Chancen, wieder Tritt zu fassen. Phase drei und vier der Trauerarbeit sollten sie rasch überspringen.

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Hör auf zu schmollen Obama

Ich finde den amerikanischen Wahlkampf abstossend und unfair. Das viele Geld, welches teilweise aus ärmsten Schichten gepresst wird, könnte besser investiert werden. Grundsätzlich ist es völlig unerheblich, wer in den USA als sichtbare Gallionsfigur, Präsident genannt, gewählt wird. Die Kompetenzen sind sehr beschränkt, alle Themen welche das Hegemonialprinzip und die Monroe - Doktrin tangieren, sind nationale Tabus und werden durch den nationalen Sicherheitsrat "plutokratisch" vorgegeben und entschieden.

  • Antworten
Andreas Neeracher06.10.2012 | 09:50 Uhr

es ist natürlich schon ein witz

daß der cicero "argumente" dafür findet, einen offensichtlichen rosstäuscher als gewinnertyp darzustellen.

das "argument"?

"stell dich nicht so an ..."

habe ich seit der 7. klasse übrigens nicht mehr als solches akzeptiert. wer es für ein argument hält, braucht wahrscheinlich den rest seines lebens, um in die 8. klasse zu kommen.

  • Antworten
hardy07.10.2012 | 00:26 Uhr

Das Foto ist bezeichnend

Auch wenn es die Mehrheit der Leser nicht hören mag: es gibt einen Obama mit Teleprompter (der i.d.R. wenig sagt aber recht gut klingt) und einen echten Barack Obama ohne Teleprompter - und der ist wie er sich am Mittwoch gezeigt hat.

  • Antworten
Stefan08.10.2012 | 21:19 Uhr

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