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 > Warum hat Obama sein Versprechen gebrochen?

Weltbühne
Guantanamo

Warum hat Obama sein Versprechen gebrochen?

von 
Christoph von Marschall
11. Januar 2012
picture alliance
Barack Obama, Guantanamo, Hope, Yes, we can, Change, Versprechen
No, he can't.

Frage des Tages: Barack Obama wollte das Lager Guantanamo schließen. Warum hat der US-Präsident sein Versprechen gebrochen?

Seite 1 von 2

Die Geschichte des Lagers Guantanamo ist eine Kette von Fehlannahmen und Entscheidungen, die nur aus der jeweiligen Situation heraus verständlich sind, aber im Rückblick oft widersinnig erscheinen. Es ist auch die Geschichte eines Propagandakriegs und ein Beispiel, wie unterschiedlich die Urteile ausfallen, je nachdem aus welcher Perspektive man blickt. Aus Sicht der meisten Deutschen ist das Lager ein großes Unrecht, eine Schande für Amerika. In den USA dagegen findet es eine Mehrheit gut, dass Obama sein Versprechen, Guantanamo ein Jahr nach Amtsantritt zu schließen, nicht erfüllen konnte. Zu Beginn gab es auch in Europa noch gewisses Verständnis.

Bildergalerie: Obama wird 50 – Bilder aus dem Leben des mächtigsten Mannes der Welt
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Den Terrorangriff mit gekaperten Flugzeugen auf New York und Washington am 11. September 2001 hatte Al Qaida in Afghanistan unter dem Schutz des Taliban-Regimes geplant. Der Anschlag traf nicht nur Amerika unvorbereitet. Auch in Europa befürchteten Bürger und Politiker, dass weitere Attacken drohen. Die Nato erklärte zum ersten Mal in der Geschichte den Verteidigungsfall. Die Vereinten Nationen billigten den Krieg zum Sturz der Taliban. Amerika wollte darüber hinaus Verdächtige, die von weiteren Anschlagsplänen wissen konnten, festnehmen und an einem sicheren Ort verhören. So kamen am 11. Januar 2002 die ersten Gefangenen aus dem Krieg in Afghanistan, die der Mitgliedschaft bei Al Qaida verdächtigt wurden, nach Guantanamo. Über die Jahre wurden es 779, freilich nie alle gleichzeitig. Bush wählte die Militärbasis auf Kuba, weil dort angeblich Amerikas Rechtssystem nicht gilt. Es war seine volle Absicht, die Gefangenen rechtlos zu machen.

Nach den regelmäßigen Verhören, bei denen zum Teil körperliche Gewalt angewendet wurde, muss die Regierung Bush wohl nach gewisser Zeit gewusst haben, dass die meisten Insassen keine Topterroristen sind. Doch öffentlich wollte sie das nicht zugeben. Erstens sah sie sich weiterhin im Krieg gegen Terroristen, die möglichst viele Amerikaner und deren Verbündete umbringen wollen. Zweitens hatten Anwaltsverbände und Bürgerrechtsgruppen in den USA Gerichtsverfahren gegen die Regierung wegen der Rechtskonstruktion des Lagers, den Haftbedingungen sowie der Prozessordnung für die geplanten Militärtribunale eingeleitet. Die Regierung verlor etwa die Hälfte dieser Verfahren und musste den Gefangenen nach und nach mehr Rechte geben.

Öffentlich nannte Bush die Gefangenen „die Gefährlichsten der Gefährlichen“ und warf Guantanamo-Kritikern vor, sie seien zu weich mit den Feinden Amerikas. Parallel ließ er bis 2008 etwa 540 Gefangene in ihre Heimatstaaten oder andere Länder abschieben, weil er sie für ungefährlich hielt.

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Terroristen die wieder in den Kampf gehen

Sie haben die Zahlen der Terroristen, die wieder in den Kampf gegangen sind, nur beiläufig erwähnt, weshalb sie nicht die wichtige Bedeutung von Guantanamo verstehen. Von den ca. 500 entlassenen Unschuldigen, sind bislang mind. 42 wieder in Terrororganisationen aufgetaucht oder gleich im bewaffneten Kampf aufgetreten. Das heißt, das etwa jeder 10. definitiv, die Dunkelziffer ist nicht näherungsweise bekannt, aktiv im Kampf gegen Freiheit, Westen, Menschenrechte, etc. steht.

Es gibt auch kein internationales Recht, welches einen Terroristen, der den Krieg erklärt hat, anders als einen im Krieg stehenden Soldaten behandlen kann -> Internierung bis der Krieg vorbei ist.

Faktisch hat sich unter Obama nichts geändert. Bloß weil Bush der Böse und Obama der Gute ist, wird es nun anders dargestellt.

Wer ein Gefängnis kennen lernen will, in dem wirklich gefoltert wird und Menschen umkommen, der sollte auf Guantanamo die kubanische Seite der Ortschaft besuchen. Da steht ein Gefängnis, das lange nicht die Standars von Guantanamo Bay erfüllt.

  • Antworten
heinrich11.01.2012 | 15:55 Uhr

„wieder“

Präsident Obama hat gehandelt: nunmehr schreibt das Recht der Vereinigten Staaten zwingend vor, daß Unterstützer von Al-Kaida vom amerikanischen Militär in Haft genommen werden, anwaltliche Vertretung ist dabei ausdrücklich nicht vorgesehen. Verhandlungen wird es erst am Ende des Krieges gegen den Terror geben.
(für Bürger der Vereinigten Staaten ist die Verhaftung nicht zwingend, ein Anspruch auf anwaltliche Vertretung oder Gerichtsverhandlung vor Ende des Krieges besteht aber ebenfalls nicht)
Herr Obama hat sein Versprechen also wahrgemacht: eine Blamage ohne Rechtsgrundlage wie Herr Bush sie in Guantanamo angerichtet hat, wird es nicht mehr geben.
Warum die Kritiker immer noch herumnörgeln, kann ich auch nicht verstehen. Vielleicht haben die den falschen Freiheitsbegriff?

  • Antworten
Tjalf Boris Prößdorf15.01.2012 | 10:19 Uhr

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