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 > Athens Geldbeutel ist leer

Weltbühne
Referendum in Griechenland

Athens Geldbeutel ist leer

von 
Michael Naumann
1. November 2011
picture alliance
Euro, Münze, Griechenland, pleite, Referendum
Griechenland fehlen bis zu 400 Milliarden Euro in den nächsten zehn Jahren.

Der griechische Ministerpräsident Giorgos Papandreou will sein Volk über die Euro-Rettungspakete abstimmen lassen. Sollte es tatsächlich zu einem Referendum kommen, stünde Europa vor einer Zerreißprobe

Seite 1 von 2

„Liebe Mitbürger,“ so könnte eine Rede Angela Merkels beginnen, „Deutschland ist zahlungsunfähig. Um unsere Schulden auf dem internationalen Finanzmarkt zu tilgen, müssen alle Staatsdiener, Armee, Feuerwehr und Polizei inklusive,  in den nächsten Jahren auf mindestens zwanzig Prozent ihres monatlichen Einkommens verzichten. Und im Übrigen werden wir fortan jeden Steuerhinterzieher, ob groß oder klein, mit empfindlichen Strafen zur Rechenschaft ziehen. Die Kirchen werden enteignet.“ Am nächsten Tag stünde die Republik still.

Ähnliches  mutet die griechische Regierung nach Absprache mit den Partnern der Euro-Zone ihren Bürgern zu.  In den nächsten zehn Jahren fehlen dem Land mindestens 225, wenn nicht gar 400 Milliarden Euro – weitaus mehr, als der europäische Rettungsschirm derzeit zur Verfügung hat. Griechische Staatsanleihen sind auf dem freien Finanzmarkt so unverkäuflich wie faule Oliven.

Georgios Papandreous überraschender Vorschlag, sein Volk über die Annahme des europäischen Rettungspakets mitsamt seinen scharfen Austerity-Bedingungen abstimmen zu lassen, ist nicht nur ein politisches Vabanquespiel mit seiner eigenen Zukunft als Regierungschef, sondern auch eine Zerreißprobe für Europa – vom Schicksal des Euros ganz abgesehen.

Dass die Griechen dem unvermeidlichen Absturz in die eigene Vergangenheit als Armenhaus an der Peripherie des Kontinents zustimmen, ist so unwahrscheinlich wie die Rückkehr jener gewaltigen Euro-Devisenströme in Höhe von mindestens 60 Milliarden, die seit über einem Jahr von griechischen Privatkonten in bar abgehoben oder ins Ausland überwiesen wurden. Doch die Alternative – eine souveräne Rückkehr in die selbstgewählte Isolation am Rand des Staatenbundes – wäre einzig der romantischen Sehnsucht geschuldet, jene Wohlstandsjahre auf Pump zu wiederholen, die unwiderruflich vergangen sind. 

Papandreous Vorschlag (dem das Parlament in einer Vertrauensfrage zustimmen muss) hat der kleinen Euro-Gipfel-Euphorie mitsamt der angeschlossenen Heldenverehrung Angela Merkels und Nicolas Sarkozys die Grundlagen entzogen. Der griechische Premier stellt sich plötzlich als Anwalt dar, der zu Lasten Dritter und Vierter – nämlich seines eigenen, höchst unwilligen Volkes und der europäischen Steuerzahler – ohne Mandat verhandelt hat. Sein Finanzminister entschwand ins Krankenhaus, die Börsenkurse in Athen und in Frankfurt, London und New York gingen in einen Sturzflug über, und die Banken, die mehr oder weniger freiwillig einem Schuldenschnitt in Höhe von 50 Prozent auf griechische Staatsanleihen zugestimmt haben, könnten sogar mit einem Totalverlust rechnen. Das Land ist pleite.

Auf der nächsten Seite erfahren Sie, warum Hedgefonds die Nutznießer eines Referendums wären.

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Athens Geldbeutel

Was heißt: Athens Geldbeutel ist leer. Da war noch nie was drin. Genauso wie in Deutschland auch nur Schulden drin sind.

  • Antworten
19Flor4901.11.2011 | 16:35 Uhr

Bananenrepublik Griechenland?

Wenn es zutrifft, daß Griechenland über keine effektive Steuerverwaltung verfügt, stattdessen jedoch über ein Heer von Beschäftigten im öffentlichen Dienst, wäre es an der Zeit, daß diesem Land von außen geholfen wird, sofern die eigenen staatlichen Organisationen nicht in der Lage sind, eine umfassende Steuerverwaltung aufzubauen und zu gewährleisten. Und zwar in sozial-gerechter Weise, denn es soll auch in Griechenland eine Vielzahl von Milliardären geben, die keine oder kaum Steuern an ihren Staat entrichten.

Wenn es stimmt, daß in Griechenland, verglichen mit den übrigen EU-Staaten, die meisten Menschen mit einem Lebensalter 100 plus wohnen, wäre es dringend erforderlich, auch das griechische Rentensystem "auf den Prüfstand zu stellen", also systematisch zu kontrollieren.

Angeblich sind bei jüngsten Stichproben Rentenkonten von längst Verstorbenen aufgedeckt worden, deren Renten inzwischen zehn (oder mehr) Jahre weitergezahlt wurden.

Wenn all` dies zutrifft, kann nur ein völliger Umbau, also eine Neugestaltung der staatlichen Ordnung, Besserung bringen.

Anstatt weiterhin über eine Bankenrettung zu verhandeln, sollten die übrigen EU-Partnerländer den Griechen Hilfe zur Selbsthilfe anbieten, damit nicht die Gläubigerbanken gerettet werden, sondern der griechische Staat endlich mit den Möglichkeiten des 21. Jahrhunderts regiert und verwaltet wird.

In einer Bestandsaufnahme der "griechischen Verhältnisse" muß zunächst einmal alles auf den Tisch, ohne wenn und aber.
Erst danach sollten die weiteren Schritte überlegt und eingeleitet werden.

Es geht nicht in erster Linie um viel Geld, sondern um viel Arbeit zur Schaffung eines "modernen Griechenland", im Umkehrschluß um die Abschaffung der "Bananenrepublik Griechenland".

  • Antworten
Yvonne Walden01.11.2011 | 18:36 Uhr

Referendum

Hallo, also das hier ist von grundauf falsch. Es kann keinen Endscheid über weitere Eurohilfen geben. Es gab eine Volksendscheidung über den Euro in jedem Land das dazugehört, bzw. eine Eurokarta der sich die Länder verpflichtet haben. Es wäre rein rechtlich nicht durchführbar und kann jederzeit angefochten werden. Die Regierung hat sich über die Reichweite dieser Volksendscheidung überhaupt keine Gedanken gemacht. Rein hypotetisch gesehen, falls es in die Hose gehen sollte und sich dagegen entschieden wird, so müssen sie den Euro als Währung gleich hinterher fallen lassen (oder er wird Ihnen genommen, da Sie sich gegen diesen [durch keine Hilfe] aussprechen). Als zweites fallen Sie auch aus der Eurozone, da wirtschaftlich über Jahrzente kein kalkulierbarer Handelspartner (wie Sie zum Europartner wurden weiß ich nicht, aber Sie haben anscheinend die Kriterien nicht voll erfüllt). Aufklärung wäre da besser wie eine Abstimmung. Ein dagegeausprechen wäre eine menschliche Katastrophe für Griechenland, sorry.

  • Antworten
plüschio02.11.2011 | 09:13 Uhr

Athens Geldbeutel ist leer.

Der deutsche Geldbeutel ist aber auch nicht viel voller. Sicher, Deutschland ist nicht Griechenland, aber 50% der "erwerbsfähigen" Bevölkerung in BERLIN lebt von einem sog. "Transfereinkommen", d.h. das Geld kommt vom Staat oder von der Rentenkasse, d.h. es wird von anderen Leuten "erarbeitet".
BREMEN wurde schon zwei mal "teilentschuldet" und hat jetzt wieder ca. 17 Milliarden EURO Schulden und wird in diesem Jahr ca. 1 Milliarde neue Schulden machen. Die Pro-Kopf-Verschuldung der BREMER hat durchaus den Charme der griechischen Pro-Kopf-Verschuldung. Wir wissen doch alle, dass spätestens 2030 die "geburtenstarken" Jahrgänge "in Rente" sind. Dann gibt es in Deutschland ca. 25 Millionen Rentner, davon werden ca. 4 Millionen sog. "Pflegefälle" sein, davon wiederum ca. 2 Millionen "dement". Wer das und die steigenden Kosten für die Krankenversicherung bezahllen soll, das erklärt uns niemand. Der Beutel der Deutschen ist nämlich langfristig auch leer. Vorher wird Deutschland bis zur Zahlungsunfähigkeit noch den EURO retten.
Also: CARPE DIEM und fröhlich bleiben.
1945 war alles viel schlimmer.

  • Antworten
Wolfram Wiesel04.11.2011 | 18:59 Uhr

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