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Weltbühne

HollandeGestatten: Bond, Europabond

Von Alfred Grosser21. Juli 2012
picture alliance
Hollande,Frankreich,Präsident,Eurobonds,Europabonds
Hollande ist für eine stärkere Beteiligung Deutschlands in der Krise
Schrift:

Der Schlüssel zur europäischen Einigung liegt im deutsch-französischen Motor. Über François Hollandes innenpolitische Widerstände seiner künftigen Europapolitik und sein Verhältnis zu Angela Merkel

Seite 1 von 2

Die Wahlen in Griechenland haben alles in den Schatten gestellt. Auch die Parlamentswahlen in Frankreich. Doch deren Ausgang hat nicht nur Konsequenzen für die Franzosen, sondern auch für die deutsch-französischen ­Beziehungen und nicht zuletzt für Europa.

Noch nie sind so viele Wähler zu Hause geblieben und haben sich geweigert, für einen Kandidaten zur Assemblée nationale zu stimmen. Einer der Gründe für 43,7 Prozent Nichtwähler war der Rechtsruck der Sarkozy-Partei UMP, den sie nicht bereit waren, mit ihrer Stimme abzusegnen.

Und jene, die doch zur Wahl gingen, entschieden sich für einen gemäßigten Sozialisten und nicht für einen Kandidaten der extremen Linken von Jean-Luc Mélenchon, der selbst den Einzug in die Nationalversammlung verpasste. François   Hollande und sein Premier Jean-Marc ­Ayrault dürften erleichtert sein, und sei es nur, weil Mélenchon ein hervorragender Redner ist; man stelle sich die Linke-Bundestagsfraktion ohne Gregor Gysi vor!

Hollande wird nicht länger, wie noch während der Präsidentenwahl, das Thema Europa kleinhalten müssen, aus Furcht, der antieuropäischen Demagogie Mélenchons Nahrung zu geben. Nun kann er mit einer komfortablen absoluten Mehrheit   seiner Partei von 314 Sitzen – wie sie noch kein  französischer Staatschef zuvor hatte – regieren.

[gallery:Persönlichkeit statt Patriotismus – Die Ahnengalerie deutscher Bundeskanzler]

So einfach, wie es auf den ersten Blick scheint, wird das aber nicht werden. Innerhalb der breit gefächerten Fraktion der französischen Sozialisten wird es manche Spannungen und Kämpfe geben – spätestens, wenn die Europapolitik wieder auf der Tagesordnung steht und es um den Zwang zu sparen geht.

Nicolas Sarkozy wurde vorgeworfen, sich groß aufzuspielen, letztendlich aber stets Angela Merkel nachzugeben. François Hollande ist ruhiger und besonnener als sein Vorgänger, und er hat klarere Ziele. Mit der SPD kommt er gut aus. Die Kontakte bestanden schon lange, und dass ihn jüngst das Dreiergespann Gabriel, Steinbrück, Steinmeier in Paris besuchte, hat damit zu tun, dass andernfalls jeder allein Punkte für die Kanzlerkandidatur gesammelt hätte.

Mit der Kanzlerin verhandelt Hollande jedenfalls nicht als Sozialist oder Sozialdemokrat, sondern als Staatsoberhaupt, das in der Fünften Republik die Außenpolitik bestimmt. Angela Merkel steht da, als gebe es nur eine Lösung der Finanzkrise: sparen und einschränken.

Dabei muss sie an die Bundestagswahl 2013 denken und an die Millionen deutscher Wähler, die in ihrer Euroskepsis nicht länger hinnehmen wollen, dass die Bundesrepublik immer mehr Summen garantiert, die zusammengenommen bald einem deutschen Gesamthaushalt entsprechen.

Das vergessen die Franzosen gerne und erliegen allzu oft der Versuchung, in Anlehnung an den Versailler Vertrag von 1919 zu glauben: „L’ Allemagne paiera“ – „Deutschland wird zahlen.“ Die Kanzlerin wiederum scheint nur langsam einzusehen, dass ein Land sich auch zu Tode sparen kann.

Auf der nächsten Seite, warum mehr Europa nur mit Deutschland und Frankreich gemeinsam gelingt

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Hollande ist ein Heuchler ...

einerseits führt er vollmundige Reden über europäische Solidarität und schwafelt von Eurobonds, die auch die französische Bonität ziemlich schnell ruinieren würden, andererseits versucht er verzweifelt durch nur mühsam getarnten Protektionismus den Entlassungswellen Herr zu werden, die in Frankreich nun anstehen. Er ignoriert, dass Frankreich von der Substanz lebt und beständig an Wettbewerbsfähigkeit verliert und versucht dann in hektischer Polemik gegen das Management der eigenen Wirtschaft im besonderen und Deutschland im allgemeinen Sachzwänge durch Schuldzuweisungen zu erklären. Das beste Beispiel ist die Reaktion auf die Entlassungen bei Citroen Peugeot, wo er in mühsam kaschierten Protektionismus Subventionen nur für französiche Elektrofahrzeuge mit Einnahmenverspricht, die er durch die erhöhte Besteuerung überwiegend deutscher Oberklassemodelle finanzieren will.
Man kann nicht einerseits europäische Solidarität fordern und andererseits in einen nationalistischen Merkantilismus verfallen, ohne jede Glaubwürdigkeit zu verspielen. Die wird er beim französischen Wähler ja sowieso verlieren, wenn erst die Kosten seiner Versprechungen zu Tage treten. Auch Frankreich finanziert sein Haushaltsdefizit von aktuell 4,5% zu minimalen Zinsen und profitiert insofern von der Eurokrise. Da bin ich doch mal gespannt, wie er die Zinssteigerungen, die Eurobonds für die Geberländer automatish zur Folge hätten finanzieren will und gleichzeitig sein Haushaltsdefizit senkt, ohne auf das versprochene Stellenwachstum im öffentlichen Dienst zu verzichten und die steigenden Kosten der Rentenversicherung auszugleichen.

Das seine Politik die Eurozone nun endgültig führungslos gemacht hat und diese auf absehbahre Zeit weitgehend orientierungslos in der Krise taumelt scheint ihn nicht weiter zu berühren, solange er mit dem Finger auf andere zeigen kann. Der Versuch Merkel auf Treffen der Eurozone zu übertölpeln endet mit hoher Wahrscheinlichkeit in gegenseitigen Blockaden, die das internationale Vertrauen in den Euro endgültig zerstören werden. Nun gut, den deutschen Exporteuren wird das gefallen. Man wird sehen, wie Herr Hollande sein Haushaltsdefizit und die steigende Arbeitslosigkeit in Frankreich in den Griff bekommt.

  • Antworten
Christoph Kuhlmann29.07.2012 | 12:44 Uhr

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