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Weltbühne

Janukowitschs UkraineGeld und Politik gehören zusammen

Von André Eichhofer7. Juni 2012
picture alliance
Julia Timoschenko, Wiktor Janukowytsch, Fußball Europameisterschaft, Fußball-EM
Ukraines Präsident Viktor Janukowitsch: Noch ist er kein Diktator
Schrift:

Lange hat der Westen weggeschaut. Erst Julia Timoschenkos Kampf gegen die Justiz und die Fußball-EM haben die Ukraine wieder auf die politische Tagesordnung gebracht. Höchste Zeit, sich mit dem Land an der Ostgrenze der Europäischen Union zu befassen. Denn manch einer befürchtet bereits eine Diktatur nach weißrussischem Vorbild

Seite 1 von 5

Julia Timoschenkos Unterstützer haben viel Geduld. Seit fast zehn Monaten harren sie auf dem Kiewer Boulevard Kreschtschatik aus. 30 Zelte haben die Aktivisten vor der Hausnummer 44 aufgebaut; vor den Zelten wehen weiße Flaggen mit einem roten Herz darauf. „Julia, wir sind mit Dir“, steht auf einem Plakat.

Hausnummer 44 – das ist der Eingang zum Bezirksgericht Petschersk, in dem Timoschenko am 11. Oktober 2011 zu sieben Jahren Haft verurteilt wurde. „Wir gehen erst weg, wenn Julia Timoschenko frei ist“, sagt eine Studentin. Hin und wieder lassen sich Abgeordnete von Timoschenkos Partei Baktivschina (Heimat) blicken. Nicht mehr als 20 Menschen kampieren auf dem Kreschtschatik, und die meisten von ihnen sind keine Studenten, sondern Großmütter. Für die Polizisten, die eigens in den Kreschtschatik abkommandiert wurden, gibt es nicht viel zu tun. Der Großteil der Passanten geht achtlos an den Demonstranten vorüber.

Die meisten Ukrainer haben sich längst mit dem amtierenden Präsidenten Viktor Janukowitsch arrangiert, darüber täuschen auch die jüngsten Demonstrationen nicht hinweg. Nur noch etwas über ein Zehntel der Ukrainer würde laut einer Umfrage des Kiewer Soziologischen Instituts vom April für Timoschenkos Oppositionspartei stimmen, aber knapp doppelt so viele, nämlich 19,1 Prozent, für Janukowitschs Partei der Regionen. „Die Köpfe der orangenen Revolution haben sich diskreditiert“, sagt der Politologe Andreas Umland, der an der Kiewer Mohyla-Akademie lehrt.

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Die Ukraine vor der EM - Rassismus am Stadionrand

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Ursprünglich war die orangene Regierung 2005 angetreten, um Sowjetbürokratie, Korruption und Vetternwirtschaft zu bekämpfen. Doch die angekündigten Reformen blieben wegen des beständigen Zwists zwischen Ministerpräsidentin Julia Timoschenko und dem ursprünglich mit ihr verbündeten Präsidenten Viktor Juschtschen­ko aus. Timoschenko wollte eine Stärkung des Parlaments; Juschtschen­ko mehr Macht für den Präsidenten. Seither gelten die orangenen Politiker vielen als unglaubwürdig. Anfang 2010 stand gerade noch 1 Prozent der Ukrainer hinter dem durch eine Dioxinvergiftung schwer gezeichneten Juschtschen­ko. „Timoschenko ist nicht besser als andere Politiker“, klagen viele Ukrainer. Sie können nicht verstehen, warum sich der Westen ausgerechnet für die kleine Frau mit dem langen, wie zu einem Heiligenschein drapierten Zopf interessiert.

Die einfachste Erklärung lautet: Die meisten Westeuropäer wissen nur wenig über die Ukraine. Für sie ist Julia Timoschenko wohl noch immer eine Ikone der orangenen Revolution – und die sehen sie nun durch Präsident Janukowitsch an Leib und Leben bedroht. Die zurzeit wohl berühmteste Gefängnisinsassin der Welt ist für den ukrainischen Präsidenten zum größten Problem seiner Amtszeit geworden. Während die kranke Timoschenko in ihrer Zelle im Frauengefängnis Nr.?54 von Charkow als Märtyrerin im Westen Sympathien weckt, wirkt ihr Widersacher wie ein eiskalter Tyrann.

Lesen Sie weiter über die "Gasprinzessin" der Ukraine...

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  • Antworten
Marylou Bekk07.06.2012 | 17:32 Uhr

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