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 > Deutschland setzt auf Abschottung

Weltbühne
Schengen-Abkommen

Deutschland setzt auf Abschottung

von 
Petra Sorge
22. September 2011
picture alliance
Auffanglager, Griechenland, Evros, Türkei, Flüchtlinge, EU, Grenzkontrollen
Der Sohn eines illegalen Einwanderers in einem griechischen Auffanglager nahe des griechisch-türkischen Grenzflusses Evros.

Deutschland versperrt sich einer dringend nötigen Reform der europäischen Grenz- und Flüchtlingspolitik. Bei der Aufnahme von Flüchtlingen aus Südosteuropa zeigt es sich restriktiv. Innenminister Hans-Peter Friedrich sieht den deutschen Umgang mit Asylbewerbern dennoch als "vorbildlich".

Seite 1 von 2

Der 14-jährige Afghane sitzt schon seit 43 Tagen in seiner Zelle. „Die Toilette ist kaputt“, erzählt er, „und das Abwasser läuft aus.“ Im Auffanglager Filakio im Nordosten Griechenlands, zwölf Kilometer von der türkischen Grenze entfernt, werden Flüchtlinge, auch unbegleitete Minderjährige, wochenlang festgehalten. Das Trinkwasser ist verschmutzt, die Zellen sind überfüllt, manche Gefangene müssen sich sogar ein Bett zu zweit teilen.

In einem neuen Bericht, in dem dieser Fall dokumentiert ist, weist die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) auf die „unmenschliche und erniedrigende Behandlung“ von Asylbewerbern in Griechenland hin. Die hellenischen Behörden sind nicht nur mit ihrer Staatspleite, sondern auch mit den Flüchtlingsströmen völlig überfordert: Allein im vergangenen Jahr kamen 27.000 Illegale über den Grenzfluss Evros bei Filakio. Infolge der Revolutionen in der arabischen Welt könnte die Zahl in diesem Jahr noch weiter ansteigen – und das, obwohl die Behörden im Frühjahr einen Sperrzaun errichtet haben. Auch in den anderen Mittelmeeranrainern ist die Situation der Flüchtlinge verheerend. Auf der Mittelmeerinsel Lampedusa vor Italien warten noch immer Tausende Nordafrikaner auf eine Aufnahme in Europa.

Nach dem Willen der Europäischen Union soll Griechenland und allen anderen EU-Staaten die Verantwortung über die Grenzen künftig entzogen werden. Der Entwurf der EU-Innenkommissarin Cecilia Malmström, der mit einem Bericht der Frankfurter Allgemeinen Zeitung als erstes an die Presse durchsickerte, sieht vor, dass die Schengen-Staaten keine eigenständigen Grenzkontrollen mehr durchführen sollen. Stattdessen soll die Entscheidungsgewalt über die EU-Außengrenzen in Brüssel liegen. Nur in zwei Ausnahmefällen sollten Nationalstaaten dann noch an ihren Grenzen patrouillieren dürfen: bei vorhersehbaren Großereignissen wie etwa Fußballspielen oder bei unvorhersehbaren Anschlägen, Epidemien oder Naturkatastrophen.

Hintergrund sind nicht nur die Zustände in Griechenland, sondern auch die Grenzkontrollen in Dänemark, die die Mitte-Rechts-Regierung unter Ministerpräsident Lars Løkke Rasmussen errichtet und damit EU-weite Empörung ausgelöst hatte. Zudem war es zum Streit zwischen Italien und Frankreich gekommen, weil die italienische Regierung Flüchtlingen aus Nordafrika eine Weiterreise ins Nachbarland erlaubt hatte.

Der Vorschlag der Kommission könnte jedoch zu einem handfesten Streit mit den Mitgliedsländern eskalieren. Deutschland, Frankreich und Spanien hatten bereits im Vorfeld signalisiert, dass sie keinem Eingriff in das nationale Selbstbestimmungsrecht zustimmen werden. Dabei gab es innerhalb der Bundesregierung durchaus Sympathien für den Vorschlag. So bezeichnete der Staatsminister im Auswärtigen Amt, Werner Hoyer (FDP), den Plan als guten Weg, „wie wir den Vertrag von Schengen schützen und stärken können“.

Doch der CSU-Innenminister Hans-Peter Friedrich beendete die Diskussion vor dem Europaausschuss im Bundestag am Mittwoch. Der Plan sei „nicht akzeptabel“ und eine Einmischung in nationales Recht. „Ich denke, dass die Kommission erst einmal die Kompetenzen nutzen müsste, die sie jetzt zur Verfügung hat und nicht gleich wieder nach neuen Kompetenzen rufen sollte“, sagte Friedrich. Zudem habe er von der Kommission noch keine Reaktion auf die Zustände in Griechenland gehört. Damit wird der Malmström-Vorschlag auf der Sitzung des EU-Ministerrats für Justiz und Inneres am Donnerstag und Freitag wohl abgelehnt werden.

Lesen Sie auch, wie Friedrich falsche Zahlen schönredet.

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Deutschland setzt auf Abschottung

Die moralische Zwickmühle ist eröffnet. Nichts tun bzw. zu wenig tun, das ist unmoralisch. Mehr Flüchtlinge aufnehmen bzw. die Zuwanderungsbedingugen erleichtern erhöht das Einkommen der Schleuserbanden und hilft trotzdem den noch Ärmeren, den "wirklich" Armen, kaum. Jede Regelung ist willkürlich. Und wenn es sich herum-
spricht, dass man leichter nach Deutschland kommen kann, dann werden
noch mehr kommen. Eine Milliarde Menschen haben kein sauberes Trinkwasser und nicht mehr als einen EURO pro Tag. Diesen Menschen einen zweiten EURO pro Tag zu geben, das wären ca.360 Milliarden EURO pro Jahr.
Es ist unangenehm und peinlich über hungernde Menschen und deren Schicksal zu diskutieren, aber man sollte auch zugeben, dass jede
Lösung, jede Erleichterung irgendwie willkürlich ist, und dass es
keine befriedigende Lösung gibt.
Wenn alle deutschen Frauen sich wie 'Mutter Theresa' verhalten - die
ja sehr zu bewundern ist - dann wird es keine deutschen Kinder mehr geben und dann werden die Deutschen in 30 Jahren auch niemandem mehr helfen können.. Also?
Nichts tun ist unmoralisch. Allen helfen ist das gemeinsame Ende.

  • Antworten
Wolfram Wiesel22.09.2011 | 16:28 Uhr

Nachdem in Deutschland und

Nachdem in Deutschland und Europa schon so vieles privatisiert worden ist,z.B. Stromnetze,Bahn,Wasserversorgung,Müllentsorgung etc.,wie wäre es denn mit einer Privatisierung der "Flüchtlingsproblematik"?
Jeder der meint,in Deutschland das Elend auf der Welt aus der Welt schaffen zu können,darf dies versuchen und "Flüchlinge" bei sich zu Hause aufnehmen,verköstigen,Arztrechnungen bezahlen,kleiden,Anwalt bezahlen usw.
Die Welt retten mit anderer Leute Geld ist ja so bequem und gibt so ein tolles Gefühl der eigenen Gutheit.Aber wenns ans eigene Portemonnaie (ganz zu schweigen vom Zusammenleben) geht......schau mer mal.....

  • Antworten
Freidenker22.09.2011 | 23:50 Uhr

Schengen-Abkommen

Es ist ja bekannt, dass viele (nicht alle) Flüchtlinge mit völlig falschen Vorstellungen nach Europa kommen wollen. Sie denken, hier werden sie gleich gute Wohn-, Arbeits- und Sozialmöglichkeiten bekommen.
Sie kennen ja meistens nur das durch Werbung und Schleuser verzerrte Bild des an sich ungeliebten "Westens", das mühelosen Reichtum für jeden vorgaukelt. Es gibt ja schon Proteste in Flüchtlingslagern.
In unseren Städten mit Wohnungsnot, maroder Infrastruktur, instabilen Arbeits- und Sozialverhältnissen kann es für Menschen ohne Sprach- und Kulturkenntnisse der gewünschten Aufnahmeländer keine Perspektiven geben. Wir hier wären bei diesen Massen in jeder Hinsicht völlig überfordert. Es gäbe erhebliche Spannungen, die sich ja jetzt schon abzeichnen. Viele derjenigen, die für eine Aufnahme größerer Flüchtlingsmengen sind, protestieren sofort, wenn in ihrer Wohngegend entsprechende Unterkünfte errichtet werden sollen oder wenn in den Schulklassen ihrer Kinder viele Migranten sind.
Die EU muß sich endlich gemeinsam mit diesem Thema befassen und vernünftige Strategien entwickeln, die von allen Bürgern mitgetragen werden können.

  • Antworten
Silvie23.09.2011 | 16:38 Uhr

Wie wäre es dann mal mit mehr Demokratie?

Lasst doch einfach die Wahlberechtigten über eine Änderung des Asylverfahrens abstimmen. Ist doch seltsam, das ausgerechnet die Leute, die sich sonst immer als Basis- und Musterdemokraten ausgeben und über jedes Kraftwerk einen Vilksentschaid herbeiführen wollen auf einmal irgendwelche demokratisch nichtlegitimierten Gremien der europäischen Ebene nutzen um ihre politischen Ziele auf die Tagesordnung zu setzen. Viel Spaß beim Unterschriften sammeln.

  • Antworten
Christoph Kuhlmann24.09.2011 | 11:50 Uhr

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