Das 21. Jahrhundert wird eine maritime Epoche. Aufstrebende Staaten konkurrieren mit der Supermacht USA um Seewege und Bodenschätze auf dem Meeresboden
Die Kriegsschiffe, die am Royal Victoria Dock in London auf der Themse schaukeln, locken Messebesucher aus aller Welt an. Schwitzende Offiziere in bunten Uniformen, Männer in dreiteiligen Anzügen mit Aktenordnern und Diplomaten von der arabischen Halbinsel in weißen Gewändern drängen sich auf die Fregatten und Korvetten. In der britischen Hauptstadt hat Mitte September die Defence & Security Equipment International (DSEi), die größte Rüstungsmesse der Welt, ihre Tore geöffnet.
Neben Drohnen, unbemannten Flugzeugen, sind Kriegsschiffe eines der wichtigsten Themen der Waffenschau. Die Messezeitung DSEi Daily berichtet am zweiten Tag auf der Titelseite, dass Großbritannien nach Partnern für eine Fregatte der nächsten Generation suchen. Brasilien habe Interesse bekundet, ebenfalls Indien, die Türkei, Australien und Neuseeland. Ab 2020 sollen die ersten Fregatten vom Typ 26 in Dienst gestellt werden. Das Programm wird Milliarden kosten und zwingt die Briten wegen der Kosten zu Kooperationen. Im maritimen Bereich kratzen selbst die von der weltweiten Finanzkrise gebeutelten Staaten ihr Geld zusammen um aufzurüsten. Die Ozeane gewinnen für Politiker und Militärs stark an Bedeutung.
Das 20. Jahrhundert war das Jahrhundert des Erdöls. Um den Rohstoff, der die Industrienationen am Laufen hält, wurden Kriege geführt, politische Morde begangen, diplomatische Krisen in Kauf genommen. Das 21. Jahrhundert werde ein maritimes Jahrhundert sein, prophezeiten Experten zum Millenniumswechsel – und sie scheinen Recht zu behalten.
Der Wettstreit um die Meere wird immer härter, dafür gibt es mehrere Gründe: Das Eis der Arktis schmilzt zunehmend und in den nächsten Jahrzehnten werden neue Schifffahrtsrouten durch die Arktis entstehen. Bereits heute sind wichtige Passagen zeitweise eisfrei. Neue Fördertechnik ermöglicht zudem, Rohstoffe vom Meeresboden zu holen. Der steigende Ölpreis lässt auch das Bohren in großen Tiefen lukrativ werden – trotz aller Gefahren für die Umwelt sollen weitere Ölplattformen entstehen. Mit Offset-Windanlagen vor den Küsten wollen künftig zahlreiche Staaten einen Teil ihrer Stromversorgung sichern. Durch die fortschreitende Globalisierung wird die Verzahnung der Weltwirtschaft immer enger und der Transport immer wichtiger.
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